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Jüdische Rundschau · 1904-02-12 · Heft 7 (12.2.1904) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 7 (12.2.1904)
Date
1904-02-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nu. 7. * Seite f>5. JÜDISCHE RUNDSCHAU* gehung des von dem Ministerium bestimmten Zehnprozentver- , hültnisscs der jüdischen Studentenzahl zu der christlichen, J sechzig Juden zu immatrikulieren. Darauf ist nun vom Minij sterhim eine kategorische abschlägige Antwort erfolgt. Tolej ranz ä la Plehwe! ׳ Die Nachrichten über die Bedrückungen der Juden in Ru-! märtlen werden künstlich unterdrückt, dagegen falsche Be- . sehuldigungen gegen sie erfunden und verbreitet. Davon, dass ן die Juden sich in׳ unredlicher Weise des rumänischen Handels ' bemächtigt hatten, kann keine Rede sein, da sie ja selbst erst j den modernen rumänischen Handel im Verein mit anderen ־ Nichtrumünen gegründet haben. Die Rumänen, die sich zum! grössten Teil mit der Landwirtschaft beschäftigten, haben von j dem Augenblicke ihres nationalen und staatlichen Erwachens j bis noch vor kurzem zu viel mit der Politik zu tun gehabt, um j sich dem Handel und Handwerk zu widmen. Sie strebten und 1 kämpften •für öffentliche Acmtcr und ihre verfügbaren Kräfte J w erden auch nach dieser Richtung hin benötigt, umsomehr als j man gleich von Anbeginn die einheimischen Juden zu öffent- י liehen Aemtern nur soweit zuliess, als kein Rumäne־, aufgetric- - ben werden konnte, der ein solches hätte bekleiden können, j Erst einer späteren Periode war cs Vorbehalten, dass die, Rumänen sich dem Hände! und Handwerk zuwendeten und da I haben sie gewiss von seiten der Juden nicht mehr Schwierigheitert ausgestanden, als es eine lautere Konkurrenz im Handel gestattet, wogegen ihnen viele gegen die Juden gerichtete Oesetze — wie das der Handwerkskammer, zu Hilfe kamen. Als Beweis dafür dürfte die Tatsache gelten, dass es trotz den ausgesprochenen anfscmitischen Neigungen rumänischer Kaufleutc, nie zu ernsten Reibungen aus geschäftlichen Gründen, zwischen diesen und ihren jiidisclien Berufsgeuossen gekommen ist. Die Juden im rumänischen Handel bilden nicht nur den kleinen Kaufmannsstand, der im Scitweisse seines Angesichts und im Kampfe gegen vielerlei widrige Umstände das Brot für sich und die Seinen erwirbt — sie spielen auch unter den Grosshündlern eine ehrenvolle Rolle. Uns liegt der letzte Brief der Jassyer Handelskammer vor. Der Wirkungskreis derselben umfasst die Bezirke! Jassy׳, Nearr.tz, Roman und Vasiui, die stark von jüdischer Bevölkerung durchsetzt sind. Wir erfahren aus dem Bericht, dass der für Rumänien so wichtige Getreidehandel in diesen Bezirken, die ganz hervorragend an der Getreideproduktion beteiligt sind, soweit die Produzenten nicht mit den Braiiaer Exporteuren (zum Teil auch Juden) abschliessen, von 25 ausschliesslich jüdischen Firmen betriebet? wird. Ko Zahl der Kainlcutc im allgemeinen betrug in den Hauptstädten dieser Bezirke 2509, wovon 22+4 ״fremde“, (zum allergrössten Teil Juden) und 265 Rumänen. Aber ebenso wie sie immer mehr aus den Handwerken verdrängt werden ist auch ihre Zahl im Handel weit davon entfernt in gleichem Masse, wie die der Rumänen, zu wachsen. So ist die Zahl der rumänischen Patent- (Gewerbesteuer־) Zahler im ganzen Lande von 58 291 itn Jahre ISS? auf 68 802 im Jahre 1901 gestiegen, während die Zähl der jüdischen. Patentzahler von IS 136 im Jahre 1887 auf nur 20 515 im Jahre 1901 gestiegen ist, wobei sich in der. letzten vier Jahren ein augenscheinlicher Rückgang bemerkbar macht. In der Industri e, soweit Rumänien eine solche besitzt, ist es, bei der Bedeutung, welche die Juden im Handel ,haben,. ganz natürlich, dass sie gleichfalls eine ansehnliche Rohe־spielen. Nach der letzten Statistik bestellen in Rumänien 217 Fabriken, welche siel! der Vorteile des Gesetzes zum Schutze der nationalen Industrie erfreuen,;י Iso u. a. ein Kapital von minderstens 30״יון; Franks besitzen. Davon gehören 36 direkt Juden, an 15 sind sie als Gründer oder Teilhaber beteiligt, und manchcii, die aus Aktiengesellschaften bestehen, haben sie oedcutende Kapit.Vian zugewendet. V״״ den 57 Fabriken, uie sich im Bereiche der Handelskammer Jassy befinden, gehören 30 Juden an. Auch,im Bankfach nehmen die Juden, eine bedeutende Stellung ein. Die ältesten Bankhäuser in Bukarest und Jassy, die noch bestehen oder vor ganz kurzem bestanden haben, sind jüdische. Dazu gehört die Jassyer Firma Michael Daniel Fils, die aut einen fast hundertjährigen Bestand zurückbllckte, als itn