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Jüdische Rundschau · 1904-02-05 · Heft 6 (5.2.1904) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 6 (5.2.1904)
Date
1904-02-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 56. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No". 6. »bcr. Auch wenn jene sich nicht auflosen, werde es der neuen Synagoge an Besuchern nicht fehlen. Der JSjährigcn Er iahrung Cohns wage er gar nicht die Erfahrung gegenüber zu stellen, die er (Redner) 23 Jahre hindurch als Lehrer der Schü!״r aus dem Norden Berlins gemacht habe und die nur zugunsten der Orgelsynagoge spreche. Er habe den Eindruck, dass unter den Konservativen gar manche wissen, wie sie stimmen wollen, aber leider auch wissen, wie sie stimmen sollen. Herr Sleskind wünscht die Orgelfrage bis zu den nachsten Gcmcindewahlen aufzuschieben, um die Wähler selbst entscheiden zu lassen; die Orgel könne man Jederzeit In der Symgoge errichtet:. Auch Herr Louis Sachs bezeichnet es als settr schlimm, aus gewissen Parteirücksichten gegen etwas /״• sthnmen. wofür man itn Herzen sei. Es werde immer 1r.it Billig* keitsrücksicliten gefuchten, also ob die Orge'ireunJc nicht diese Rücksichten für sich ins Eeld führen könnten. Dafür müsse doch ein ausreichender Beweis sein, dass bei der Enquete unter 700' abgegebenen Stimmen ca. 660 für und nur einige 30 gegen die Orgel votiert hätten. Nach dieser Logik musste die Orgel angeschafft werden, und dem Urte l der Rabbiner, welche d.a Verhältnisse kennen, werde man sich‘wohl mehr :•!gen. als dem Urteil des Dr. Cohn. Aul eiae Mindj.rheit dürfe man nicht Rücksieht nehmen, sondern man müsse der Maiorität Rechnung tragen, die zweite‘ 1 :r ' .׳110$ für die Org: :1 sei. D.e Or. itra: we: ״<׳!!:, te1!׳i. dass sie rufung'eüie mach: worden sei uergrunde der ganzen jüdischen Bewerde nun von den Konservativen als ״׳c .-^schildert. Diese Frage sei s:> bedeuw c j U n g $ t c ne, vcransnlbe. bcdcutimgs'os -- . zuerst von den Konservativer, du: ca c.e tm.beöffentlichen Versammlung zu einer Parte.frage ge- Erst nachher habe sich der Liberale Verein mit der Nachprüfung befasst und habe die Enquete tet, die ein glanzendes Resultat für die Orgel ergebe;! Die «::!,׳־ze frage werde im Publikum, .sahrsrheir.lich $' au:geiasst'werden, dass die Konservativen darunter zu leiden haben werden. Gemeindevorsteher .Martin Simon macht noch am den Punkt aufmerksam, dass die \crwaUur.g bei Einrichtung eines gemischten Chores allein i7 000 .Mk. jährlich zu ersparen 11־ der'Lage sei. Er weist ferner darauf hin. dass die Orgel gar kein Christ'ichcs Instrument sei. sottoern eine Art Orgel bereits it! Jerusalem verwende: worden sei. Endlich zitiert er unter demonstrativem Beifall der Liberalen den Paragraphen des öem.eindestatuts. dass jedes Mitglied der Repräsentanten- Versammlung nach seiner Ueberzeugung zu stimmen habe. Ein von dem bereits sehr unruhigen Professor Baglnsky gesichter Vertagungsantrag wird abgelehn: ein erneuter Schlussantrag zurückgezogen. Nach einigen kurzen Worten uer Abwehr der gegen ihn erhobenen Vorwürfe seitens des Rechtsanwalts Or. Cchti folgt ein neuer Schlussantrag. Gegen den Schluss wer det sich Professor Geiser in lebhaften Worten und mit besonderer Spitze gegen Professor Baginskv, der bereits mit Hut und Mantel gerüstet zum Aufbruch steht. Der Schluss wird abgefehnt. Professor Bap.Insky, de!• Präsenz nach neunte Konservätive. verlässt den Saal. Landgerichtsrat Loewc teilt die interessante Tatsache mit. dr.ss für die Synagoge Kaiserstrasse bei ihrer Errichtung vorläufig das aUa Gebetbuch zur Verwertdüng gelangte, dass aber der Gememdcbeschiuss dahin lautete, die Kaiserstrasscti-Synagoge definitiv mit dem Ritus einer neuen Synagoge und mi‘ Orgel einzurichten. L'eber diesen Beschluss sei man später bei der Errichtung der Synagoge Oranientur- ■ztrstrasse stillschweigend hinwc״gegangen und habe in der Kaiserstrasse einen etwas reformierten Gottesdienst eingtführt. Ein Schlussantrae wird wiederum abgeiehnt. Erst nachdem noch Herr Bertltold Israel einen feierlichen Gottesdienst ohne Orgel wohl für möglich erklärt hatte, falls man die geeigneten Rabbiner und Kantoren anstelle, wird ein erneuter Schlussantrag mit grosser Majorität angenommen. Der Referent Professor Geiger empfiehlt in seinem Schlusswort noch ganz kurz den Antrag des Ausschusses, dessen Nich.tar.nah.me trotz der Genehmigung durch beide Ausschüsse, wie er hinzufiigt, ein seltsames Schauspiel sein würde. Auf Antrag der Herren Louis Sachs Geiger und Blaschke ist die Ab timmeng eine namentliche; auf Antrag Sachs erfolgt sie auch für die O: ge! und für den Ritus getrennt. Herr