Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1904)
- Date
- 1904-01-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 28. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 3. Heiden ■und Juden getauft und gar rührende Geschichten werden uns über die ״Bekehrten“ berichtet ־ ob man aber Christen aus ihnen macht׳- Christen von innen heraus? in PaK1§tina lernte ich das Missionswesen kennen - wenn ich auch nur Kranke zu pflegen,hatte, so gehörte ich doch einer Mission ״for the jews‘* au und stand mitten drinnen. In Caiia gab es zwei englische Missionen. High Church und Low Church - die feindlichen Brüder. Wir gehörten der ersten an und hatten ausser einer Mädchenschule ein kleines Spittl. Die Low Church widmet sich nur der Erziehung. Im Spital herrschte ich und an meinen Kranken liess ich keine Bekchrungsversuche machen. Nur die hiblc wonian musste ich dulden, sie war harmlos, sie las den Kranken aus der Bibel vor. wenn eine Pflegerin in Sicht war und berichtete Stadtklatsch, sobald sic sich unbeachtet glaubte. Die Schulen waren gut | besucht, der Unterricht massig. Die Hauptbeschäftigung der Lehrerinnen bestand darin, sich gegenseitig die Schülerinnen abzuiagen, hatte man eine abgefangen — man liess es an Geschenken nicht fehlen so herrschte Jubel in der Mission. In Saied. das ausschliesslich von Juden bewohnt ist. s׳nd zwei MissionsgeseHschaiten an der Arbeit, die schottische und die L. Y. S. Während der Wintermonate sind die Schotten in Tiberias tätig. The fcmale ediicatiou •Society hat in Nazareth ein grosses Mädchenpensionat. In Jerusalem sind die Engländer mit einem Spital für Juden, einem Waisenhaus und einer Tagesschule vertreten. Die englischen Männer und brauen die sich in Palästina der MLssionstätigkeit widmen, sind durchwegs achtbare und liebenswürdige Menschen, gehören aber zu denen, die der Ansicht huldigen, dass ..wem Gott ein Amt gibt - dem gibt er auch Verstand־ .‘־ ■ Die Ärzte, mit wenigen Ausnahmen --- tutwissend, unreif - gewissenlos. Die braue!:, die den Unterrieht leiten, haben nie eine Schule besucht, sie glauben an ihre Mission und leben in den! Wahn. Gutes zu tun. Die englischen Missionen in Syrien verfügen über sehr geringe Mittel, gute Kräfte können sie nicht bezahlen, es herrscht daher das Prinzip der ״freiwilligen Liehesarheit" — ein Prinzip, dass sich in der Praxis nicht bewährt. Ein fortwährender Wechsel ist die natürliche Folge; denn sobald die ״Arbeiter im Herrn“ das heilige Land kennen gelernt haben, verlassen sie es, um sich der Missionsarbeit in einem anderen Lande zu widmetv. Während der ersten zwei Jahre meines Aufenthaltes ln Caiia hatten wir keinen Geistlichen — endlich kam einer! Er hatte seine Jugend in Syrien verbracht, war der arabischen Sprache vollkommen mächtig und war nach jeder Richtung hin der Mann, unsere Mission in Ordnung zu halten. Der Wirkungskreis war ihm jedoch zu klein und nach sechs Monaten verliess er Syrien, um an der Goldküstc Seelen zu retten und aui die Jagd zu gehen. Die beiden folgenden sprachen nur Englisch, und da sie sich weder mit den Arabern noch mit den Juden verständigen konnten, bereisten sie Paiästtna, und als sie ihre Neugierde befriedigt hatten, nahmen sie Abschied und -reisten nach Atrika. Da mau als Missionär billig reist und überall Gastfreundschaft geniesst, können sich auch Unbemittelte für einige Monate den! Bekehrungswerk