Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1904)
- Date
- 1904-01-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 12. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 2. Palästina auch nur einen Augenblick ablenken könnte. Wir. die enragierten Anhänger einer intensiven Gegenwartsarbeit in Palästina, erhielten von demselben Kongress einstimmig eine Palästinakommission bewilligt, die zum ersten Male mit festem und nicht geringem Etat dotiert wurde, und der man Vollmachten gab, wie sie noch kein Kongress irgend einer Behörde neben dem Aktionskomitee bewilligt hatte. Das war freilich gar nicht nach .dem Willen jener, die gerne eine Bilanz des Zionismus ־ dahin gezogen hätten, als wäre das Programm verraten, jener selben Sucher nach Nebenländern, die keinen noch so schweren Vorwurf unserm Führer erspart hätten, wenn er das englische Ostafrikaangebot zurückgewiesen hätte, ohne dem Kongress vorher Mitteilung davon zu machen. Der merkwürdige Führer bei diesem Angriffe war ein Mann, der sich noch wenige Monate vor dem Kongress geweigert hatte, den Schekel zu bezahlen, ״eben weil er seine Nichtzugehörigkeit zur zionistischen Organisation damit dokumentieren wollte.“ Wieso er so schnell noch unmittelbar vor den Wahlen zum Kongress seine ״unerschiitterliche Ueberzeugung" änderte, wird wohl, — wenn• er es selber weiss—. sein und seiner Freunde Geheinmis bleiben. Wir א ein sage r. die wir die Opposition auf dem VI. Kongresse bildeten, haben gegen die Expedition nach Ostafrika gestimmt, weil wir glaubten, dass durch eine solche Unternehmung zwar niemals unsere Führer, aber womöglich manche Anhänger des Zionismus an der Konseauenz unseres Zieles hätten irre werden können. -- Und wir mussten ebenfalls damit rechnen, dass viele westeuropäische Zionisten vielleicht den Zionismus in einen allgemeinen jüdischen Territorialimus umsetzen würden, wie dass die osteuropäischen Gesinnungsfreunde zu wenig mit politischem Leben in Beriihrung gekommen seien, um nicht Gefahren für unsere Organisation heraufzubeschw ören. Die erste Befürchtung war ohne Grund. Dagegen schien es. dass tatsächlich in Russland die Organisation in ihrer Festigkeit ersehnttert sei. Zwar konnten wir den offenen Briefen des Ingenieurs Ussisehkin an Herzl keine besondere Bedeutung beimessen. Sie waren nur der Beweis, dass der Mann nicht imstande ist, sich einer Majorität zu fügen, und, dass er von europäischem Parlamentarismus sicher nur von Hörensagen weiss. Wichtiger ist es. dass in manchen Kreisen in Russland der Wunsch erwacht, die alte Chowewe-Zion-Taktik w ieder aufzunehmen. — So wie Körper kleiner erscheinen mit dem Quadrate der Entfernunge.1, so scheinen umgekehrt Personen und ״Bewegung“ in der gleichen Proportion grösser. So hat man in Russland ein Trugbild aus der Berliner Laterna Magica hervorgerufen, als wenn sich an den altersschwachen ״Esra“, der noch niemals sieh bew egt hat. eine neue kräftige, nichtpolitisclie Palästiuabevegung ungegliedert hätre, während in Wahrheit der alte Schlaf weiter geschlafen, und der alte Traum weiter geträumt wird. Und in Deutschland und England biidet man sich ein. dass, wer weiss. was für Massen hinter Ussisehkin steilen, und es ist nicht ausgeschlossen, dass er sieh selbst recht •vereinsamt fühlt. Er hat ja sogar das Bedürfnis, nach Berlin zu kommen. Von viel grösserer Bedeutung, aber in ursächlichem Zusammenhänge mit der Berliner palästinischen Fata Morgana und dem russischen Lfssischkinismus ist die Konferenz russischer Mitglieder des grossen Aktions־ koniitees in Charkow*. Zwar haben drei Mitglieder die frondierende Versammlung von vornherein verlassen, und die Beschlüsse wurden von dem ״Rumpfparlament“ mit 4 gegen 3 Stimmen gefasst, und in ganz Russland protestiert man bereits