Martin Simon weist noch darauf bin, dass die Vorlage für den Gemeindevorstand eine un-, trennbare sei. Bei der Abstimmung stimmen gegen Ce Orgel die Konservativen; Bodenstein, Hirsch, Professor Landau, Israel. Slessldad. Löwenberg, Geh. Rat. Blumenthal. Dr. Ignatz Cohn:!11 r die Orgel die Liberalen: Proiessor Blaschke. Professor Geiger, Manheimer. Louis Sachs, Kommerzienrat Friedhi oder. Adolph Mayer, Stadtrat Dr. Weigert und Dr. Minden. Das Ergebnis war also 8 gegen 8 Stimmen, die Stimme des konservativen Vorsitzenden Blumenthal, gab mithin den Ausschlag und so wurde die• Orgel abgeiehnt. Für den für die Rykestrasse vorgeschlagenen Ritus Kaiserstrasse stimmten nur die acht Konservativen, während sich die Liberalen absichtlich an der Abstimmung nicht mehr betei* ligten. - - י* י»—־ •י• J.» | Nachrichten aus Palästina, i (Aus ״Altneuland" No. 1). Die Cholera ln Palästina. Nach uns zugegangenen Privatmeldungen waren die verheerenden Wirkungen der Epidemie tn diesem Jahre bedeutend schwächer als im Vorjahre, Sie wurde von den Mekkapügern nach Palästina eingcschleppt. In Haifa sind arn'aug November mehrere Todesfälle vorgekommen (die Zahl der täglichen Opfer schwankte zwischen 3—*4 und ubtrsneg nicht 5), so dass die Kolonie Zichron-Jacob gezwungen war, den Verkehr mit Haifa abznbrcchcn. Snfed war auch als verdächtig erklärt. ־In der Kolonie Mischmar-Hajarden wuiden zwei Fälle von Cholera konstatiert. Der Verkehr im Lande unter den einzelnen Landesteilen wurde ausserorüentlieh erschwert, da über die einzelnen Städte und Bezirke Kortlons verhängt werden. Speziell war das Ost-Jordanland ganzlieh .abgesperrt, da drüttc/fdie Epidemie noch während der Monate?eptember'Oktober hauste Unter anderen war der AdrninNtrator der Baron Rr-thscb.i'.dscl en B; Hau:.*:: an Cho'era erkrankt, •wurde aber vom Die Quarantäne, die über die Häfen Jaffa und Haifa Sitzungen an Tode gerettet. ver- Hufen an. Zur Ergänzung der uns die Cholera entnehmen wir üb. hängt wurde, ist nun seit zwei Wochen wiederum aufgehoben, und die Schute laufe:! di 2!1 geko:r.menen Nachricht einer Korrespondenz der ..Kölnische;: Volkszcitung“ aus Hnua vom, 19. November 1903 über die .Epidemie in Haifa folgende Einzelheiten: Ein Beduine aus Hau :חג soll nach seiner Ankutüt hierher erkrankt und unter Cholera-Erscheinungen gesterben sein. Alsdann mehrten sich die verdächtigen Todesfälle, und nachdem der von Jaffa herbeigekommene Quarantiiuearzt das Vorhandensein der Cholera teststellte, begann die Bevölkerung'sich, zu fluchten. Besonders die hoch am Karmel gelegenen Drusendörfer Esrija und Da'ije und das grosse Karmeliterkloster bildeten das Reiseziel. Die Epidemie hat aber keinen schweren Charakter angenommen. Aut der deutschen Kolonie ist niemand krank geworden. Bei den Christen kamen Insgesamt IS Todesfälle, bei den Mohammedanern bisher 10; bei den Juden herrschte wohl die Seuche auch, die Todesfälle, falls es solche gegeben hat, Lessen siqVaber nicht deststellen, da die Juden zur Vermeidung der strengen Absperrung, die über das verdächtige Haus verhängt wird, in einer »Veise, dass sogar die Zufuhr von Nahrungsmitteln unmöglich wird, die urdächtigen Fähe nicht meldeten. (Diese Notwehr erschein! bei den gegebenes Verhältnissen für geboten, da man sonst Gefahr läuft. Hungers zu sterben. Die Absperrungsbegriffe bei der elnhciuischen Bevölkerung sind hier zu eigentümlich). Das Weinceschäft In Haita wird nunmehr von der Zweig• niederlassung der Gesellschaft ״Karmel“, Abteilung für den Orient, betrieben werden. Bis jetzt wurde dort der Weil! der jüdischen k'olonieen von einer in.Haifa ansässigen hrtna verkauft. Dia Kolonie KasGnleh (Be-'r-Tobiüh) scheint sic!: in einer derartig schweren Notlage zu heoudei:. dass sie allmählich von ihren Einwohnern verlassen wird. Es ist ungemein interessant, einmal die Geschichte der Entwickelung und die Ursachen des Verfalles dieser von den. Chowewe-Zion mit soviel Hoffnungen gegründeten Kolonie kernen zu lernen. Wir werden darüber bei einer anderen Gelegenheit näheres berichten. Vorläufig nur die folgenden Tatsachen. Bis jetzt veriiessen die Kolonie 13 zum Ted verheiratete, zum Teil ledige junge Ueutc. Jetzt wandern noch weitere zwei Familien ans. die man als Musterkolonistea angesehen hatte. Sic sind schon seit vielen Jahren im Lande ansässig. Die Lage ist derart schlecht, dass ein grosser Teil der Kolonisten ihr Arbeitsvieh verkauften und zu; Bearbeitung der Felder im vorigen Jahre bei den Arabern Ochsen mieten mussten. Nur wenige Kolonisten besitzen das Inventar, welches sie bei der Installierung erhalten hatten. Es

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