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Jüdische Rundschau · 1904-02-12 · Heft 7 (12.2.1904) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 7 (12.2.1904)
Date
1904-02-12
Page
– (sequence 15)
Language
German
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I No. 7. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 67. sp»־cchung von Standes!‘ragen. Schon beim Kommen, als man die Plätze einnahm, hat eine Sonderung stattgeiunden, bei jedem einzelnen absichtslos, als könnte es gar nicht anders sein, als wäre es das selbstverständlichste: Christen und Juden, und bei diesen auch ein Halbjudc, — der sehr jüdisch ausschende, aber gleich nach der Geburt christlich getaufte Sohn eines christlichen Vaters und einer jüdischen!Mutter, — und ein Uebergetretener, der für einen Arier gehalten werden könnte, der aber nach seiner Taufe eine Jüdin heiratete. Der Gegenstand der Besprechung ist erledigt, man bleibt gemütlich beisammen. Die Gruppierung wird noch deutlicher: Arier sind auf der einen Seite zusammengerückt, auf der anderen Semiten. Bis auf einen Ganz- Juden, der zwischen den Christel sitzt und zuweilen nui zu seinen Stammesgcr.ossen hiniibcrschielt, — e־׳ tritt immer dafür ein, dass man sich nicht absonderc. reinliehe Scheidung. Da beginnt der Clirist-gewordeue, nachdem er sich zuvor noch einmal umgesehen: ״Wir sind ja unter uns, ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen.“ Der Halbjude unterbricht ihn: ״Was heiss? ״unter uns“? Wieso das? ־ Der Uebergetretene: ״Seien Sie ruhig, Sie miesser Jied!“ Und er erzählt.von einer Patientin, einer adligen Dame, die zuvor bei einem Kollegen in Behandlung gewesen ist, der erst jüngst sich taufen liess und ziemlich jüdisch aussieht. Nun ist sie zu ihm gekommen. ״Neulieh ist die Dame in einem Eisenbahncoupe belauscht worden, als sie erzählte, wie sie sich freue, dass sie endlieh einen Arzt habe, der ein guter Christ sei, bisher sei sie immer bei Juden gewesen . .. Der Erzähler grinst höhnisch, verständnisinniges Lächeln aut den Gesichtern der Zuhörer. Ein Kollege ist abwesend, er hat an dem Abend Hochzeit: man spricht davon, und der Getaufte bemerkt: ״Ach so, heute ist ja Dienstag, der Ki—tauw, daher heut die Hochzeit.“ Einige der noch Jüdischen machen fragende Gesichter. Sie wissen offenbar nicht, was jener meint. Der Halbjudc, der es zwar zu wissen scheint, fragt: ״Was ist das: Ki—tauw?“ Der Uebergetretene antwortet: ״Das geh! Sie gar nichts an, Sie sind ja nicht mein Glaubensgenosse.“ ״Dafür möchte ich mich auch schönstens bedanken.“ erwidert der und fährt fort: ״Aber haben Sic neulich vielleicht einmal die Standesamts-Nachrichten gelesen? Da war eine interessante Notiz: aufgeboten Dr. S.. jetzt evangelisch. Nicht wahr, klingt doch schön?“ ״Machen Sie kein Risches," sagt der frühere Jude. ״Was ist das?“ fragt der christliche Sohn der jüdischen Mutter. — ״Fragen Sie Ihre Mutter!“ — ״Die mag das schon wissen. Aber nicht wahr, klingt doch schön: jetzt evangelisch? ..." ״Machen Sie keinen Antisemitismus,“ sagt wiederum der jetzige Christ und beginn! unvermittelt von etwas anderem zu sprechen. Hugo Schachtel. Katholische und hebräische Palmen. Wir lesen in der Münchener ..Alk. Ztg.“: Die Herren vom Zentrum, die mit so viel Eifer und leider nicht ohne Erfolg darauf ausgehen, unser Volk statt nach den natürlich gegebccien nach konfessionellen Ges'chtspunkten zu beurteilen und zu gruppieren, werden mit Freude vernehmen, dass auch iti der Natur eine konfessionelle Scheidung sich wenigstens in einem Falle vollzogen hat; und zwar trifft diese löbliche Scheidung zu bei den Palmen von Bordighcra. denen der bekannte Botaniker Ed. Strassburger in seinem fesselnden Buche ..Streifzüge an der Riviera“ (2. Auflage, Jena. Gustav Fischer) eine längere Betrachtung widmet. Das konfessionei'c Moment ergibt sich bei diesen Palmen aus ihrer rituellen Verwendung. Statt frei in den Lüften ihre