Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1904)
- Date
- 1904-02-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 74. JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 8. mchrerwähnte Gesetz vor! 1870 und dessen Anwendung auf die ( Juden, denselben ebenfalls das Recht eingeräumt ist, ans der , anerkannten Gemeinde auszutreten und nach Befinden eine , eigene Religionsgcsellschaft, mit freilich minderen. Rechten, zu bilden. j Durch die Verordnung vom 1. Dezember 1870 waren bc- , reits d»** sämtlichen im Königreich Sachsen sich aufhaltcndcn ( •Juden den beiden Rcligionsgemcindcn zu Dresden und Leipzig j zugetcilt, solange nicht an den p. Orten jüdische Gemeinden , mit Genehmigung der Regierung sich gebildet hätten. Durch den vorgescWagenen § 2 soll nun auch dafür Vorsorge getroffen werden, dass die sämtlichen Juden des Landes '.einer Religionsgemeindc angeboren, deren Abgrenzung sich 1 das Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts vor-! behält, und zwar soll nach Absatz 3 in Anlehnung an die Ge- , setze für die politischen Gemeinden die Mitgliedschaft bei einer ,Gemeinde von selbst und ohne eigene Willenscntschliessung j der Beteiligten erworben werden durch Wohnsitz, wesent- ־ liehen Aufenthalt. Besitz eines Grundstückes oder Betrieb eines selbständigen Gewerbes. Da das ganze Land in solche j Gemeinden aufgetedt werden soll, und die Gemeinden den ' Charakter öffentlich rechtlicher Kornorationcn habe:» sollen.! so wird r n Zukunft die Bildung privatrecht - ן lic her Vereine, wie sie nach der Begründung in Annaberg, Bautzen. Zitt3u vorgenommen worden ist. 11 i c h t tu c 11 r; ,stattfinde 11 können. \ Von dem Vorstände der Lcipz.'!?cr Gemeinde ist j empfohlen worden, nach Vorgang der Leipziger Gemeind•:- j ordnuiu' die Mitgliedschaft i1׳ der Gemeinde lediglich an d* 11 j Wohnsitz. dre Steuerpflicht aber ausserdem noch an den Besitz! eines Grundstückes oder den Betrieb eines selbständigen Gej wertes innerha'b des Gemeinde! ezirks zu knüpfen und dabei i zur• Vermeidung der Doppelbesteuerung die Ausnahme hinzuzufü״en. dass, wer in einer sächsischen jüdischen PeÜg'onsgeniclnde auf Grund des Wohnsitzes zur Gemeindesteuer Steuerpflichtig ist. »:! einer anderen sächsischen Gemeinde auf Grund Gewerbebetriebs oder Grundbesitzes nicht zur Steuer herangezogen weiden kann. Der Vei Unter der sächsischen Regierung Inelt es jedoch für untimlich. eine Unterscheidung 7.wischen Mit״!i:dscln!t 1r»d Steuerpflicht in dem gewünschten Sinne zu machen, da es nicht billig sei. denen, welche durch ihre Steuern zur Erhaltung der religiösen Anstalten und Einrichtungen beitrage». d^e יי rechtigimg zu deren Mitgenuss zu versagen. Eine n!-d*>v. b’r'gc sei es. inwiewcU man gewisse Mitgliedsreebte. z. B. Teilnahme an den Versammlungen. Wahlrechte. Wählbarkeit für die Leitung der Gemeinde und dergleichen ven gewesen besonderen Voraussetzungen abhängig machen wolle; dies zu regeln, sei alter Aufgabe des Statuts. Die Deputation musste diesen Ausführungen beipflichtcn. j SchFesslich b~»״tnvt die Deputation, den gesamten Gesetz- , entwurf nach der Vorlage anzunehinen. I Die Polen bedürfen bekanntlich rieht des Antisemitismus So. besteht in Warschau eine Medizinische Gesellschaft für polnische Acrzte. die schon seit vielen Dezennien existiert und zirka 300 Mitglieder hat. Aufgenommen werden nur solche Acrzte. die mindestens eine Arbeit aus dem Gebiete der medl* zwischen Wissenschaften vorlegen können. Die Sitzungen werden meistens vor leeren Sälen abgchalten, nur In der Januar- Satzung, wo das Ballotement der neuen Kandidaten stattfindet, stellen sich beinahe alle Mitglieder ein,, und es wird eine wütende Agitation betrieben, da schon seit Jahren ein Kieuzzug gegen die jüdischen Kolleg״:: geführt wird, um sie nicht in die Gesellschaft hineinzu’asscn. In diesem Jahre wurde keiner der stehen Kandidaten aufgenommen, obwohl sie! allen Anfrrderungen entsprechen. Von christlichen Mitgliedern der Ge- Seilschaft vorgcschlagcn wurden einige Kandidaten, die alle Bedingungei! erfüllen. Es konnte ihnen kein persönlicher oder moralischer Vorwurf gemacht werden. Sie fielen