Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1903)
- Date
- 1903-12-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 51, JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 553. wuchtig ergriffen (40. 12. ff.) Und wenn .er dann ruft: .,Erhebet Eure ׳Augen gegen die Himmel und sehet, wer schuf diese? Er. der ihre Heere liervorgcbracht nach der Zahl, sic alle mH Namen nennet, so dass von der Menge ihrer Vermögen und ihrer gewaltigen Kraft nicht Eines bcstimmungslos ist“ — so dürfen wir wohl;staunen über diesen tiefen Einblick in das Wesen der Natur. Dasselbe Gefühl ergreift uns, wenn wir das Wort vernehmen: ״So spricht Gott, der Ewige, der geschaffen die Himmel und ihre •Spannungen, ausgebreitet die Erde und ihre liervorbringungen, der Seele gibt der Bevölkerung darauf, Geist denen, die darauf wandeln.“ (42. 5.) Merkwürdig ist der Ausspruch: ,.Der Bildner des Lichtes, u1:d Schöpfer der Einsternis, der Ericdenstifter, und Schöpfer des Bösen. Ich der Herr das Alles so gemacht.“ ' Er war also schon bis zu der Erkenntnis durchgednmge״, dass Licht und Finsternis, Gutes und Böses gleich heilsam und crspriesslich und 7,11m Frieden, das bedeutet nachdem (feiste der hebräischen Sprache, zur Vollkommenheit der Welt gleich notwendig seien. Ganz besonders aber verehret! wir in dem Propheten den Vaterlands- und V 0 1 k s i r c u n d, wie die Weltgej schichte keinen zweiten aufzuweisen hat. Des näheren Be* I weises hierzu durch Belegs.dien aus seiner Schrift bedarf es l nicht -- das ganze Buch vom eisten Worte bis zum letzten j vermag hiervon untrfigüche.; Zeugnis abzulegen. Ein jedes; seiner Worte Ist ein־. Eingebung der reinsten and glühendsten Vaterlandsliebe. Ein solcher Patriot steht wohl nimmer wieder auf. Er war nicht etwa geartet wie unsere Patrioten von heutzutage, deren Patriot i s tu u s — zum wenigsten bei : einem grossen Teil derselben ״ a 11 z 11 s t a r k n a c h S t r cb 1• r ei u n d C 11 a u v i n i s m u s schmeckt. Ein Streber war unser Prophet gewiss nicht, denn er hat uns Ja nicht einmal schien Namen genannt und überliefert; und noch viel weniger war er einer jener verwerflichen Chauvf• nisten, die ihren P a t r i o t i s m u s nur durch V e rh c t z 11 n g aller S t a nt m c s f r e m d c n am besten glauben beweisen und betätigen zu können. Der Patriotismus unseres Propheten ist ja der allgemeinen Menschenliebe entflossen und entsprossen. Er liebt sein Volk in i t solcher allgewaltigen Liebe, weil er in demselben das Heil der Welt erblickt; e 1 ist beglückt, ob der Verheissungcn und Verhcrriichuiigen, die seinem Volke und Vaterlande erwachsen sollen, weil die gesamte Menschheit hieran teihichmcn wird. Ja, ein solcher Patriotismus ist von höchstem Werte. Und dieser Prophet hat nicht nur sein Volk geliebt, er hat cs auch verstanden. Wollt ihr dieses Volk verstehen und lieben lernen, so studiert des Propheten Worte. Wer ihn aufmerksam liest, wird sich bald von der Wahrheit des hochbedeutsamen Ausspruches, welchen er an die Spitze der Bc- Schreibung seines Schmerzenmannes gesetzt hat, überzeugt haben: הנח ישכיל ענד• ידוש ונשא תכה *מאד ״Siehe, man braucht nur zu verstehen meinen Knecht uud hoch, erhaheu und herrlich wird er dastehen, über die Massen.“ — Der Prozess in Kischinew. Von Elijahu. Es wäre nutzlos und ermüdend, alle die Zeugenaussagen in ihrer Weitschweifigkeit und ewigen Wiederholung wiederzugeben. Das Bild de-a Ganzen war schon nach den ersten unzweideutig klar. Vom den geschickten Anwälten der Neben־ kläger gedrängt, hat ein Zeuge naeli dem andern, wenn auch oft auf Umwegen und mit Ausflüchten, zugegeben, dass die Unruhen der blutigen (Jstvnage vorher w ob! oiganisieri w *reu und dass die eigentlichen Schuldigen Mitglieder der gebildeten Stände, Polizei*, Militär- und Rcgierungsbeamtc sind. Von den Anwälten der Angeklagten hat sich die Mehrzahl dem Bestreben der Kläger, die wahren Schuldigen ans Liefst zu ziehen, angcschlossen, denn es liegt im Interesse nicht nur der Wahrheit, sondern auch ihrer Klienten, dass der wirhbclie Tad'-esimi.! festgestellt wird. Erst dann. we:־.n gerichtsnotorisch die üften* kundige Tatsache icstge.iagd: wird, cj?s die e!cn.!