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Jüdische Rundschau · 1904-01-29 · Heft 5 (29.1.1904) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 5 (29.1.1904)
Date
1904-01-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 46. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 5. ten der Diamantarbeitervereinigung, Henri Polak, wurde der Beschluss in allen Fabriken durchgeführt, von etwa 1600 Lehr״ Ungen mussten an 1000 die Fabriken räumen und anderweitige Beschäftigung suchen, kurz, die Juwclicrvercinigung musste nachgeben. Sie hat die Niederlage aber nicht verschmerzt Trotz ihrer früheren Zusage weigert sic sich jetzt nicht nur, auf der von den Arbeitern geforderten Basis sich in Unter״ Handlungen über den neunstündigen Arbeitstag . einzulassen, sondern sie hat die Lehrl-ngsfrage unter dem Vorwände, dass der Diamantenmarkt durch Mangel an Arbeiten geschädigt werden könnte, wieder aufgerollt.. Infolgedessen fanden am vorigen Mittwoch und Dotmerstag im Industriepalast zwei grosse Versammlungen statt, in denen die Arbeiter durch gedruckte Zettel auigeiordert wurden, in der Lehriingsfrage keine Zugeständnisse zu machen und dem Vorstand zu untersagen, sich mit der Juweliersvereinigung über diese Frage überhaupt in Unterhandlungen einzulassen. In letzterer Hinsicht war aber Henri Polak mit dem Vorstand anderer Meinung und als es zur Abstimmung kam, wurde letzterer mit 3572 Stimmen gegen ermächtigt, in Unterhandlungen wegen der Lehr״ lingsfrage zu treten. Fs kommt jetzt nur daraui an, wie hoch die Juweliere ihre Forderungen spinnen; wenn es sich bestütigen sollte, dass sie, wie die Blätter meiden, sich mit der Einstellung von 750 neuen Lehrlingen zufrieden geben, dann wären Aussichten auf eine Verständigung vorhanden. Bemerkt mag noch werden, dass, während früher das Diamantenarbeiterfach sich ausschliesslich in jüdischen Händen befand, seit etwa 15 Jahren auch eine protestantische und eine katholische Facharbeiterverefnigimg besteht, die übrigens beide, besonders bei Ausständen, mit dem fast ganz jüdischen ״All״ gemeinen niederländischen Diamantarbeiterlumd* *‘ bis jetzt stets gemeinschaftliche Sache gemacht habe!). Ein russischer Natlcnalökononi über die Stellung der russischen Juden. In der Januar,nununer von , The Monthly Review“ veröffentlicht Tugan-Baranowski einen Artikel über den ״Antisemitismus in dem gegenwärtigen Russland“ und stellt dabei aus langjähriger Erfahrung auf dem Lande fest, dass die Quelle dieses Antisemitismus nicht im Hasse der Arbeiter gegen die Juden zu suchen sei. Tausende von Juden, führt der im Gouvernement Poltawa lebende Verfasser aus. leben seit Jahren unbelästigt unter den Bauern, von denen jeder Einzelne jederzeit diesem Verkehr ein Ende machen könnte, wenn er wollte. Die Haltung der Bauern gegenüber den Juden ist eine ausgesprochen freundliche. Es ist oft von dem jüdi״ sehen Wucherer die Rede, allein der Wucherer muss doch ein wohlhabender Mann sein — der arme jüdische Kolonist, der unter den kleinrussischen Bauern lebt, kann aber sicher keinen Kredit geben. Dagegen hört man in der Gegend, in der der Veriasser wohnt, viel von russischen Grundbesitzern, die Wucher treiben. Die meisten jüdischen Dörfler sind Klein״ Händler und es unterliegt keinem Zweifel, dass der jüdische Zwischenhändler dem indolenten Bauern viel Mühe und Kosten erspart. Andere Juden sind Schneider, Schmiede usw. Die Austreibung der Juden würde die Bauern in eine unbequem•»• Lage versetzen: letztere begreifen dies auch sehr wohl und sie sind nicht für eine Beschränkung d:-r Ansiedelungsrcchtc der Juden; jüdische Kinder besuchen die Dorfschulen. Allerdings ist der Jude in den Augen der Bauern, schon wegen des Religionsunterschiedes, ein Fremder, wenn auch kein FeLid: der kleinrussische Bauer hält s׳ch für etwas bessere.