vorigen Jahre nach Ableben des neunzigjährigen Chefs Israel Chajim Daniel die Erben die Auflösung des Geschäfts beschlossen. In Bukarest ist das älteste Bankhaus jenes der Familie Haifon, die spanische Juden sind. Wie Daniel, der Bankier der grossen moldauischen Bojarenfamilie war, —■ zu ־ seinen Kunden gehörte der jetzige Ministerpräsident Dem. A. Stourdza und der ehemalige Ministerpräsident Peter Carp — so besteht der Kundenkreis des Hauses Halfen aus den angesehendsten Bojarentamilien der Wallachei. Es gehören dazu: Alexander Marghiloman, der verschiedene Mal Justizminister war und zu den Reichsten des Landes zählt, Peter Carp, für die Geschäfte, welche er in der Wallachei hat u. s. w. Nicht zu vergessen ist, dass die ־ grösste rumänische Privatbank, kannt. Aus den Tafeln geht aber hervor, dass der Ort in der Nähe von Babvlon gelegen haben wird. Der Vortragende gab sodann einen anschaulichen Ueberbück über die sozialen und Dotitischen Verhältnisse der Zeit, soweit sie durch die Forschunzen bekannt geworden sind. Dr. Peiser zieht den Schluss, dass die kleine Sammlung, die er in der Hand hat. wohl kaum die Hälfte oder gar nur einen kleinen Bruchteil eines Fundes bildet. Ganz ausserhalb der Tagesordnung sprach zum Schluss noch in einem hochinteressanten längeren Vortrage Dr-r Wilheim Freiherr von Landau über die Bauinschriit des Königs Bod-Astart vom Eschmuntentemnel bei Sidon. Im Anschluss an die, Erklärung des französischen Gelehrten Clermont-Ganneau; führte er aus. dass dort von Bauten in den verschiedenen Teilen des Stadtgebietes gesprochen w ird und dass damals das ..Land Sidon“ nach dem kosmographiseh-astrologisehen System eingeteilt war. wie es die altorientalischc Weltanschauung nach den neueren Feststellungen erforderte. Jedes Land, das als selbständige politische Einheit gelten wollte, musste ein Abbild des Kosmos sein, welche Teile des Landes Sidon ,hiesseu: Das Meerland, das Festland, der Himmel, das Feuer (Hö.le). Die betr. Inschriften sind in vielen Exemplaren vorhanden, es sind ihrer bis jetzt 10 wieder gefunden worden. Es ist zweifellos, das noch mehr in dem noch erhaltenen Mauer- . werk stecken, da etwa jeder fünfte Block eine Inschrift trug. Der Vortragende erinnerte daran, dass die Anbringung von In- Schriften rätselhaft erscheinen muss. Sie sind auf die einander zpgekelirten Seiten der Blocke gemeissclt. so dass sie unsichtbar waren und nur durch Herausnahme der Blöcke freigelegt werden können. Was die merkwürdigen Bezeichnungen der Inschriften anlangt, so erregten diese anfangs Kopf- | schütteln.'und man begriff nicht, warum mau bei Er- klärung anfangs an rein mythologische Begriffe ge-; dacht habe, und doch liegt des Rätsels einfache Lösung sehr ‘ nahe. Clcrmont Gaimeau hat eine glänzende Bestätigimg gcfuMüeii für die Wincklersche. Formel alter orientalischer Weltanschauung. Der Vortragende erklärte diese merkwürdigen vorgenannten Ortsbeze'ichnungen in äusserst interessanter Weise. Der ganze Vortrag fand eine äussert beifällige Aufnahme. Salruanassar II., von dem, wie wir in einer der letztzen Nrn. aus Bagdad meldeten, bei den deutschen Ausgrabungen eine Statue aufgefanden wurde, ist der berühmteste der assyrische:! Könige dieses Namens. Er regierte von 82-4 bis SOO und hat während seiner langjährigen Regierungszeit fast unablässig Kriege geiiihrt gegen Armenien, die nordsyrischen Staaten vom Euphrat bis ans Meer, gegen Hamath ur.ü Damaskus, gegen Tyrus und Sidon, sowie gegen Jehti, den König von Israel. Ein Erbfoi׳׳ekrieg in Babei zwang Salmanassar. auch in die dortigen Verhältnisse mit Waffen cinzugreifen. Itn Osten dehnte er seine Eroberungen bis Medien aus. Er hatte seinen Palast in Assur, der ältesten Hauptstadt des assyrischen Weltreiches, deren ■Trümmerstätte sich etwa 15 km nordöstlich von Nimrud und 28 khi südöstlich von Mosul im Osten des Tigris befindet. Dort ist über ihn bereits eine Menge von Inschriften ausgefunden worden, die sich auf einer Reihe von gewaltigen Bronzeplatten befinden, die früher offenbar den Türflügeln eines Palastes angehörten und mit kunstvoll ausgeführten •Basreliefs geschmückt sind. Die meisten Stücke hiervon sind im Britischen Museum aufgestellt. Der aus der Bibel bekannte Salmanassar ist der vierte König dieses Namens, der von 727 bis 722 regierte. Von ihm sind aber keinerlei assyrische Dokumente!unterlassen. Nach der Bibel hat er den König Höseä tributpflichtig gemacht und ihn, als er sich mit dem König von Ägypten verbündete, in Samaria belagert.

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