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Jüdische Rundschau · 1904-01-08 · Heft 2 (8.1.1904) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 2 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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No. 2. Seite 14. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Der Briefwechsel des Aktions- Komitees mit der J.-C.-A. Ein Angriff des Dr. (laster, der dem Dr. Herzl vorwirft, er habe sich ״mit dem Hute in der Hand” an die J.-C.-A. herangedrangt". oder wie die ״Jüd. Presse” schreibt, ״bettelnd gekommen”, zwingt unser engeres Aktionskomitee den Brief- ׳ Wechsel zu veröffentlichen, der zwischen der J.-C.-A. und dem Führer des Zionismus über eine nach Ostairika zu entsendende : Expedition stattgefunden hat. Dabei ist es interessant, dass . jüdische Blatter, die gewesen Dispositionsfonds der J.-C.-A. nicht fern stehen, schon früher von dem Inhalte des als ״streng vertraulich־• bezeiehneten Briefes des Dr. Herzl ihren Lesern Kenntnis gegeben haben. Es ist ja nicht * das erste Mal. dass dies geschieht. Wir geben den Brief- Wechsel, der von dem (leiste in der J.-C.-A. kein rühmliches Zeugnis;־biegt, ohne Jeden Kommentar wieder: 1. . Brief des Dr. Herzl nn den Verwaltungsrat. Streng vertraulich. Wien, den IS. September 193יי. Sehr geehrter Herr! Vielleicht darf ich aimeimien. day> Sie den Verhandlungen des Zionisten-Kongrcsses in Basel gefolgt sind, jedenfalls übersende ich Ihnen in der Beilage einen Auszug, der Sie über einige wichtigere Vorkommnisse unterrichtet. Wir haben auf unserem Wege!■ach Palästina, den wir unverbrüchlich und mit aller Energie weiter vcriolgen. ein Zwischenrestiltat er/Jelt. Die britische Regierung hat uns (vergi. den Brief des Sir Clement Hill v״m H. August d. .1.) eine autonome K״!״n e in Ostafrika angeboten. Dieses wahrhalt grossniütige Anerbieten wurde vom Kongresse einhellig mit tiefstem Danke zur Keiutnis genommen und mit Stimmenmehrheit wurde beschlossen, zunächst eine Expedition zur Erforschuiig des aimeboteuei! Territoriurs auszusenden. Ein besonders einzuberufender Kongress wird nach erhaltenem Berichte über die Besiedelungsfrage entscheiden. So viel steht indessen schon heute aus der l.itteratur und aus den Regi.:nmgsher:ciUet! fest, dass dieses Territorium fruchtbar imd zur Ansiedelung von Europäern wohl geeignet ist. Es kann daher angenommen werden, dass der lang gcsuchte Zufluchtsort für die materiell notleidenden und heinntlos umherirrenden Unglücklichsten unserer Stammcsgenossen gefunden ist. obwohl dies - wie ich es in meiner Erömumgsrede bemerkte ..Zion nicht ist imj auch nie werden kann.” Nun hatte ich bei Gelegenheit des!einer gescheiterten Sinai-EI-Arisch-Projektcs das Vergnügen. m;t der Mehrzahl der Mitglieder Ihres Vcrwaiumgsrates z.u sprechen und. wenn ich nicht irre, ist Ihnen allen der Gedanke, einen solchen Zufluchtsort zu schaffen, s”*״״ath»sch. da es ja Aufgabe der Jewish-Colomzation-Association ist. Juden zu kolonisieren. Sie sagen freilich ״irgendwo", während meine Freunde und ich ..Palästina" sagen. ו i Wie nun die Dinge liegen und ohne der politischen Ent- Scheidung unseres nächsten Kongresses irgendwie vorzugreifen, glaube ich im Sinne des rein wohltätigen Zweckes zu handeln, dem Sie dienen, wenn ich Sie frage, ob Sic an der Aufbringung der Expeditionskosten teilnehmen wollen. Diese Vorarbeiten werden, wie immer die politische Entscheidung sich gestalte, für eine Notstandshilfe;m grossen Massstabe keinesfalls wertlos sein. Die verschiedenen Fonds unserer Organisation dürfen zu der• Kosten dieser Expedition nicht herangezogen werden, da es sich nicht um eh: palästinensisches Gebiet handelt. Das Aktions-Komitee hat daher die Aufgabe, diese Kosten auf andere Weise aufzubringen. Unsere El-Arisch-Expedition hat zirka •P.hjo Ls tri. gekostet; da es sich hier um ein von der Zivilisation noch entfernteres Gebiet handelt und da unter Ausni'tzung der beiden Trockenzeiten, wahrscheinlich zwei Expedltionen nuszuschicken sein werden — zuerst eine vorwiegeud wissenschaftliche, dann eine vorwiegend praktische — so dürften sich die Kosten wesentlich höher stellen. Eine Soeiete U'Etuik-s zu begründen, wie man pflegt, wenn man geschäftliche Zwecke im Auge hat, halte ich bei dem vorgeschilderten Stande der Dinge nicht für angemessen. Ar.dererseits hat es auch etwas Missliches, Spenden für ein Werk anzunehmen. das spater durch seine Grösse einen geschältliehen Charakter bekommen muss. D־: mittelbar nach dem kV ׳gegebener Zeit evtwW sie den! Nationalfond?per.eern, e.e unngresse sich meldete::, werde•• wir zu er ihre Beiträge zur Ickerstatten, oder widmen. Den Beitrag der Jewish- Coloiüzution-Associatio:!. de!: ich etwa mit bO'X> Lstrl. prülitiiiniere. denke ich. mir daher als eine Anzahlung auf das.senarate Konto der ostafrikanischen Expedition bei der Jüdischen .Kotonialhank in London. Sollte später zur Einrichtung einer Jüdischen Ostairikanischei: Company geschritten werden .zu deren Gründung dann auch die Jewish C!