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Jüdische Rundschau · 1903-12-18 · Heft 51 (18.12.1903) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 51 (18.12.1903)
Date
1903-12-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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kfcV. « , , »«»■»wii#«!*י,׳ *״* .רי?**fP!,"?wU׳' ״5^/,f*■/־־ ־ ״'! *;V*’^״W.T/ Seite 552. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No .51. Neutraler und als vierter Ginsberg gewählt. Einem zweiten I unserer Kandidaten fehlten nur 4 Stimmen zur absoluten Mehr- ■ heit. Die anderen Zionisten erhielten 170 von 400 Stimmen, i Zu bemerken ist noch, dass die Verstandskandidaten mehr als j •KK) Bälle (schwarze und wcissc zusammen) in ihrer Urne; hatten. Wäre dieses bei einem unserer Kandidaten geschehen oder wären sie durchgcfallcn — die Wahlen wären sicherlich annulliert worden. Uns aber hat dieses Wahlergebnis, welches den Zionisten ein so schweres Opfer, wie die Aufstellung der Kandidatur | ״Achad Haains“ des Prinzips wegen kostete, gezeigt, dass die; zionistische Idee auch schon in der Aristokratie, aus der sicli die Mitglieder der ״Gesellschaft“ rekrutieren, tiefe Wurzel ge-; schlagen hat. Mehr denn je sind wir jetzt davon überzeugt, i dass die Erziehung der Kinder zionistischer Eltern nicht langt \ mehr in den Händen der Assinrlauten ä toiit prix sich befinden! wird. Mutig werden wir den Kampf fortsetze!!, denn wir sind j überzeugt, dass der endliche Sieg nicht ausblcibcn wird. 1 A. Benjamin, j D°r grosse Ungenannte. ן 'Von Dr. J. J. Rü!f. j (Schluss.) i Wir aber haben noch die Atiigabe .neben dem Propheten; mm auch noch, wenn auch in kurzen Zügen, den. Menschen ׳ in Betracht zu ziehen, um ihn uns menschlich näher zu j bringen. Wir erschauen in ihm einen Schriftsteller, j einen Dichter und Denker, der in die vorderste Reihe aller ' Meister der Weltlittcratur gestellt werden muss. Schöpferisch ist er in seinen Gedanken, hochbegeistert und mächtig hinj rtissend ist seine Sprache. Bald bewegt er sich in den hoch- ז steil Sphären der Tragik, wie die Darstellung des Schinerz.-ns■ ‘ mannes, bald weiss er uns In komischer und satirischer Laune j die Nichtigkeit des Götzendienstes zu schildern, so Kap. 40. 17. i fi. und an vielen anderen Stellen. Vor allen! aber, die noch in! manch anderer Beziehung merkwürdige Stelle 4-1. 9—21. Da! sucheif sie sich einen tüchtigen Holzblock, der dient zum Kochen.■ zum Backen, zun! Heizen. Sie wärmen sich dabei und rufen, ach, wie schon warm ist doch die Flamme. Aus dem Rest machen sie sich ihren Gott, vor dem sie sich bücken, j und zu welchen! sie betend sprechen: , Rette mich, denn du hist!nein Gott!“ Gar mächtig und erhallen ist seiner Bilder Pracht tmd Reichtum. * 1 ״Der da über dem Erdenrund wohnet und ilircif heuschreckenartigen Bewohnern, der die Himmel dehnet gleich einem Gewebe und sie ausspannt wie ein Zelt zum Wohnen. (40. 22.) , Dem! wie da hcrabkommt Regen und Schnee vom Himmel und dorthin nicht wieder zuriiekkehrt, bis sie das Erdenreich gelabct, fruchtbar und sprossbar gemacht, S.aat gegeben dem Sämann und Brot dem Essenden: also wird das Wort, welches aus meinem!Munde kommt nicht vergeblich zu mir zurückkelireii, bis es getan, was ich verlangt, und durchgeführt, was ich ihm entboten“ (50. 10-12.) und welch* eine hocherhabeuc Anschauungsweise liegt dem Worte am Anfänge des 66. Kap. zu Grunde: ״So spricht der Herr, der Himmel ist mein Thron, die Erde der Schemel meiner Ftisse. Was kann das dagegen für ein Haus sein, welches ihr mir bauen, und die Ruhestätte, die 111 r mir bereiten könntet. — Und das alles hat meine Hand geschaffen, und von hier aus schau’ ich herab auf die Elenden und Gemütsbedrückten und die mein Wort Scheuenden.“ — Die Schriftsprache des Propheten ist von ganz wunderbar hinreissender Gewalt * - freilich nur in der Ursprache; eine Jede Uebersetzung muss dagegen matt und farblos werden. Wir erschauen ferner i!! dem Propheten den gebildet e 11 M a 1111. wenn nie'!!