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Jüdische Rundschau · 1903-12-25 · Heft 52 (25.12.1903) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 52 (25.12.1903)
Date
1903-12-25
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 566 JübiSCHE RUNDSCHAU. No. 52 muss ein Vulkan gewesen sein. Zu einem Vulkan liat Moses sein Volk geführt, und in den« schrecklichen Vulkanausbruch hat man Jahves schauerliches -und majestätisches Erscheinen erlebt. Vielleicht wird die Frage auf Grund der hier vorgetragenen Kombination aufs neue aufgenommen werden und es wird jetzt den Geologen und Geographen möglich sein, den Vulkan zu bestimmen, der zu Mosis Zeit ausgebrochen sein j muss.“ ' So berichtet die ״Nationalzeitung‘*, Es ist erstaunlich, wie der alte Rationalismus, der niemals den Mut findet, mit dem Wunderglauben zu brechen, und niemals den Mut hm, an Wimder zu glauben, immer neue Formen i'ndct, um sich selbst vor* zutäuschen, dass er ״wissenschaftlich** sei. Die Gunkclsche Vulkauthcoric ist nur ein neuer Ausbruch der Halbheit, die mit dem Unglauben kokettiert, aber glauben nicht lassen kann. Leider grassiert auch noch immer bei uns Juden dieser Ratio* milisnnis. ״Die Juden in Pclen, Litauen und Südrussland haben zwei Sprachen, die sie ihr eigen nennen, und in beiden besitzen sie bedeutsame, 7.11m Teil hoch entwickelte Littcraturcn: die ״hebräische und die judendeutsche. schlechthin ״jüdische*‘ genannt. Das ״Jüdische*‘ ist Mittel iochdentscli, mit vielen althochdeutschen Elementen durchsetzt, aber phonetisch weitergebildet. Die ältesten Litteratnrdenkmäier dieses Idioms rühren aus dem M. Jahrhundert 11er. Im Verlaufe der Zeit liat es viele hebräische Kleinente und Formen und. am Ausgange des Mittelalters nach Polen verpflanzt, auch viele slawische aufgciK-mmcn und umgehiidet. Das Hebräische war die Littcratu 1 spräche der Intellektuellen, das ..Jüdische" die Sprache des Volkes, (׳ei et-, Erbauung.'•- und Gesangbücher. Erzählungen und Licdersanniilungeii für aas Volk waren in dieser Sprache stets vorbanJe.1. aber erst in der neuere!! Zeit, etwa ein Jahrhundert, nachdem das ..Jüdische" in seiner Urheimat, unter den deutschen Juden, ausgestorben war, entwickelte sich in Polen mul Litauen eine jüdische l.itteratiir im höheren Sinne des Wortes. Ursprünglich bedienten sicli die Schriftsteller und Dichter ihrer bescheidenen und primitiven Ktmstinittel, um die Masse zu bessern, zu ״erleuchten“ und zu heben. Allmählich rang sich die eigentliche Litteratrr von der Publizistik l<»s. lind die künstlerische Dar- Stellung des Lchens — stets jedoch im engen Anschluss au den Volkston -- wurde immer mehr Selbstzweck, Unter den Plentern der älteren Generation mögen hier in erster Reihe wenigstens die folgenden genannt werden: die Galizier Wulf Lhrenkra!!/. dessen prachtvolle Lieder und Balladen eine un- | vcrgleiehllche Volkstümlichkeit erlangt haben, und Beirach Schaiir, die Litauer Abraham Goldfaden und Eljakim Zunser. j Der grosse hebräische Dichter dehnen Löb Gor Jon hat ein i Bündchen prächtiger jüdischer Balladen und Romanzen hinterlassen. Sn« Roman und ווו der Novelle haben Scbalom Jakob Abrahamowicz in Odessa, ein grosses episches Talent, ferner Salomon Rabbinowicz in Kiew, eh» bedeutender Humorist, J. L. Perez. und M. Spcktor in Warschau hervorragende Leistungen aufzuweisen, die freilich infolge ihrer' spezifisch jüdischen Milieuschilderung auf ein lebhafteres Interesse des iernsteheuden Publikums nicht rechnen können, aber vom rein künstlerischen Standpunkt Oie regste Beachtung verdienen. In neuester Zeit hat sich eine Anzahl jüngerer Schriftsteller der Schilderung des Proletarierlebens zugeweudet, sie behandeln also Probleme und Zustande, die dem europäischen Publikum viel näher liegen, per Litauer David Pitiskv ist unter den Jüngeren einer der begabtestem. Er verfügt über eine scharfe Beobachtungsgabe, ein frisches, realistisches Erzählertaletit und eine intime Kenntnis der jüdischen Arbeiterwclt seines Heimatlandes, die er mit grosser Sympathie und Wärme, doch ohne jede Voreingenommenheit urd mit liebenswürdigem Humor schildert." 1 ״Aus fr e m d e 11 Zunge!!'.’* PC OäO 10 v® *■י■—I» .*«"■",1—י Kleine Chronik. | Lustige Ecke. | Lieber Schlemlell Als in der Provinzialhauptstadt D. die Orgel In der Synagoge cingeführt wurde, bewarb sich auch ein Jude um die Organistcnstclle. Der Vorstand aber lehnte Ihn .mit grossem Bedauern ab; denn es würde das religiöse Gefühl der meisten Gemeindcmitgliedcr verletzen, wenn ein Jude am Sabbat die Orgel spielte. . ״Nu schön,“ meinte der Bewerber, ״bei festem Fngagement wäre ich nicht abgeneigt, mich taufen m lassen.