־n Lumpen, die auf der Anklagebank sitzet;, nur bii.iue Werkzeuge einer von oben herab dirigierten!: de;;feit.cdicbc;1 Bewegung waren,' erst dann hat der Prozess der! Zweck erfüllt, der ihm ׳/־,:kommt. Dieser Tag aber, der Tag der ganzen Wahrheit, wird in absehbarer Zeit nicht komme;׳. Denn niclus ist klarer, als dass die russische Regierung alles zu tun entschlossen ist, um die Urheber der Unruh er! zu deckt!». Sobald einer der Anwälte nach dem Kamen eines dieser Anstifter, die fortwährend erwähnt werden, fragt, wird ihm vom Präsident׳'.־! dar. Wort culzogen, weil das nicht zur Anklage steht. So von jeder Maglichkcit, die Wahrheit au den lag zu bringen, abgesclmitten. haben die Rechtsanwälte beider Parteien sich zu einem letzten, verzweifelten Schritte vereinigt, zu einer wirkungsvollen Demonstration: Sic haben unter scharfer Be- 10 t! u n g der G r u!uic ihr Amt n i e d c r g e l e g t. ־ bewegen sich. Ihrem Herzen entringen sich Worte, ihrem jüngsten Kinde ruft sie diese Worte zu; ״Geh hin, und sage dem liiinmlischen Vater: Abraham hat nur einen Solm, ich habe sieben Kinder als Opfer dargebracht.“ Und auch Mutter Channah baucht ihre Seele aus, und eine Stimme ertönt aus den himmlischen Höhen: ״Freude und Heil der grossen Mutter und ihren Heldensühnen.“ Acht Menschenleben sind hingeopfert worden. Mutter und ihre sieben Kinder. Channah und ihre tapfern Söhne. Warum? Weil sic das Dunkel scheuten, weil sie die geistige Finsternis mutig von sich wiesen, weil sie das — Licht vollten.... Und im jüdischen Hause brennen die acht Liehter, eine leuchtende F.riunerung an die jüdische Familie, an die grosse jüdische Mutter und ihre grossen jüdischen Kinder, die das Licht wollten, das jüdische Licht, das Licht der Freiheit — Chanukaii... Was sind sie, diese Lichtlein, die in Haus und Synagoge leuchten? Was bedeutet sie, diese Flammensprache, die in immer zunehmender Stärke zu uns spricht? Wieder eine Familiengeschichte. Dort eine grosse Mutter und tapfere Kinder, hier ein grosser Vater uud heldenhafte Söhne. Mattitjahu heisst er, dieser Heldenvater, und Juda der Hamtncrer (Makkabi) seiner Söhne Tapferster. Dort schönes Sterben, hier schönes Leben. Der greise Mattitjali u greift zum Schwert. Er hat einen starken Arm. Und ein jüdisches Herz hat er auch. Ein jüdisches Herz, das mächtig schlägt. Und eine Stimme hat er. Eine mächtige Stimme, wie Mecresbrauscu und starker Wellenschlag. Und als er anliub zu sprechen, zu sprechen für sein Volk, so ging cs wie ein Beben und Zittern durch die Hörerschaft. Es tauten auf die eisigen Herren, ״die Schlaffen gewannen Mut“. Mau horchte und sein mächtig Wort war Befehl. Und Mattitjahu Regann zu sprechen: ״Wer für Gott, für die Ehre Israels, der schliessc sich mir an.“ Und wie ein Donner rollte dieses starke Wort. Es war ein Wort,• das einst der grosse Moses gesprochen. Und es hat an Grösse nicht verloren, als cs zum zweiten Male vom Munde eines Mattitjali u seinem Volke zugerufen ward. Und sie hörten cs, dieses Wort. Die Wenigen waren es, aber die Treuen und Besseren. Und zu seinen Söhnen sprach er ebenfalls, und also Imb er au: ״Auf, ihr Sühne! Wollet ihr niitkämpieii? Mitkämpfen für die Gottessprache, für die jüdische Volkssaehc?“ ״Wir wollen“, sprachen die Heldensöhnc. ״Ich will“, spricht Juda abermals. ״Ich will“, stolz sprach er sie, diese Worte. Wie Löwengebrüll hörte es sich an. Heldenmut lag in ihnen.• ״Weil du willst, wirst du können,“ spricht der greise Mattitjahu 7.u seinem tapfern Juda. ״Der Wille ist die Eisenstange im Rücken, die den Menschen aufrecht erhält, auf dass er nicht auf alle Viere sinkt.“ Und ein jüdischer Mensch wollte er sein, der grosse Juda, ein treuer Solm seines Volkes. Uud