{ gar den wissenschaftlich gebildeten Mann. Ja, das waren sie nicht alle, diese Gottesmämier; zumeist wäre!. es stille und einfache, mitten aus den unteren Stünden des Volkes hervorgegangene Männer. Einige Erklärer möchte» unseren Propheten gar zu einer Art Mechaniker oder Tcehu׳k:r stempeln, wegen der vielartigen, der mechanischen Wissen- Schaft entnommenen, SprachhiUler seiner Diktion. So habe ich ihn einmal als einen Verkündiger der iwderr cn Eisenbahnzeit hinsteücn hören, in dem Ansprüche: . Eine Stimme ruft in der Wiiste, bereitet den Weg des Herrn, ebnet in ׳.En Gefilden die Balm unseren Gotte. Jedes Tal werde erhöhet Jeder Berg und Hiiget werde!!iedergekgt. und das Höckrigc werde zur Fläche, und das Zerklüftete zur Ebene.“ (•10. 3.!':.) Solche dem Wegebau entnommenen Bilder tmd Beispiele gebraucht er öfter. In der satirischen Beschreibung, wie so ein Götterbild angefertigt wird, gibt er ganz genau das Vetfahren der Metall- und llolzbüdaerei (-14. 12—IS.) Mehr freilich als diese technischen Kenntnisse des Propheten, bewundern wir die Ergebenheit seiner Weltanschauung, verbunden mit dem regsten und lebendigsten Naturgefühl. Von der Unendlichkeit des Alls, als das Werk der Allmacht Gottes, gegenüber menschlicher Nichtigkeit und Hinfälligkeit, ist er rieten. Jason wollte er heissen, dieser falsche Priester. So verlangt es der hellenische Geschmack. Die jüdische Eigenart verleugnen. Griechische Sitten, griechische Lebensweise, griechische Sprache, griechische Namen anneinnen, nur nicht jüdisch, so will es der Zeitgeist... Und der falsche Priester, er bringt seine Opfer auf diesem schmählichen Altäre. Also Jason und nicht Josua. Jostia passt nicht mehr in den Rahmen dieser Zeit. Er erinnert an den treuen Jünger Mosis, und solche Erinnerungen dürfen in hellenischen Kreisen nicht wachgerufen werden. Und in hellenischen Kreisen bewegten sie sich alle, unsere Jünglinge und Mädchen, unsere Männer und Frauen, unsere Priester tmd Laien. Sie verüesseu ihr eigenes Heim, ihr jüdisches Heim, wo sie frei atmeten, und zogen in die Fremde, in hellenische Häuser, wo geistige Korsets ihre jüdische Brust einsclmürteu und ihr jüdisches Herz beengten. Und sie keuchten statt zu atmen. Sie ver- Hessen den eigenen Tisch, den jüdischen Tisch, wo sie aufrecht sassen, Herr ihrer selbst־ und krochen gebeugten Hauptes unter fremden Tisch, um den Abfall autzulesen, die Brosamen, die vom fremden Gelage ihnen, verfichtlieh zugeworfen wurden. Sie beugten sich... In dieser Zeit moralischen Siechtums tritt uns die heldenhafte Mutter, mit ihren tapfer» Kindern entgegen. Die Jüngliuge sind Juden und wollen Juden bleiben. Der grausattle Befehl des Antiochus ergeht an sie, ihrem Glauben untreu zu werden. Mit stolzer Verachtung weisen sie diesen Befehl zurück. Beugen sollten sic sich, vor dem grausamen Tyrannen. Auch das tun sie nicht. Wie Mordechai ״der Jude“ beugen sich auch diese Tapfern nicht. Sie sind Juden, tmd der wahre Jude, er beugt sieh nicht. Mag es einem Hatuan, einem Antiochus oder sonst jemand gegenüber gelten. Aufrecht stellen sic da diese Jünglinge. Eine stolze Sprache führen sie, offen verteidigen sie ihren Glauben, •die Lehre der Eingöttlichkeit, ihr Volk. Und freudig geben sie ihr junges Leben hi», für dieses stelze Bekenntnis. Besser schön sterben, als hasslieh leben. Und sie sterben schön. Ihre jungen Seelen hauchen sic aus für das grosse alte Israel. Channah ״- so heisst sie, diese Mutter, — ist die edle Priesterin, die diese Opfer auf dem Altäre des Judentums darbringt. Wie die Mutter des Propheten Samuel steht;sie da. Still, in Gedanken versunken, gen Himmel ist ihr Auge gerichtet. Ach, und dieses Auge selbst ein Himmel. Zwei Himmel küssen sich... Und die Schleusen dieses Himmels tuen j sich auf. Tränen entströmen dem jüdischen Mutterauge.! Wie Perlen fallen sie hernieder, wie junger lau... Und | wie junge Seelen rieseln sie, diese heissen Muttertränen. ' Und mit den schwebenden Seelen der jungen Opfer ver- | mengen sic sich. Seelenkuss... Und die Lippen Channahs

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