Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1904)
- Date
- 1904-02-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 50. JÜDISCHE RUNDSCHAU. ■No. 6. 1 * * Von dfcn aus Nützlichkeitsgründen vorgebrachten Momenten für die Orgöl kam ganz besonders in Frage, dass es unmöglich sei, eine so grosse Gemeinde, wie in der Rykestrasse, ordentlich zu leiten, ohne ein solches Instrument. Das ist falsch! Aber wenn es richtig wäre, so würde daraus nicht folgen, dass man für die grossen Synagogen Orgeln baue, sondern dass man, wie es ja auch wirklich dem Bedürfnis entspricht, in vielen Stadtteilen kleinere Synagogen errichte. Man darf dabei sogar, auf das jüdische Sabbatgesetz vom Fahren einige billige Rücksicht nehmen. Und auch die Kosten würden nicht unerschwingliche sein. Freilich müsste man auf alle den unnötigen Prunk verzichten, der nicht .die Andacht erhöht, aber den Steuerzahler unnötig belastet. Es bleibt den Liberalen unbenommen, ihren ״Kunstsinn" weiter in den prächtigen Bauwerken in der Schönhauser Allee und in Weissensee zu betätigen, die bisher mehr Geld gekostet haben, als alle Synagogen und Schulen zusamrnengettommen. Wenn die Liberalen durchaus diese Pracht nicht aufgeben wollen, so mögen sie sich damit gedulden bis zu dem Augenblicke, wo es aus den Kosten der Familien bestritten wird, die dieses Prunkes bedürfen. Die grosse Repräsentanten Versammlung mit der Beschlussfassung über die ..Rykestrasse‘־ hat von neuem gezeigt, dass es sich bei den Liberalen nicht um Liberalis- ‘jnus handelt, sondern um Einführung nich:jüdischer Bräuche in unser gesetzlich festbestinumes Synagogenleben. Sie hat aber auch bewiesen, dass nicht alle unsere Konservativen als Vertreter konservativen Judentums sind, sondern zum Tfcil schwächliche Naturen, denen wir nicht die Vertretung unserer Interessen anvertrauen dürfen. Die Liberalen vertraten mit der ihnen eigenen Verschwommenheit ihren tinjüdisclien Stand• Punkt, aber mutig und ehrlich. - - Die Konservativen dagegen flössen über .von einer Toleranz., die kein Liberaler verstellen wird, und die intolerant ist nur gegen das konservative Judentum. Diese Orgeldebauen aber zeigen uns, wie das gesetzestreue und das iiistorische Judentum in der Gemeindestube vertreten sind und rufen alle die auf die Warte, die am alten Judentum unentwegt festhaiten wollen, die eine Reform an Haupt und Gliedern wünschen, eine wirkliche Neubelebung des Judentums, die mehr wert ist als die Einführung von Orgclton und Glockenklang. Nicht rückwärts, sondern vorw ärts! Zu lange hat man an tinsern alten Gesetzen und Bräuchen geändert und gemodelt, um ihnen die jüdische , Eigenart zu nehmen! Zu lange haben wir es geduldig mit [ angesehen, dass man Zion und Jerusalem und jede heilige; nationale Erinnerung aus unsern Synagogen verbannt . hat. Zu lange waren wir gieichgiltig gegen Entjudung; und Verchristliehurig unserer Jugend. Das muss anders! werden. Wir wollen vor den Zerstörern unseres Volks-! tums nicht mehr rückwärts weichen: Vorwärts ist die Losung. Und dazu bedürfen wir Männer, die am echten, unverfälschten Judentum furchtlos festhaiten, keiner schwankenden Rohre, mögen sie sich nun konservativ 1 oder liberal nennen. Auf die Benennung kommt es nicht an, aber an ihren Beschlüssen werden wir sie •erkennen. : Die Orgelt rage mag an und für sich vielleicht unbedeutend sein, aber sie ist symptomatisch. Die Frage selbst aber lautet: Für das Judentum oder dagegen, für Zion oder gegen Zion. Wir beantworten sie: Für das! ganze eine ungeteilte Judentum! EljAqim.;ind. An dieser Abstimmung giieder des Zentralkomitees. Q ..... - Q :י Aus der Bewegung. 3 53־ 5׳ ״8 ׳? f 483 5 ** ■8? 3?>׳±?