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Jüdische Rundschau · 1904-01-22 · Heft 4 (22.1.1904) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 4 (22.1.1904)
Date
1904-01-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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I גג 1 N «ff Seite 36. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 4. dem haben wir flelssig im Stillen gearbeitet, und jetzt waren wir so weit: Eine Öffentliche Versammlung im Kasino-Saal, der der Gemeinde gehört, fand statt, in der Herr Kaufmann präsicherte und Herr Elias Auerbach (Berlin) das Referat hielt. Mit bewusster Ironie kopierten wir das Thema: ״Die zionistische Bewegung unserer Tage.‘‘ Die Erwartungen hier und in der Umgegend waren aufs höchste gespannt. Eine solche Versammlung hatte die Essener Judenschaft noch nicht erlebt, denn 500—5)10־ Personen (Essen zählt ca. IS00 jüdische Seelen) füllten schon Punkt 8 Uhr den Saal bis auf das letzte Plätzchen. Diesen kolossalen Besuch verdanken wir allerdings wieder der Liebenswürdigkeit unscrer Gegner, die noch schnell am Sabbath ein Zirkular drucken Hessen, das an alle Essener Juden versandt wurde, und das seines Humors wegen im Wortlaut folgen möge. P. P. Am Sonntag, dem 17. er., abends 8 Uhr, findet Kasino- Restaurant, Kastanien-Allee 95, eine von einem namenlosen Komitee einbcrtifer.e Versammlung statt, in der e,•sichtlich für den Zionismus Propaganda gemacht werden so!!. Wir glauben, dass unsere hiesigen Glaubensgenossen sich dieser Bewegung gegenüber ablehnend verhalten und l» trachten es als ihre Ehrenpflicht du diesem Abend vollzählig zu erscheinen, um zu v e rh u t e n , dass der Zionismus hier Boaen gewinnt. Essen, den 16. Januar 190*1. Max Abel, Rechtsanwalt. Marcus C a r s c h. Dr. tned. Cohen, prakt. Arzt. Alexander Kanu. Pr. inr. Herzfcld, Rechtsanwalt. Gustav Lewy. Vielleicht hätte es noch besser gewirkt, wenn auch der Herr Rabbiner niitun.terze'chnet hätte. Herr Auerbach setzte in 1 ^-ständiger Rede die Grundlagen der zionistischen Anschauung auseinander, ln klarer u!־a gemütvoller Darstellung entwickelte er die allgemeine Idee des Zionismus, und legte dabei den Hauptton auf die Judentumsfragc. Nicht Wohltätigkeit, sondern Volkseinheit ist das rettende Wort. Mächtiger Beifall folgte der Rede, unsere Broschüren fanden reissenden Absatz, die Inste der künftigen Ortsgruppe füllte sich mit Namen. Da erhob vor Beginn der Debatte der Herr Rabbiner in Worten, deren Erregtheit und Schärfe durch nichts, aber auch gar nichts gerechtfertigt war, Einspruch gegen die Auslegung von Listen, um ״die Seelen zu fangen“. ״Viele von uns haben heute aber.d Wichtigeres za tun, als sich mit Ihnen herumzuzanken“ etc. Charakteristisch für den Rabbiner war sein Ausspruch: ״Nehmen $ i e s i c h in Acht, s 0 n st können Sie hier i n E s s c 11 n och was erleben!“ — Ruhig, aber recht scharf, denn wir erkannten deutlich das Bestreben, die Versammlung zu sprengen, wies der Referent die eigentümlichen Vorwürfe zurück. Die Diskussion verlief sachlich. Wir gaben unseren Gegnern ein Musterbeispiel von Objektivität, indem wir stets Pro- und Contra-Redner abwechsein Hessen. Herr Dr. Herzfeld brachte eine Anzahl ehrlicher Gründe gegen den Zionismus vor, Herr Rechtsanwalt Dr. Abel (ein Herr mit ״Verdiensten um alle indischen Interessen Essens“ und einem Gesichtskreis bis an die Stadtgrenzen Essens) rechtfertigte das famose Zirkular, Herr Kann und Herr Dr. Abraham machten einige weitere sachliche Eittwände. Als letzterer übrigens sagte, er gäbe zu, dass in Kischfnew die Lage . der Juden grauenhaft sei, machte der R a b b 1 n e r (!!) den klassischen . Zwischenruf: ״W i r s i n d d 0 c;h hier n i c h t i n K i s c h i n e w!