Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1903)
- Date
- 1903-12-25
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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•e¥y ■-■-•י, ■*-״.-!■.י»• ••״*״־•׳■. w ״־־י־ *׳־“י #ד״1/«/״/.** \~ ־-*־־»"יי־ No- S2_ JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 567 verwendet. Für den 1. April 190־t ist die Bctriebseröffnung auf den ersten 60 kip (bis Beisan, In der Nahe des Jordans) zu erwarten. Zur Zeit (August 1903) verkehren ArbciterziiRC bis zum km 25. Die Balm Überschreitet bei km 76 den Jordan und. wird eine Länge von ca. 160 km haben. Sic soll nach dem neuesten Plan nicht bei Mzerib, sondern weiter südlich bei Der'at in die Hedschasbahn einmünden. (Nach einem Berichte des Kais. Konsulats in Beirut.) Swlnemiinde sergt für die Frömmigkeit der jüdischen Einwohner: ..Durch eine Millionen-Erbschait ist die hiesige cv.ingelische Kirche in die Lage gekommen, das ihr vom König Friedrich II. verliehene Recht, von Jedem Hausbesitzer jührlieh einen Taler und bei Orundstücksverkäufcn eine Steuer von 1י/־ auf das Tausend einzuziehen, entbehren zu können Die Kirclienvertrctung beschloss deshalb, nicht nur auf die Traugebühren, den Klingelbeutel u. s. w.. sondern auch auf die erwähnten Abgaben zu verzichten. Das Kons:storium in Stettin hat aber die haus- und Umsatzsteuer mir für die evangelischen Einwohner aufgehoben. Eine deshalb an den Kultusminister von den jüdischen Hausbesitzern gerichtete Eingabe Ist dem Evangelischen Oberkirchenrat überwiesen worden. Nicht nur der hiesige Kirchenrat und die Kirchengemeindevertretung, sonüern fast alle Einwohner von Swinemiinde stehen auf der Seite der jüdischen Hausbesitzer und missbilligen die Massregel der ausschliesslichen Steueraufhehung ihr die evangelisehen Einwohner schon aus dem Grunde, weil der Wortlaut der Verordnung sich nicht nur auf Katholiken und Juden, sondern auf alle Hausbesitzer Swinenüindes bezieht. Katholische Haus■ bcsitzer gibt es nicht in SwinemünJe.“ Zur Schachtfrage. HÜdcshcim, H. Dezember. Dei . hiesige Magistrat hat bezüglich des Schächtens auf dein; städtischen Schlachthoie ein Ortsstatut erlassen. das folgende י Bestimmungen enthält: j ״Das Schächten des Schlachtviehs aui dem städtischen . Schlachthofe darf nur erfolgen durch einen vorn Magistrate im Einverständnis mit dem Landrabbiner angestellten Schächte־. In der Dienstanweisung desselben sind qamentlieh auch die näheren Bestimmungen über den Umfang der Schächt ingen zu treffen, wobei das Bedürfnis der jüdischen Einwohner bezüglich des Genusses geschlichteten Fleisches und der hiesigen Schächter lind Fieischwarcnfabrikanten licaiglich des Bedarfs geschachteten Fleisches für den Exportliandel zu berücksichtigen und eine Bevorzugung unter den Schächtern zu vermeiden ist. — Die Schächtungsgehähren fliessen in die Schlachthofkasse‘־. Dazu schreibt die ״Deutsche Tageszeitung“: ״Die jüdische Presse ist selbstverständlich mit dieser Rücksichtnahme vollkommen einverstanden. Uns ist cs ganz unerklärlich, wie eine städtische Behörde in ihrem Schlachtliofe eine Schlachtart dulden kann, die notwennigerweise auch daun mit Tierquälerei verbunden sein muss, wenn sie mit aller Vorsicht ausgeiiihrt wird. Die Tierquälerei widerspricht d.cm Empfinden und den sittliehen Anschauungen des ch r ist lieh-deutscheu Volkes. Sie sollte also nirgends geduldet, sondern überall, wie im Königreiche. Sachsen, rundweg verbotet! werden." Es ist interessant zu sehen, dass man einen jüdischen Ritus, übrigens im vollsten Gegensatz zur Wahrheit, eine ..Tierquälerei" schimpfen darf, ohne Strafe oder auch nur Anklage zu gewärtigen, und um so interessanter, als man nur mit anzusehen braucht, wie in Berlin Katzen behandelt werden, um von den sittlichen Anschauungen des christlichdeutschen Volkes weniger einheitliche Ansichten zu haben als die ״Deutsche Tageszeitung". England und die Fremdenlrage. In einer Rede in SUoredUch sprach am Montag abend der Homcsekretary Akers-Douglas über die Fremdcniragc und machte die Mitteilung, dass die ן Regierung damit beschäftigt sei, Massnahmen zur Lösung dieser Frage in Vorschlag zu bringen. Die Thronrede wird darüber Aufschluss geben, in welcher Welse man gegen die Fremdeneinwanderung vorzugehen gedenkt. Mr. Akers-Douglas führte aus, dass augenblicklich 286 900 Ausländer in England wohnten, und da<s die Zahl dieser Ausländer in den letzten 20 Jahren um 150 000 gewachsen sei. 135 300 der Ausländer haben ihren Wohnsitz in London, und davon 5*1 000 allein in Stepncy. Der ernsteste Schaden, der aus dem Einströmen der Ausländer erwachse, sei die Ucbcrvölkerung (!) und die Verdrängung der eingeborenen Bevölkerung (!). Alles deute darauf hin, dass ein weiteres Anwachsen der Ausländer zu erwarten sei, wenn man die Einwanderung nicht strengen Bedingungen unterwerft. Gegen den anständigen Ausländer, der sich den Gesetzen füge, sei weiter nichts cüizuwcndcn, als dass er dem Engländer Konkurrenz mache, aber ein grosser Teil der Ausländer gebe noch dadurch zu Wagen Veranlassung, dass sich die Polizei*und die Gerichte mit Ihnen eingehend zu beschäftigen hätten. Im Jahre 1901 seien von 32 Millionen Engländern 166 000 mit Gcfäiignis bestraft worden. Das sei entsprechend einem Prozentsatz von 0,52. Die Bestrafung von Ausländern wurde dagegen in demselben Jahre in 2 SSO Fällen notwendig, erreichte also die Höhe von 1,16 Prozent. Die Bestrafungen von Ausländern stiegen noch dazu im Jahre 1902 um 5u Prozent. Daraus cmnehme man, dass der Zeitpunkt zu ernsten Massnahmen gekommen sei. Man habe gewünscht, dass er genauere Angaben über die beabsichtigten Massregebi mache, er halte cs aber nicht für angebracht, der Thronrede vor/tigreifen. Die Anden• tnngen über die bevorstehende Dthandlang der Fremdenfrage erregen natürlich in der Presse beträchtliches Aufsehen. Ein Teil der Haifpennyblätter, die seit längerer Zeit gegen dij Frcmdencmwauderung schiirteu, bc grösst die Erklärung d.׳> Ministers mit ganz besonderer Freude und Daily Mail sagt: ״Es würde das beste sein, die ausländischen Verbrecher uau Armen nach einer Insel zu deportieren. Eine der kleineren westindischen Inseln würde sich z. B. dazu eignen, vi .ח ma.i sie kaufe:* und von ihren Einwohner:! räum-a kenn!•., in rt könnte man diesen!.::!dring!!'!;.:;;! i.l erlasse:!, ihren eigenen Lebensunterhalt zu finden. Wir haben 1 ganze Armcnbevolkertmg der Komrncnu diese Eindringlinge in unsere■! Gciä::g! Wenn die neue Massncgel nicht von An sein soll, so muss sie etwas AbschreckenAs haben.“ Weniger scharf und etwas skeptischer in bezug aui den Er:V׳ig der angedeuteten .Massnahmen äussert sich der LXiily Graphic. Er sagt: ׳”Itt , v , zu •SSt: :a!.g! das Gt-IJ, 11m die ’.terst'üzrn oaer zu u!::erhalten. an. eine verfehlte ״Wir alle haben den Wunsch. Leute aus de. La:: •I.-. die zu zu unerwünscht ist; aber die Sa: \yt r in dem Au gen Wiek, wo wir den Versuch mache eu lamentbescmtiss genau festzusiellcn. wii at. de.^.ueh erkennbar an einer Krankheit Schwierigkeit fernhalten. Sie steilen cht Seid und welche Massnahmen schiiessen. Ucberfübrtc Verl,׳;ec! welche Fremd•; man treffet. *er und Person• ic.ue•::, henj-cr: $' ־!. sie äy ohne :K*r nur eine,! k!:1 .t als t'.rurwüru in den Oerie cht is- Prä/enlsatz, derjenigen dar, die nu*n. mit Rc bezeichnen könnte. Viele der Fremden, c! Höfen Londons erschienen, haben wahrscheinlich kek! Str.Jr» ■Ater gehabt, als sie landeten. Es ist t1n:nc-.;״e!t, Zohoeamten Cu besonderen PoÜ/.cibeamten die MacMbeniguis /.u gebe.:, einem Manne den Eintritt in das Land, zu verweigern, weil er so aussieht, als wenn er in Zukunft ein Verbrecher werden könnte. Es ist ebenso unmöglich, irgend ein timstänJliciies Systm ärztlicher Untersuchung zwangsweise einz.ufi!irren. Viele der *polnischen Juden landen in einem so schmutziger. Zustande, das man annehmen könnte, sie seien krank, und öaWi sind sie vollkommen gesund lind körperlich besser entwickelt als die in Whitechapel geborenen Engländer. Anderseits verbergen viele gutgckleidete Einwanderer unter einem Anstrich von Wohlhahenheit ansteckende und tödliche Krankheiten. Die ganze Frage ist so schwierig, wie der Regierung nur jemals eine vorgelegen hat, und der mangelhafte Erfolg, den fremde Regier«!!- gen mit der Lösung derselben Frage gehabt haben, ist für diejenigen wenig ermutigend, die etwas übereilig angenommen haben, dass man nichts weiter nötig hat. als einen neuen Parlamentsbeschluss, zu fassen." Eine Versammlung der Jüdischen Grossgrundbesitzer der Bukowina iand in Czeruowitz statt, um angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen eine Organisation zu schaffen. Anlass zur Versammlung gab nach einem vom Exekutivkomitee des jüdischen Grossgrundbesitzcs ausgegebenen Communique die Tatsache, dass bis jetzt die jüdischen Gutsbesitzer des Wahlrechts nicht einmal nach seiner aktiven Seite teiihatt waren. Hieran trage in erster Linie die Indolenz des einzelnen Schuld. Durch eine Organisation müsse nun die Möglichkeit geschaffen werden, dass die jüdischen Grossgrundbesitzer ein Dölitischer Faktor werden. An der Versammlung nahmen von den vierzig Geladenen dreissig teil, die übrigen, haben ihre Zu- Stimmung schriftlich ausgesprochen. Es wurde ein siebengliedriges Aktionskomitee gewählt.