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Jüdische Rundschau · 1903-12-11 · Heft 50 (11.12.1903) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 50 (11.12.1903)
Date
1903-12-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 30, JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 539. Standpunkt zum religiösen und teilt mit — ״es nicht zulassen zu können, dass die Schulen In! religiösen Sinne reformiert werden.“ Besonders rief dieser Punkt ״der Antwort“ viele Proteste hervor, die aber nichts halfen, da, wie wir gleich sehen yferden, uns derselbe Vorwuri heute noch gemacht wird. Das ״Nationalisierungskomitee“ begnügte sich aber mit der ״Antwort“ durchaus nicht und setzte schliesslich nach siebenmonatlichem, ununterbrochenen Kampfe eine Gencralvcrsaminlung durch, die auch am 15. Mai 1902 stattfand. Der geistige Führer der ״Gesellschaft“, Herr M. Margulis, führte aus, dass der Vorstand unmöglich philologische Studien (lies Hebräisch) in die Schulen der ״Gesellschaft" einiührcn könne. Als er aber sah, dass seine Argumente wenig wirkten, begann er einige achtenswerte Mitglieder des Komitees persönlicli aiizugreifen, um einen Skandal hervorzurufen und so die Versammlung zu sprengen. Man merkte aber die Absicht und blieb ruhig. Nach den denkwürdigen Reden Ginsbergs (Achad- Haam) und Dubnows, die seinerzeit die Runde durch die jüdische Presse machten und grosses Aufsehen in weiten jüdischen Kreisen erregten,' war der Beschluss der Versammlung vorauszuschcn, umsomehr, da noch zwei Generalredner des .,Nationalkomitees", Dr. Sapir und Herr Pan das Wort ergreifen mussten. Der Vorstand wandte alles an, um die Versammlung zu sprengen und schliesslich gelang es dein Vorstandsmiigliede Herrn Sake r, durch persönliche Beleidigungen und Best: dehing der Zionisten, eine Aufregung liervorzurufen, die äugen-!dicklich vorn Vorsitzenden dazu benutzt wurde, die Versanuuhing, ohne jeden Beruhigungsversuch und ohne jegliche Warnuitg zu sch Hessen. Der Vorstand hatte sich aber arg verrechnet, wenn er damit die Sache für abgetan hielt. Das ״Nationalisierungskmimee“ set/.le den Kampf in der Presse fort und stellte auf diese Weise den Vorstand vor aller Welt bloss. Besonders hart ging Dr. Sapir mit dem Vorstände in Nr. 27 der ״Budiiscluschnostj“, 1902 um, wo er nachweist, dass man Volksbewegungen nicht mit administrativer Gewalt unterdrücken könne und ausiuhrt, dass der ״Vorstand“ entweder sein Amt niederlegen oder sich fügen müsse. Da durchzuckte den Vorstand die Weisheit des Vogel Strauss und die ״Bttduschtschnostj“ verschwand seit dieser Zeit aus der Lesehalle der ״Gese!lsehaits“-Bibliothek, wo sie heute noch nicht wieder zu finden ist. Von Dr. J. J. Rülf. (Fortsetzung.) Pie Antwort war für den Propheten eine überaus schmerzliehe. Israel aIs Gottesbote, a 1 $ Hcllsbringcr, ist ein ganz anderes als Israel 11* Gestalt jener in der Irre schweifenden, der Sünde v e r f ä 11 e 11 e n, allen Greueln und Lastern fröhnenden Volks-!nassen. Unter allen Völkern des Morgenlandes zerstreut lebend, hatte Israel dem unsinnigen und unsittlichen Götzendienst dieser Völker sich ergehen und an allen ihren Schandtaten sich beteiligt. Und wie nun der Prophet gewaltig und ergreifend in seinen Trostworten, ebenso Ist er aber auch in seinen Mahn- und Strafworten. So spricht er denn im Namen Gottes: .,Rufe mit voller Kehle unaufhörlich, gleich der Posaune erhebe deine Stimme und verkündige meinem Volke seine Verbrechen und dem Hause Jacobs seine Sünden!“ 58. 1. Zunächst wendet sich sein zorniger Mahnruf gegen alle die Formal des Götzendienstes, dem das Volk frölint; er kann garnicht genug Worte der Verdammnis finden gegen diese Abscheuliclikciteii, die man als heilige Handlungen betrachtet und übt. Er donnert gegen Völlerci und Unzucht im Gefolge des Götzendienstes; gegen die Hunde, die nicht satt werden, die nur ihren Gelüsten nachjagen, nur auf Wein und Rauschtrank und nur darauf Bedacht nehmen, den morgenden Tag noch toller :׳u gestalten, wie den heutigen. Er rügt die überall herrschende Unbrfiderlichkcit und Teilnahmlosigkcit: ״Der Gerechte stirbt und niemand nimmt es sich zu Herzen, die tugendhaften Männer werden cingetan ganz unbemerkt." , ״O, diese Frevler,“ ruft er, ״sind wie aufgewühltes Meer, das nicht ruhen kann, dessen Wasser aufwßhlcn Unrat und Schlamm — kein Friede, spricht mein Gott, den Frevlern!" ״Wahrlich, Eure Sünden sind die Scheidewand zwischen Euch und Eurem Gotte.