“ Aus No. '2 des ״Schlemlel“. Elsenbahnverkehrswcge und -Projekte In Palästina. Die Bahnlinie Beirut—Damaskus wurde im Winter 1903—03 um 2,2 km von der früheren, »usscrhalb der Stadt gelegenen Anfangssjation bis an den Hafen verlängert (Eröttmmg Februar 1903). Der neue Bahnhof liegt auf dem Hafcnkai dicht heim Zollhause, so dass die Güter direkt vom Zollhause aus verladen werden können. Man hofft mit der dadurch ge!>0tenc11 Vcrkehrserlcichterung dem noch immer erheblichen, weil bis zu 30 Prozent billigeren Frachtwagentransport auf der Fahrstrassc nach Damaskus wirksam zu begegnen. Weiter ist im Herbst 1902 die Station Rayak der Beirut Damaskus-Bahn mit den Stödten 110ms und Haina, den Mittelpunkten der getreidereichen Orontcsebene, durch eine INS km lange Eisenbahn verbunden worden. Sie soll später nach Norden bis Aleppo, nach Süden hier Rascheja, Hasbcja, Nazareth und Nablus bis Jerusalem verlängert werden. Der Bau dieser Bahn wurde 1901 in Angriff genommen und so schnell ausgeführt, dass die ganze Strecke Rayal; - Naim• im Oktober 192׳ den! Betriebe übergeben werden konnte. Sie soll später an d;e K'o.iia* Bagdad-Linie angesciilossen werden und. ist deshalb normalspung. Ls sind mit der neuen Linie bereits erhebliche (ictrcidcmengcn aus der Gegend % on! Monis und Mama, v. eiche, irtilur mit Kamelen nach Tripolis transportiert wurde!!, nach Beirut befördert und nach Li’.jagcntng nach Bedarf von dort aus verschifft wordui. Die Netto-Betriebsergebulsse der Beirut—Damn^knsbalm waren 19ul 2305 20) Frk. (— 53 115 *ז־? Erk. gegen 19-0). Der Ueberscliuss gegen ]900 dürfte von den bedeutenden Materialtransporten ihr die Meuschasbalm her rühren, die auch!יסס und im laufenden Jahre fort dauerten. ' Der Bau der sogenannte!: HeJsckashihi: (DanixN.i׳•. Mekka) ist 19׳j2 gut!׳«t!geschritten. Die Lidumi Maucrarbeiten sind auf einer Länge von 371) krn fcruggestcllt, der Schicnenstrang ungefähr bis km 277 gelegt G> *maskus—Derät 123 k!n, iJcr.U- Ammut luu km, Amman-Z'r.a gegen -kJ k!r. und H km Abzweigung Derä.t—Mzerib, der Kndstat'wi der französischen Mauraubalm). Zur Zeit (Scpternbe! 1903) ist die Balm bis zur Station Ziza (267 kn! von Damaskus, 153 km von Mzerih) in Betrieb. Abgesteckt ist sie bis Ma׳u (0<'־ km von Damaskus, etwa 125 km von der Nords;!!*׳», des Meerbusens von Akaba). Die bisher gebaute Strecke von 370 km, die 252 Brücken und einen Tunnel enthält, stellt ungefähr ein Drittel des Weges von Damaskus nach Medina dar und ist bei einer Bauzeit von 29 Monaten eine sehr bemerkenswerte Leistung, besonders, da die Materialzufuhr erschwert ist. Die Linnalunen des Baufonds, der ״nmdsätzlicl! aus freiwilligen Beiträgen der Mohammedaner, zum Teil allerdings auch durch die Lrtrügnisse einiger eigens dazu geschallener Abgaben und einiger Finanzoperationen gebildet wird, ergaben nach türkischen Blättern bisher 103 3-16 512־ Piaster (d. i. gegen 19 Millionen Mark), darunter fast ‘A von freiwilligen Beiträgen lierriihreiid; die Ausgaben betrugen 56 5773 10־ Piaster (d. i. 10,3 Millionen Mark). An rollendem Material sind, türkischen Quellen zufolge, bisher 18 Lokomotiven und 153 Waggons beschatt‘t und 20 wei- ' tere Waggons bestellt worden. Inzwischen hat die türkische. Regierung auch die Bahnlitiic Haifa—Mzerib in Angriff genommen. Die Konzession itir . dieselbe (als Linie Haifa—Damaskus) war 1591 dem ottomanisehen Untertan Joseph Elias Effcndi in Gemeinschaft mit dein englischen Unternehmer Robert Pilling erteilt und von diesen der englischen Syrla Ottoman Raihvay Company, an deren Spitze der Besitzer der Thames Jrou Works, Mr. Hills, stand und deren Kapital 600 (XX) JLstrl. betrug, mit dem Vorrecht für den Bau eines Hafens i!1 Haifa oder Akka sowie mit gewissen Exploitationsrechten abgetreten worden. Der Bau (als eingeleisigc NormalspurbaUu) hega.ua hu Dezember 1892, ruhte aber nach Fertigstellung von 8 km infolge von Linissionsschwicrigkeilen. Nach einer fruchtlosen Verlängerung der vierjährigen Frist, binnen deren die Balm vertragsmüssig gebaut sein musste, uni 3 Jahre und einem 1897 gemachten .vergeblichen Versuche־, die Arbeit wieder auizunehmeu, war die Konzession (1898) verfallen. Im Vorjahre übernahm die türkische Regierung das Unternehmen, gegen Zahlung von 155 000 Ltq. an Mr. Hills, im April d. J. wurde der Bau wieder aufgenomtnmer« und die erste Strecke von 15 km am 8. Mai d. J. i'ertiggcstcilt. Der Bau wird von deutschen Ingenieuren ausgefülirt. Als Arbeiter werden, wie bei der liedschasbahn, Landesbcwoliner, vorwiegend Soldaten, jedenfalls keine europäischen Arbeiter, ד ד V.

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