■' als der .Jude. Trotzdem fühlen letztere sich nie sicher. Di ist zunächst der Religionsunterschied, alle in dieser Umstand ist nicht genügend, um dt•:! Bauern zu veranlassen, gegen die Juden Feindseligkeiten zu begehen. Zu diesem Zwecke muss er erst anigereizt werden. Man kann die christliche Bevülkerung zu der Ueberzeugung bringen, dass der Zar dies oder jenes wünsche. So waren die Bauer!’, weiche die Guter der Adlige:! im Gouvernement Poltawn rmg-iffc:!. der Ansicht, dass das der W;;ie des Kaisers sei. Der Verfasser war nach, der Ermordung des Kaisers Alexaudf־ II. wahrend der Judenhetze in Kiew anwesend und fragte verschiedene Angreifer, was sie gegen die Juden hätten, und die Antwort lautete stets: ,.Die Juden haben unseren Zaren er überzeugt davon.!lass der Angriff, wen: hefohlen, doch autorisiert war. Darin wurden sie noch durch die Passivität der Truppest bestärkt. So ist t־s noch, heute. Die grösste Schuld trägt jedoch die nnhsenmische Presse, und wenn die Bauern lesen, dass in eien amtlichen Auslassu.־,- gen die Juden als Angreifer der Christen heze:c;1net werden wie dies nach den Judenhetzen in Kischinew und Honte! geschalt, dann beginnen s'e offen von neuen Angrinen auf die Juden zu sprechen. Mit bezug auf eine :eindbehe PoiiFk gegen die iremden Nationalitäten ist die Regierung einig mit den einflussreichsten Kreisen der russischen Gesellschaft. Die russischen Nationalisten sind stets gegen die Juden gewesen. Die Handwerker fürchten die jüdische Konkurrenz und deshalb machen sie mit den Nationalisten gemeinsame Sache. Das eigentliche Rückgrat des russischen Antisemitismus liefern nicht Bauern und Arbeiter, sondern die wohlhabenden oberen und mittleren Klassen sowie ein gut Teil der professionellen Leute. Allerdings gibt es auch unter den russischen Liberalen Freunde der Juden und unter den höchsten Vertre-tern der russischen Litteratur, Kunst und Wissenschaft ist kaum ein Antisemit zu linden. Der frühere Finanznrinister Witte hat in einem geh.einten Memoire die Aufnu.rdet.'־ Alle waren auch au••!; nicht formell Zeit Jetzt scheint sich nach Anlage des Ismalüakar.als der Zustand des Landstrichs, den Joseph als den schönsten für seinen alten Vater und seine Verwandten auswählte, gründlich geändert zu haben. Der Ismaiiiakar.al verläuft mit hohem Wasserstand durch einen durchlässigen Boden, und das Siekerwasser hat nicht nur dazu geführt, das allgemeine N.veau des Grundwassers zu heben, sondern auch an vielen Stellen Sodasalze an die Oberfläche gebracht, die selbstverständlich, und unter ihnen namentlich das kohlensaure Natron, dem Gedeihen der Pflanzenwelt äusserst schädlich sind. Der Wind hat noch dazu tDitgcholfen. die ausblühenden Salze zu verbreiten. Das Land ist also durch einen Kanal, der unter gewöhnlichen Ver-;hijltnisseti stets als ein Segen für das durchzogene Gebiet betrachtet ward, von einer fruchtbaren Landschaft in eine Salzwüste verwandelt worden. Das Ministerium der Öttent- •-heben Arbeiten in Kairo, das einen ausführlichen Bericht Über diese Zustände entgegengenommen hat. wird sich mit den Mitteln zur Abhilfe befassen müssen, die nur in einer grümlliehen und kostsoieligen Entwässerung und einer häufigen Durchwaschung des Bodens bestehen können. Professor Schnnfetds Reise durch die Sfnalhalblnsel. Ende .Oktober v. J. hatte Professor Dr. Dagobert Schön fei d ' aus' Jena eine Forschungsreise von Kairo nach der Sinaihalbintet angetreten; er wollte zunächst das Sinaigebirge durchforschen und dann nordwärts über Petra und Kades-Barttva nach Heb הס ziehen, wobei er versuchet! wollte, die W der Israeliten und ihre Lagerplätze _ sestzusetz en._ mitgetcilt wird, hat Professor Schönfeld diese Re s Er hat mit seiner Karawane י\ :Cerung;0 uns mit Ab- :sendet lauf des vorigen Ia'ttres fc! aut einem Ritt von il’.j K:lcr״ctcrn das perüfsche Arabien von Suez über das Katharkioster nach Jerusalem durchzogen. ׳Arabische Diener, Zelte und gehallte Proviatnkisten. brachte er aus Kairo mit, und aut dem as.atiscken Ute ז des Kanals ergänzte er seine Karwane durch Anwerbung eines Beduinenschechs mit sechs Leuten und durch sieben Lastkamele. Seit?»' Forschungen über die Frage des Serbfil-Sud-Horcb und über die historische Bedeutung des alten Kades-BarnZa, des heutigen Am-Gad.'s. versprechen manches Neue. Die Stimmung im Inneren der Halbinsel den Europäern gegenüber war nicht freundlich, doch kam Professor Schonfeld ungefährdet durch. Die Reise in den .Gebirgen war allerdings sehr beschwerlich, doch hnte er günstiges Wetter. t ״

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