Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1904)
- Date
- 1904-01-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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»5 .סא JÜDISCHE RUNDSCHAU Seitei 4L ill©וזז auch In'׳ Kischinew, hat, die gerichtliche Untersuchung ergeben, dass die Hetze auf seiten der jüdischen Presse liegt und däss der intellektuelle Anstifter der Jude Ist. Nicht der verstorbene Levy verdient unser Mitleid; sondern der •um seinetwillen verurteilte Christ.“ f - Vor noch gar nicht so langer Zeit hat sich die ״Staatsbürger-Zeitung“ bemüssigt geiunden, uns gegenüber ihren christlichen Standpunkt zu betonen, und uns zu belehren, dass wir kein Recht haben, zu beurteilen, was christlich Ist. Wir nehmen an, dass auch der obige Artikel voll'jenes christlichen Geistes ist, den wir eben nicht verstehen und nie verstehen werden. Aber wir wollen auf unsern Ausgangspunkt zurück-, kommen. Wir wollen das Symptomatische des neuen Konitzer Prozesses dahin feststellen, dass die Geschworenen nicht aus ihrem eigenen geistigen Milieu heraus können. Sie haben gewiss ihrer besten Ueber- Zeugung gemäss gehandelt, die eine andere ist als die unsrige. Nicht einmal vergleichen sollte man die Prozesse von Kischinew und von Könitz. Aber wir wollten! uns darüber klar werden, dass in jeder Stadt Russlands : mit grosser Judenbevölkerung ein Kischinew und ein i Home! geschehen kann, wenn der geeignete Auftrag er- 1 folgt, und dass es ebenso jedem Juden in Deutschland so gehen kann wie dem ״gestorbenen” Juden Levy in Siegers, wenn er in einer ähnlichen Umgebung zu sein gezwungen ist. Dann kann ihm bei dem bekannten Mute der Mehrheit gegenüber dem Einzelnen die ״körperliche Züchtigung“ einer ״für ihn passiv verlaufenden Schlägerei“ zu teil werden. Aber der deutsche Jude ist sehr schwer, zu schwer von Begriffen. Es wird noch lange dauern, und noch manche Juden werden ״sterben“ müssen, bis er begreift, dass Russland gross und Preussen klein ist. dass ater nur ein quantitativer, nicht ein qualitativer Unterschied im Judenhass bestellt. Die Geschworenen von Kischinew haben nach russischen Begriffen ihrer Pflicht genügt, und die Konitzer Geschworenen haben über die Tat von Stegers ein Urteil gefällt, dass sie selber nicht einmal für milde halten dürften. Und die Moral von der Geschieht’? — Die deutschen Juden verstehen sie noch nicht. Heinrich Sachse. ,»•־'—-י»״.-'—״ י״■״■*-׳. Ein jüdisches Technikum. Vor einigen Tagen kam mir wieder das Büchlein ״Eine jüdische Hochschule“ in die Hand. Beim Durchblättem der bekannten Notizen bleibt mein Auge bei dem Kapitel ״Vorläufiger Entwurf einer jüdischen Hochschule" hatten, denn in dicken Lettern ragten zwei kurze Angaben unter den langen Zahlenreihen hervor. Die eine lautet: ״Gesamtkosten der Hochschule 5 473 000 Mark“ — die andere: ״Der notwendige jährliche Zuschuss muss also rund 635 000 Mark betragen.“ Diese Zahlen müssen den Unbefangensten stutzig machen; wenn wir auch von diesen Summen herunterhandeln könnten, so bleiben doch noch so grosse Kapitalien, wie sie Voraussichtlieh in den nächsten Zeiten nicht eingehen. Ziehen wir nur zum Vergleich die Sammlung für den Nationalfond und das Aktienkapital der jüdischen Kolonialbank heran und wir werden uns von der Aussichtslosigkeit der Gründung einer derartigen jüdischen Hochschule überzeugen müssen. Eine andere Frage ist auch die: Wollen heute wirklich 15-0׳ Studierende eine jüdische Hochschule besuchen, in welcher der Unterricht in einer jüdischen Sprache erteilt wird, respektive können von den heutigen jüdischen