widmen. Die Engländer befassen sich hauptsächlich mit der Bekehrung der Juden. In Palästina trägt dem Juden der Rdigionswechsel nichts ein — wozu sollte er sich zu einem Glauben bekennen, den er verabscheut? Die Resultate sind denn auch gleich Null. In vier Jahren hatten die Engländer vier Fälle von ״converted jews" zu verzeichnen. Der Jubel war gross ־ ־ die darauffolgenic Enttäuschung um so schmerzlicher! -- Eines Tages verbreitete sich in Caiia des Gerücht, dass ein Jude zum Christentum fibergetreten sei, er habe sich taufen lassen. C'.ii» ist ein kleines Städtchen, und da ich viel Arbeit unter den Juden hatte, kannte ich fast alle. Doch meine Nachforschungen waren vergeblich. -- Ich erfuhr weder den Namen des Juden, noch des Geistlichen, der ihn getauft haben sollte. Dieser namenlose ״convcrted jew" spielte jedoch in dem Missionsbcrchten eine grosse Rolle. Die zweite Bekehrung, die recht tragisch endete, trug sich in Tiberias zu. Der Chefarzt der schottischenMission hatte einen Jude*!! operiert, der sich, wahrscheinlich aus Dankbarkeit, im Spital taufen liess. Die Hitze ist in Tiberias während cinigcr Sommermonate so gross, dass der Aufenthalt für Europäer unmöglich ־ist. sie daher nach dem hochgelegenen Safed »UicUten, wo die Mission ein kleines Spital errichtet hat. Das 5pital in Tiberias bleibt jedoch geöifnet; syrische Pflegerinnen und ein Heilgehilfe versorgen die Kranken, und da Safed in einigen Stunden zu erreichen ist. so kann im Notfall der Arzt geholt werden. De! Jude ging seinem Ende entgegen, und als der Arzt und der Geistliche Tiberias verlassen hatten, liess er den Rabbiner und die Aeltesten der jüdischen Gemeinde kommen, tat Busse und unterwarf sich allen Strafen, die das jüdische Gesetz über Abtrünnige verhängt. Alle Versuche, die der schnell herbelgeeiUe Geistliche machte, ihn dem Christentums Damaskus, der :tadtrv in SaL-J. beide mit Chr.Minnen. Eng derlanen, verheiratet, Sie g Juden, ihr(. Schulen sind sehr Angeiegc׳!״eiren wird ihr Ra Wissen Mac;•.! bedeutet und zu erhalten, waren fruchtlos - er starb als ■reuiger Jude --- versöhnt mit seinem Gott! Nach dein Tode wurde der Leichnam durch d:e Strassen geschleift und ohne Sarg begraben. So verlangt es das niosalsche Gesetz. — Die dritte Judenbekehrung spielte in Jerusalem leider in unserer Mission. Ein Jude hatte Frau und Kinder verlassen, um in Alexandrien sein Glück zu versuchen. Die Mutter konnte ihre drei Töchter im Alter von (> 10 Jahren nicht ernähren, sie brachte die Kinder der Mission und willigte In die Taufe. - Das Jahr darauf streikten die Juden in Jerusalem, sic lieferten kein Fleisch fürs jüdische Spital, belagerte!! die Schule und forderten die Auslieferung der jiidisctien Kinder. Das eng- Ische Konsulat führte Klage hei der türkischen Regierung und ersuchte sie. die Angelegenheit zugunsten J־;r Mission zu •regeln. Der Bescheid lautete: die hohe Pforte könne sich in religiöse Streitigkeiten nicht einmischen. da das Recht jedoch aui seiten der .!!!den sei, so ist es ratsam, die Kinder der jüdischen Gemeiade auszuliefern. Ein jüdischer K:'0he besuchte eine Missionsschule und liwss sich ohne Wissen der Eltern taufen. Di.* Sache wurde ruchhar. Eltern und Gemeinde verstiessen das Kind. Die Mi.ss'on sorgte fiir ihr!: doch die Trennung von den Eitern, den inneren Zwiespalt konnte das Kindergemiit nicht bewältige!!. Einige Monate ertrug er die Dual, dam! machte er seinem Leben ein Ende! Die eitrigsten Judenbekehrer der Engländer sind zwei ״cm!