י׳ Köln. Am 26. Januar hat eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses der Zionistischen Vereinigung für Deutschland stattgcfun.de!:. in welcher verschiedene v. Iciüigc Bcschiü.sS-‘ auf dein Wege der schriftlichen Ab- Stimmung geio>s’ wurden haben sich sämtliche M teilweise mit eingehender Begründung ihres Votums, beteiügt. Gegenstand der Beschlüsse bildete in erster Linie die Stellung der Zionistischen Vereinigung ven Deutschland gegenüber dem Vorgehen einiger russischen Mitglieder des Aktionskomitees, und hat das Zentralkomitee einstimmig beschlossen, eine angemessene Kundgebung gegenüber diesen Bestrebungen an das Aktionskomitee nach Wien zu richten. Es stand ferner in Frage, welche Haltung das Zentralkomitee gegenüber den böswilligen und verleumderischen Nachrichten, die von getauften Juden über den Zionismus in die Tagespresse lancier! werden, einzunehmen habe. Um die Mitte des Monats März ist eine wehere Sitzung des Zentralkomitees in Aussicht genommen. Es wurde ferner beschlossen, den d i e s j ä h r i g e 11 Delegiertenta g in Ha rn bu r g stattfitiden zu lassen. Mit Rücksicht auf die Wünsche der süddeutschen Mitglieder behält sich der gesdiäftsführciide Außchuss noch vor. die Tagung •Nfi ßy ייי •י* ידיו ורי ויי C(^־ ****<*<*A*Af**a1A/** « « * a * » * * * •־ *י ״י. J. ,1. .1. ,1״1. ,י, ״ j. j, x X j, x x x X X XX .י• X .״י. ״> ..י X,י,י. X X J.״י X X X*'׳ jtij Forschungen und Reisen. j:| - 'f'V T V T T V V ין׳'1׳ V ׳»’ T י!׳ T T? V T V? VV 1'? '1׳* V V T V V ׳!'? TV'־׳ 4* & ^יי• Cm Cd ü Cd Va Cd Ci' & 'Cd Cd Cd Cd Cd C4 Wfcj ilu C4 Cd Cd Cd .1 Ci Ci Cd IM Cd C* Ci W Cd Cd C Deutsche Orient-Gesellschaft. In der am Donnerstag ab-; gehaltenen Sitzung der Deutschen Orieut-Gesellschait in der Königlichen Hochschule für Musik sprach Pr. T 11 i e r s c h! aus München über die von ihm und Dr. Holscher aus Leipzig j hu Aufträge der Gesellschaft unternommene Forschungsreise ־ durch Palästina. Der Kaiser, welcher sein Interesse an der j Gesellschaft und der Orientforschung seit langem bezeugte, war zu dem Vortrage erschienen.- Anwesend waren u. a. der Prütz zu Schänaicti-Carotath Uuü der Kultusminister Dr. Stuit.; sowie viele Herren und Damen der Hot-Gescilschatt. Dr. j Thiersch leitete seinen Reisebericht, der eine Art Rekognosj zierungsfahrt durch Palästina war* um die Sitten festzustellen, an denen die Ausgrabungen später einsetzen sollen. , mit einem Ueberblick über die Forschungen und Ausgrabungen im heiligen Lande ein, die vor 5•׳ Jahren von den Engländern , In grossem Masstabe begonnen wurden. Die Engländer habe!! zum erster! male eine geographische Aufnahme der gesamten Landvcrhültnisse dort gegeben, welche die Grundlage für alle Zeiten bleiben wird, und auch schon Ausgrabungen in Jerusaleuj bis 30 Meter Tiefe unternommen, um die Terrasse der Tempelrnauern zu erreichen. Dasselbe Programm, wie die Engländer, hatte sich der ״Deutsche Verein“ ein Jahrzehnt später gesetzt, aber in zwanzigjähriger Arbeit konnte bei den beschränkten Mitteln deutsche Forschung trotz hingehender Arbeit nicht das leisten, 'was die Engländer in einem Jahre zu senaften vermochten. Dann trat Russland not bedeutenden Mitteln aut den Plan, hierauf Frankreich, das eine grosse Schule unter Leitung ausgezeichneter Dominikaner begründete. und auch Amerika schloss sich den Forschungen an. Erst nach der Reise des deutschen Kaisers nach Jerusalem war.es ein evangelischer Verebt, der ein deutsches wissenschaftliches Institut nach Art der Institute in Rem und Athen ins Leben rief, und dem sich dann die Deutsche Orient-Gesellschaft beigesellte. Dr. Thiersch schilderte hierauf den Gang der von ihm und Dr. Hölscher unternommenen Reise, die volle d Monate dauerte und die Reisenden über ICO Tage auf dem Pferde hielt. Er rühmte das Entgegenkommen der türkischen Behörden. des deutschen Konsuls fn Beirut, die Tüchtigkeit und Einfachheit der türkischen Offiziere der Begleittruppe, welche ׳ 1.