Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1904)
- Date
- 1904-02-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 52. _ JÜDISCHE RU SD SCH AU. No. 6. "״”״ . auch musikalische und deklamatorische Vorträge. Der offiziellc Teil dauert, höchstens eine Stunde und beginnt gewöhn* lieh um 10 Uhr. Die letzten Abende waren sehr gut besucht. Cs wurde stets für den Nationalfond gesammelt. Erst in sehr später Stunde trennen sich die Erschienenen, die sich ersichtlich im zionistischen Zirkel sehr wohl fühlen. ׳ Duisburg. Am 25. Januar sprachen in der hiesigen Zionistis-heit Vereinigung vor 200 Personen unter lebhaftem Beifall Frau Dr. Bodenheimer und Herr׳ l). Wolnsohn aus Cöln über ..Die Tätigkeit der Frau tat den Nationaliond“ und ״Die Kolonialbank“. Frau Dr. Bodcnheiuer betonte die Notwendigkeit der Kleinarbeit der jüdischen Frau, wies auf die bewusstjüdische Erziehung der Kinder als das wichtigste Erfordernis hin und empfahl besonders den Vorschlag der Frau Marcus* Florenz. Herr Woltfsohn legte das Wesen und die Erfolge unserer Bank in so eindringlicher Weise dar. dass sofort A3 Aktien gezeichnet wurden. 9 neue Mitglieder traten unserer Ortsgruppe hei. die am 25. Januar ihren ersten Geburtstag feierte ur.d in dem einen Jahr sich von 19 zu 70 Mitgliedern entwickelt hat durch emsige‘unablässige Arbeit, mit der aller* wegen etwas erreicht wird, wenn der Wille nicht fehlt. ־ Essen. Nachdem am Samstag, den; 16. Januar eine öffentliehe Versammlung stat״c:ur.den bar. in der sich viele Personeu zur Gründung einer Ortsgruppe bereit erklärten, ist diese nunmehr e:t:J-ri׳i!ig konstituiert worden. Am Donnerstag, d. 25. Jan. beschlossen die versammelten Zionisten, sich, zu einem loten Verbände zu \erei;!cn. Zu Vorst:!:Jsm.:gliedern wurden bestimm! die Herten: Dr. Walter Friede ma n n I. Vors.. Karl K aufm?. n n II. Vors.. Herma;!:! L e v i Schriftfülrer. Heinrich Auerbach. Kassierer. N. Ta!נ neu zapf und .1. Zeichner. Die Ortsgruppe zählt bereits SS Mitglieder. Vc!einslokal: Jüdisches Kasino, Kas*a: ien-Aliee 90. Es soll nun eme rege Tätigkeit entfaltet werde::, um unsere Ideen in weitere Kreise zu trägem Köln. den. 27. Jan. 190-4. ln gestriger Versammlung, der verschiedene anlässlich einer Sitzung des Kölner Distriktsbureaus hier, anwesende Gäste von auswärts beiwohnten, hielt Rechtsanwalt Dr. 1.0 wen stein. Aachen, einen Vortrag über ״Staatsbürgertum und Zionismus”. Pflege des jüd. Selbstbewusstseins und jüdische Eigenart, führte der Referent aus. hindern uns nicht, gute Staatsbürger zu sein. Mit den staatsbürgerlichen Pflichten kollidiere es nicht, wenn wir M.ilionen Juden, die.heute kein Heim und kein Vaterland be* slissejv e'n solches schaffen wollen. Es sei ferner zweifellos dass auch bei uns in Deutschlana die Judenfrage immer brennender wird, und wenn der Zionismus deren Lösung erstrebe, dtnn wirke er nicht staatsgeiährlich. sondern geradezu staatserhaltend. Vielleicht sei es sogar dem Zionismus Vorbehalten, die deutschen Juden, die Verstimmung und Unzufriedenheit in den letzten Jahren massenhaft ins sozialistische Lager getrieben., diesem wieder zu entrissen und den Reihen der staatserhaltenden Parteien zuzuführen! - Das Referat, das einen Haupteinwand, auf den wir bei unserer Agitation in Deutschland immer und immer wieder stnssen, zu widerlegen suchte, wurde sehr be:fällig aufgenonunen. Regensburg. Ohne einer gesunden Opposition zu widerstieben, müssen wir die Charkower Konferenz ganz entschieden missbilligen. . Sie widerspricht der strarmticn Parteidiszipliii. die uns vor allem not tut, und ist eine gröbliche Ver-’ Ittzung der auf den! letzten Baseler Kongresse gefassten Bc- Schlüsse. — Wir vertrauen unerschüttert unserem genialen Führer Dr. Herzl. der in geradezu wunderbarer Weise dem Zionismus die Achtung der ganzen Welt zu verschaffen wusste und dessen wohldurchdachtcr umsichtiger Leitung, diese grosse Bewegung im jüdischen Volke ihre bisherigen Erfolge verdankt. ־ Regensburger Zionistische Vereinigung, c. V. Der Ausschuss. Stettin. Am 3U Januar hielt der sozialdemokratische Stadtverordnete Herr Vogtlierr im Versammlungslokal der treireligiösen Gemeinde einen Vortrag über ,,Judentum und Z10nismus". Obgleich der Redner sich auf diesem Gebiete nur sehr oberflächlich orientiert zeigte und daher sachlich ments bemerkenswertes zu bieten vermochte, ist es doch nicht ohne Interesse, dass auch in nichtjiidschen Kreisen unserer «״mg mehr und mehr Beachtung geschenkt wird und dunen wir dies wohl als einen Erfolg unserer Propagation in Anspruch nehmen. Dass der Redner von seinen!, dein tretrehgiösen 'Standpunkte aus zu einem absprechenden Lrtele über oen Zionismus gelangen muss, erscheint vie’leicht se bstverstandiich ur.d lediglich als eine Konsequenz seiner der unsngen diametral entgegengesetzte;:. Weltanschauung. Herr \ogt.K-rr. der sich selbst als konfessionslos bezeichnet, betrachtet ltue der vorhandenen Religionen als einen Hemmscr.uh lür den ku,-?