gegen die Beschlüsse, die ebenso allgemein verbreitet und bekannt sind, wie sie streng vertraulich geiasst wurden. Aber djss sich auch nur 4 Leute, vier Aktionskomiteemitgliec^r gefunden haben, die für so kongrcssw׳idrige Beschlüsse stimmen konnten, ist von tiefer Bedeutung. Man hat aus eigener Machtvollkommenheit die Verbindlichkeit der Kongressbeschltisse negiert und damit jede Grundlage unserer po-!!tischen Organisation angegriffen. Es ist dabei immerhin von symptomatischer Bedeutung, dass diese Fronde den ganzen westindischen Zionismus als ein quantitö nögligeable betrachtet und einerseits uns als halbe oder gar Nichtzionisten ansehen möchte und andererseits bereits, übrigens recht ungeschickte, Fühlhörner ausgestreckt hat, ob sie nicht vielleicht die deutschen Zionisten zu sich herüberziehen könnte. Als Entgelt für dieses Entgegenkommen unsererseits würde uns die Ehre zuteil-werden, als Dreiviertelszionisien von ihnen angesehen zu werden. Wir müssen uns freilich für diese Ehre bedanken und ihnen gestehen, dass ihre Bemühungen, auch wenn sie mit weniger Spitzfindigkeit und äusserliciier Geschäftskenntnis und mit mehr Gemüt und politischem Verstand an uns herantreten würden, ..doch mir für die Katz“ sein würden. uie nesensusse uer wnursower t\ A. vmci vno >י v sich in sciiroffer Weise gegen das Ostafrikaprojekt. Herzl solle eine schriftliche Garantie leisten, das Afrikaprojekt des Zionismus wieder ins Leben zu rufen. Wenn wir den Commis voyageur der Fronde richtig verstanden haben, so wünscht er. dass der Ostairik'aner Herzl der Mohr sei. der seine Schuldigkeit -- nicht getan habe, und gehen möge. Für die innere Organisation in Russland soll die Konferenz eine Reihe' von Beschlüssen gefasst haben, die mit vollständiger Ausserachtlassung des vom Kongresse iestgelegten Statuts eine förmliche Sonderstellung der russischen Aktionskomitee-Mitglieder bedeuten und ihnen dadurch einen Einfluss auf die Eiitsehliessungcn der anderen Zionisten verbürgen würden, der fast einer totalen Beherrschung des Kongresses glciclikäme. Die Charkower Herren sollen zwar ausdrücklich die Gleich- Wertigkeit aller A.-K.-Mitglieder proklamiert, sich selber aber, als den Vertretern der 'russischen Zionisten besondere Vorrechte vindiziert haben, die bei der Anzahl der russischen A.-K.-Mitglieder sie quasi mit einer Art von Imperium ausriisten würden. Um die Wiener Leitung gefügiger zt« machen, drohen sie mit Zurückhaltung der ihnen vun den Schekelzahlern überwiesenen Gelder. Und hierin liegt, ganz abgesehen von der Bes c 11 i tu p i 11 n g d e s Z i p 1! i s m ti s in der Person seines grossen Führers, eine solche Verletzung jedes Sinnes für Organisation, dass die Herren sich nicht wundern dürfen, wenn die ihnen unterstellten Zionisten ihnen selber den gleichen Gehorsam und das gleiche Vertrauen entgegenbringen, wie sie dem Leiter des Aktionskomitees. Der Versuch, die Parteigelder zarückzubchalten, 'bedeutet nicht mehr und nicht minder, als den'Versuch, gewaltsam die Organisation des Zionismus zu sprengen. Freilich hätten die klugen Rechner bedenken sollen, dass bei einem Rennen von vier Köpfen gegen eine festgefügte Mauer, diese weniger Schaden nehmen dürfte als die Köpfe. Wir hätten die Herren für politischer gehalten. Sie haben sielt täuschen lassen durch das Phantom einer grossen nichtzienistkhen Palästinabewegung, die man ihnen vom Westen her vorgespiegelt hat. Es waren Breunspiege! und sie haben sich daran versengt. * * ♦ Der Zionismus wird freilich in seinem Bestände nicht davon berührt. Unsere russischen Gesinnungsfreunde aber möchten wir in diesem Zusammenhänge auf eine Korrespondenz in einer Berliner jüdischen Zeitung hin- 1 w׳eiserq die dem Zionismus gegenüber das Banner des £?>וד׳%*וייי•*, *!*■*ff"*.' « ■■