Studenten so viele die hebräische, zu mindestens die jüdisch-deutsche Sprache? Daneben gibt es noch eine Reihe von Gründen, welche die heutigen, jüdischen Studenten von dem Studium an einer jüdischen Hochschule abhalten würden: die Buitdisten würden wahrscheinlich ein zionistisches Unternehmen nicht betreten wollen, eine Hochschule in Palästina hätte nur auf die Studenten des südlichen Russlands zu rechten; sollte aber die Hochschule wirklich in Eng-!and oder in der Schweiz gegründet werden, (angenommen die Regierungen erlaubten dies), so wäre berechtigte Gefahr, dass der spezifisch jüdische Charakter der Hochschule verloren ginge, dass die Landessprache das Uebergewicht bekäme usw. ganz abgesehen von den vielen, selbstverständlichen Gegengründen, die zu gunsten einer palästinischen Hochschule sprechen. Es ist nur leider unbekannt, welche Pläne das Büreau gefasst hat, wie mir auch die diesbezügliche Stellungnahme unserer Presse in den wenigsten Fällen zu Gesicht kam. Ich möchte nun darauf hinweisen, dass die Errichtung eines kleinen Technikums leicht und bald zu ermöglichen sei und überdies vor der grossen Hochschule vieles voraus habe. Es gibt in Deutschland eine Reihe kleiner, zum Teil prium der Welt den Abschied doppelt schwer zu machen. Braunrot und gelb lag es zwar in dichter Schicht aut den Wegen, aber die Luft war so klar und wann und über den Stoppelfeldern und abgemähten Wiesen lag warmer Sonnenglanz . . . ״Gestatten Sic, dass ich ein Fenster öffne, meine Gnädige? Die Luft hier drinnen ist unertriiglich, während draussei! . . ." ״Bitte, es wird mir sehr lieb sein,“ unterbrach sie ihn freundlich. Ihre Stimme war reich und voll. Gerade So, musste sie sprechen, dachte er, als er das Fenster öffnete. ״Welch ein herrlicher Tag heute," versuchte er dann die Unterhaltung iortzusetzen. ״Altweibersommer,“ sagte die Dame nur und ein leises, halb melancholisches Lächeln glitt sekundenlang um ihren schön geformteil Mund. Er betrachtete sie aufmerksam. Wenn sie lächelte, kam eine Reihe perlweisser Zähne zum Vorschein, und sie sah dann so jung aus. Jetzt sah sie nur noch in weiter Ferne die Kirchturmspitze des Dorfes glitzern. Ihm schien es, als seien ihre Augen le.icht umflort wie von Tränen. ״Sie verlassen diese Gegend wohl ungern, gnädiges Fräulein?“.O, darüber Hesse sich streiten,“; meinte sie. ״Mich zizht hier nichts an als eine Schwester,; die in jenem Dorfe verheiratet ist. Doppelt schwer wird mir der Abschied von ihr, weil sie so einsam und ungesellig lebt und der Beruf ihres Mannes sie an die Scholle fesselt. Aber sie lebt sehr glücklich und zufrieden, das sah ich, auch nicht ohne jede geistige Anregurig. da sie an de1־ Interessen ihres Mannes regen Anteil nimmt und dann . . . der reizende, kleine Junge, den Sie vielleicht vorhin bemerkten, ist der ihrige" . . . ״Ein prächtiges Kind in der Tat, dem nichts Dörfliches anhaftet. Zweifellos Einfluss der Mutter.“ atisserte er galant. Gnädiges Fräulein leben wohl in einer grossen Stadt und sehr gesellig?".Sehr gesellig?“ nahm sie seine letzte Frage auf. ״Nun, wie inan’s nimmt! Der Kreis ist ein begrenzter, wenn auch alles geistige Leben rege in ihm pulsiert, das Streben, die Begeisterung für alles Schöne ihm eigen ist!“.Ich muss gestehen.“ sagte er in etwas uiisicherm Ton, ״ich habe selten eine Frau so sprechen hören, und doch kann ich nicht umhin zu bemerken, dass eine Frau, die auf geistigem Gebiete dem Manne eine ebenbürtige Gefährtin wäre und zu- . gleich eine gute Hausfrau abgäbe, mir das Ideal des; Weibes verkörpern würde!“ . ׳. .;,Sie• glauben nicht.