Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1904)
- Date
- 1904-02-19
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 76. No. a JÜDISCHE RUNDSCHAU. dass Israel — aller menschlichen Verfolgung zum Trotze — nicht untergehen; sondern dereinst geläutert durch eine» prüfungsvolle Wanderschaft der grossen VölkcrfamiUc mit Ehren aufgenommen, und vou allen geliebt ein wahrhaft glückliebes Leben führen würde. Denn so heisst es in der heüigea Schrift: .,So du zurückkehrest zu dem Ewigen deine.» Gotte und seiner Stimme gehorchst, ganz so, wie ich dir heute gebiete, da und deine Kinder, mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele: so wird der Ewige dein Gott zurückführen deine Gefangenschaft, und sich dein erbarmen, und dich wieder sammeln aus all den Völkern, wohin der Ewige dein Gott dich zerstreut hat; wenn deine Verstossencn sein w'crdrn am Ende des Himmels, so wird der Ewige dein Gott von dort dich sammeln, von dort dich holen, und der Ewige deM Gott wind dich bringen in das Land, das de'ne Väter besessen und er wird dir wohltua und dich zahlreicher machen, als deine Väter. Aber es wird auch der Ewige deinGott beschneiden dein Herz und das Herz deiner Nachkommen, damit du den Ewigen deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen und deiner ganze Seele, auf dass du glücklich lebst“ — Am letzten Verse dieser Mosalschcn Schriitstelle wairde sodann die weitere Betrachtung über die re'ngrt'st'ge Idee des Messiasglaubens, wie solcher zur allgemeinen Humanität führt etc. passend ängereiht.“ — Aus der Ostmark. Skizzen von Dr. Prltx äkvW«onac**j VI. ״Berliner Zeitung“ So. 55 vom 5. 2 19X .In den letzten Jahrzehnten hat sich d:csc Entwichelung Immer mehr zugespitzt. Die Verkchrserlcichtcrungen haben es dahin gebracht, dass der Grossgrundbesitz alle seine Bedürfnisse aus der Grossstadt bezieht. Nun ist cs leicht daraus den Schluss auf den deutschen Mittelstand in diesen Zwerg- Städten zu ziehen. Es sind genau so vieic deutsche Gewerbetreibende und Handwerker da, wie die Ackerbürger des Stadtchens zur Not ernähren können. Von den Hintersassen der Grossgrundbesitzer haben sie nichts zu erwarten; denn die sind von der polnischen Propaganda so einexcrzlert. dass sie bei Deutschen nichts, aber auch absolut nichts kaufen. Umgekehrt — das habe ich schon einmal gesagt — gehen die Deutschen ohne Rücksicht auf den von polnischer Seite mit einer bewundernswerten Konsequenz durchgeführten Boykott noch immer bei den Polen kaufen. Wie sie sagen, wcrdeni sic dort, selbst beim geringsten Kauf, zuvorkommender und reeller bedirnt. Es fällt mir schwer, dies Urteil der Oeifentlfchkcit zu übergeben; aber es ist mir so oft und so eindringlich entgegengetreten, dass ich es ohne die übliche Verwahrung, es könne sich nur um Ausnahmen handeln, wiedergeben muss. Ich füge ausdrückllch hinzu, dass die Juden stets von diesem Vorwurf ausgenommen wurden. Und ohge ledc Schlussfolgerung stelle ich die Tatsache fest, dass'die deutschen Namen auf den Firmenschildern der kleinen posenschen Städte zur allergrössten Zahl den jüdischen Inhaber erkennen Hessen. Und ich meine, das ist weht schwer zu erklären. Die Juden sind eben noch die einzigen, die der polnisehen Konkurrenz gewachsen sind. Sie konzentrieren ihre Erwerbstätigkeit nicht auf ein Fach: sie haben schon lanze vorher. ehe in den Grossstädten diese Entwickelung einsetzt'?. ..Warenhäuser“ In den kleinen posenschen Städtchen engerichtet, in denen man alles kaufen kann, ein seidenes Kcid ebenso gut wie eine Kattenschürzc. ein Porzellangeschirr ebenso gut wie .einen Hering oder ein Lot Pfeffer. Einen ״staru wodka“ nicht zu vergessen 1 Und w eil diese geschäft'icheRegsamkcit der Juden, die sich mit verschwindenden Ausnahmen als Deutsche fühlen und betätigen, den Polen so unbequem ist, deshalb ist unter diesen letzt ein Judenhass aufgebrannt, wie Ich ihn nicht für möglich gehalten hätte... “ •/ Frlu Skowronnek ist ein evangelischer, germanivi>'rter .Mjsure. I Kleine Chronik. f Die Hamburger Gesellschaft zur Verteilung von Feuerung an teraelUtsche Arme (gestiftet 1783) hielt eine Versammlung ab. Dem Vorstandsbericht ist zu entnehmen, dass die Gesell- Schaft im Winter 1901/02 675 Famll en mit 30S9 Doppcl-Hcktollter Steinkohlen im Betrage von 9267 Mk. unterstützt hat wähnend Im letzten Winter nur 2209 Doppel-Hektoliter im Werte von 6787 Mk. an 576 bedürftige Familien verteilt werden konnten. Der Vorsitzende hob hervor, dass ein grosser Teil der an ihn gerichteten Hilfsgesuche zurückgewiesen werden musste. Der Vorstand hat deshalb beschlossen, sich durch ein Zirkular an seine Mitbürger zu wenden, mit der Bitte, ihn in seinem Bestreben, den Minder begüterten während der Winterszeit eine warme Stube zu verschaffen, durch Zuwendung von Geldbeträgen zu unterstützen. Jüdische Statistik. Montag, den 22. d. Mts. findet um 8Vi Uhr abends im ״Mönchshof*, Charlottenstrasse 65. ein vom ״Verein für jüdische Statistik“ veranstalteter Vortrag des Herrn» Dr. Julius Mcses über. «Die K in ־ dersterblichkeit bei den Juden“ statt. AUe tätigen und unterstützenden Mitglieder des Vereines, sow e alle Freunde der jüdischen Statistik sind hiermit höüichst eingeladen. Ein soezielles Interesse hat der Vortrag auch für jüdische Mütter, da Dr. Moses die Ursachen der Kinders t e r bl i ch k e i t beleuchtet.