Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1904)
- Date
- 1904-01-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5. Seite 42. - — «—■—.י-»» —~ * V-- |t) ü IS CJIE RUNDSCHAU. vater technika, die vermutlich entweder gar keinen, oder nur einen massigen Zuschuss von den betreffenden Städten und Regierungen erhalten. Ja. es ist meiner Ansicht nach nicht arsgeschiosscn, dass sich die privaten Anstalten rentieren. Wenn ich auch nur den Fall annehme, dass die Anstalt eines ntä ss igen Zuschusses bedarf, so ist das für die fetzige Zeit sehr massgebend. Jährlich 635000 Mark aufzubringen, ist heute eben ein Unding. Dieses Technikum wäre im Gegensätze zur Hochschule nur für eine kleine Schar Akademiker berechnet (vielleicht IW bis 200), die aber im allgemeinen Hebräisch so ziemlich beherrschen sollten. Für sie bedürfte man nur einer ganz kielnen Anzahl Lehrer, die ihren Vortrag in unserer Nationalsprache halten müssten. Ein gewöhnliches Gebäude würde für die erste Zeit genügen und die Geldspenden für die Ausstattung mit Lehrmitteln, Mobiliar u. s. w. verwandt werden. Dabei sei bemerkt, dass das Institut anfangs lange nicht so vielseitig zu sein brauchte, wie die geplante Hochschule. Eine Seite der Schule sollte allerdings schon anfangs gut ausgerüstet sein, als die Grund-Fakultät, der sich die anderen angliedern keimtten. Stünde erst mal diese Schule und könnte sie im K!e׳m*n die Ausführbarkeit auch• einer grossen beweisen, su würden sicherlich um so leichter die nötigen Geldmassen einkonirr.e::. mit denen man harmonisch nach und nach die Schule zu der geplanten ausbauen könnte, wobei eine Reihe dann herangewachsener ehemaliger Schüler in allen Weltteilen um so willi-!׳er ihre ganze Kraft in den Dienst der Sache stellen würden. Eine jüdische Hochschule aber wäre ein Schritt weiter zur friedlichen Eroberung tmse! es alten Vaterlandes Thellhaber. ©©©*©4 S-S©©i© B©®® Bf ©4 8© © ® I Aus der Bewegung. | © *©« © © 4 ® SS ® B H? © $© S 5 © ©5 © I © >ä ■?5 * ׳ © I4» *׳׳ B © © © 4 © Auszug aus dem Protokoll bei der Zusammenkunft der Vorstände der badischen Ortsgruppen In Mannheim am 3. Januar 1901. Tagesordnung: Stellungnahme zu der beabsichtigtet» Reform des Gebetbuches in Baden. Anwesend sind: Dr. M c s e s - .Mannheim als Vorsitzender. Dr. Regensburger - Mannheim. Leopold Simon- Mannheim. Julius S i m 011 ־ Mannheim. Alfred Mayer- Mannheim. Julius \V e r t h e i tn - Mannheim als Protokollführer. Max Sichel- Heidelberg. Dr. Kaufmann- Fretourg. , Beschlüsse: 1. Wir werden uns im Prinzip an der Protestbewegung beteiligen. 2. Wir werden dabei nicht mit der Orthodoxie zusatnmengehen, weil unsere Gegnerschaft zum Teil aus anderen Beweggründen resultiert. 3. Wir werden in einer Eingabe an den Ür. Oberrat unseren Standpunkt darlegen und vor den Konsequenzen der Reform warnen. Die Eingabe soll vom Bureau verfasst werden, dabei soll Dr. K a u f ni a n n ־ Freibürg assistieren. Falls das Biireaa aber nachträglich die Eingabe aus besonderen Gründen unterlassen will, so ist es berechtigt, dieselbe zurückzuhalten. 4. Eine Propaganda soll organisiert werden. 