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Jüdische Rundschau · 1903-12-25 · Heft 52 (25.12.1903) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 52 (25.12.1903)
Date
1903-12-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 561;1, J. '1 { 1 i j‘;1 I/» 1■»;« r No/52____.JL9OISCHE RUNDSCHAU. Juden gezeigt, wie nur irgend welche Liberalen es sein : können. Wir hätten statt dessen erwartet, dass sic endlieh einmal positive Anträge einbrächten zu einer wirkliehen Verbesserung des Gebetbuches der Neuen Synagoge, in dem jede Poesie und Innigkeit fehlt, in dem vor allem Zion und Jerusalem getilgt sind und alle Bibelstellen entstellt und verballlnrnisicrt wurden, die der Christianisierung des Judentums vielleicht im Wege stehen könnten. Die ״Orgel" in der Rykestrasse bedeutet aber nicht mehr und nicht minder eine Acchtung des alten echten Judentums, wie sie durch alle die Gebetbücher geschieht, in denen man den Lebensnerv jüdischen Stammesbewusstseins, die Liebe zu Zion und die Erinnerung an Jerusalem abgetötet hat. Dieser erneuten Entjudung bei der,Einrichtung der Synagoge in der Rykestrasse sollte »man energischer, als es bisher geschehen, entgegentreten. Mari seilte vor allem seitens der Repräsentanten, die von der konservativen Mehrheit der Berliner jüdischen Ge- .meinde gewählt sind, diesen Anlass benutzen, um eine Regelung des Gottesdienstes in jüdischem Sinne auch in den Synagogen durchzuführen, in denen man sich vom Judentume entfernt hat. Der neue Angriff seitens der Liberalen auf die Gewissensfreiheit der Juden von Berlin- Nord sollte zur Folge haben, dass man auch uns Juden in den‘anderen Stadtteilen die Synagogen zuriiekerobere. Die Totenfeier am Jom-Kippur muss freilich in der Linden-, Liitzow- und Oranienburgerstrasse liberal bleiben; denn die konservativen Juden sind grossenteils nicht imstande, die Eintrittspreise dazu zu bezahlen. Und der Ueberzeugung der Mehrheit soll der Gottesdienst doch angepasst sein. Heinrich L o e w e. Eine Stimme über den Zionismus. Ein Gefühl der grössten Befriedigung und Genugtuung ist es für uns, wenn wir sehen, dass unsere Bestrebungen immer mehr von berufener und unparteiischer Seite anerkannt und geschützt werden. Neuerdings lässt sich in diesem Sinne Dr. Fr. G e r ii a n d t »m Novemberheft der ״Politisch-Anthropologisehen Revue" in einem Aufsatze ..Die Aussichten des Zionismus" vernehmen. Ich muss gestehen, dass ich rach den vielen Anfeindungen, denen unsere Bewegung schon aesgesetzt war. mit einer gewissen Bangigkeit an die Lektüre jenes Aufsatzes ging. Um so grösser war meine Freude, als ich meine Befürchtungen unbegründet fand. Schliesslich sagte ich mir, dass ich derartige Bcfiirchtiwigen eigentlich gar nicht hätte hegen dürfen, da der betreffende Aufsatz :a nicht in einer antisemitischen Zeitung; oder in einer jüdischen Wochenschrift oder in der ״.Judenpresse 4 stand, sondern in einer ernsten wissenschaftlichen Zeitschrift.; welche die Anthropologie vom politischen Standpunkte betrach-; tet und in deren ureigensten Wirkungskreis demgemäss der; Zionismus fällt. In einer derartigen BehanJIungsweise aber kann das Urteil über dett Zionismus und seine Aussichten nur in; einem Sinne ausfallen, nämlich so, wie Gernandt es fallt und wie wir alle es gefällt wissen wollen. > Der Verfasser geht vom V!. Kongresse aus und beginnt . gleich mit einer kurzen, sachlichen Kritik unserer Leistun- ' gen. die uns in erster Linie von böswilligen Leuten abgestritten; zu werden pflegen: ,..Man muss gestehen, die Zionisten habe! in wenigen Jahren viel geleistet, viel agitiert und berechtigte! Hofinungen erweckt." Die Organisation, den Schekel, den Natiomlfond und den Kongress als ״nationale und politische; Vertretung des Judentums‘4 stellt er