Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1904)
- Date
- 1904-02-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 62. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. /. Testament?anz tolerant. Sie begeistern sich sogar für viele Lehrsätze des Evangelium!.* Auf Qrurnl der vom Forscher Astyrcw gesammelten und in * der Petersburger Monatsrevuc ״Sjeweniy Wjcstnik" (״Nordbote“) veröffentlichten Daten, gewinnt man folgenies Bild von den gegenwärtig in Russland lebenden Judensekten: Im grossen und ganzen zerfallen sic in zwei Gruppen: Gc-rftn (vom althebrüischen Wort Gor. der Fremde. Bekehrte) und Subofilki (Sabbailiarier). Die ÜCrim haben sich vollständig vom Christentum abgewendet; sie!ernen flcissig die althebrüische Sprache, deren sie sich beim Gottesdienst bedienen, und aiterkennen den Talmud; sie bemühen sich, den echien Juden in Lebensweise und Gebräuchen ähnlich zu sein, und glaub eit. wie diese, dass der sehnsüchtig erwartete Messias ein irdischer Zar sein werde. Die Sabbatharier befolgen auch alle jüdischen Gebräuche — darunter die Ek-sch:;eiJung --- ihre Gebete sind jedoch russisch. Viele von ihnen anerkennen auch das Neue Testament, das sic aber weniger achten als das Alte. Die Dreieinigkeit leugnen sie, Jcsum haben sie für einen■ Pro•' pheten, keineswegs für einen ileischgewordenen OmucssGi». Auch sie erwa teteii de:; Messias, den sie für einen grossen Philosophen oder ^itteuiehrer I;aiten. der an: Erden das Reich des Geistes, der Vernum:. der Freiheit gründen w-.-rde. Laut, den in der russischen Fach’,:t:era:ur vorhandenen Angaben sind die Angehörigen der J;a!e»sek:t1!־ arbeitsam, zum grössten Teil Ackerbauer, und der Trunksucht und S::;e::!׳.>>igkeit abdem Original, und das Russische mit dem Jüdisch-Deutschen und Hebräischen. Sie wollen sieh keineswegs Z'mu nennen lassen und bezeichnen stell stets als ״Juden". Sie sind itbrigciis aiisnahnislos Zionisten und sind in Russland nur durch den Polizeiknüppel und die Sibirienparagraphen gezwungen, ihre Liebe zum Judentum und zu Z;on zu verbergen. © © S Aus der Bewegung. 2 Das Dislriktsbureau Berlin versendet folgendes Rundschreiben, auf dessen Inhalt unsere Leser ganz besonders aufmerksam gemacht werden: Wir halten uns für verpflichtet, nochmals 'ganz dring• liehst auf die Arbeit für die ..jüdische Kolonialbank" hinzuweisen. Von dem Ausbau unserer Bank hängt in erster Reihe die praktische Durchführung unserer?fiele ab. g:1st!re;.׳ndiicl: u::ü c::tso!:g; s;e >g!;iü!’ig.'n hold. Sie lesen einig, .sir;ü * sind ebenso ihren 1 V*I.יt:!:tns.gc:10<5n wie Ander gegenüber stets hilfsbereit; de:! Christen gegenüber verhalten sie sich reserviert, jedoch entgegenkommend, und erfüllen alle Bürger.- und Staatspiüchten. Die vielen Hunderttausende vie'leicht Müüoiieu von An* gehörigen der Judensekten so־.\ ie die ganze MiURnen von Anbängern zählende protestantisch-rationalistische Bewegung in Russland, so auffallend und merkwürdig ihre Erscheinung auch sein mag, sind im Grunde gekommen nichts anderes als ein fortwährender, Jahrhunderte andauernder Protest gegen den religiösen Poblzeidogmatisnius der offiziellen Kirche , und des Staates. Viele Sabbatharier haben sich nach Palästina geflüchtet um dort ihr Bekenntnis zum Judentum, auf das in Russ'or.d lebenslängliches ״Sibirien" steht, offen zu bekennen. Sie vertauschen dort ihren russischen ״Siddur“, eine wörtliche Uebcrsctzung des hebräischen (sefardischen) Gebetsbuchs mit J■ cd er Zionist ist daher verpflh :htet . we rügst ens e i n e \ k t i ז der Bar י.!.k zu erwerben. l’m dem A nschaf fang zu er lei einem,!st׳ der ״ S ii a r e - C 1 u b ' •14־u *יי•sw et wo: den. ... ז, U Ui in Berlin eine 7.!er.trale für g, mz Deut: 'Chia