Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651341-2651343--00951-2657776- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 5 No. i JÜDISCHE RUNDSCHAU. Eisfeldern Sibiriens oder dem schon recht kalten Car.ada sowohl wie aus dem subtropischen Transvaal oder dem cricntalisch-hcisscn Marokko oder Egypten. In allen diesen Ländern, so verschieden an Klima, Bodenbeschaftenheit und Bevölkerung, wohnen Juden seit langer Zeit und haben sich den dortigen Verhältnissen unter Be- Währung ihrer Rasseneigentümlichkeiten ebenso angepasst;wie in den Ländern des südlichen und mittleren Europa. Von jeher hat diese besondere Akklimatisationsfähigkeit der Juden die Aufmerksamkeit der Forscher erregt und auch Virchow hat gelegentlich eines Vortrages ' auf der Strassburger Naturforscherversammlung diese Frage gestreift. Ihre hauptsächliche Erklärung findet diese erstaunliche Akklimatisationsfähigkeit in der Zuge- hörigkeit der Juden zur semitischen Rasse, eine Tatsache, mit der sich auch unsere Assiiniianten. die ja meist direkt von Hermann dem Cherusker abzustammen glauben, allmählich werden aussöhnen müssen. Die Semiten — ich erinnere vor allem an die Fhönicier — waren von jeher kolonisatorisch hervorragend tätig und haben daher die Eigenschaft, sich anders gearteten äusseren Verhältnissen anzupassen, ganz besonders für sich ausgebildet. Es kommt bei den Juden noch hinzu, dass sie durch das allmähliche Verrücken aus den heissen Reich selbst etwa vom 52. Breitengrade, also dem Breitengrade, auf dem Berlin liegt, bis zum 20. Grade nördlicher Breite reicht, der etwa der Lage von Bombay in Indien oder dem südlichen Mexiko entspricht. Was aber die Chinesen nach der Richtung der Kolonisation.‘,- fähigkeit auch vor den Juden so sehr auszeichnet, ist das, dass sie überall, wo sie hingekommen sind, das Land selbst bebaut oder sonst schwere Arbeiten getan haben, während die Juden im grossen und ganzen nur Händler geworden sind und ihre Eignung für den Ackerbau — wohlgemerkt unter den besonders ungünstigen klimatischen Verhältnissen der tropischen Länder — erst zu erweisen haben. Fasse icli das Gesagte noch einmal kurz zusammen, so komme ich zu folgendem Schlussergebnis. Dia Ah- Siedlung grosser Massen unseres Volkes auf hochgelegenen und gesunden, insbesondere malariafreien Gegenden der tropischen Zone stellt ein Unternehmen dar. das manche Bedingungen des glücklichen Gelingens in sich trägt, das aber immerhin ein Experiment bleibt, dessen Ausgang, die Erhaltung der Rassereinhett als Notwendigkeit vorausgesetzt, unsicher und zweifei- Haft ist. Wie schön ist es. dass ähnliche Zweifel und Bedenken Gegenden Oberägyptens, wo noch heut von allen Nichteingeborenen allein die Kinder der Juden und Levantiner gedeihen, nach dem viel kühleren Palästina ein sögenanntes petit acclimatetnent durdigemacht und so die Fälligkeit der Akklimatisation in noch höherem Grade erworben haben. Ein weiteres günstiges Moment ist die nüchterne und im allgemeinen hygienische Lebensweise der Juden, dieser durch die Jahrtausende wirkende Segen der mosaischen Gesetzgebung. Die mannigfachen Exzesse, besonders die in Baccho.* denen sich europäische Kolonisten so häufig hingefcen. -tragen nicht zum geringsten , Teile zu den schlechten Resultaten der Akklimatisation i bei; sie sind auch die eigentliche Ursache des sogenannten Troper.