- verteil jew s“ deutschen Ursprungs. Der eine ist Geistlicher in ciJe mit Chi־.Minnen. Englün-;essen das volle \ertraue.1 dar tt hcMtek: und in allen weltlichen gesucht. Der Jude w ׳ >s. dass benutz: jede Gelegenheit, se'ne Kenntnisse zu bereichern. Der Jude in Palästina kennt das' neue Testament sehr genau und sowohl Lehrer als Rabbiner liehen cs. mit Christen religiöse Gespräche zu!!ihre:!, sie sind redegewandt und wissen immer zu entschlüpfen, weint in die Enge getrieben. Es ist ungemein interessant, einen tieferen Eint:lick in das Geistesleben der Israeliten zu tun - - interessant und lehrreich, da mau die Gewissheit erlangt, dass sich das jüdische Volk niemals zum Christeatume bekehren wird. Sie wissensehr genau, dass das Aufgeben ihres Glaubens der Untergang ihres Volkes sein wird. Bei aller scheinbaren Demut. Kriecherei und Unterwürfigkeit, sind sie sich ihrer Macht gar wohl bew usst. Den Traum der Zionisten belächeln sie und die Gründung eines jüdischen Reiches erstreben sie nicht. Gegen wen sollten sie kämpfen? Jude gegen Jude? Der Mensch ist doch ein wunderliches Geschöpf, aus lauter Widersprüchen zusammengesetzt! in Palästina stand ich fast immer auf seiten der Juden. Es mochte wohl daran liegen, dass sie dort arm sind und dass sic keine Gelegenheit haben, ihren zersetzenden Einfluss aut uns nuszuäbett. Doch kehren wir 7.u unserit ״converted jews“. den Geistliehen zurück. Der eine aus Safed besuchte jedes Jahr die verschiedenen jüdischen Kolonien, er hielt Versammlungen ab. predigte und verteilte das neue Testament. Der Zweck dieser Reifen war mir nicht recht einleuchtend, cs sei dann, dass er sich in der Rolle eines Wanderapostels gefiel. Er• ־ halb als Priester, halb als Beduine gekleidet, hoch zu Ross. Erau und Schwester bescheiden auf Eseln, Dolmetscher und Diener als Gefolge und Maultier mit dem Gepäck bildeten die Nachhut. Sobald die Nachricht nach Caiia gelangte, dass die Karawane Safed verlassen habe, kaut eine icieritchs Stimmung über uns. zu der sich für mich noch hausmütterliche Sorgen gesellten. Es gehörte zu den Eigentümlichkeiten! des grossen Masutes. m:s immer in Zweifel zu lassen, ob er unser Haus beehren würde oder nicht. Aber abgesehen von der: kleine!! Lueherbchkeiten. war er ei.1 seelensguter Mensch vielleicht auch' ein guter Christ — und da es nur zu meinen!’!!!eilten gehörte, ihn gut zu verköstigen, aber idciit predigen zu hören, so war mir der Besuch mehr erheiternd als lästig. Alle Juden wurden besucht und mit dem Neuen Testament beschenkt. Versammlungen wurden gehalten und unsere Morgeuaudachteit glichen mehr einer Synagoge, denn einem christlichen ׳Gottesdienste. Drei Tage widmeten die Gäste aus Safed den Caiianern, dann zogen sie weiter. Die Juden, alte und junge ״abe» ihnen bis zum Palmen- Wäldchen ausserhalb der Stadt das Geleite -• dann kehrten sie , zurück und verkauften die Bücher. Um einen Spottpreis wurde l das Neue Testament verschleudert! j So viel von der englische!: Mission, zu deren Lobe ich je- ■ doch sagen muss, dass sie weder politische noch Handelsinter-; essen verfolgt. ׳ Frankreich und Russland sind die Nationen, die das Gei schüft im grosse« betreiben und sicii feindlich gegenübcrstclten. Wo immer französische Brüder einen schonen Fleck Erde *־*־״״י *־•/״*■׳..