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Jüdische Rundschau · 1903-12-11 · Heft 50 (11.12.1903) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 50 (11.12.1903)
Date
1903-12-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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<s* ■va ־k .» S׳ - No. 50. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 545. 1l' "1׳ ' ״ f!, ׳fi^ & I * * auch zahlreiche Damen sich befanden, meldeten sich!roch am f weit cs geht, in gleicher Weise aus, allein im Gouvernement gleichen Abend 45 zum Beitritt. Der Erfolg überwog die ge- י Poltawa ist der Handelsverkehr durch die zahlreiche iüdische hegten Erwartungen bei weitem. Er zeigt aber auch wiederum. dass die Zionisten bei energischem Vorgehen überall in der» Herzen unserer jüdischen Mitbürger mit ihren Ideen eine.! starken Widerhall finden. M ..... i&J p Rundschau. Sü Von beteiligter Seite wird uns geschrieben: Berlin, 30. November. Atn gestrigen Tage fand hier eine Sitzung des engeren Ausschusses für die Gesaintorganlsatiün der Israeliten Deutschlands statt, die von einigen dreissig Mitgliedern aus den meisten Gegenden des Reiches besucht war. Diese Sitzung führte zu einem entscheidenden Ergebnis. Fünfständige Debatten, an denen sich auch Landtagsabgeordneter Justizrat Cassel beteiligte, überzeugten die Anwesenden von der Notwendigkeit für unsere Glaubensgenossen, ihre Sache nicht ausschliesslich bestimmten politischen Parteien anzuvertrauen, sondern selber in die Hand zu nehmen, sowie den Garnesatz der Oeffentlichkeit zu akzeptieren, schon damit jeder Ytrdacht geheimer Verhandlungen, Ph'ine und Umtriebe vermieden werde. Die von dem engeren Ausschüsse vorgelegten Satzungen für die Gesamtorganisation wurden mit einigen unwichtigen Abänderungen angenommen und der engere Aus- Schuss mit der endgütigen Passung der Satzungen beauftragt, ln einem der ersten Monate des kommenden Jahres wird die konstituierende Delegierten Versammlung der Israeliten Deutschlauds einberufen werden. Die hebräische Zeitung לכך“ soll in ein Tageblatt verwamlelt werden. Ausserdem ist dem Redakteur des הבליץ L. A. Rubinowitsch gestattet worden, in St. Petersburg eine Tageszeitung in jüdisch-deutscher Sprache unter dem Namen ,,Der Tog“ (״Der Tag“) hcrausztigebcn. Auch In Polen sollen die Juden noch immer mehr eingeengt und eiiigezwüngt werden. Der halbamtliche in russischer Sprache in Warschau erscheinende ״Warschawski D n i c w n i k“ schreibt: ״Die Vorschriften betreffs des R e i s c n s a u s 1 ä n d ischer Juden in Russisch- Polen werden von fetzt ab bedeutend ver schar it werden. Jüdische Gcschäftsrcisende ausländischer Eirmen werden auf den Zollkanuncrit Aufentlialtsscheine kaufen müssen, die ihnen gestatten, nur ganz kurze Zeit in Russisch-Polen ihrem Geschäfte nachzugehen. Diejenigen Reisenden, die ihre jüdische Herkunft verbergen und einen solchen Schein nicht erwerben oder welche die in dem Schein vorgeschriebene Aufenthaltszett überschreiten, werden unverzüglich über die Grenze geschafft. Schliesslich sollen die Konsense zur Erbauung!teuer jüdischer Gebets 11 üuser und Schulen nur noch g a 11 z a u s n a h m s w e i s c erteilt werden.“ Interessante Daten über den Wucher in Russland bringt eine kürzlich erschienene statistische Veröffentlichung des Provinzlatausschusses .von Poltawa. Es sind darin die durchschnittlicheii Zinsen, die im Gouvernement Poltawa gezahlt werden, mit den durchschnittlichen Zinsen der Gouvernements Moskau und Orlow für die Jahre 1882—J§ö9 zusammengestellt. Das Ergebnis ist äusserst merkwürdig. ’ Während im Gouvcrnement Poltawa.der Jahreszius 15.3 v. H. beträgt» ist er im Moskauer Gouvernement mehr als doppelt so hoch, nämlich 35& v. H,, und im Gouvernement Orlow viermal so hoch: 60 v. H. Diese Ziffern sind besonders deshalb bemerkenswert, well das Poltawer Gouvernement zum jüdischen Ansiedclungsrayon gehört, die anderen zwei aber ausserhalb des Ansiedelungsrayons liegen. Nun nützen allerdings die jüdischen und die griechisch-orthodoxen Geldverleiher