Wedel zu entfalten, müssen nämlich die meisten Palmen von Bordighera zur Herbstzeit cs erdulden, dass man die Inneren Teile ihrer Kronen pferdeschweifartig zusammenbindet. Durch dieses Verfahren wird eine bestimmte Ausbildung der neu hörvorwachsenden Wedel bezweckt. Nicht alle Paimenstämme sind übrigens einer solchen Behandlung in ckichem Masse zucünglich. und unter ihnen werden dann weiter noch solche unterschieden, die mehr für den kathohschen, und solche, die mehr für den iüdischen Ritus sich eignen. Denn auch die Juden brauchen Paimenwedel bei dem Laubhiittenfcst. Der Bordighesc bezeichnet kurzweg die eine Dattelpalme als ״Cattoiica \ die andere als .,Ebrca״. Die BKittcr der katholischen Palme sind schlanker, die der iüdischen kürzer ur.d gedrungencr. An der kathol schen Palme bindet man die mittleren Teil.־ der Krone fest zusammen, damit die neuen Wedel bei tunlich- Stern Liclmbschluss sich entwickeln und so möglichst farblos bleiben. Denn bei der Feier des Palmsonntags sollen sie nicht allein eirt Siegesze'chen. sondern auch ein Bild himmlgelter Reinheit sein. Im Dunkeln werden diese Wedel zugleich schlank und lang: sie lauten spitz an ihr•.;! Enden aus und bleiben biegsarn und weich, so dass sie leicht in beliebige Formen gef'ochten werden können. An den jüdischen Palmen bindet man die älterer. Wedel weniger stark zusammen, das Licht ist von den iimgeren Plättern nicht ganz ausgeschlossen, diese können so* m t :!uch ergrünen; sie bleiben zufleicb kürzer, schlossen mit summier Spitze ab und werden härter. ״ Kleine Chronik. | Das grcssherzogliche hessische Ministerium trägt sich mit der Absicht der definitiv eil Anstellung israelitischer R c l i? i o n s I e!1 r e r, die den Voiksschullehrern glcichgest.-Ht \serde;! sollen, wofern sie v.oclicmlicb. 20 Stunden Religioi.surterric’r.t erteilen. D:e Mittel soi’eu v״n den Gemeinden aufgebracht werden. Antisemitisch gebärdet sich die Sozialdemokratie wiederum im Wahlkreise Escüwege־$c!m!4!ka’den. In einer freisinnigen Wählerversammlung in Weipen hausen bei Eschwege schloss ein sozialdemokratischer Wahlagitator seine Rede gegen den freisinnigen Kandiuaten Lehrer Merten mit den W'orten: ״Wählt nicht den bezahlt•:־!! Juienkanddaten! * Ein heachtenswertes Seitenstück zu dem bekannten Bericht des ״Vorw.“ mit dem schönen Wort ..Mausche oben!" (Voss. Ztg.) Aus den Doriern bei Kiscbhew, besonders aus Warsarest, hat man zur Feier der russisch-orthodoxen Weihnachten die Juden ausgetrieben, wo sie seit mehr als 20 Jahren Ackerbau trieben. Ein Jude ist in der W interkältc auf der Landstrasse erfroren. Im allgemeinen bemüht sich die russische Regierung der bessarabisch^rumäi,?sehen Bevölkerung zu zeigen, dass sie nach wie vor die Juden als schutzlos. und recht'os ansieht. Stadtrat Gourieif. der Verwalter der ausländischen Klostergeb.lude in Bessarabiea. dessen Aussagen zu gunsten der Juden a!n 11. und 12. November allgemeine Teilnahme hervorriefen, erhielt vom Ministerium den Befehl, sein Amt niederzulegen. c-ö =־־& Nationalfond. Zentralstelle für Nationalfond: Dr. med, Robert Hantke, g BERLIN W. 57, Manstein-Strasse 1. •i. ׳ l'.ir eine rcJakonnd.’e ’las»c Kalfee von j. II. Wagner .—,:}*» Mk. Tele.;«•!.um zur il״.i1/.cil Oclsncr-Kosen* fcIJ 7. o;i־i!isct.c S k'.ion Messing werke Barth, R• ihejibcrü, Ftäi k*', RoscnNii!•!. I.— ״ K ff.'rgescüycliH't Dr Älocisti. . .:to יי l,‘nt־i־׳e d.r!las rtfo n a c a.. . , |,״ <״,ל K!י s c » 1• c r g , S p i t z c r, V 01 l a c k. 0,40 ״ Ft I. .1 o * c p h s <׳־ h n ־ Schönlanke gesammelt .... 7.,, 0יז י־« liiedsmannver^l• ich in S.icl c!1 M. ־.־. F. Teitz c. H Alexander.20־ - l oui■♦ I. .1 in m - Berlin .־ . Anstelle Tel graimn zur Hoch• 7-it Rosenfeld Messing werk ■Posen. Q,.W> ״ 'iinuulunK im Cafe M o n o p 01 - Berlin am 0. 04 .2־. Altroann Diverse 4,-.zus. 6,— ״ 1 Dr. Moses Friedlander. , , .' . , , . . . I,— ״ f

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