Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1904-02-19 · Heft 8 (19.2.1904) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 8 (19.2.1904)
Date
1904-02-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2651341-2651350--01067-2657899
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

No. 8.י Seite 72. : 1׳ 1 •י JÜDISCHE RUNDSCHAU. richtete systematische Broschüreiwcrtrieb hat bisher folgende xahlenmässige Resultate aufzuweisen. Es sind in den beiden Jahren vom I. Februar 1902 bis 31. Januar 1904 fo’genüe Werke verkauft worden: *י’ I. 18600 Broschüren, darunter: 1. Friedemann: Was will der Zionismus. 66uO Exempl. 2. Nor da u: Der Zionismus. 3000 Exemplare. 3. d’Avlgdor: Die־ Entwickelung der nationalen!Jec unter den Juden. 20w Exemplare. , 4. Herzt: Eröffnungsrede zum V. Kongress. 1500 Exempl. 5. Nobel: Gebete für Zion ־ eine Gotteslästerung? 10C0 Exemplare. II. 6 5 0 K 0 n g r c s s p r o 10 k o! I e. III. 1400 grössere Werke. daru1.׳ter Pinsker. Äutoemanzipation: HerzI, Judenst3at und Altneuland; Zlocisti, Vom Heilweg; Sapir, Der Zionismus; Sand- 1 e r, Anthropologie und Zionismus, und 700 Volksk a 1 e n d e r. Der eifrige und regelmässige Vertrieb dieser Broschüren dürfte einen grossen Anteil an den unleugbaren Fortschritten haben, die der Zionismus gerade seit dem V. Kongress in Deutschland gemacht hat. Wir bitten daher al'e Ortsgruppen, auf diesen Zweig der Propaganda auch in Zukunft die grösste Sorgfalt zu verwenden. Wien. Architekt Marmurck wird Ende dieses Monats eine Aeitationstournee durch Deutschland unternehmen und voraussichtlich in Breslau. Posen. Königsbersr,. Berlin und Leipzig sprechen. Andererseits hat Herr Dr. Klee-Berlin in Oesterreich Vorträge in T e p 1 i t z, Prag und in Wie n zugesagt. R. Berlin. In der V,J ü d i s c h - n a 110 n a 1 e n Frauen- Vereinigung“ sprach am 8. Februar in Dräsils Festsä in Herr Dr. Emil Cohn über das Thema ..Die po’Itische. wirtschaftliche und geistige Lage der galizischen Juden“. Redner wies an der Hand statistischer Zahlen nach, wie unendlich traun״ nach Jeder Richtung hin es uni die Juden in Gabziea bestellt sei. Nach dem Ausspruche eines berühmten National- Ockonomen kennen die Juden keine Besserung ihrer Lage erreichen״ weil sie einen Kampf scheuten, der ihnen nutzlos erscheint Mit Interesse waren die Zuhörer den Ausführungen des Vortragenden gefolgt; 'eine Diskussion fand nicht statt. A. Wongrowltz. Auf Veranlassung der Akademischen Gruppe der Berliner Zionistischen Vereinigung referierte am 14. d. M. im hiesigen Litteraturverein Dr. Doberzinsky über ״Die Lösung der Judenfrage“.־ Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die fast vollzählig erschienenen Genieindemitglieder der klaren, besonders die Grundlagen und die Endziels des Zionismus deutlich hervorhebenden Darstellung. Die sich darin I knüpfende lebhafte Diskussion gab unserem Redner er*־ wünschte Gelegenheit, in öfteren Ausführungen die sattsam bekannten Einwendungen unserer Gegner unter dem Beifall der Versammlung treffend zu widerlegen. Obwohl dies der erste zionistische Vortrag war, blieb der Erfolg nicht aus; es meldeten sich einige Herren zum Beitritt für die Posener Ortsgruppe. Tb. H. Stettin. An! 2. Februar er. sprach Dr. C. * t« 0 n - Berlin in einer von der hiesigen Zionistischen Versammlung cinb^rufcnen kleineren Versammlung, die aber dennoch von ca. 175Personen besucht war, über ״Die Lage des jüdischen Volkes in sozialer und politischer Beziehung“. Dr. C. wies zunächst »n knappen, treffewien Ausführungen aus der Geschichte nach, dass aas jüdische Volk noch lebe, dass das von den Gegnern oft genug totgesagte; weil tot gewünschte Volk noch existier• und schilderte sodann out Grund eines reichen Zahlenmaterials und unter Erwähnung der die Juden betreffenden drückenden Ausnahmegesetze die traurige Lage äcs ganzen jüdischen Volkes. insbesondere die; in Osteuropa wohnenden Volksgenossen. Zum Schlüsse wies der Redner darauf hin, dass, nachdem die bisherigen Versuche, die Lage des Volkes zu verbessern, ohne Erfolg ‘geblieben seien, der Ziomsmus allein im stände sei, die Judenfrage in einer allen Beteiligten