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Jüdische Rundschau · 1904-02-19 · Heft 8 (19.2.1904) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 8 (19.2.1904)
Date
1904-02-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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״>% ״SsTg/S I י— ■ O. # No. 8. JÜUlSCHE RUNDSCHAU. ק ־5< Seite 73. 11. Oteldrinskl eine aus zirka 120 Nummern bestehende Sammlang alter kunstvoller Jüdischer Kultusgegenstttnde geschenkt und daran die Bedingung geknüpft, dass sie der Öffentlichkeit nicht entzogen *^werden darf, auch soll' kein Eintrittsgeld erhebdi werden.’*’ Die Samm'ung wurde von Herrn Gieldzinski m einem Zeitraum von dreissig Jahren, zusdmmengetragen und Ist die vierte, die besteht; die anderen sind ln dem Besitze des Kenslngton-Museums in London, des Müsöe Cluny in Paris, des Museums ־in^ Frankfurt a. M.; ausserdem ist noch eine Sammlung Mathias Berssan in Warschau vorhanden. — Es handelt sich um In Silber, Kupfer und Messing getriebene Gegenstände sowie um buntbemalte, auf Ptergatr.ent geschriebene Gebetbücher etc. Die Sammlung, von der nächstens ein Katalog erscheinen wird, soll im sogenannten Brautzimmer der Danziger Synagoge zur Ausstellung kommen und dürfte eine hervorragende Sehenswürdigkeit für Danzig und Umgegend bilden. Einer 'von den orthodoxen Bischöfen des Russischen Reiches hat sich,' dem ״Praw. Westn.“ zufolge, an den Hciligen Synod mit der Mitteilung gewandt, dass cs, seitdem das Ministerium der Volksaufklärung im Jahre 18S7 die Annahme jüdischer Kinder in die Mittelschulen auf 10 pCt. des Schülerbestandes der Anstalten beschränkt habe, häufig vorgekommen sei, dass Jüdische Eltern ihre Kinder zur Aufnähme in die orthodoxe Kirche anmelden, ohne selbst zum Christentum üfcerzutreten. Auf die Frage, wie man sich In solchen Fällen zu verhalten habe, hat der Synod entschieden, das solchen Kindern die Taufe nicht zu verweigern ist, wenn die Eltern schriftlich ihre Einwilligung dazu gegeben haben. Von den Religionslehrcrn der Kinder müsse aber darauf geachtet werden, dass sie in der Kenntnis der Wahrheiten des Christentums befestigt und vor dem Rückfall zum Judentum behütet würden. Auch hieran sieht mau wieder, wie sehr es sich in Ostasien um die Rettung christlicher Kultur vor den! Anstürme mongolischen Heldentums handelt. Russland ist eben ein christlicher Staat. Die Rechtsverhältnisse der Jüdischen Religions-Gemeinden In Sachsen. Zu dem von der Staatsregierung den Ständen vorgelegten Gesetzentwurf. die Jüdischen Religionsgemeinden betreffend, hat soeben die erste Deputation der Ersten Kammer Bericht erstattet Durch den vorgelegten Gesetzentwurf beabsichtigt die Staatsregierunor. für die Ordnung der Rechtsverhältnisse der in Sachsen vorhandenen oder in der Bildung begriffenen jüdisehen Religionsgemeinden und der im Lande wohnenden Gemeindemitglieder eine festere gesetzliche Grundlage zu schaffen. Das Bedürfnis dazu erblickt sie teils in der Beschaffenheit der jetzt ״cltcnden gesetzlichen Vorschriften, die von ihr a!s ausreichend und den dermaligen Zeitverhältnissen entsprechend nicht mehr angesehen w׳erden, teils in der tatsächlichen Entvickelung der Jüdischen Religionsgctneinden in Sachsen, fn letzterer Beziehung wird in der Begründung der Gesetzes- Vorlage angeführt, dass infolge der Wandlung der Verkehrs- und Nicderlassungsvcrhältnisse die Zahl der Juden auch ausserhalb der Stüdte Dresden und Leipzig, für welche durch das Gesetz vom 18. Mai 1837 d e Biklung von Jüdischen Religionsgemeinden gestattet worden w׳ar, beträchtlich gewachsen und eile 2e*־״mte jüdische Bevölkerung des Landes vom Jahre 1837 bis 1900 von 848 Seelen auf 12 416 gestiegen sei. Jüdische Gemeinden bestehen zur Zeit im ganzen sieben, ausser in Dresden und Leipzig noch in Chemnitz. Plauen, Bautzen, Annaberg und Zittau, und zwar sind die in Chemnitz und Plauen durch Genehmigung der Regierung in ähnlicher Weise organisiert worden, wie die zu Dresden und Leipzig. Die Deputation hatte anzuerkennen, dass sowohl die tatsächliche als die rechtliehe Entwickelung der Stellung der israelitischen Religionsgemeinden eine Fortbildung der gesetzlichen Grund’agen als Bedürfnis erscheinen lassen, und sie hatte sich demzufolge mit dem allgemeinen Gedaniten des vorgelegten Gesetzentwurfs einverstanden z.: erklären. Es soll hierbei nicht verschwiegen werden, dass von sehr