Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1904)
- Date
- 1904-01-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2651273-2651341-2651345--00986-2657813- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Nossen 1× ep/1045325
OCR text
Seite 26. J 0 I) I S CH E RUNDSCHA U. Nu. 3. meindevcrwaltuiig bedarf der Genehmigung *des Präfekten d־.־׳s Distriktes. Ueberdies kann die AufenthaltsbcwiHgung ans Gründen verschiedenster Art zuriiekgenommen werden. Diese strengen Bestimmungen sind ihrem Wesen nach gegen die eingeborenen .luden gerichtet, die, obgleich sie seit Generationen im Lande ansässig sind, obgleich sie keinem fremden Staatsvcrbände •.!!'gehören und alle Pflichtteil der rumänischen Vollburger zu erfüllen haben, in Beziehung auf ihre bürger!‘ehe11 und pulitischen Rechte als Fremde betrachtet werden. Man muss nun die moralische und intellektuelle Qualifikation eines rumänischen Dorfältesten kennen, um zu wissen, welche Bedeutung es hat, dass das Aiiienthaltsrecht der Fremden in der Gemeinde von dem Gutachter, der Ortsbehörde abhüug'g gemacht wird. I>*s neue Gesetz bedeutet deshalb für die eingeborenen Juden nicht bloss ucn nahezu gtihzlieheii Verlust der Freizügigkeit, sondern auch die Eröffnung einer endlosen Reihe von Schikanen und Er- Pressungen, durch die• ihre heute schon so ungünstige Lage bis zur Unerträglichkeit erschwert wird. Man •darf nicht etw t glauben, dass die Bestimmungen des neuen Gesetzes eine wenn auch harte, aber notwendige Schutzmassregel für die kindliche Bevölkerung darsteilen/ Das Vertreiben, der Juden aus den Pcriern hat sich für die Bauern geradezu als Unglück erw iesen. Der Jude stellte auf Jen Dörfern ein Element des Wirtschafthellen Fortschritts und der komnierzNIieu Bewegung dar. der s;ch bei ausgebreiteter Tätigkeit u lt ek!.:n geringen Nutzen he* giuigte und schon aus praktische:» Ges. kaitsriicksichte•;! den Be• dürfnisseti des Bauern in einer für uie hiesigen Verhältnisse billigen Art und Weise zu entsprechen wusste. Heute ist ue: Bauer an Hunden und Füssen gebunden der Ausbeutung des griccliischen, bulgarischen oder rumänischen Kreiswirtes und Dorf- Wucherers preisgegeben, der ihn rücksichtslos auspresst, von ihm fünf- und sechsmal höhere Zinsen nimmt, als cs früher der Jude getan hat, und durch die Macht, die ihm seine Steilung als einflussreicher Wähler lind seine Zugehürlgke't zu einer der grosser' politisch.cn Parteien gewahr:, in die Lage gesetzt wird, die schwersten Ungerechtigkeiten und Vergewaltigungen straflos ausiiben zu können. Kruschewa» schrieb, während der Prozess gegen die JudenmörcLr von KBchlnew hei geschlossenen Türen verh 11־- J delt wurde, in seiner in Petersburg erscheinende Zeitschr'ft .,Sn am ja" seine hetzerischen Artikel gegen unsere Vulksge-; nossen ungehindert weiter. In seinem letzten Artikel hat jei deck dieser Publizist über die Ziele seiner Agitation ein Ge- J stäudriis gt eilt, das unsere״ Volksgenossen in Russland! vieles sagen dürft:. Kruschcwan schrieb nämlich wörtlieh: ״Ich haue bloss mit der Feder, aber für mich schlag c■ n ander e. j e ne, die wisse n. in wessen Namen . und weichem Zwecke ich diene ..." Die ״Pctcrslfargskija Wjedomostj" suchen zwar