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Jüdische Rundschau · 1903-12-18 · Heft 51 (18.12.1903) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 51 (18.12.1903)
Date
1903-12-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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No. 51. Seite 554. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Am 8. Dezember trat der Prozess in ein neues Stadium; die Advokaten beider Parteien sahen sich veranlasst, die Vortretung niederziilegcn. Schon am 7. Dezember hauen die Anwälte Mctaksa. Shainonin. Prcversow, Qanusciikin und Staimw den Antrag gestellt, der ehemalige Gouverneur v. Raabcn, die Polizcimeistcr Chanscnkow, Balmski und Sinadiim und der Student Malai möchten vorgcladen werden; die Verhandlung sollte unterbrochen und die Angelegenheit auf die Voruntersuchung zurflckgcleitet werden. Zu diesem Anträge sprach zuerst der Rechtsanwalt Kalmanowitsch, der sich schon früher ditrcii eine geschickte Frage- Stellung hervorgetan hatte. Kr sagte, die Gerichtsverhandlung finde zwar hinter geschlossenen Türen statt, dennoch bücke die ganze Weit hierher. Die Richter und die Standesvertreter seien gute Bürger. Die Juden wollten aber wissen, warum und von wem sie geschlagen wären. Die wirklich Schuldigen auf die Anklagebank zu bringen, sei unter den jetzigen Zuständen unmöglich, aber man solle wenigstens atissprechen. dass sie schuldig seien. In einer glänzenden Rede erinnert»• Rechtsanwalt Karaschewski an den Kindermord in Bethlehem und sagte dann: ,.Denken Sie. Sie wären römische Richter und hätten zu entscheiden, wer schuldig sei, Herodes oder sein Befehlsvnll- Strecker? Hier liegt der Fall ähnlich. Wir Zivilkläger müssen zuerst wissen, dass wir wirklich Schuldige vor uns haben.*• Der Rechtsanwalt Gruscnberg betonte, die Sache hätte bereits eine andere Gestalt angenommen, als die Anklage behauptet. Rechtsanwalt Schdanow betonte, die Verhältnisse seien ganz abnorm, da man die Judenhetze nicht habe uuterdtiickeu wehen, bis die kaiserliche Verordnung, einträfe. Dieser Umstand müsse aufgeklärt werden. Der Gerichtshof entschied jedoch, solche Anträge könnten nicht berücksichtigt werden, da von massgebender Seite die Bestimmung getroffen sei. alle nicht unmittelbar auf die Prozcssfiihrung bezughabenden Gegenstände streng auszuschaitcn. Hierauf erklärte Schamoiüni im Namen der Verteidiger, auch sic hätten diese Grundsätze, seien aber »überzeugt, die Angeklagten seien nur die Werkzeuge anderer, die zur Vcrantwortung. gezogen werden müssten. Die Ablehnung dieses Wunschcs machte cs ihnen unmöglich, ferner ihres Amtes zu w alten. j Danil erklärten die Anwälte der Anklage, sie kämpften bereits 1 seit drei Wochen vergeblich, dass die Wahrheit zum Siege gej führt werde und hätten daher ebenfalls den Beschluss gefasst. I ihre Funktionen in diesen! Prozesse niederzulegen. Ks werden i jetzt nur vier Advokaten, darunter Gruscnberg und Sokoiow. zur Vertretung der Geschädigten Zurückbleiben. Fünfzehn A:1- > wältc verlassen gemeinsam den Saal. Der Antisemit Sclimi- ׳ kow ist zur Freude seiner Gesinnungsgenossen aus Moskau! zurückßckelnt. Die Verhandlung des Kischinewer Prozesses schloss am 10. Dezember damit, dass die vier letzten Advokaten Grusenberg. Pergament. Sokoiow und Grossmaim. die beim Kxodus der Verteidiger und Anwälte noch zurückgeblieben waren, um י die Interessen der geschädigten Juden zu wahren, gleichfalls! ihre Funktionen einstellten und den Saal verliesseu. weil der : Präsident bei den Zcugeuvcrhören alle Fragen nach dem Ur- « spring:, dem Zusammenhang und der Organisation der Exzesse ausschloss, um mir als Gewaltakte einzelner erscheinen zu lassen. Diu Wiener ״Zeit” schreibt: ״An der Kischiiiewer Tragödie, die mit Hilfe der Polizei um den versöhnenden Schlussakt gekürzt werden soll, wird auch dieser Exodus nicht viel ändern, aber die öffentliche Meinung Russlands wird wachgerufen werden, und der Kaiser von Russland, von dem Minister und Hofschranzen alle Wahrheit fernzuhalten wissen, wird vielleicht eines Tages erfahren, wie in seinem Reiche regiert wird. Damit wird sehr viel gewonnen sein...