Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1904)
- Date
- 1904-02-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 53, No.jß. . ... __ JÜDISCHE RUNDSCHAU. Leider , aber erkennen wir, dasswir die Verwirklichung des Ideals noch in unerreichbarer Ferne erblicken und bis dabin mit realen Verhältnissen rechnen müssen, die für das Jüdische Volk sich sehr unerfreulich gestalten. So lange Herr V. die Tatsache nicht bestreiten kann, dass sich der überwiegende Teil des jüdischen Volke! in einem Zustande der Heimat ~ und Rechtlosigkeit des materiellen und mora’ischen Elends befindet, wird er uns zugeben müssen, dass mit der Aussicht auf das goldene Zeitalter des allgemeinen Menschentums wenig geholfen ist. Herr V. mag es einmal .versuchen, i.1 einer Ver- Sammlung von Proletarier״, die für die Aufbesserung ihrer Existenz kämpfen, mit dem von ihn» angc wendete״ schönen Zitate zu wirken ״es eit re jeder seiner unhestochencn, von Vorurteilen freien .Liebe nach״, er würde recht eigenartige Er־ fahrungen machen Mit den schönsten Zitaten ist keinem Darbenden geholfen ..in hungrigen M~agen Eilgang finden nur Suppcnlogik mit Knödelgründen". Das jüdische Proletariat in den östlichen Ländern ist aber in einer so elenden Lage, wie kein zweites;ח der Welt; ea ׳ist nicht nur in seiner Lebenshaltung weit unter das Existenzminimum herabgedrückt und in einem ganz unzureichenden Raum — dem sogenannten Judenravon — zusammengepfercht, es ist auch der Willkür jedes grossen und kleinen Machthabers preisgegeben und täglich in Gefahr, heimat- und obdachlos zu werden, wenn nicht uer Kürze wegen vorgezozen wird, es einfach totzuschlagea. Wir aber. die relativ günstig gesiebten Juden Westeuropas, betrachten es als unsere heiligste Pilicht. die jüdischen Volksmassen vor weiterer Verelendung zu bewahren und wir Zioirstcn erkennen als einziges Mittel hierzu die Schaffung einer öffentlich ■rechtlieh gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk. Weshalb wir hierfür Palästina in Aussicht nehmen, kan״ i״ dein Rahmen eines kurzen Artikels nicht auseinander'esetz: werden. es genügt; zu bemerken, dass die Aussetzungen des Herrn V. über die Beschaffenheit des Landes auf unrichtige! Information beruhen, das Ostafrikaprojekt ist ihm anscheinend unbekannt geblieben. D?ss man die Erre:chung unseres Ena- Ziels als eine Unmöglichkeit bezeichnet, kann uns ebensoveen g beirren, wie sich Herr V’. von der Verfolgung seiner Sozialist:- sehen Bestrebungen um deswegen zurückhdtcn lassen wird, weil der Zukunitsstaat von "'vielen Leuten ־ für eine Utopie gehalten wird. Die Lösbarkeit eines ־Projektes kann nicht durch theoretische Erwägungen, sondern •nur durch praktische Tütgkpit erwiesen werden, und praktische Tätigkeit. nicht mystische Schwärmerei.-auch nicht die für ein goldenes Zeitalter der MenscFsenverbrüderung* ist die Aufeabe des Zionismus. Damit.kommen wir zu demselben Ergebnis, wie Herr V., dass nämlich, jedes Volk s e i 11 e i g cner Erlöser sein muss. .; •; H. Jacob. Stettin. as־e Rundschau.. ה׳ :1, ö Berlin. Mcntag, den 8; Februar, hält der Verband der Synagogenverelne Im grossen Saale der Brauerei König- Stadt, Schönhauser Allee 10^11; abends 9 l’hr, einen Vortragssische Fürsten im Verkehre. untereinander die babylonisch# 1 Sprache anwandten. Ein besonderes Interesse haben die sog.! zerteilten Teils. Zu den Kunstdenkmälern aus Palästina über- \ gehend, wies Thier sch den Basaltlöwe:: von Hauran v« r, daun >’ die kunstvollen Synagogenüberrestc ti. a. m.!־Vor. der Grösse und Pracht des einstigen Jerusalems gab er der Hörer- und Zuschauerschaft ein Bild, indem er eine. Rekonstruktion Jeru- : salems vorwies, wie die Hauptstadt Palästina sich im Geiste : eines grossen modernen Künstlers in ihrer Gestaltung zur Zeit; des Titus sieh darstellt. Weiter zeigte. Thiersch Abbildungen der Fassaden .des Schlosses M’schatta,. die jüngst in Berlin j elngctroffen sind. Aber nicht nur. auf die Antike war der; Sinn der.Expedition gerichtet. . Sie hat .auch Aufitaluncn der | stolzen Kreuzfahrerschlösser und prächtige Typen der zeitigen 1 Bevölkerung Palästinas in ihren eigenartigen Trachten und ihren Schmuck mit heinigebracht. Zuiti Schlüsse mahnte Thiersch dringend, dass man damit eile, an Volkskundlichem zu sammeln, so lange noch Zeit ist. Bald durchqueren vier Eisenbahnen das Land und mit ihnen kommt der Niedergang alles Einheimischen. Was die Palästinaforschung angeht, so stehe ausser Zweifel, dass schon vieles bekannt ist; aber gleichwohl ist noch viel zu tun. Es gilt planmflssig im grosse״ i Abend ab. Herr Rabbiner \'obel aus Halberstadt wird über: ״Was tut dem Judentum des 20. Jahrhunderts not?