Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1903)
- Date
- 1903-12-11
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 50. Scit® y׳i:__ _J ü DIS CH E RUNDSCHAU. Umfange an sie hcrantrctenden Anforderungen der jüdischen Öcmciudcbcanilonschaft um Erleichterung ihrer Lebcnsver- M'cherungen gerecht zu werden. Versäumen diese Beamten, der dringenden Bitte der Stiftung nachzukommcii, so schädigen sie dadurch ihren eigenen Stand auf das schmerzlichste. Jüdische Hausväter als Mitglieder eines Schulvorstandes. Hin jüdischer Gutsbesitzer wurde wegen seines Glaubensbekenntnisses aus dem Schulvorstande entfernt. Auf seine an die S.chuiaufsichtshehördc gerichtete Beschwerde entschied der Unterrtchtsniinister. dass cs nicht iiir gerechtfertigt erachtet werden könne, den Beschwerdeführer, der bereits seit mehreren Jahren als Mitglied des Schulvorstandes fungiere und sich nach dem Anerkenntnisse des Lokalschulinspcktnrs im Interesse der Schule stets eifrig gezeigt habe, seines jüdischen Glaubens wegen aus dem Schulvorstande zu entfernen. Oh der Erl iss vom 21. November 1871, der den Grundsatz ausspreche, dass ein Jyde zwar Mitglied der städtischen Schuldeputation, nicht aber Mitglied des Vorstandes einer christlichen Schule sein könne, nach Lage der damaligen Gesetzgebung ausreichend begründet sei, möge dahin gestellt bleiben. Aus den Bestimmimgeji des inzwischen ergangenen Gesetzes über die Schulaufsicht vom II. März J872 in Verbindung mit dem Bundesgesetz vom 3. Juli 1869 folge, dass die jüdischen Mitglieder der Schulgemeinde allein ihres Glaubensbekenntnisses wegen von der Mitgliedschaft' im Schulvorstande nicht mehr ausgeschlossen werden können. Aufgrund der vorstehenden ministeriellen Entscheidung wurde der hetr. Schulvorstandsbeschluss aufgehoben. (Oberschi. Wand.) Eft» interessantes Naturbiid aus London gibt der ״Berliner Börsen-Courier״: Whitechapel, das Viertel der Armen, die Zufluchtsstätte zahlloser Schiffbrüchiger aus aller Herren Länder, namentlich, aber jener »iuglf!ck!ichc11 unter den Kindejn Israels, die sich vor der Knute und dem russischen Pöbel hierher gerettet haben, als nein» der Künste! Es scheint kaum denkbar, dennoch ist es wahr. Die klassischen Ereikonzcrtc, die von der söge nanuten Sunday. League in allen Teilen Londons an Sonntagen voranstaltet werden, und bei denen die Vortragenden sich aus den besten Künstlerkrciscn rekrutieren, finden gerade in Whitechapel das dankbarste Publikum. Ich sali da am letzten Sonntag den grossen Saal eines Ereidenkervereines bis aui den letzten Platz gefüllt, und selbst in der Vorhalle standen die andächtigen Musikfreunde dicht gedrängt, um wenigstens ein paar Klänge zu erlauschen. Es war eine schlichte, teils recht firmlich, aber sauber gekleidete Menge, meist junger Männer und Erauen, deren bleiche, von schwarzem, oft gewelltem Haar umrahmte Gesichter und dunkle brennende Augen ihre Herkunft nicht verkennen Iicsscn. Wie andächtig sie lauschten und wie stürmisch sic applaudierten! Was Wunder, dass man unter solchen Umständen darauf bedacht ist, den Juden von Whitechapel noch weitere Kunstgenüsse zugängig zu machen. Ich hatte mir von einem grossen jüdischen Volksstück erzählen lassen, das dort kürzlich zum ersten Male aufgeiührt worden war, und nicht in der Erwartung, dass es etwas darüber zu berichten geben könnte, sondern lediglich aus Neugier ging ich hin. Aber alles, was ich sali, war des Erzählens wert. Das Stück, die Schauspieler und die Zuschauer Hessen mich nicht bereuen, dass Ich die ״grosse Reise״ nach dem Eastend unternahm. ״Under the Canopy“ (Unter dem Baldachin) heisst das Stück. Das ״Pavilion Theatre“, wo cs aufgeführt wird, war an jenem Abend zum Erdrücken voll. Wie mit einem Schlage, verstummte das Stimmengewirr, das alle Anstrengungen des Orchesters zum verlorenen Liebesmühen gemacht hatte, als das Glockenzeichen das Aufgehen des Vorhanges ankündigte. Ein bewunderndes, schnell verhallendes ״Ah", wie aus einem Munde kommend, begrüsstc die erste, eine prächtige Synagogenscenc. Da gab es eine malerische Eheschliessungs-Zeremonfe mit den Symbolen vom Wein und dem zerbrochenen Glas, die so ergreifend klagend klingenden Gesänge und die schönen sinnigen Worte, die lehren, dass die Liebe in ihrer Unendlichkeit das Geheimnis des Fortbestandes der jüdischen Rasse bildet. So weihe- und stimmungsvoll war dieses Schauspiel, dass das ganze Haus zum Tempel, und die Zuschauer zu Andächtigen zu werden schienen. Gar zu lange vermögen die Londoner Ostender Indes nicht in feierlicher Stille zu verharren, und gar bald machten sie ihrem Entzücken in einem Ausbruch stürmischer Begeisterung Luft. An Anlässen zu solchen fehlte cs nicht, denn wir sahen noch gar manch’ treffliches Bild aus dem Alltagsleben