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Jüdische Rundschau · 1904-01-15 · Heft 3 (15.1.1904) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 3 (15.1.1904)
Date
1904-01-15
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 3. Jl) ÜISC HE. R U־(S DSCHAU. Seite 29. entdecken -־ und wo fände man den nicht in Syrien —• an den! steh eine biblische Legende knüpfen lässt, erbauen sic eine Kapelle und dicht daneben ein Hospiz. Touristen und Pilger werden ohne Unterschied der Konfession gastlich aufgenommen. I Ihre Schulen sind gut. was man in Syrien gut iiemit. Grosse י Ansprüche werden nicht gemacht, und da das Hauptgewicht Hei der Erziehung auf das Erlernen der französischen Sprache gelegt wird, so werden die Schulen der Klöster von Arabern und Mohamedanern besucht. Für die Erziehung der Mädchen s־orgcn die Nonnen. Bekehrtntgs.Yersuchc werden nicht ge-! macht. Die Mönche sind zu vorsichtig, um Kinder türkischer 1 Paschas und Efendis katholisch zu erziehen. Religiöse Duld- \ samkeit dem Islam gegenüber, grosser Reichtum und eine cifene : Hand, wenn es gilt. Land und zweifelhafte Rechte zu erkaufen, i sind die Znubermiucl. mit der die französischen Missionei• : arbeiten und Macht und Einfluss gewinnen. 1 Im Verkehr mit der christlichen Bevölkerung Syriens legt; sich die Geistlichkeit weniger Zurückhaltung atii. Ihr Einfluss j ist dort ebenso mächtig, wie bei uns. Mit Hilfe der Frauen herrschen die ״Brüder*• mit unumschränkter Macht in den [ Familien, alle politischen Fäden haben sie in der Hand, und'■: gar mancher Sieg wird dort in der Stille errungen, von ueit!• ־ w ir uns hier nichts träumen lassen, trotzdem .wie eigentlich gewitzigt sein sollten!. Die katholischen Missionen verfolgen in i Syrien ausschliesslich politische Zwecke, ׳Handeisinteresscu j scheinen ihnen dort wen'ger wichtig■ tmd da die arabische Bevöikernng der Mehrzahl nach ihrer Kirche augehört, so ist! ihnen das B.-kehrcn Nebenberuf, der nur dann nnt nu’er Ly* { trieben wird, wenn es gilt, andern christlichen Konfessionen; eine Seele zu ciureissen.! Die Russen sind reich, verwenden grosse Summen für ihre! Missionen und verfügen über ein geschultes Lehrerpersni!!!. j die Geistlichkeit steht jedoch auf einer sehr niedrigen Stufe der! Bildung. In Jerusalem haben sic grosse, schöne Ciebüude. die ן vereint das Russenviertel bilden. Kirche und Aussichtsturm 1 auf dem Oelberg tragen in ihrer Protzigseit nicht zur Ver- \ schöneamg bei und sind für uns Protestanten verletzend in ihrer j Aufdringlichkeit.!11 Jerusalem arbeiten die Missionen off entj lieh; sie feiern mit grossem Prunk ihre Feste tmJ empfangen alljährlich die Pilger. Ausserhalb der!»eiligen Stadt hört und j sieht inan wenig von ihnen. - Sie arbeiten in der Stille und i unterminieren. Maulwürfen gleich, das Land. In ihren Schulen j wird* nur russisch ׳gelehrt und gesprochen, selbst das Dienstpersonal muss äse russische Sprache erlernen. Franzosen, und Russen kämpfen in Syrien um die Herrschaft. - Der Kampf ist ein heisser und wird in der Stille geführt. M ir soal dm Zuschauer. Ausser den genannten Missionsgesellschaften tauchen von Zeit zu Zeit Missionsamateure auf, die aut eigene Faust das Bekehrungswerk unternehmen. So landete eines Tages