“ sprechen. An den Vortrag schliesst sich eine freie Aussprache. Ueber das Unglück der russischen Juden wird das nicht minder grosse und noch vielfach' grössere der rumänischen Juden zu oft und zu leicht vergessen. Wir geben hier einige Nachrichten aus den letzten Wochen wieder, die ein Licht aui diese Verhältnisse werfen. Obenan steht die Frage der Naturalisation,;1L h. die Zulassung einzelner Juden zu den ihnen als Gesamtheit völkerrechtlich zustehenden Bürgerrechten. Die Kammer besprach nt der Sitzung vom b. Dezember ein Naturalisatiousgcsuch des Dr. jur. Michel Danid. von der Universität Paris, eines Neffen des verstorbenen Bankiers und Pächters Daniel aus Jassy. 3*1 Stimmen erklärten sich gegen und 1*4 für das Inbetrachtziehen des Gesuches, das also abgeleiint wurde. Diesbezüglich schreibt Herr Mille ini ״Adeverul“ vom 1/1*4. Dezember folgendes: ״Was die Kammer mit dieser Verweigerung tezweckte, ist kaum glaub* lieh. In dem Parlament hiess es, das Gesuch des Herrn Daniel müsse deswegen abgeleiint werden, weil er Bankier oder Sohn eines solchen sei. Eine derartige Erklärung könnte zulässig sein, hätte man nicht in der vorigen Sitzung mehrere Bankiers naturalisiert. Wenn sich also di*.־ Kammer ge1:.*,,־ d e jiid schen Kapitalisten erklärte, so dürfte man wohl annehme:!, dass sic sich den indischen ״Intelligenzen“ gegenüber sympathischer verhält. Letzteren gelang es aber nicht besser als dem Herrn Daniel. Aus alledem ergibt sich also mir die Tatsache, dass die Kammer kurzweg antisemitisch gesamt ist und dass dieser ihr Antisemitismus bloss vor enem Dazwischentreten der Regierting vor. *seiner Strenge nachlässt oder, auch vor einigen Parlamentarischen Persönlichkeiten, die sich zu gunsten dieser oder Jener Juden verwenden. — Die Fremden und die Landgüter. Einem Urteil des Appellationsgerichtes (Erste Abteilung) zufo’ge, wurde Herr Basilescu zur Rückerstattung der Summen verurteilt, die er von einem Fremden als Verkaufspreis vor. Landstücken, d:e ausserhalb Bukarests liegen, verlangt hatte. Der Fremde ist Herr Bcrcovici. Die Vertreter des Herrn Basilescu wollten beweisen, dass Bercovici in seiner Eigenschaft als einheimischer Jude nicht als Fremder betrachtet werden dürfe und folglich be* rechtigt war, Landgüter zu kaufen. Das Gericht schloss sich dieser Ansicht ‘nicht an. Der frühere Minister Dr. Istratl und die Juden. Anlasslieh der Schlussfeier der Ausstellung zu Bukarest, die v1״: Herrn Istrati veranstaltet wurde, hielt dieser eine Anrede, aus welcher folgende Worte hervorzuheben sind: ״Besonders vor, zwei Fremder, lernte ich den Patriotismus: die Herren Dokto* Stile Kultur, Geschichte und Altertümer zu erforschen, und diese Arbeit muss einheitlich organisiert und in steter enger Fühlung mit den Landesbehörden durchgeführt werden. Segen und reicher Ertrag ist sicher. Was die Palästinaforschung heute erreicht hat und erreichen wrid, ist ihre endliche Zusonmienfas^ung. Redner regte die Gründung von Lokalinuscc ״ in B e i r ü t, Jerusalem und Da* maskns an. Ein reiches Arbeitsfeld mannigfachster' Betäiigung für den Historiker. Archäologen, Ethnographen. Künstler bildet die. Erforschung des heiligen Bodens. Lebhafter Beifall lohnte die fesselnden Ausführungen. Wann endlich wird ein Jüdischer Palästina vere i n das leisten, was das J üdischeVolk der wissenschaftlichen Erforschung Palästinas schuldet, mehr als alle anderen? — Litteraturbericht (Bücher der einschlägigen Litteratur, welche der Redaktion .... zugesandt werden, finden eingehende Besprechung. Der Jüdische Verlag eröffnet jetzt seine neue Subskrip* tion. Was er sich vorgesetzt hat: eine Zentralstelle zu schal’- fen, von der ays jüdische Litteratur, jüdische Wissenschaft und