“ Herr Dr. Schüler, Baumeister Kaufmann und zweimal der Referent widerlegten schlagend und unter grossem Beifall die Bedenken. Dann sprach Dr. Samuel. Sachlich bot seine Rede nichts, wirklich gar nichts. Dafür aber begann er mit einem Appel’ an den scharten kritischen Verstand der Essener (rasende? Beifall), brachte darauf einige Missdeutungen von Worten de־ Referenten und schloss mit einigen Anspielungen auf die Geiaht des Zionismus für die deutsche Juder.heit und das Bedenkliche für den Staat, Zionisten anzustellen. Sein Standpunkt Ist der, dass man nichts riskieren darf. ״Der Zionismus ist noch ht Qährung begriffen; Wenn er sich abgeklärt hat, werden wir komnten." ״Sie müssen uns nicht nur die allgemeine Möglichkeit einer Rückkehr nach Palästina vorlcgen, sondern uns ganz genau zeigen, so ur.d so und so wird es gelingen.“ Der schönste Satz war: ״Lassen Sie den Zionismus beiseite, und wir kommen alle in Ihr Lager!“ Dann Deutschtum, Judentum, hurra! (Hoffcntlich kommt wenigstens Herr Prediger Samuel niemals in unser Lager. A nm. der Red.) Da der Herr Rabbiner grossen Beifall hatte und sich der Versammlung eine starke Unruhe bemächtigte, hatte er wohl seinen Zweck erreicht. Nach Dr. Samuel und in sichtbar verabredetem Einverständnis mit ihm versuchte ein Herr Dr. Cohen eine Resolution einzubringen. Die Spekulation war gar nicht dumm. Wenn man die ganze Essener Judenschaft durch ein Zirkular einlädt, wird doch nicht gleich die Hälfte zionistisch werden: dann fasst die von den Zionisten berufene Versammiui'g eine antizicnistische Resolution, welch’ guter Witz! Leister machte unser Vorsitzender den Herren einen Strich durch die Rechnung, er schloss die Versammlung. So war die Ver- Sammlung durch vorbereitete Obstruktion 1־.oc!! urn 1 e 1 Uhr nachts gesprengt und dem Referenten das Schlusswort ab geschnitten worden. Aber unser Erfolg war doch ein grosser und schöner: H tw a siebzig Mitglieder haben sich f ti r di. neue O r t sg r ti p p e namhaft gemacht. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich erzähle Ihnen das alles so ausführlich, um zu zeigen, mit welchen Mitteln hier gegen unsere Sache gearbeitet worden ist. Das Verhalten des Herrn Rabbiners können wir im Interesse seiner geistlichen Würde nur bedauern. Wir sind nicht kampfeslustig, wir werden uns nur wehren, wenn man uns angreift. Jetzt aber werden wir an die emsige innere Arbeit gehen, um den zionistischen Gedanken hier weiter auszubreiteu und zu vertiefen. Ein frischer Zug von neuem jüdischem Leben ist in die Judenschait von Essen eingedrungen. 5 8 * i m 1' SIS2 & & ׳*׳׳> t © B *4 8S■91 * 15־ 8 ־ ® £ I $ * ** ® © 1 Aus der Bewegung. § £ £$ BB B«!5 ** ־B $ BB* 'B * * & י־ * ז © * '« B$©•51 Die Zionistische Vereinigung für Deutschland. Ortsgruppe Köln. Sehr geehrter Herr Gesinnungsgenosse! Nachdem Sie im Vorjahre durch Uebernahme und Verkauf• eines Schekel-Biocks Ihr erhöhtes Interesse für unsere edle und gute Sache betätigt haben, gestatten wir uns auch in diesem Jahre, Ihnen anbei einen Block zum Verkaufe ergebenst einzuhändigen. Auf die wesentliche Verschiedenheit desselben gegenüber den alten Blocks nochmals hinzuweisen, erübrigt sich wohl an dieser Stelle, nachdem unsere Mitglieder berei's kürzlich in einer Vereinsversanimlung mit den neuen Blocks und ihren Vorzügen bekannt gemacht werden sind. Ein kurzer Hinweis sei indess nochmals auf die praktische Dreiteilung der Biockbiätter gestattet! Der oberste Teil des Blattes ist Quittung für Entrichtung eines Schekel; will jedoch ein Schekel- Zahler gleichzeitig Mitglied unserer Ortsgruppe werden, 'so kann auch der Mitglieds-Beitrag fortan bei den Vertrauensmämiern bezahlt werden, in diesem Falle dienen die beiden unteren Teile des Blattes als Quittung. Sehr geschätzter Herr Gesinnungsgenosse! Eine Reihe wichtiger Arbeiten steht, wie die Leitung in Wien bekannt gibt, bevor, und damit diese Arbeiten auch nicht für kurze Zeit ins Stocken geraten, ist cs dringend nötig, mit dem Einsammeln und Abliefern von Schekel- יי 4

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