“ Eine ganz besonders schärfe Lektion lässt er den Heuchlern und Scheinheiligen zu teil werden, die Gott Tag für Tag aufsuchen und nach seiner Nähe verlangen, als hätten sic nie lüirccht begangen; die da fasten und dabei den Nächsten bedrücken und Streit 1!nd Hader stiften. Statt zu fasten und das Haupt zu beugen gleich einem Rohre, entwirft der Prophet das Bild des frommen, edlen, tugendhaften Menselten und seines Wertes in so glänzenden und ausdrucksvollen Farben, wie es nur ein Prophet seines Gleichen vermocht hat. An diese Strafwortc knüpft er nun die eindringlichsten Mahmvorte: ״S u c h e t d c n Ewigen, und er wird sic!1 finden lassen, rufet ihn, und er ist nahe. Der Frevler verlasse seinen Weg, und der Mann des Unheils seine Entwürfe, und er kehre zum Ewigen zurück, dass er seiner sich erbarme und 711 unserem Gotte, der soviel verzeiht. •Demi meine Gedanken sind nicht Eure Gedanken und meine Wege nicht eure Wege, spricht Gott, denn so hoch die Himmel sind über der Erde, so erhaben sind meine Gedanken über Eure Gedanken und meine Wege über Eure Wege.“ ״So spricht der Gott, bewahret die Tugend und übet Gereelltigkeit, denn nahe ist meine Hülfe zu kormneu und meine Gerechtigkeit sich zu offenbaren. Heil dem Manne, der das tut und dem Mensekvnsohn, der hieran festhült. der den Sabbath heiliget vor Entweihung und se'!;e Hand bewahret irgend ein Böses zu tun.“ Und auch die Ereuade. welche sich Gott verbunden, den Sabbath heiligen u!,d am Bunde Gottes fcsthalten, wird Gott bringen mich seinun heiligen Berge und erfreuen in seinem Bethause; ״denn mein Hans wird das Bethaus genannt werden fiir alle Völker.“ Alles begreifen ist alles verzeihen. Der Prophet hat bcgriffen, wie dieses Volk so lange unterdrückt, gc - knechtet, gemartert und gemordet, auch sittlich hat herabkommeu, von Gott verlassen — auch seinerseits Gott hat verlassen, allem Schlechten ausgesetzt, auch selbst hat schlecht werden müssen. Aber nunmehr soll cs und muss cs von Grund aus sich anders gestalten. Mit der leiblichen und weltlichen Erlösung, muss auch die geistige und sittliche Erlösung eintreffen. ״Auf leucht c,“ ruft er begeistert aus, ״denn dein Licht Ist auf gegangen, und die Herrlichkeit Gottes strahle über dir. Denn siehe Finsternis bedeckte die Erde, Dunkelheit die Nationen, über dir aber strahlet Gott, und seine Herrlichkeit erscheinet über dir.... Deine Sonne wird nicht mehr untergehen, und dein Moiul nicht mehr cingetan werden; Gott wird dir sein zum ewigen Licht, und vollendet werden sein die Tage deiner Trauer. Dein Volk aber, lauter Gerechte, werden in Ewigkeit das Land besitzen; Sprösslinge meiner Pilanzung, meiner Hände Werk zum Ruhme." (60. 1. 2. 20. 21.) Alle die zerstreuten Glieder des Volkes, werden sich dem Volkskorpcr verbinden und nach, der Heimat zurückkchren, um dort an Haupt und Gliedern, von Grund aus erneuert und wiedergeboren, ein neues, besseres und reineres Leben zu beginnen. ״Denn wie die Himmel sich erneuern, und die Eule sich erneuert, welche Ich geschaffen habe, um vor mir zu bestehen, spricht Gott, also wird bestehen Euer Same und Euer Name. Und je* von Monat zu Monat und von Sabbath zu Sabbath wird alles Fleisch kommen, um sich vor mir zu bücken, spricht Gott.“ Und sie werden hinausgelten und beschauen die Leichname der Männer, die an mir gcfrevelt haben; denn ihr Wurm wird nicht sterben, und ihr Feuer wird nicht erlöschen, und sie werden zur Ahschrccktmg sein für alles Fleisch." — Mit diesen Worten schlicsst der Prophet sein Schriftwerk. (Fortsetzung folgt.)

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