>Io;!iza1!0n-A>s0ciat!oa mit eingeladvu werden wird, ־. so werden die Aufwendungen für d׳e Expedition von 4er Company zuriiekgezahit werden. Sollte es zi: dieser Einrichtung nicht kommen, so hat die Jewish Coio!:!zation-Ass<iCiati1 n ihren Beitrag als verloren an- Zusehen, wird aber in den Ergebnissen der Expedition vermutlieh eine geniigeiule Entschädigung tut den, weil für eine wohltätige Ko!״:::satbn durch die Ztis cherimg der englischen Reeierung in Jedem Falle eine •grosse Basis geschaffen ist.^ Menn die Jewish Cokm./ation-Assoeiation in der vorstehend skizzierteil Meise zu de:: Kosten der Expedition beiträgt, werden einen detaillierte!■ Rechnungsauswcis und die E.xpeditiunsBcrichte erhalte״. Ich sende diese!: streng vertraulichen Briet in gleichlautender Abscnrift allen Mitgliedern des Verwaltungsrates zu. un: die Erledigung zu beschleunigen. Mit vorzüglichster Hochachtung Ihr ergebener Herz!. II. Antwort des Herrn N. Leven, Präsidenten der J.-C.-A. (Lebe ׳Setzung aus dem Französischen). Paris, den 25. September 191)3. Me n Herr! Nach Lesung Ihres vertraulichen Briefes haben mehrere Mitglieder des Verwaltmsgsrates der Jewish Colonization- Association, die in Paris vereint waren, es bei einer Besnrechung für nützlich erachtet, die folgenden Bemerkungen sich vorgenommen hat. die absolute Irrtumslosigkeit der Bibel, ist zugleich bei ihm Voraussetzung. Er bedient sich also im letzten Grunde jener Methode, die seit Dcscartes auch aus den Kulturwissenschaften geschwunden sein sollte, und die in den Naturwissenschaften und in der Mathematik nie gegolten hat. Es Ist jene Methode, die man •scholastisch nennt, wenn man ihre mittelalterlichen Vertreter im Auge hat, und die dadurch nicht besser geworden ist, dass sich die Rationalisten ihrer be dienten. Denn der Rationalismus ist, wie wir in diesen Blättern öfters Gelegenheit hatten nachzuweisen, doch nur eine verschämte Scholastik, gewissermassen die moderne Form, in die sich ihre Furcht einkleidet. Der Rationalismus ist eben zu furchtsam, seinen Glauben zu lassen, und auch zu feige ihn zu bekennen. Er leugnet daher die Wunder nicht, nimmt ihnen aber den Charakter der Wunder. Er ist daher im eigentlichen Sinne Anhänger des Deismus, der eigens geschaffen wurde für die schwachen Charaktere einer Uebergangsperiode als Lehr** von einem Gott, der eigentlich kein Gott ist. Urquhatt ist kein Deist und kein Rationalist, er ist eine starke Persönlichkeit, und findet den Mut z•! glauben, wie andere den gleichen festen Charakter haben, ihren Unglauben konsequent festzuhalten. Er glaubt! Sein Glaube ist ihm alles. Er hat eine ererbte Wahrheit und braucht sie nicht erst zu suchen. Was in den Büchern Alten und Neuen Testaments steht, ist mit allen Qre und Ktlbh des Tenäch und mit den mehr als 60 060 Lesarten des Neuen Testaments ein vom Heiligen Geist Gottes inspiriertes M'erk.wn jedes J-tupic!chen seine tiefe Bedeutung hat, und tausend!;eilige Geheimnisse in den scheinbare!: frrtümern verborgen sind. — Und nicht nur das Schriftwort allein ist ihm massgebend und unantastbar, auch jene kirchliche Uebcrüefcrung, die diesen Kanon für heilig erklärt und ihn als göttliche Wahrheit überliefert hat. Denn diese Tradition innerhalb der einen heiligen Kirche ist der historische Beweis der Göttlichkeit der Bibel. Und hier ist die Fraktui in der Urquhartschcn Anschauung,. Konsequenterweise müsste er der Kirche der christlichen Tradition angehören, müsste er katholisch sein. In Wirklichkeit gehört er dem Bekenntnis an, das seinen Namen davon erhalten hat, dass seine Anhänger gegen einen Reichstagsbeschluss protestierten, das aber ebenso gut das protestantische hätte heissen können von seinem Bruch mit der kirchlichen Tradition. Doch müssen dies« Frage Sie christlichen Bekenntnisse unter sich selbst ausfechten. Wenn nun aber Urquhart so gläubig ist. dass keine Entdeckung um| keine wissenschaftliche Errungenschaft seinen

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