die Konjunktur, so Poltaw'a ist der Handelsverkehr durch die zahlreiche jüdische Einwohnerschaft stark entwickelt worden, während er in den Gouvernements Moskau und Orel, ausserhalb der Hauptstädte, noch äusserst schwach ist. Eia entwickelter Handel aber Ist das sicherste Kampfmittel gegen den Wucher. Aut Kosten der Juden wird auch der Bürgerkrieg in Ma* rokko geführt. Haarsträubende Dinge wissen jüdische Flüchtfinge, etwa 1U0 an der Zahl, die in Lalla Marnia angekommett sind, wie dem Heraldo von dort gemeldet wird, über das Treiben der wilden Soldateska in Tcsa zu berichten. Solange die Stadt durch die Parteigänger des Rogi besetzt gehalten wurde, Itabc die schönste Ordnung geherrscht, so dass alle den gcwohnten Beschäftigungen und ihrem Erwerb hätten nachgehen können. Erst mit der Ankunit der Sultanstruppen sei alles drunter und drüber gegangen. Nachdem sie bereits vorher alle Felder t;rul Gärten der Umgebung verwüstet hätten, seien sie gleich nach ihrem Einzug ins Mcllah (Judenviertel) ein gedrangen, hätten dort Frauen und Mädchen vor den Augen dei Gatten und Väter geschändet, die Läden völlig ausgefaubt, grosse Zerstörungen in den Hausen: an Wänden, Decken, Möbeln, W äsche usw. angerichtet, um verborgene Schätze zu suchen, und 13 Juden, die über den Verbleib angeblicher Reich-!inner keilte Auskunft gaben, ermordet. Menebhi habe, um weitere Scheusslichkeitcn zu verhindern, Geldbclohnwtgen für die Ausliefert:!..; jeder Jüdin versprochen, damit die Sache aber mir noch verschlimmert, da nun alle gewaltsam aus den Häusern fongeschleppt wurden seien. Schliesslich hätten die Jude:! die Flucht diesem furchtbaren Elend vorgezogen. Die algerischen Juden schicken sich an, ihren unglücklichen Glaubensgenossen, die in wahrhaft kläslichem Zustand In Lalla Marnia angekomnteu sind, Hülfe zu leisten. ff # || Kleine Chronik. % ' * 4. u 4 14 I Die Tätigkeit des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes für die Erziehung Jüdischer Fürsorge-Zöglinge erfreut sich immer grösserer Anerkennung von seiten der höchsten Staatsbeltörden. Das Preussischc Ministerium des Innern hat, wie schon iriiher die Kuaben-Erzichungsanstalt zu R e p z i n , so auch jetzt die Fürsorge - Erziehungs - Anstalt für Mädchen in Plötzensee bei Berlin den Oberpräsidenten und Kommunalverbünden isir die Unterbringung entsprechender Zöglinge bekannt gegeben. Ebenso hat das Grossherzoglieh Hessische Ministerium des Innern den Ausschuss des Geineindebundes als Behörde für die Unterbringung jüdischer Fürsorge-Zöglinge den ihm untergebenen Instanzen bezeichnet. Es ist speziell iiir Preussen das erste Mal, dass eine Staatsbchördc offiziell eine jüdische Institution als mittelbares Staatliebes Organ betrachtet und behandelt. a. Stettin. Zur Gründung einer Rede- und Lesehalle waren an etwa 5U hiesige GetnemdetnUgliedcr Einladungen zu einer Zusammenkunft ergangen, die an! 3. Dezember im Syitagoven- . gebäude stattfand und von 23 Personen besucht war. Da von j bekannten hiesigen Zionisten niemand geladen war, so du rite! von vornherein angenommen werden, dass es sich um eine | antizionistisclic Veranstaltung handle. Diese Annahme fand ihre Bestätigung durch das Auftreten eines unserer eifrigsten; Gegner, der als Zweck der Gründung die Bekämpfung des Zio-! nismus offen bekannte. Das Projekt fand bei den Versammcl- | ten keinen grossen Anklang und wurde schliesslich mit 12 gegen! 11 Stimmen abgelehnt. Mit dem ״Verein zur Abwehr des Zionismus“ ist cs also vorläufig nichts. Die ״Friedrich-Wilhelm«Viktoria-Stiftung“ des Deutsch- Israelitisclteii-Gcmeiudebimdes sieht sich genötigt, ihre Aufforderung an die jüdischen Gemändebeamteii zu wiederholen, dass sie unsere Glaubensgenossen, die eine Lebensversicherung beabsichtigten, zum Anschluss an die Versicherungsgesellschaft ..Viktoria“ bestimmen. Nur durch die hieraus für die ״Friedrich- Wilhclm-Viktoria-Stiitimg" vertragsmüssig ermessenden Einkünfte wird diese in den Stand gesetzt, den in Immer weiterem

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