••rmnschntt der Menschheit, wie er auch m jener Betonung sur die Vorbereitung Christen!es eine־׳ Nationalität ein Hindernis , . . gemeinen Menschentums sieht. Er näh Christentum umludeiuum für UeberHeibse! einer vergangenen Kulturper;oae. die in die Gegenwart hineinrage״ und deren Beseitigung anzustreben ist. von diesem Gesichtspunkte• aus ist seine Gegner- Schaft gegar den Zb׳ni;nu:s ohne weiteres begreifi:ch. Mit klarerem Blicke als unsere jucisc'.eu Gegner, denen die Buttdesgtuosscnschait aus dem Lager des religiösen und politisehen Radikalismus etwas unbehaglich sein durfte, erkenn: er in der zionistischen Bewegung, die der Auflösung des Judentu ms ci1tgo-:en wirkende Kraft, eine Auffassung, mit der wir uns ohne Bedenken Zeinverstanden erklären. Konnte man insoweit der,: .Cledärker.gange des Redners den Vorzug der logisehen Folger,'chtigkeit nicht absprech-n, so litten seine weiteren Ausführungen unter dem Umstande, dass er den von ihm behandelten Gegenstand nicht genügend beherrscht und d־adurch zu falscher, und einseitiger. Schlüssen gelangt. Nur so‘ erklärt es sich, dass er .im •Zionismus eine mystisch-r e I i g iö s e. auf den Messbnisnuis hir.ausiührende Idee erblickt, w ährena er die eminente soziale und kulturelle Bedeutung der Bcwegung nicht begreift. Wahrend bei einer früheren Gelegenheit es dem •Zionismus zum Vorwurf.,gerechnet wnrde. dass in von der Religion ganz abseh.e, unterstellt ihm Herr V. religiöse Unduldsamkeit, die im alleinigen Besitze des echten Ringes zu sein glaube. Wenn sch'.iess!:ch ,der Redner mit der aligemeinen Verbrüderung des Menschengeschlechtes argurnentmrte. so haben w;r dagegen umsoweniger etwas einzuwenden. als dies Ideal ja dem Gcdankeninhalte des Judentums angehört und von dem in eminentem Sinne national-jüdischen Propheten Jesoja zuerst in unerreichter Schönheit entwickelt worden ist. Teils begonnen. Der Vortragende^Zeigte weiter die Atisgrabungscrgebi'isse in, Hauran. Die' entzifferte Siegesurkunde Runtses II. zeigt, dass Hauran, die Kornkammer Syriens, aucn von den Aegypten! begehrt war. Die dritte Periode, die Salomonische und der Könige Israels, weist leider wenig Reste auf. Auf de!: Fundamenten des alten Tempels steht heute die Felsenmoschc'e. Der Vortragende erläuterte die Bauten Jerusalems und führte die Rekonstruktionen des Tempels,' der Stadtmauern usw. vor, besonders auch die Bauten der Makk 1baer und des Herodcs. Eine Gerte Periode des ausgehend-:״ Altertums zeigen die grossartigen Ruinenstädte in Hauran und Moab. die leider heute dem Verfall ausgesetzt sind. Weiter erwähnte der Vortragende die byzantinische Epoche; die Reste des in diesen Tagen viel gepanmen MschaUa-Schlosses. die• der deutsche Kaiser vom Sultan zum Geschenk erhalten hat. Die Bauten stammt•!! aus der Zeit der Sassaniden, welche das Ostjordanland im 7. Jahrhundert beherrschten. Nach einer Berührung des Kastells der Krcuzialirer schilderte der Redner die arabische und moderne Epoche. Es ist hohe Zeit, die Schüt2e zu bergen, da schön vier Eisenbahne!! das Land durchziehen und d^unit die Zerstörung der alten Kultur besiegelt ist. Thiersch und seine Begleiter haben eine lange Reihe anschaulieber und kennzeichnender Aufnahmen aus dem heiligen Lande mit heimgebracht. Eine Auswahl davon zeigte Thiersch mit Hilfe des Projektionsapparates vor. Er begann mit schneebedeckten Landschaften vom Libanon. Eint* davon zeigte uns ein Drusendorf, andere Zedern vom Libanon, die es dort nur noch spärlich gibt. Dann werden wir in das Tal Jesreel gerührt, der Stätte, wo die Weltwege hindurchführten und wo die entscheidenden Schlachten geschlagen wurden. Weiter gehr cs?um. See von Genezarcth, den von Tamarisken umrahmten Ufern des Jordans, zu den trüben Ufern des Toten Meeres und nach Askalon. Wir sehen die Mazehöt, aufragende Stein pieüer, an denen sich Kultstätten mit Kmdermassengräbem finden. Eingehende Beachtung wurde den Teils, den Hü gern gewidmet, die in mehreren Schichten eine Fülle von archaologischem Material enthalten. Hier Sind noch reiche Schätze zu heben. Die Engländer waren es, die einen solchen Teil zuerst anschnitten. Es gibt deren hunderte in Palästira. Bckannt sind Selins Funde von Megiddo. Sie haben neue Beweise von dem babylonischen Einflüsse auf Palästina gebracht. Aus Tontateifunden hat man• nämlich erfahren, dass palüstinen- "יידן