als unsere Leistungen hin. j Ueber die Ursachen der Entstehung des Zionismus sagt Verfasser: ...Muss auch der Antiseinitsmus als eine der wichtigsten äusseren Ursachen der ndisch-nationalen Bewegung angesehen werde!!, so ist doch andererseits der dauernde euergische Amt :cb zur Agitation Aktion, mehr i.1 der Rasse , selbst begründet, in der eigenen Erkenntnis der Juden, dass eine Verschmelzung mit den anderen Völkern gar nicht oder nur : in geringem Masse möglich ist. Der Rassegedanke, der immer mehr anfängt zum Inhalt des modernen Völkerbew usstseins zu werden, hat auch das jüdische Volk ergriffen. Mari hat cingej sehen, dass die Juden bei anderen Völkern nur geduldet weri den, und die Vorgänge in Kischiucw. die Austreibung aus | Rumänien. die Einwanderungsbeschrünkungeii von seiten ־ Australiens, Amerikas und neuerdings England beweisen, dass ' die Land! rage für das heimatlose Volk eine akute ge\v״rj den ist.4‘4• | Die Assimilation hält Gernandt im Gegensätze zur ״Franki iurter Zeitung", welche erwähn! wird, iür misslungen und uni durchführbar: ״Das jüdische Volk ist als p h y s i s c h e R a s s c! erhalten und unverändert geblieben. Die Vermischungen mit ן anderen Völkern während der Zerstreuung sind nur gering und : vorübergehend gewesen. Wo aber eine Mischung nicht immer « wieder erneuert und durch nachfolgende Inzucht gefestigt wird. findet sehr leicht eine Entmischung und Ausmerzung der der Kadi: ״Wer von euch ist der Kläger, weswegen klagt er und wer seid ihr?" ״Ich heisse Hamid, Sohn des Hafiz, und dieser da ist Seltm bina Mustapha. Als ich heute das Glaubensbekenntnis gesprochen hatte, hat mich dieser Selim da geschlagen, und nun bin ich zum Tore deiner Gerechtigkeit gekommen, dass du ihn strafest." ״Angeklagter," fragte strengen Blicks der weise Abdallah, ״was hast du auf diese schwere Anklage zu erwidern, um der Bastonade aut die Fusssohlen zu entgehen?״ Da verbeugte sich Selim, kreuzte ehrfurchtsvoll die Arme über der Brust und sprach leise aber vernehmlich: ״Es gibt keinen Gott ausser Allah, und Muhammed ist sein Prophet." Da erhob sich der Kadi in der Mitten und die drei Scheikhs zu seiner Rechten, und die drei Scheikhs zu seiner Linken und sprachen ,amin4; und dann rezitierten sie fromm und gläubig die erste Sura des Koran, von da. wo sie beginnt mit den Worten ״Im Namen Allahs, des barmherzigen und erbarmungsvollen, des Meisters der Welten und des Königs am Gerichtstage" bis wo sie endet mit dem heiligen Worte ,amin‘. Dann setzten sie sich nieder und der Kadi ,Abdallah sprach:! .. .•; . ׳1 ״Es freut mich, Selim, dass wenigstens nicht jede Spur des Glaubens in dir erloschen ist. aber sage nun. warum hast du deinen Bruder geschlagen?" Da verbeugte sich Selim von neuem, kreuzte die Arme, und sprach wehmütig, indem er seine Worte ein wenig mehr erhob: ״Es gibt keinen Gott ausser Allah und Muhammed ist sein Prophet!" Und es erhoben sich die siebe״ weissen Bärte vom Divan mit ehrfürchtigem ,Amin4 und setzten sich nicht eher, als bis sie die lange erste Sura fromm beendigt hatten. Dann aber fragte der Kucli: ״Also Selim, warum hast du deinen Bruder Hamid bin Häfiz geschlagen?" Da verbeugte sich Selim bin Mustapha und mit gekreuzten Armen sprach er laut und in frommem Tone: ״Es gibt keinen Gott ausser Allah und Muhammed ist sein Prophet!" Und die frommen Greise erhoben sich und sprachen die erste Sura fromm und recht, nur etwas schneller als die beiden ersten Male. Und so oft der Kadi die Rechtssuche zu behandeln beginnen wollte, erwiderte Selim mit immer lauterer Stimme das Bekenntnis, und immer erwiderten der weise Kadi und die ehrwürdigen Scheikhs schneller und schneller in beschleunigtem Tempo das ו .־יייייייייויייס-

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