in Caifa ein Mann mit Frau und Kindern und sehr wenig Geld, von Geburt ein Däne, von Beruf ein Zuckerbäcker. Plötzlich War der Drang über ihn gekommen. Muselmänner ur.d Juden zu retten. F.r kam nach Caifa, um d:c Sprache zu erlernen — jetzt soll er in Safed hei den Juden sein. — Ein Ehepaar — er ein Schweizer, sie eine Engländerin, kamen auch, den Armen das Evangelium zu .predigen. — Sie w aren gänzlich unbemittelt und wurden und werden noch vo:t .Berlin aua unterstützt. Aeltere. reiche Damen verfielen auf den tollen Einfall, ihr Geld nutzlos zu vergeuden, anstatt itn eigenen Laude Hungrige zu speisen. In Syrien scheinen mir Missionen nicht nur zwecklos, sondern nachteilig zu sein. Die verschiedenen Glaubensbekenntnisse verwirren die Menschen und die religiösen Streitigkeiten, die gar oft in Kirchen in blutige Fehden ausarten, können weder in den Türken, noch in den Juden das Verlangen wecken, sich zum Christcntume zu bekehren. Und da alle christlichen Nationen die im Türkischen Reiche ansässig sind, für ihren eigenen Bedarf Kirchen und Schulen haben, sc ist den! Ungläubigen Gelegenheit geboten, den Weg zu Christus zu suchen. Es ist gar leicht, den Menschen ihren Glauben zu nehmen — die Erfahrung wird wohl jeder gemacht haben -■־ was man ihnen dafür bietet, hat häuiig keinen Wert. Den wilden Völkern, die keine Kultur besitzen, werden Missionäre die Wege zum Christentum bahnen, Chinesen und Türken lasse man in Frieden; der Herr wird sie die Wege, die zu Ihm führen, \m eigenen Herzen finden, lassen! Was man so in Syrien Christentum nennt, ist ein greuliches Gemisch von Aberglauben, Lüge und Heuchelei. ~ Ich lernte dort gläubige Türken, gläubige Juden kennen — Christen fand ich nicht. Kathloka von Rosen. (Aus War tb u r gs t i mme n. Eisenach Nov. 190J.) 2 Z Kleine Chronik. Berlin. Im Deutsch-Asiatischen Verein hielt der deutschnationale Schriftsteller Cleinow einen Vortrag über: ״Russische Judenpolitik. Zionismus und Deutsche Interessen im. Orient.“ An den Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion, u:: der von jüdischer?eite Proi. Dr. Leop. Landau. Dr. Hcinr. Loewe und Dr. Selik Soskin teiiiiahmcn. Soeben erscheint No. 61 der ״Mitteilungen4 vom Deutsch- Israelitischen ücmeindebuude, die wiederum mehrere interessante• Tatsachen zs erwahnei: hat. Das prttissische Ministerium des iiincrn empfiehlt amtlich die Fiirsor׳׳*'-Erzich!11i׳gs-A!1sta!t des genannten Bundes »11 Plötzensce für israelitische Mädchen, den Provinzial- und Konimunal! ehr.־׳de!» behufs Unterbringung ent«־’״echender Fürsorge- Zöglinge. Damit hat auch die zweite, ,der von dem Gemeindeblinde ressorticre.-uen Anstalten den Rang einer von der hochsten preußischen Verwaltungsbehörde' anerkannten Zentralstelle erlangt, .was wohl von keiner ander••■■ jüdischen Anstalt Veiten durfte. Ja. in-el! mehr, and! die Kgl. Würuciubergischen in׳J Grnsshc.׳•«/־־glich Hessischen Ministerien des Innern sind l:!cnn clo;״iv־.11 B! p:־cuss!>eheu Ministe rinn s •genügt f * יך־ן ודך־יי 1.. I 1j-t t י I _ * Tatsächlich!iahen die Anstalten in Repziu und 1‘iotzensee - .wenigsten« bei eine!:! Teil־.