beachtlicher Seite ausserhalb der Deputation das Bedenken ausgesprochen worden ist. ob der Staat das Recht habe, die unter den Juden vorhandenen verschiedenen Richtungen in eine einheitliche öffentlich-rechtliche Korporation hineinzuzwingen. Dieses Bedenken ist von Juden selbst nicht erhoben worden, und eine Eingabe des Vorstandes der Religionsgemein Je zu Leipzig sagt hierüber: ,.Die Bestimmung des Absatz I des § 2, wonach jeder israelitische Glaubensgenosse einer Religionsgemcinde anzugehören hat. schJicsst unseres Erachtens keinerlei Gewissenszwang in sich. Es gibt im Judentum keine verschiedenen Ciaubenspartcica oder Sekten, insbesondere unterscheiden sich die Orthodoxie und das sogenannte Reformjudentum nicht in der Glaubens- und Sittenlelire, sondern lediglich in bezug auf das Festhalten an rituellen Gebräuchen. Die süchs'schen jüdisehen Religionsgcmeinden gehören sämtlich der Reformrichtung an. obwohl z. B. in Leipzig sch auch orthodoxe Strömungen «eltend machen. Unsere Gemeinde hat denselben bereits dadurch Rechnung getragen, dass sie eine frühere Privatsynagoge als Synagoge für den orthodoxen Gottesdienst unter die Aufs’cht der Gemeinde gestellt hat. Da die wesentlichen Aufgaben der Gemeinden die für alle Glaubensgenossen gemeinsamen religiösen Angelegenheiten betreffen. 50 kann rächt d e Rede sein, dass durch den Zwang zur Mitgl'edschaft in irgend eine Gemcinschaft hincirgenötigt werden, der er nach seinen reügiösen Grundsätzen nicht angehören will oder kann.“ De Deputation hat deshalb geglaubt, über das erhobene Bedenken hinwcggehci» zu können umsomehr, als ja durch das I i י 1, V 't: 1 1 * ii I f -1 l Während aber das griechische Wesen nur durch sein Altertum einen so hervorragenden Anteil an der Geisteskultur genommen hat, beeinflusste der ursprünglieh asiatische Stamm der Juden die europäische Welt in' zwiefacher Gestalt, einmal durch seine uralte hebräische Kultur, dann aber durch seine modernen künstlerischen, dichterischen und wissenschaftlichen Grössen. Zu der Zeit, wo das jüdische Volk der Welt einen Spinoza schenkte, wusste man in Europa kaum etwas davon; dass an den Grenzen Asiens noch Nachk :tunen von Hellas' Söhnen existierten. Heute, wo den Griechen durch die ihnen glückbringende Zugehörigkeit zur christlichen Gemcinschaft ein Gebot Europas zu Teil geworden, das ihnen politische Selbständigkeit gegeben hat, sind doch die Griechen im Reiche des Geistes ein Nichts, während die Juden der staatlichen Freiheit entbehren müssen, aber ein mehr oder minder selbständiges Geistesleben führen. Das Griechentum ist schon seit mehr als ein und einem ״ halben Jahrtausend von der Schaubühne der Welt ab- . getreten, und führt trotz allem in der Jetztzeit nur noch ein ganz kümmerliches Dasein; dagegen arbeiten auf allen Gebieten der Kunst und Wissenschaft die Nachkommen des kleinen altscmitischen Stammes. Diese Leistungen sind so mannigfaltiger Art und auf so grundverschiedenen Gebieten, sind auch räumlich auf zu verschicdcne Länder verteilt, als dass man hieraus einen Rückschluss welcher Art auch immer auf die ursprüngliehe Veranlagung der Juden machen dürfte. Auch steht das heutige Judentum nicht weniger unter dem Einflüsse des Hellenismus, als die übrigen europäisch-zivilisierten Völker. Daher kann für unsere Betrachtung nur Jenes alte Judentum in Rechnung kommen, dessen hoch entwickeffes Kulturleben in Lapydarstyl in jener Litteratur niedcrgelegt ist, deren uns überkommene Reste wir unter dem ehrwürdigen Namen der Bibel zusammenzufassen gewohnt sind. Eine so lange Periode auch von dem ersten Aufblühen kulturellen Lebens bis zum Niedergange hebräischer Geistesblüte an dem Erstehen einer reichen Litteratur gearbeitet hat, haben doch die Katastrophen, die Israel getroffen, nur einen kleinen Teil dieses Schrifttums uns erhalten lassen. Aber der eine Band, in dem alle diese Bücher und Bücherreste vereinigt sind, er legt nicht nur Zeugnis ab von der gewaltigen geistigen Grösse seiner Urheber, er* gibt nicht nur Kunde von der ureigensten Geistesart Israels, er hat den Erdkreis überwunden und eilten schwachen Abglanz jüdischer Gc* danken selbst den erbittertsten Feinden Judas übermacht. Mehr, bedeutend mehr ist uns von der kürzeren Periode der Klassizität bei den Griechen erhalten. Aber 1׳ v• r-\ ..- ״ 4 ׳ י׳־* r I י■ 1» f * i. I ' f i

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