״ Aber auch diesen Optimismus vermögen wir nicht zu teilen. In einem Laude, in dem ein Kischinew selbst nicht schon einen Sturm hervorruft, der alles hinwegfegt, was teil hat an der mörderischen Schuld, wird auch eine Komödie wie dieser Prozess nichts wirken. Die öffentliche Meinung! Wer ist denn die öffentliche Meinung in Russland? Wer iiir die Juden spricht und *schreibt, ist schon jetzt in Acht und Bann. Der russische Kaiser! Was ist der Kaiser von Russland? Herr aller Reusscn, nur nicht der Regierung. Nein, der Ausgang des Prozesses kann nicht zweifelhaft sein. Die Demonstration der Rechtsanwälte ist menschlich schön und bewundernswert, aber sie kam! nur eine ohnmächtige Demonstration bleiben. Man wirJ andere Anwälte an ilire Stelle setzen, die weniger auf die letzte Wahrheit sehen. Trotzdem wird man eine Anzahl der Angeklagten verurteilen, denn Memchentleisch ist billig in Russland. Mit diesem Bissen wird man die ״öffentliche Meinung" Russlands und des zivilisierten Europa beschwichtigen, und sie wird sich auch bald beruhigen. Und dann: Weh Euch. Ihr Juden! 3>לך----5——c Aus der Bewegung. Berlin. Voranzeige. Montag, den II. Januar, 8'4 Uhr. Königssäle, Neue Königstr. 26, Distriktsversammlung; Vortrau des Herrn Dr. Jungmann. Dienstag, den 12. Januar, 8* 4 Uhr, Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 1011־, Mitgliederversammlung: Vortrag des Herrn Dr. Zlocisti: ״Die Assimilation im Haushalt des nationalen Lebens." — Mittwoch, den 13. Januar, 8l/4 Uhr, Oranienburger Festmit diesem starken Willen ausgerüstet, kämpfte er gegen ן eine Uebemiaeht von Feinden. Er siegte. Er siegte über! das willenlos sieh duckende Assimilantcntum. Er siegte ' - über die fanatische Intoleranz des grausamen Feindes,; der auf die Vernichtung des jüdischen ״Volks-Ich' atisging. Dem inneren und äusseren Feinde rief Juda! Makkabi in sieggekrönten Schlachten sein »apferes ״Ich | will" zu. Und das jüdische ,.Ich־‘ und der jüdische j ״Wille“ ward gerettet. Und ein ganzes Volk, das totgeglaubt war, raffte sieh auf einmal wieder auf, und mit; seinem grossen Retter Juda riet es iti alle Welt hinaus: , ״Ich will leben“. Und Juda zündete Licht an. ln leuchtenden Flammen sollten sie prangen, diese stolzen : Worte des jüdischen Volkes, in feiierzungen sollten der 1 Nachwelt die grossen Siegesworte: ״Ic 11 will 1 e be »“; überliefert werden. Und im jüdischen Hanse brennen die Lichtlein, eine leuchtende Erinnerung an die jüdi-; sehe Familie, an den grossen jüdischen Vater, und seinen grossen Sohn Juda, die das Licht wollten, das jüdische Licht. und auf deren siegreicher Fahne die stolzen Worte geschrieben standen: ״Ich will“ j Chanukah. —•; Was sind sie, diese I ichtlein, die in Haus und Syna-! goge leuchten? Was bedeutet sie. diese Flammensprache. I die in immer zunehmender Stärke zu uns spricht? Sterne. ‘ Am Firmaiucnte Israels erstrahlen sie. Und ihr goldiger Staub verscheucht das Dunkel des Exils. Und in ätherische Bläue blickt unser Auge, unser jüdisches Auge. Sterne für Träumende sind sie. diese Lichter, iiir Träninende, die in die Höhe blicken wollen und können. Und das jüdische Volk sucht diese Höhen, denn es träumt. Es träumt den schönen Traum der Freiheit. Und an der Tiire, am Eingänge unseres Hauses prangen sie, diese Sterne, die Makkabäeriiehter, auf «lass alle Welt unser ehrliches Wollen und Streben, unser stolzes Hoffen und Träumen kennen lerne. Und das jüdische Volk verrichtet den Segen: ״Gelobt seist du, Ewiger, unser (iott, König der Welt, der uns am Leben erhalten, uns־ha» dauern und diese Zeit erreichen lassen.“ Ja, schön ist diese Zeit, wo Makkabäeriiehter wieder in unserer Mitte erstrahlen. Glückssterne sind sie, Glückssterne eines grossen Volkes, das wieder zu leuchten, zu strahlen und zu träumen beginnt. Und ein Volk, das träumt, lebt. Und das jüdische Volk träumt... Am jüdischen Himmel erstrahlen die Sterne, zu denen grosse Träumer emporblicken, Makkahäcrflammcn... Und mit seinen grossen Träumern träumt das jüdische Volk. Es träumt den schönsten Traum der jüdischen Renaissance, es träumt den schönen Traum der jüdischen Zukunft, den Makkabäertraum. Und im jüdischen Hause

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