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Jüdische Rundschau · 1904-02-12 · Heft 7 (12.2.1904) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 7 (12.2.1904)
Date
1904-02-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seile 66. .JÜDISCHE RUNDSCHAU. Nu. 7. Marmorosch, Blank u. Co., von Juden gegründet, und von .!Jerrn Maurice Blank, der .allerdings bereits ״rumänischer Bürger“ Ist. aui das glänzendste geleitet wird. Dass in der Moldau die grösseren und kleineren Bankhäuser fast ausschliesslich in den Händen der Juden sind, ist Tatsache. Dass der Diskont und Zinsensatz höher ist als itn Westen üblich, ist bei der grossen Schwierigkeit, Geld zu bc-schanen und dem grossen Risiko, selbstverständlich. Beträgt doch der Diskontsatz der Nationalbank 5—6 Prozent und jener der grossen Banken der Hauptstadt durchschnittlich 12. Jedenfalls bleibt aber der Zinssatz der jüdischen Batiken sehr weit hinter den Zinsen zurück, welche ״rechtgläubige“ Christen. Rumänen ui’d Griechen, in den Städten wie auch ganz besonders auf dem Lande, zu nehmen pflegen. Dieselbe betragen, wie ein unpartciischer Zeuge, Herr Ncnitzesku, cheniarger Direktor der ,Nationalfcank erklärt, zwischen 120 und 500 Prozent per Jahr. Schliesslich spielen die Juden auch in der Landwirtschaft keine geringe Rolle. Man hat gegen manche in letzter Ze't daraus sogar c'nen Vorwuri gemacht. Natürlich spielen die Juden diese Rolle nicht als landwirtschaftliche Arbeiter. Hier wie auch anderwärts hat man den Juden die Möglichkeit genommen, sielt dieser Arbeit zu widme׳:. \':cht Faulheit oder Unfähigkeit (»der Schwäche sind die Ursache davon, dass die Juden nicht Bauern geworden sind. Ihren Fleiss heben sogar die Gegner hervor; die Kraft dazu hätten sie gehabt, denn dir. landwirtschaftliche Arbeit ist nicht schwerer als die der Maurer, Schmiede. Schlosser und Steinarbeit;r, die besonders in der Moldau zum grösseren Teil von Juden ausgeubt wird. Aber das Verbot aut dem Lande zu wohnen, war und ist die Haupt- Ursache, •welche es der arbeitenden jüdischen Bevölkerung unmöglich gemacht hat, sich der Landwirtschaft ziizuweiiden. Dagegen ist die Stellung der Juden als Gutspächter, besonders in der Moldau, bemerkenswert. Sie bilden dort 35,56 pCt. der Gesamtzahl der Pächter und haben •15,57 pCt. des verpachteten Bodens in Pacht Es handelt sich dabei selbstverständlich um Qrosskapitalisten, die ein Geschäft nur mit Zustimmung der Gutsbesitzer, die ja bekanntlich nur Rumänen sein dürfen und die jene Klasse bilden, welche ־’•יז politische Macht in Rutnänien besitzt, abschlkssen können. Einige solcher Pächter werden beschuldigt in ihren Händen eine Menge grosser Güter vereinigt zu haben, b:s zu SO. Dies liegt aber in der Natur der Verhältnisse, in der bestehenden wirtschaftlichen Organisation Rumäniens. So lange nicht der Grossgrundbesitz zerschlagen und ln bäuerliche Besitzungen aufgelöst ist, wird das Pacht- System fortbestehen mit seinen Auswüchsen und vielleicht auch Vorzügen. Daraus kann jedenfalls den Juden kein Vorwurf gemacht werden. Im übrigen wird anerkannt, dass die jüdischen Gutspächter in der Moldau viel humaner die Bauern behandeln, als es die ausschliesslich griechischen und rumär.isehen, d. h. aus Siebenbürgen stammenden Pächter in der Wallachei tun. Darüber könnte vielleicht die Tatsache Auf- Klärung geben, dass in der Wallachei liier und da die verzweifeiten Bauern sich gegen ihre Ausbeuter erheben, während dies in der Moldau und besonders auf von Juden gepachteten Gütern, .meines Wissens noch nicht vorgekommen ist. Alle die Tatsachen, die wir angeführt haben, zeigen, welche hervorragende wirtschaftliche Bedeutung die Judenfrage für Rumänien hat. Von antisemitischer Seite .werden diese Zahlen angeführt, um zu beweisen, dass Rumänien sich der Juden erwehren müsse. Leider verfallen auch die Juden in die Fehler aller derjenigen, die sich fr. einer Verteidigungsstellung beimden, indem sie meinen, alle Vorwürfe, die ihre Gegner erheben, direkt zurückwelsen zu müssen. Wenn die Antisemiten mit Zahlen aufwarten, die beweisen, weich* wichtige Rolle die Juden Im wirtschaftlichen Leben Rumäniens spielen, so wird daa abgeleugnet und zurückgewiesen. Nein, die Juden sind ein bedeutender ökonomischer Faktor in Rumänien, und dann ist es nicht nur edne Forderung der Menschlichkeit, sondern geradezu eine Lebensfcrderung für den rumänischen Staat, d!