-Kollers, dieser zur Entschuldigung mannig- -racher Vergehen und Verbrechen erfundenen Tropenkranklteit. Der Alkohol, diese schlimmste Geissei der europäischen Völker, wirkt in der heissen Zone noch verbeerender, und es ist eine sehr weise Massregel der deutschen Regierung, dass sie in den Kolonien den Verkauf von Alkohol an die Eingeborenen nur unter sehr eruns nicht zu beunruhigen brauchen bei der Besiedelung Palästinas, diesem, nach der Erklärung unseres Führers Herzl unverrückbaren Endziel ali unserer Wünsche und Bestrebungen. Das semitisch-orientalische Blut, das in uns fiiesst und das sich in der grossen Akklimatisationsfähigkeit der Juden ganz besonders deutlich offenbart, weist uns geradezu auf diese alte Heimat unseres Voi-.ns hin. , Möge es den rastlosen Anstrengungen Herzls nur erst gelingen, uns Palästina zu eröffnen, mögen die heimatlosen Söhne unserer Brüder nur erst dort einziehen können, nicht aut Schleichwegen wie zudringliehe Bettler in fremdes Eigentum, sondern wie vo'.lbereciitigte Söhne ins Vaterhaus, um das Gedeihen der gegenwärtigen und kommenden Generationen braucht uns nicht bange zu sein und die Zukunft in Alt-Neuland wird der ruhmvollen Vergangenheit nicht nachstehen. * « An den Vortrag schloss sich eine Diskussion, an der sich die Herren Dr. Levy, Dr. Citron. Dr. Mühsam und schwerenden Bedingungen gestattet. Wegen ihrer Nüchternheit vor allem besitzen auch die Chinesen, die man schon oft aus diesem Grunde mit den Juden verglichen hat. eine so ausgezeichnete Akklimatisationsfähigkeit. Ich erinnere Sie daran, dass das chinesische 1 Dr. Waldenburg beteiligten.! Dr. Levy führte aus. dass nach seiner Ansicht der i Vertragende die Sachlage etwas zu pessimistisch auf- | fasse. Das Land!!ege nach den Berichten ca. 2000 m! liech, müsste daher eine durchschnittliche Jahrestempeer sie nicht mehr gesprochen ... Sie ist gegangen - - fort — zur Mutter ... Er hat sie verloren . . . Stille herrschte ringsumher: Grabes-, Totenstille . . . Plötzlich ertönte in der Nähe des Hauses ein lautes Schreien und Johlen ... Er horchte auf: Kamen wahrscheinlich Bauert! von der Wahl. Aber immer intensiver wurde der Lärm. Er kam näher, ganz nahe. Und plötzlich — Leib war wieder in trauriges Sinnen versunken — klirrten die Scheiben und fielen auf den Boden. Leib konnte kaum zur Besinnung kommen, als die Türe sich auftat und eine Menge mit mörderischem Geräusch ins Zimmer drang. ״Der Jude Isak — der ist schuld,“ kam es aus hundert besoffenen Kehlen. Leib überkam eine wilde. — unbezähmbare Wut. Was wollte man von ihm — von seinem Herrn. Warum Störte man seine Ru!1$ . , . Vielleicht wäre sein Kind doch gekommen . . . Und plötzlich durchblitzte ein Gedanke sein Hirn: ..Die* Juden wollten zum Minjan kommen, aber diese da — versperrten ihnen den Weg — deshalb —“ ' -- Eine ohnmächtige Wut.überkam ihn; er hielt die Hand auf eine Stuhllehne . . .: ..Was. der Jude .!sak - -?** Die Bauern waren betrunken. Einige ballten die Fäuste: ־.,Alle Juden — totschiagen . . .“ Leib umfasste mit eisernem Griff den Stuhl und erhob ihn — da traf ihn ein knotiger Stock schräg durchs Gesicht und noch einer übers Haupt ... Er sank hin und röchelte: . ״Mein Kind . .. Kaddisch ... Der letzte Kaddisch .