־ Israelitischer Mädchenklub in Frankfurt a. M. Das erste Vierteljahr des Müdchrnkluhs war sehr erfolgreich. Der Klub verfolgt den Zweck, jüdischen Mädchen, die im Berufe stehen, eine Stätte zu.bereiten, an der sic nach vollbrachtem Tagewerk am Abend und an freien Nachmittagen Erholtmz und Auregun:׳ finden. Der Besuch war sehr rege. Die Kurse erstrecken sich auf praktische Arbeiten und theoretische Fächer. Eine reiche Bibliothek und Tageszeitungen stehen zur Vcriügung. Eine Vcrgniigungskomn ission sorgt ein- oder zweimal im Monat für einen Unterhaltungsabeiid. in dem lehrreiche und musikalische Vorträge mit Aufführungen abwechseln. Die Klubrä»me befinden sch in dem ehemaligen Rothschildschcn Geschäftshaus. Fahrgasse Nr. H6. Karlsruhe. Hier wurde ein jüdisch-akademischer Verein ״Makkabäa“ mit Genehmigung von Rektor und Senat der Techn. Hochschule gegründet. Gewählt wurden: B. Kogan. zum ersten. J. Walfisch, zum zweiten Vorsitzenden, M. S c h m u c I o w i 17. zum Schriftführer. N. G r ü n s t e i 1t zum Kassierer und K. F a 1 k zum Bibliothekar. Der Verein eröffnet am 15. d. M. eine jüdische Lesehalle, die sich Schlossplatz 3 befindet und den ganzen Tag zugänglich ist. Dli Tübingen St.dertenschait hat am Sonntag in einer Vertrctervcrsammlung sämtlicher Satisfaktion gebenden Korcoratiopcn den Beschluss gefasst, keinem Angehörigen einer jüdischen Verbindung mehr Satisfaktion zu geben. Da die Zahl der Juden aut hiesiger Hochschule in letzter Zelt bedeutend zugenommen hat. sedass man dem Entstehen e:ner jüdischen Verbindung hior entgegensehen konnte, war schon vor einiger Zeit eine Bitte an das Ur.iversiiätsamt gerichtet worden, eine solche Korporation nicht zu genehmigen. Das Universitätsamt hatte sich aber dahin ausgesprochen, der etwaigen Gründung einer jüdischen Verbindung nichts in den Weg zu legen. Die ״V e reine Jüdischer S tudente n“ im B. J. C. sollten sich das nicht zweimal gesagt sein lassem — Der zweite Internationale Kongress für allgemeine Reilgionsgeschichte, der in Basel vom 30. August bis 2. September dieses Jahres statttinden wird, soll, wie der ״A. Z.“ mitgeteilt wird, wie seine Vorgänger in Paris 1900 und Stockholm 1897 durchaus wissenschaftlichen Charakter tragen und der rein historischen Erforschung der Religion dienen; alle konfessio- N nelle Polemik soll grundsätz'ich unterlassen bleiben. Es sind vorläufig folgende Sektionen vorgeschlagen: 1. Religionen der sogen. ..Naturvölker“ mit Einschluss der Peruaner und Mexihrner. 2. Refigionen der Chir«sen und Japaner. 3. Religionen der Aegypter. -I. Religionen der Semiten, 5. Religionen Indiens und Irans, 6. Religionen der Griechen und Römer. 7. Religionen der Germanen, 6.*r Kelten und der Slaven. 8. Christl'che Religion. Der Mitgliederbeitrag ist auf 20 Fr. festgesetzt; Anmeldüngen zur Teilnahme am Kongress sow נוי zum Halten von Vorträ״en nimmt schon jetzt Herr Prof. Alfred Bertholet (Leonhardstr. E entgegen. 0 Eine englische Israels-Stiftung. Joseph Israels hat zu seinem 80. Geburtstag von 33 320 Mk. von seinen Bewunderern in England für die Gründung einer Israels-Stiftung zur Unterstützun״ vermögensloser junger Künstler erhalten. Für die Speisung jüdischer Schulkinder In Rumänien hat die Alliance Israöiite Universelle 20 000 Franken und ferner c'ue Summe von *1000 Franken zur Lieferung von Brennmaterialien an diejenigen Famlliria rusgesetzt. weiche von den Ereignissen der letzten Jahre besonders mitgenommen sind. Eine neue Eisenbahnverbindung für Jerusalem steht bevor. Im Herbst 1902 ist de Station Rayftk der Beirüt—Damaskus- Bahn mit den Städten Hums und Hatna, den Mittelpunkten der getreidereichen Oroutcsefccne, durch eine 188 km lang« Eisenbahn verbunden worden. Sie soll später nach Norden bis A'eppo. nach Süden über Raschöja, Hashfja. Nazareth und Nfbulus bis Jerusalem verlängert werden. Der Bau dieser Bahn wurde 1901 in Angriff genommen und so schnell ausgeführt, dass die ganze Strecke Rayftk—Hama im Oktober 1902 dem Betriebe übergeben werden konnte. Sie soll später an che