<? gar nicht so schwierige Frage der Judenemanzipation zu lösen. Es gehört dazu nicht einmal Mut, sondern nui guter Wille. Aber dieser pte Wille fehlt und wird weiter fehlen. Denn Rumänien pocht darauf, dass es für uni so kultureller und christlicher gehalten wird, je mehr cs sich gegenüber den gerechten Forderungen seiner Juden verschlisst. Judenhetzen In Marokko Am 17. Dezember brach übe. die Juden in Stat, einer von Casablanca c. 50 Km. entfernten Ortschaft, ei: verheerende Katastrophe herein. Die ganze Gemeinde, an 1500 Seelen, meist kleine Handwerker oder Hausierer, wurde durch einen plötzlichen räuberischen Überfall ins tiefste Elend gestürzt. Man war gerade in der Synagoge zum Morgengebet versammelt, als zahlreiche berittene Kabylen der Umgegend das jüdische Stadtviertel (Mcllah) überfielen. Sie plünderten oder zerstörten alle bewegliche Habe und be-!nächtigten sich vielfach der Frauen und Kinder. Hierbei kan! es zu abscheulichen Gewalttaten. Zwei Juden wurden von den Pferden zertreten und starben. Ein zwölfjähriges verkriippcltes Mädchen wurde dermassen vergewaltigt, dass.es kaum mehr einem menschlichen Wesen glich. Wöchnerinnen wurden nur grausame Weise entkleidet lind samt ihren Säuglingen auf die Strasse geworfen Die Zahl der an diesem Tage verwüsteten Hiiuser oder Geschäftslokale beträgt etwa 300, von Lebensmittein war so gut wie nichts mehr vorhanden. In ihrer Besttirzung flüchtet-n die so schwer Betroffenen nach allen Seiten. Viele Familien brauchten Wochen, um sich wieder zusummenzuisndea. Die Gefangenen werden nur gegen ein beträchtüches Lüsegdd den Ihren zurückgegeben. In diesem Wirrwarr zeigten sich die A r a b e r zu Otiled Hriss höchst wacker. Sie nahmen manchem Flüchtling in ihre Häuser auf und gewährten ihm Unterhalt. Einer von ihnen, Muhammad Ibi! Tan:; ritt sogar mit mehreren seines Stammes aus, um die Verirrten ztiriickztiholen. Andere Marokkaner jedoch benähmen sich Schurkenhaft und stahlen Geld und Ware unter dein Vorwände, es aufzufcewahrcn. Der grösste Teil der Fliicht- ,inge —• etwa 70" Seelen — rettete sich nach Casablanca. Dort wandten sie sich an die Schule der Alliance Israelite Universeile und flehten den Direktor um Hilfe an. 10 Tage hatten sie gebraucht, um die 50 Km. bis Casablanc'a zuriiekzuiegen. See trafen in einem erbärmlichen Zustande ein. Der Direktor veranstaltete sofort eine Sammlung unter den Juden von Casablanca, um das Dringendste zu beschauen. So erhalten denn diese Aernisten dank der Wohltätigkeit der Juden von Casablanca und der Vermittelung der europäischen Konsuln, besonders des englischen, für einige Zeit das tägliche Brot und die nötigste Kleidung; es wird jedoch solange für ihren Unterhalt in Casablanca gesorgt werden müssen, bis die Ordnung in Stat wlederhergesteJIt ist. Sodann muss ein ihre möglichst schnelle Zur.ickfiihrung in die Heimat gedacht werden, was viel kosten wird, da von den früheren Wirtschaften nichts mehr besteht. Die Allianz hat die Kinder der Flüchtlinge in ihrer Schule untergebracht und versieht sie mit Mittagessen und Kleidung, Sie hat auch für die erste Hilfe einen Geldbetrag nach Casablanca übermittelt, aber es wird vermutlich noch bedeutender Summen bedürfen, um den Schaden notdürftig zu heilen, namentlich da auch in Marrakesch, wo H 000 Juden wob״•...״, Uncuhen ausgebrochen sein sollen. Beinahe also, wie in dem Kulturstaat Russland. Die Marokkanischen Kabylen haben sich einen Lobstrich bei der ״Post** und der ״Staatsbürger- Zeitung“ verdient. Die kulturelle Existenzberechtigung Marokkos ist evident bewiesen. 1 L*El Allerlei. \׳:v j (4 Sie spotten Ihrer selbst ... Eine Szene nach dein Leben. Von einem, der dabei war. Ort der Handlung: eine deutsche Grossstadt, in der ' Judentaufen an der Tagesordnung sind. Zeit: Ende 1902. Eine Zusammenkunft von Spezialisten zur Be-

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