nd ne sitzt und al le Filialen in den andern Stik Jten, u;e ögü וזז :!;st überall gegründet : wei ׳den sollten - ■ soweit sie noch.; ilcht best•. *üc ׳n , mit dem notiger. Mater •j:t! V ,ersor gi. Fs v.'c1 den־: zum Preise von 50 Pfg. per Sti ,ick klein e Et :chieln ge־ liefert, in welciie wöchentlich eine ..Share-Marke“ ü 25 Pfg. einzukleben ist. 8 4 Marken sind erforderlich, um eine auf dem N a tu e n lautende Aktie zu erhalten, 90 Marken zur Erlangung einer Inhaber- Aktie, die unpersönlieh ist: diese Aktien Werden von Berlin aus besorgt, wohin die gefüllten Bücher zu senden sind. Von dort sind auch Marken und Bücher zu den angegebenen Preisen zu be* ziehen. Der Vertrieb erfolgt durch die Ortsgruppen bezw. Vertrauensmänner. Deren Pflicht ist es auch, der Berliner Zentrale am Schlüsse eines jeden Monats eine Abrechnung und den Erlös für die verkauften Marken und Bücher zu übersenden. Der Berliner ..Share ־ Club״ versendet auch von seinem Kommissionslager gegen portofre:s Voreinsendung des Betrages von Mk. 22,25 ganze Worte kurz vorher in einem politischen Aufsatze die Bemerkung gelesen, dass ein Volk, welches so spricht, niemals imtergehen kann, so Hessen sie mich nicht mehr los. Die Wasser und die Worte, sie hallten in meinem j Herzen durch all' die Baseler Tage, alle Kampfes-, Beruhigungs- und Hoffmmgsworte, die dort gesprochen j wurden und die in ihrer einzig grossartigen Tragik den tiefen Schmerz um die nie vergessene Heimat, die nie; gestorbene Hoffnung auf deren Wied?rerlangu!1g bej kündeten — für mich waren es ״Widerbaüe“ aus einer; Jahrtausende fernliegenden Zeit, ■und ich glaube, es ist * das Schicksal Israels, an den Gestaden fremder Ströme : sich wiederztuinden — sicii auf. sich selbst zu besinnen —; und somit als alleiniger und ״eigener Herr" seiner Zukunit, sich vor dem Untergänge zu retten. Also Sie sehen, meine geehrten Leser und Leserinnen, das ״Stadtkasino“ und die ״Riteinbrücke*‘ waren für mich die wichtigsten Faktoren der guten Stadt Basel. Ich betrat beide zu jeder Tageszeit und sie traten zu mir in eine rege gegenseitige Beziehung. — Eines Abends dunkelte es bereits, als ich midi auf den Heimweg begab. Ich hatte nicht mal den Schluss der Verhandlungen abgewartet. Die Debatten waren sehr erregt — Ostafrika. Als ich in meiner Gedankenversuukeuheit die Brücke betrat, prallte ich plötzlich zurück: eine Menschenmenge hatte sieh darauf angesamHielt, die nur auf ein ״Unglück" schlicsscü licss, und ich war ganz verdutzt, als man mir auf meine hastige Frage den Bescheid gab, ein Dampfschiff wäre angekommen und liege gerade hier an dem Brückenpfeiler. Ein Dampfschiff? Ja, aber seit sechzig Jahren das erste, das an den Baseler Ufern landete. Ich wollte schon weiter gelten, denn an das ״geWQlmte Verweilen" war heute nicht zu denken, als ein in meiner Nähe halblaut gesprochenes Wort mich zurückhielt. Das Wort hicss He:׳־.l, und von zwei sich lebhaft unterhaltenden Herren, die mir keineswegs Juden zu sein schienen, horte ich den eine.: weiter sagen: ״Ja. ja, mir ist Herzl persönlich bekannt. Ich halte ihn für einen bedeutenden, edlen Menschen, und bei seinem grossen Wollen und der zähen Rasse seines Volkes ist eben alles möglich.“ Die Antwort des Andern ging mir bei dem Getöse verloren. Der erste aber fuhr fort: ״Na. dafür• stehe ich :•rein und lauter sind seine Absichten, rein und klar wie die Wogen des Stromes hier, und siehst du das Schiffchen? Sechzig Jahre glaubte man nimmer an die Möglichkeit, sechzig Jahre hat man den Tiefgang hier unterschätzt, hielt man die Wasser hier für zu seicht, unc! sie haben es doch getragen, diese seichten Wasser, allen! Besserwissen zum Trotz.“ Und wer darf, wer kann es wagen. irgend welchen