5. Im beve rstehenden Kamp! zu den Synodal wählen erstandnis erzielt soll mit den Orthodoxen ein Ein.v werden. Protokoll der Plenarsitzung des Distriktsbureau .Mannheim am 2. Januar 1901. Präsenzliste: Br J. Moses- Mannheim. Jul. W e r t h e i in ־ M annheim. Leop. Simon- Mannheim. Julius S i in o n - Mannheim. Dr. Regensburger -Mannheim. Dr. Cah c n-Mannheim. Alt'r. Mayer- Mannheim. Leo B i e I s k y ־ Stuttgart. Max Sichel- Heidelberg. Sam. G 01 d m a n n - Heidelberg. J. Schertnann - Heidelberg. E. Hahn- Würzfcurg. Hirsch Oppenheimer -Würzburg. Dr. K a u f rn a n n ־ Freiburg. (Entschuldigt fehlen: Dr. F e l s e n t h a 1 - Manheim. Dr. F r i c d e tu a n n ־ Wiesbaden, Dr. L e v v - Obcringelheim. Fritz Sondheimer -Frankfurt a M.) Beschlüsse: I. Jede Ortsgruppe hat an das Bureau für jedes ihrer Mitglieder Mk. 1.50 als Beitrag für die Landes- / dass sich das vereinigen lässt," sagte sie lebhaft, .,0, Sie unterschätzen die Frauen, mein Herr! Glauben Sie mir, es wä־e manches besser, wenn die Männer nicht so anspruchslos in bezug auf die Frauen wären. Die meisten verlangen ja nicht mehr von ihnen, als dass sie vorstellen, gut hauszuhalten. Und doch kann ich mir keine Ehe als vollkommen glücklich denken, in der nicht die Frau noch neben ihren häuslichen Pflichten an allen Interessen ihres Mannes teilnimmt!" ... Er haue ihr interessiert zugehört. Diese Unbekannte schien ihm plötzlich alles das zu verkörpert!, was er bis heute vergebeus gesucht und ersehnt hatte. . . Der Wagen rollte jetzt über ein holperiges Pflaster und bald sahen sie das kleine Stationsgebäude vor sich liegen. ״Darf ich Sic geleiten und ein Coupe für Sie wählen?" fragte er, als sie ausgestiegen waren. ״Sie haben noch 10 Minuten, bis der Zug abfährt. ״Ich nehme Ihr Anerbieten dankbar an, es bringt Sie hoffentlich nicht allzu weit von Ihrem eigenen Wege ab,‘‘ versetzte sie freundlich. 0״, was das anbdangt. ich komme immer noch früh genug in mein einsames ־ Junggescllenheim. Mein Wagen wartet übrigens Urausscn und bringt mich in zwanzig Minuten in die Fabrik. Sie gestatten, dass ich mich Ihnen vorstelle: Direktor Viktor Giessberg!" ... Sie verbeugte sich leicht, und dann gingen sie schweigend eine kleine Strecke weiter. ״Eine Frage wellen Sie mir noch giitigst gestatten," sagte er plötzlich langsam, ״und im voraus Pardon gewähren, wenn sie etwas gewagt erscheint.. Diese Stunde des Beisammenseins in dem alten Postwagen hat sie in mir rege werden lassen. Kann es sein, dass wir uns wiedersehet!? Darf ich Sie bei den Ihrigen aufsuchen,־ wo immer cs auch sei? ‘ .... Sie bückte ihm gerade und fest mit ihren hellen, grauen Augen ins Gesicht. ״Erlauben Sie, dass ich sie auf etwas aufmerksam mache, Herr Direktor! Der Kreis, in dem ich aufwuchs und leben und der Urnen, wie es scheint, nicht zu missfallen die Ehre hat, besteht aus . . . Juden, . . . ich selbst bin eine Jüdin!" .... Er hatte sie gleich anfangs überrascht angesehen. Bei ihren letzten Worten zeigte sein ausdrucksvolles Gesicht jedoch eine solche Bestürzung, dass sie leise vor sich hinlächelte. . . . War es denn möglich, diese feine, elegante Dame, die jeden Zoll Aristokratin, sollte eine Jüdin sein? Ein Reis von jenem verachteten Stamme, der ausgeschieden von den