befriedigenden Wese zu losen. In der Diskusson versuchte Herr Dr. Landsberg den Nachweis, dass das Judentum kein Volk, sondern chic י Rcli2:o״sgcn:cinschaft, und dass schon deshalb der Zionismus e:u *Unding sei. der ,.Einward der Utopie“ wurde natürlich nicht vergessen. Die Einwendungen wurde!» von Dr. C. in j seinem eingehenden, an treifenden Bemerkungen reichen i Schlussworte glänzend widerlegt. Wir sagen Herrn Dr. C. j noch an cieser Stelle für seinen *ttit.altvollen Vortrag besten t Dank. ($. Spenden iiir den Nationaüor.d.) 1 Hannover (N. F. 4.50 Mk. gesammelt). Sonntag, den 7. er. wurde von der Vereinigung Dorsche Schlom Zion Hannover, eine Lesehalle eröffnet. Eröffnungsrede vom Vorsitzenden Schnelling. Als Vertreter des Distriktskomitecs Hannover erschien Herr B. Neumann, auch Lehrer Rosenbaun! widmete warme Worte der Versammlung. Die Vereinigung hielt auch dar» eine Feier ab. welche bis 3 Uhr nachts dauerte. Mannheim. Im Aufträge des' .Marnheiiner Distriktsburcaus wird Dr. Ernst Kalmus, Ende Februar eine Agitatior.sreisc durch Süddcutschland machen; Ms jetzt sind mit Frankfurt, Freiburg und Würzfcurg Vortrüge vereinbart. I Rundschau. Für jüdische Kunst, hat man erst seit kurzem Interesse bekommen. Von um so grösserer Bedeutung ist es, dass sich Mäcc: c finden, die in diesem iSnne für jüdische Altertumskunde Opfer bringen. Der Danziger Synagogengemeinde hat Herr Es ist nun eine Bemerkung, die fast eben so oft übersehen wird, wie sie ihre Richtigkeit beweist, dass gerade das am Menschen das Allervergänglichste ist, was er selbst für sein Bestes und Herrlichstes zu halten gewohnt ist, nämlich das Individuelle. In ihm liegt eine lockende Gefahr, die leicht unterschätzt wird. Wenn wir so das einseitig Individuelle als schädlich zu rück weisen, müssen, so bleibt für uns kein Zweifel, dass der Einzelne nur dann eine grosse und dauernde Wirkung haben kann, /wenn seine Individualität ein integrierender Teil der Allgemeinheit, und seine Tätigkeit ein wesentlicher Teil der gemeinsamen Arbeit ist. Gilt dies von dem Einzelnen innerhalb seiner Familie und in der Gesamtmenschheit, so hat es dieselbe Bedeutung auch für den Mann in seinem Verhältnisse zu dem Volke, dem er angehört. Wer daher innerhalb seiner Nation wirksam arbeiten will, der muss .sein Augenmerk und seine Tätigkeit stets auf das lenken, was das Beste seines Volkes erheischt. Er kann dies nur dadurch erreichen, dass er die in seinem Volke wirklich schlummernden Gedanken sich selbst zum Bewusstsein bringt und im Einklänge mit der Zivilisation, .und modernen Bildung ausspricht. Besonders ist dies aber bei einem Volke nötig, dessen geistige Errungenschäften einen wesentlichen Teil dieser modernen Zivilisation selbst bilden. Kann man doch bei ihm am leichtesten erkennen, welche Grundgedanken es sind, die es geschaffen, wie sein Denkvermögen und sein Gemüt geartet sind, die seine Einwirkung auf die Entwicklung uer Oeisteskultur bedingt haben. — Zwei Völker sind es nun, auf deren Schultern die moderne Zivilisation ruht, die Hellenen und die Hebräer. In gleichem Masse, jedoch in verschiedener Weise sind sie die Väter modernen Geistes geworden. Wellen wir wissen, welche Grundgedanken und Empfindungen primär in unserem jüdischen Volke schlummern, so müssen wir untersuchen, was es in seiner Jugend Tagen spontan geschaffen hat. Aus einem Vergleiche mit dem Griechentume ist dabei festzustellen, was das Wesen von dem ist, womit der israelitische Stamm die moderne Zivilisation beschenkt hat. Aus einer solchen Vergleichung hellenischer Originalität und jüdischer Eigenart in der modernen Zivilisation werden wir die unserem Volke von Grunde aus innewohnenden Prinzipien des Geistes- und Gemütslebens am leichtesten fassbar machen: Unser Volk und auch unsere Person dürfte davon den Vorteil haben, dass wir am ehesten das Unberechtigt-Individuelle in uns verdrängen, um dann in der Allgemeinheit jüdischen Denkens vielleicht etwas Erspriessliclies zu schaffen. Es würde das bedeuten, der jüdischen Kulturgemeinschaft einen Spiegel ihrer Kultur zu zeigen. 'S

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.