der Juden von Whitechapel, unter denen eins der lebenswahrsten in einer ungemein realistischen Darstellung von Pcttincoat Laue, einer typischen Strasse des geschäftsreichen Judenviertels, bestand. Erst sahen wir die Juden in Russland unterdrückt und verfolgt, und unschuldige Menschen unter ׳der grausamsten Knute jammernd. Aber Held und Heldin des ,Stückes entkamen schliesslich glücklich nach England, nach dem Lande, das der Herr segnen möge um seiner Freiheit, seiner Menschenliebe willen. England, das die Juden als Menschen behandelt, und das ihre Zufluchtsstätte 1111J ihr Hafen ist, und das den Mann nach seinen Taten, nicht nach seinem Glauben schätzt. Der Jubel, mit dem solche Worte von den anwesende!» Christen wie Juden begriisst wurden, spottet aller Beschreibung, und selbst der kritische Beobachter sah sich, trotz dieser oder jener Unvollkommenheit des Stückes, unwillkürlich mit fortgerissen. Die wertvolle Rothschlldschc hebräische Bibliothek Ist teilweise aus Frankfurt (Main) nach Hamburg gekommen. Die Frau Baronin Wilhelm v. Rothschild hat nämlich aus dein Nachlasse ihres verstorbenen Gatten dem Hamburger Klaus- Institut der deutsch-israelitischen Gemeinde 120 Bünde äusserst seltener hebräischer Schriften gespendet. Von der Gründung einer neuen Orientalischen Fakultät der Sankt-Joscphs-Univcrsitüt in Beirut berichtet G. K a in p t ־ rneyer (Halle) in der Orientalistischen Litteratur-Zeitung: Die um die Förderung der orientalischen Studien hochverdienten Väter von Beirüt haben die neue Fakultät ins Leben gerufen. Das Institut wendet sich nicht nur an Geistliche, die etwa zu Missionszwecken den Orient studieren wollen, sondern an jeden, der, sei es zu wissenschaftlichen, sei es zu praktischen Zwecken, durch einen Aufenthalt im Orient selbst die dortigen Verhältnisse gründlich kennen lernen will. Der hauptsächlichste Gegenstand des Unterrichts ist das Arabische. Die Hörer teilen sich in zwei Arten: regelmässige (auditcurs ordinaires) und frei (auditcurs!ihres). Eiir die crstcren ist ein bestimmter Sttidiengang mit obligatorischen Vorlesungen vorgesch. ieben. Der regelmässige Studiengang umfasst 3 Jahre, doch bilden die Vorlesungen dtז־ beiden ersten Jahre ein Ganzes. Die Unterrichtssprache ist französisch. Am Schlüsse des 3. Studienjahres erhält jeder regelmässige Hörer, der eine Prüfung besteht, ein Diplom über seine abgelegten Studien. Ein Diplom als Doktor der Orientalischen Fakultät ist vorgesehen für diejciiigcii Hörer, welche im Besitze des Abgangs-Diploms sind und' eine geschriebene Dissertation einreichen und verteidigen. Sollten sich . genügend fremde Hörer einfinden, so ist die Schaffung eines Pcnsionsbauses für sie in Aussicht genommen. Die einzelnen Fächer sind berufenen Männern anvertraut, so z B. die Geographin dem ausgezeichneten Pater Lammens. Im Hinblick aui den Steckbrief in No. -18 der ,.Jüdischen Rundschau־‘ bemerkt die Redaktion der Rundschau, dass ihr bekannt geworden ist. dass ein Herr Kapralik-Steiermann, auf den das Signalement des vorgeblichen D r. G a s t c r zutrifft, sich au verschiedenen Stellen auf Dr. Heinrich Loewe berufen hat. Der Mann hat dazu um so weniger ein Recht, als wir schon vor Monaten uns genötigt sahen, vor ihm unsere Gesinnungsgenossen zu warnen.-: .... Bei dieser Gelegenheit erwähnen wir gleichzeitig, dass eine jüdische Schauspielergesellschaft sich verschiedentlieh auf die Berliner Zionisten beruft, um Geschälte zu machen, die nicht immer geschäftsmäßig sein sollen. Wir stejicn fest, dass wir in keiner Weise diese Gesellschaft empfehlen . und bitten die v. Gesinnungsgenossen sich in diesen una ähnlichen Fällen irdl. vor jeder Aktion direkt an d i e Stelle zu wenden, von der die Empfehlung ausgehen soll. Nationalfond. (L.) Fräulein Jacobsohn für eine Tasse Kaffee . . (L.) R L. für wiederholt verkauften Kompott . . (L.) Elias Auerbach, nicht angenommene Bezahlung für den KommerskafTce im Bar-Kochba von A. B. und L. H. M. K , Berlin. L. C »t r o n , Berlin. D r. Julius C i t r o n , Berlin ........ N. N, Berlin.. Gesammelt im Jüdischen •Turnverein . It a r Kochba- Berlin: Oskar Wittkowski durch Iwan. . . Nachtrag zur Matinee vom 15 11 03 zu Gunsten des Nationallonds ..- . Aus Königsberg: M. Wo l fsoh n 0,55 Mk , N. N. 0,05, antizion. 0,15, Zuströmen. Für MUchebera.h im ßethhamidraseh von H. S. « . . 2 Wetten . B M ein E tschtuss. Sammlung im Cafe Monopol, Berlin. Setinar Bütow, Berlin. Zionistische Distrikts - Versammlung Berlin, Blücherslrasse.... י - Anstatt Telegramm zum Stiftungsfest Bar-Kochba j von Ludwig Mayer- Leipzig und für 1 Billet . . Anstatt Telegramm zur Antrittskneipe der Verbindung 0,36 Mk. I, ,, ״ -,100 ״ ״,10 ״ י, «• •*» l, - 5,75 0,75 3,— 0,50 _,ן -,5 1,70 •1 יי •ו וי יו 1» יי 1 1 I T