n^chzuweisen, dass Kruschcwan nunmehr seinen Vorstand verloren habet! dürfte, aber diese Erklärung dürfte kaum zutreffen. Kruschcwart weiss, was er mit diesen Worten sagen wollte. Auch wir verstehen, dass er keine Niedrigstehcinlen dain't meint. Die p'anmässige Organ'sa’iun 1׳er Klschiuew er Exzesse geht abermals mit voller Deutlichkeit hervor aus dem Wortlaut der Begründung. d׳c vom Verteidiger Rechtsanwalt Seil »mmin dem Geruht vorgetragen wurde hirs'chtlij: des Antrages auf Ergäuzung der Untersuchung. Aus dem;.! der ..Voss. Ztg." vorötfe!׳t!!cl1k׳a Wortlaut dieser Begründung ergibt sieb, dass zu gunsteu der Ausschreitungen eine energische Agitation betrieb:״, worden war mittels Proklamationen, die den Teehäuseri! zugeschiekt und dort von der ungebildeten Menge gelesen wurden. Diese Proklamationen predigtendie Veranstaltung von Knwallen, versprachen Straflosigkeit hierfür und forderten unter Drohungen zur Verbreitung der Aufrufe auf. Es Int sich ferner bei ausgestellt, dass vor den Krawallen unbekannte Leute in der Stadt umhergingea und die jüdische!! Häuser aufschrieben. Die Exzedentc:! führten N״t:zbüche.״ hei sich, in denen die jüdischen Hauser und jüdischen Wohnungen notiert waren: die Banden der Exzcdentei: waren numeriert, sie wurden :;ach Aussagen von Zeugen als ״fieberte". ..Neunte" u. a.!11. bezeichnet: li" Mfiio'er wurde!!, rach der Aussage des Zeugen Feig':!, speziell der Exzesse wegen hergebracht: alle Exzellentem wäre!’ gleichartig bewaffnet mit gleich׳.!! Knüppeln und gleichen Abschritt;.! von Wasserlcitungsrolire:'. Die Verhandlungen haken auch neue früher unbekannte Hinweise ergeben, von wem die Exzesse vorbereitet worden sind. Es hat sich ergeben: dass mit den Exzedcat.u zusammen sich überall Agenten des Obersten der Gendarn׳erie־Seh1itzabtei!ung Lewer.dahl befanden. Je zun! Vorwehen gegen die .lud.•11 sufjordertc»; dass das Militär v»! Kisehinew zur Unterdrückung der Krawalle mciit verwendet wurde, wei! Herr v. LewcnJahl es für unbekannt: Zweck: reserviert batte; dass Herr v. Lewa ab 1:1 Jen Gouverneur ein- 1:.,schüchtert hat. der nur nach seinen (I.cwendahis) Ai weisuagen handelte tmd ihn! in?Mein ׳gehorchte. Auf Grund aller dieser Tatsache!', zu denen noch d e Aussage ues Hauptzeugcü Herrn Pronin (eines Ai’tisemitenfiihrers) hinzukoimnt. der bekundet hat. dass num die ganze Wahrheit über Jie Exzesse nur hei Herrn Lcwendaiil erbhten kann. 1 ebaiiptet die Verteidigung, dass die Exzesse von Hern! Lewerdahl organisiert worden sin•!, aber nicht als Privatoers׳;״, sondern als Vertreter der übrig- Keit. als Träger ihrer Wünscht•, als ein Mann, der mit dem Segen der höchste!! Behörden versehen war. Dass die Krawalle von der Gesamtheit der adinin stranven Behörden •gut'ehcissen warden sind, bestätig: auch das Verhüllen der Kischinewcr. Pol'zci hei der .NieJcrmoi/ehmg der Juden. Am 7. Apsd hat ehe Polizei -- sind unregelmässiger imd weniger eng gefügt und zum Teil! durch ׳MetaUklatnmern zusamn־e״gehaltcn. Daraus folgt, dass \ beide Schichmn spater limzmreiügt worden sind, offenbar bei i einer notwendig geworden Stützung des Ganzen. Die beiden j inneren Re׳btn haben also ursprünglich :•"• :״ gestanden und die Inschriften wa!