׳ ihrer Zöglinge - gute Ergebnis־•; auf/uw eisen: e.T ׳•׳c Knaben konnten ia Lehrstellen bei Handwerker.1. eiubg•: Mädchen im häuslichen Dienst uutergebraciu• werden. Allerdings stbsst das Kuratorium bei Unterbringung von Knaben auf grosse Schwierigkeiten. Es wäre zu wünschen, d.iss es hierbei bei dem jüdischen Handwerkerstände und den jüdischen < hitshisitzcrn grösseres E:ugegei:k־>mmgm fände. Die jüdische Arbeiter kolortie in Weisscitsee hat sich i:1 erfreulicherweise weiter entwickelt; die Frequenz ist auf mi Mann gestiegen, die in ausreichender und gewinnbringender Meise beseküfti-gt werden. Die hohen Staatsbehörden haben, in Anerkenn!!:? der grossen sozialen Verdienste der Anstalt ihr Jie Rechte einer milden Stiftung und damit die Befreiung von Stempel- und Gerichtskosten gewährt. Auf Anregung des Fürstlich Plessischen Archivars, Dr. Zivier, und der Grossloge des U. 0. B. B. für Deutschland hat der Ausschuss die Begründung eines allgemeinen Archivs der deutschen Juden in Aussicht genommen. Ein erfreuliches Zeichen des Vertrauens, das der Bund in den urteilsfähigsten Kreisen geniosst. ist die Tatsache, dass Herr Siadt- und ßezirksrabb. Dr. Michael Silberstein in Wiesbaden und seine F'rau Gemahlin,ihm ein Kapital vo!» סייססי Mk. für eine milde Stiftung zu Gebote gesteilt haben, di•: in ihrem Hauptbestandteile als Stipendienfouds für Studierende bestimmt ist, während mit dem Rest allgemeine wissenschaftlich.* und kulturelle Zwecke befördert werden sollen. Um I*rtiitncr zu vermeiden, müssen wir nachdrücklich hervorheben, dass die Stiftung erst nach dem Ableben des verehrten Donatorenpaarcs in Kraft treten wird. Ein neuerliche Eingabe wegen Einführung des jüdischen Religionsunterrichts an sämtlichen hofieren Lehranstalten, die von Juden besucht werden, hat der deutsch-israelitische Gemeindebund an de־ Kultusminister abgesandt.; Russland ist *ln christlicher Staat. Wie die ״Peterburgs-! kija Wjedo.mosti* meiden, haben in letzter Zeit die Akzisen-! Verwaltungen in Russland alle Gesuche von Juden um Erlaubnis zur Eröffnung von Bierhallen und Wetnliaudiungen zurück-! gew iesen und die Erneuerung der bereits erteilten Bewilligung ‘ verweigert. Motiviert wurde die Massnahme damit, dass' mit dem kommenden Neujahr den Juden der Handel mit Bier.und; Wein überhaupt verboten werdet! soll . . . Man kann sich 1 leicht vorstellei). wieviel Juden durch das bevorstehende Ver- | bot brotlos gemacht werden dürften. i Eine sehr kritische Zeit ist auch für die JuGeii in Ispaha»f i angebrochen, nachdem ihr Fürsprecher, c•־׳ hochgestellter mnj hamnicdnnischcr Geistlicher, aus polnischen Gründen ums Leben I gebracht worden ist. Der Gouverneur. Prinz Zelles-SulUm, gab l kürzlich dem '׳erlangen einer Anzahl Muhammedaner nach und ■ untersagte den Juden die Ausübung des Posamemiergewerbes. das sie seit einem halben Jahrhundert betreiben. Er liess an die! jüdischen Werkstätten Siegel anieeen und in.den Bazaren alle Passementerien, die sich in den Händen der Juden befanden, konfiszieren. Den Vorstellungen des Direktors der Allianzschule in Ispahan. Coniito, bei der Zcntralregierung in Teheran, gelang es. Abhilfe zu schaffen. Coniito erhielt folgendes Telegramm: Auf Befehl von Muzaffar-ad-Din Schab w'rd Sr. Kais. Hoheit ZelRs-Sultfln eingeschärft, jede Verfolgung der Juden

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