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Jüdische Rundschau · 1904-01-08 · Heft 2 (8.1.1904) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 2 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Jahr8״n<r »mmtMirmM Q u Erbsn des Zloni יי נ C So lange er gelebt hat, haben sie nicht viel von ihm gehalten. — Frühzeitig haben sie ihm den Rücken gekehrt, weil er ihnen unbequem wurde. Der eine konnte nicht bei ihm bleiben, weil er in seinem Hause nicht genug an Ehren fand, der andere, weil die Freundschaft mit ihm hinderlich war bei der Erlangung einer einträglichen Stelhing, der dritte, weil er nicht selbst der Hausherr und Gebieter sein sollte, ein anderer gar, weil er es nicht vertragen konnte, wie peinlich mit der Wahrheit timgegangen wurde. Kurz viele, vielleicht alle, die ihm nicht aus reiner Liebe und Hingebung angehangen haben, sondern auch Ehren und Vorteile bei ihm gesucht hatten, haben ihn längst verlassen. Nur die Idealisten, die so närrisch sind, die Wahrheit* um der Wahrheit willen zu lieben, haben bei ihm ausgehalten bis zuletzt bis zu allerletzt. Nun geht es mit ihm zu Ende. Der Zionismus will sterben. Zwar hätte er noch lange leben können. Schien es ja, als stünde er erst am Anfänge einer gewaltigen Kraitentwickehmg. War er doch der Hofftumgsanker einer verzweifelnden Nation, die sich von ihren .,Freisinnigen“ verraten sah und der ihre patentierten Frommen statt eines Brotes den Stein der Vertröstung reichten. Da kam der Zionismus mit dem Aufrufe zur Freiheit und mit der Arbeit für die Freiheit. Ein neues Leben begann, fing zu beginnen an für das Volk, das seit zwei Jahrtausenden gehofft und gefürchtet hatte, und das im •Zeichen des Zionismus zum ersten Male wieder seine Kraft erwachen fühlte. Der Zionismus erstarkte und es schien, als sollte das ganze jüdische Volk ihm zufallen. Das Unglück kam über Nacht, ehe man sich’s gedacht. Der Zionismus erkrankte. Er hatte ein Projekt verschluckt, das seinem Magen nicht zuträglich war. Nur an palästinische Speise gewöhnt, vermochte er die ostafrikanische Nahrung nicht zu vertragen. Eine heftige Reaktion aus dem Innern machte sich nach aussen bemerkbar.- Die Krankheit schien gefährlich zu werden. Eine Krise war unausbleiblich.- Und siehe da: im Schmollwinkel wird es lebendig. Aus allen Ecken kommen die hervor, die das Schiff längst verlassen haben. Sie spotten des Kranken und bieten sich ihm zugleich als Aerzte an mit ihren Geheimmitteln. Jeder, der einmal vom Zionismus aus seinem sonst so gastlichen |־|^use herausgeschmissen ist, glaubt an ihm der beste und 4 . nardenkönern zu dürfen. Jeder gibt seinen Rat und Weisheit letzter Schluss ist. dass er das sicherste sei, von allen Schmerzen erlöst zu werden, wenn er seiner baldigen Auflösung entgegengehe. Alle Schmollwinkler bilden eine grosse Familie, die Familie der Erben des Zionismus. Und Familienrat wird abgehalten, in Paris und in Berlin, in Wien und in London, und in Charkow. Und der Testamentsvollstrecker ist unterwegs, tim Hand auf das Grundeigentum zu legen, der Testamentsvollstrecker, nicht im Aufträge des Erblassers. sondern aus eigner Machtvollkommenheit und int Einverständnis mit der Familie der Erben. Lachende Erben sind es. Ist es doch ein Reicher, der stirbt, und der ein Volk hinterlässt, ein ganzes grosses Volk, das ihm gehört. Aber im allgemeinen wird doch erst das Testament vollstreckt, wenn der Testierende tot ist. Aber ״hei lebet noch“. — Ja, der Todkranke fühlt sich offenbar so wenig schwach, dass er. wie gewohnt, seiner Tätigkeit nachgeht. Während im Familienräte der Erben flottweg geteilt wird, während der Testamentsvollstrecker das Petschaft bereit hält und die Flamme für den Siegellack anzündet, befindet sich der vermeintliche Todkranke sehr wohl. Und für den Bevollmächtigten des Familienrates wird die Gefahr grösser, sielt beim unerlaubten Siegeln die voreiligen Finger zu verbrennen. Aber das hindert nicht, dass die Erben darauf brennen, ihr Erbteil anzutreten, auf das sie alle den gleichen Rechtstitel haben, einmal vom Zionistnus hinattsgeworfett zu sein. Darum die Einigkeit unter ihnen, die sich sonst nicht vertrugen. Damm die Ge- Schattigkeit in allen Winkeln. Wie Maulwürfe unter dem Boden, so huscht es einher. Im Schmollwinkel regt es sich. Es stecken die Köpfe zusammen und flüstern — die Erben des Zionismus. Als der erste Kongress beschlossen hatte, das Aktionskomitee zu ermächtigen, wenn nötig, eine Expedition zur Erforschung nach Ostafrika zu entsenden, war eine kolossale Erregung durch die Glieder der zionistischen Bewegung gegangen. Eine bedeutende Minorität hatte alles versucht, diesen Beschluss hinfällig zu machen. Aber er war angenommen worden. Uns blieb nichts übrig, als uns dem Kongressbeschluss zu fügen. Das konnten wir um so eher, als wir die Gewähr hatten, das njciiis geschehen sollte, was uns von unserem Ziele, von er־■' י

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