aber alle durch, mir weil sic Juden sind, während von den neu aufgenemmeneu katholischen Aerz.ten einige nicht einmal eine wissenschaftliche Arbeit aufweisen konnten: ia sogar ein Kandiual der vom Präsidenten der Gesellschaft empfohlen wurde, fiel durch, was der Herr Präsident sich nicht zu Herzen gcnommen hat. Und doch sind die fünfzig Jüdischen Acrzte, die der Gesellschaft angehören, gerade die tüchtigsten und eifrigsten Mitglieder. Diese jungen Aerzte sind nun durch solche Vorgänge gezwungen, eine eigene medizinische Gesellschaft zu gründen. Das To'lste an der ganzen Geschichte ist aber, dass diese zurückgewiesenen Juden .,Pole:! mosaische! Konfession“ sind, u. 1t. die Assimilation und Selbstverleugnung viel weiter treiben als irgend welche westeuropäischen« Assinvilationsjudui. Freilich ist es auch bezeichnend genug, dass die selbst verfolgten Finnländer und Polen ihrerseits wenigstens die Juden nicht minder drücken, als auf sie selbst gedrückt wird. Gedicht: .,Stufenleiter“. tfcK■ Sit Golusblüten. Kirchen-Orgel mit 4 Registern, zum Gebrauche für eine kleine Kirche sehr geeignet, wird sehr preiswert abgegeben. Per Vorstand der Sjnagosen-Gcmeiude * Dortmund. Ad. Elias. י־׳ ■ 111 p 32 Vielleicht wäre das etwas für die ,.R y k c s t r a s s e“? Da cs mir eine kleine Orgel ist. wird sie bei unsern ״Kons.Tvztivcn*• auch nur kleinen Widerstand finden. Schade, dass der Beschluss schon gefasst ist! — so sehr auch der Einfluss dieses Schrifttums und dieser Kunst dazu beigetragen hat. das Reich der Schönheit zu den Völkern auszubreiten, von deren jugendlicher Kraft einst der antike Staat gebrochen worden, so sehr auch Schönheitsgeist und Wissenschaft der Griechen gcpflegt und vor allem anerkannt werden: das verachtete und geschmähte, nusskannte Judentum hat mit seinen biblischen Büchern mehr zur Gestaltung und Umgestaltung der Herzen und Geister beigetragen, als alle hellenische!! Kulturcrzcngnisse zusammen je vermögen. (Schluss folg!.) Litteraturbericht. Schlemlel. Illustriertes jüdisches Witzblatt, hrsg. von Dr. Max 'Jungmann, Berlin. Jahrg. II, No. 2 (Februar 190-1). Wir haben es dem ״Schlemicl“ nicht zugetraut, dass er sich so, wie es der Fall ist, von Nummer zu Nummer bessern würde. Dennoch müssen wir es unumwunden zugebeu und feststellen, dass die neue Nummer eine Musterleisking ist. M w a p m a Jumbo, der jüdische Deutschneger, und sein hochdeutscher Gesinnungsgenosse Osiridor haben ihre schon uns so vertraute!! Federn tief in die Tinte getaucht, um ihre satirischen Ergüsse über Freund und Fejnd ergehen zu lassen. Osiridor ist sogar poetisch geworden und man muss ' sagen, dass mehr GeisH und Poesie in seinen Versen steckt als in den Gedichten gewisser Journale für jüdische Kunst. Der p< litisclie Wochcnschaute hat in ebenso humorvoller, witziger wie trefiender Weise die Charkower Konferenz verspottet, die i1׳ der Sache manchen Treffer machte und dafür eine Form fand, die im Deutschen ״das Kind mit d:m Bade ausschiitten" genannt wird. Japan und Russland auf der grossen Wcltbiihnc sowie die Moutagsvorlcsimgen von der Bühne der Gesellschaft der Freunde werden in gleich geistvoller Weise beleuchtet. Der ,ilustrative Teil ist ebenfalls glänzend gelungen. Die porträtähnliche Darstellung Nordaus in der Kleidung eines polnischen Rebbe ebenso wie die grossen politischen Bilder sind ausgczeichnet, von geradezu packender Wirkung aber die Chowewc Z'on, die unbewusst die Zionisten ansgebrütet haben und sich a.1 dem politischen Ententeich des Zionismus ängstlich auf und ab laufen. Kurzum, die Nummer wird niemand unbefriedigt aus der Hand legen, und wer sich selbst einen Gefallen erweisen will, abonniere den Schlcinicl. Ma’arabt. Von .,Altneuland“, Monatsschrift für die wlrtschaft (ich e E r f o r s c hu 11 g Palästinas“ ist soeben das zweite Heft erschienen, das . das erste an Reichhaltigkeit noch weit übertrifft. Aus dem Inhalt heben wir heute nur hervor: Dr. Franz Oppenh e i 111 c r : Harmonische uiul Disharmonische Gcjnossenschaften. Prof. Dr. O. War bürg: Nichtjüdische Ko- Ionisation in Palästina. Dr. Max Jungmann: Der Kampf gegen die Malaria. . .. .. . וווןוייי#%.