־e:1 demgemäss!־ein; ersten Bau in der ersten! Reihe angebracht. Rätselhaft und;׳!lein dastehend bleibt aber j dabei immer noch ihre versteckte Anbringung, sodass sie nicht gesellen werden konnten. Ebenso ist ihre Zahl etwas Unte* j wohnliches*, dem! ־.t%\a jeder iiinite Stein scheint m; t einer In-; schritt verseile!! gewesen zu Se :׳. sodass bis jetzt mindestens 10 Stück z.u Tace gebracht worden sind. Das Bauwerk muss! sich mindestens 21) Meter hoch um Be.־;,•׳: erhoben haben. Hier 1 oben, auf einem terrnssenartügei! Absatz, lag alter Schutt, vorj mehrt durch ucn vom Bermiiufel nachgestürztes Erdreich, in 1 welchen! •sich zahlreiche Bruchstücke von Weihge-wnshimlen! fanden, deren Art über die Natur des Heiligtums als kstminj tenipd keinen Zweifel lassen. Es sind eine Anzahl kleinerer ( Bruchstücke vou pnouiziselien Weiiiinschruten. deutlich aus ver- - schiedenen Zeiten, gefunden worden, e11׳ Stück aus einer ügvpj tisch•*׳!! Inschrift des Königs Achoris (Anfang 1־• Jahr!!.), euic 1 Anzahl Stücke von altnhenizisc'nen Fayeiicefigurcn in figvntisierenlem Stile, zahlreiche Bruchstiick: von Marmor-Statuetten aus griechischer Zeit, fast alle von Kindern. Die Stätte muss j sehr gründlich zerstört und ',orlicr natürlich ausgeplündert worden sein, von Wertgegenständen wu־׳de — ebenfalls eharnkteristiscl! für den Ort — nur ein kleiner goldener Acssulapstab gefunden. Es ist zum ersten 111ale^ dass eine phü:nzisohe Tempelstätte gefunden und untersucht worden ist. Der Tempel dürfte derselbe s׳e:11. der bei Strabo (716־• als ..Hain des Asklepios" zw'ischeu Thamyras (Naiir Dtmmr) und Sidon erwähnt wird. Auf einem Beige weiter südlich.;!!so!!:!her nach Saida zu. sind zahlreiche tönerne Astartefgnrcu gefunden worden. Hier muss ein Astartehciwgtinn gestai’dcn iah-:!:, Eine von den Figuren mit einer Schlange :•!!! Busen weist auf die Legende Kleopatras, die sici! ja als . Astarte" verherrlichen liess. — In der letzten Sitzung der Vorderasbtischeu Gesellschaft wurden die Herren Dr. von Landau und l)r. W’irklcr weg,׳.!! der Bedeutung dieser Funde au: das Sci!n!eichelhait:st-.• begriisst und gefeiert. Nach einer Meldung der ,Köln. Ztg.“ aus Bagdad vuiti s 1!czemher ist bei den ueutsJ!::! Atisgralumgen eine Statue von Saltuanassar II. mit zahlreichen Inschriften entdeckt worden. Der Kopf und die linke Seite sind beschädigt. Ein katholisches wissenschaftliches Institut In Jerusalem. In der Köln. Volksztg. erschien ein Bericht über d:e Eröifnungsieier des deutschen evangelischen Instituts für Altertumsforschling c׳e$ Heiligen Landes zu Jerusalem. Atu Schlüsse fand sich Jie Bemerkung: ..Die Versammlung war glänzend und wieder ein Beweis dafür, dass wir Katholiken, wie in so vielen Stücken, so auch hei diese! Gelegenheit im Heiligen Lande hinter den Protestanten weit zurückstelien." Da dürfte es doch nmrebracht erscheinen, darauf hinzuweisen, dass diese ein dieselbe Tendenz verfolgendes katholisches Institut bereits seit Jahren in Jerusalem haben. Es ist dies das Institut der praktischen bibi'schcn Stud.ea. das eingerichtet ist im Dominikanerkloster St. Stephan in Jerusalem. Wie fruchtbar gerade di: franzos’- sehen Dominikaner durtsclbst das. Studium der Exegese und der m