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Jüdische Rundschau · 1903-12-04 · Heft 49 (4.12.1903) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 49 (4.12.1903)
Date
1903-12-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 49 Stite m X JOD ISCHE RUNDSCHAU. auf steinigen, fremden unbekannten Wegen brannten und glühten, die mit eiternden Wunden bedeckt waren, in kühles, dunkelgrünes Jordanswasser tauchen. O* welche Wohltat, o, welcher Genuss. Dort weit in der Ferne sah er die Burg Zions. Das war seine Burg, seine eigene! Von dort konnte Ihn niemand j mehr verjagen, mit den grässlichen Worten: ״Wandern sollst du, ewig wandern“. Das war ja seine Heimat, sein Zion. Hier, ist er Herr im Hause. ‘ Hier ist er kein Bettler mehr, den jeder vor seiner Türe wegjagen kann. So sass er da; herrliche schöne Traume träumend. Sein Blick schweifte über dem ganzen Saal, sein (leist ruhte über dem ganzen Saal. Mit freudigem Blick sah er auf seine Genossen, von denen er seine | Heimat wiederznlckommcn hoffte. Sie waren ihm alle lieh, J sie waren ihm traut. Da fiel das schwere Wort .,Uganda und ן nicht Palästina*‘.*) Wie ein schlagender Donner wirkten“diese j Worte auf ihn, wie ein kalter zückender Blitz wirkten sie auf i Ilm. Sein greises, sehneeweisses Haupt senkte »ich tief, Nacht * wurde um ihn, kalt wurde ihm. All die schönen Bilder, die! ihm sein Geist ausgenialt hatte, zerrannen wie dünne Eiskruste j in der glühenden Mittagssonne. . ' Die Zeit zwischen dem Vorschlag uni der Abstimmung; dauerte für ihn ewk: lange. Wie in: Fieberwahn ging er : umher. * j Und mm sass er wieder da. In seinem Gehirn arbeitete ׳ cs unamiebiieh. Das Resultat, das lirgcbnis der Abstimmung wollte tr wissen. Nun kam der ersehnte unJ gefürchtet- Augenblick. Nun sollte cs sich entscheiden ob er die Heimat Italien, oder wieder in die fremde und freudlose Fremde ziehen sollte. Jedesmal wenn eine Stimme ..nein“ rief, da war's Ihm, als ob diese Stimme für Hm eintretet.׳ wollte, als ob sie Auklage erItübe gegen jette, die ihm seine ilvnnat, seine Ruhe geraubt hauen, als ob sie schrie: ״Gebt uns, was unser Ist: gebt uns 1y!ser Vaterland wieder! Wir wollen keine Geschenke! Die anderen sagten ״Ja" und die Würiei waren gefall.m. ״Uganda", Itiess es, Uganda ist uns auch gut genug. Dem ewigen Juden war*», als ob ihn diese Stimmen betaubeit wollten. Hin waren seine Träutftc, hin seine Hoffnungen. All sein Glück, all seine Hoiinuiigen waren vernichtet. Seine Sehnsucht, sein Ziel, sein Verlangen wurden ihm jetzt noch einmal und von neuern entrissen. Sein Recht lag zertrümmert vor seinen Füssen. Seine Person nahm die Gestalt des ewig verfolgten, ewig ruh- und rastlosen an. Dann griff er mit zitternder, bebender HauJ nach dem Wanderstab und rief mit kalter, dumpfer und langsamer *) Das ist ein schwerer Irrtum. Der VI. Kongress hat Joutlieh und klar festgestellt ״Palästina" und nur Palästina. Kein pern. kein Amerika und kein Uganda, sondern nur Palästina!)leibt das unverrückbare Ziel des Zionismus. (ReJ.) Stimme: ״Nun erbarme dich endlich über mich Herr, send’ mir den Tod, den Ruhe spendenden, denn ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr leiden. 0, wehe! über!nein fluchbeladenes Haupt, wehe über mich, nun muss ich wieder wandern, wandern bis an den jüngsten Tag!-־— Dann verschwand er gen Südwesten. VII. . Ostafrika und kein Ende. Neu-Zionismus, dieses hässliche Wort und der noch hüss- Heitere Begriff, der mit diesem Worte verbunden wird, ist eine der Hauptfolgen der VI. Kongresses. Vielleicht und hoffentlich scheu die Rufer im Streit, die dieses neue Wort für einen ebenso neuen Begriff geprägt haben, zu schwarz und falsch. Gleichwohl scheint eine vorbeugende Debatte hier immer noch ain Platze zu sein, bevor sich die Einzelnen zu festen Theorien flüchten und die Verständigung rundweg ablehnen. Eine Treuming der Partei in alte und neue Zionisten darf und wird hoffentlich aus leicht erklärlichen Gründen nicht geschehen. Nun haken aber die bekannten Neinsager von rein zionistischein Standpunkte aus ganz Recht, als sie ihr Veto c-iiilegter•. Das ׳alte Programm - und mir dieses — hatte ihnen klipp und klar ihre Antwort diktiert. Eine andere Sache aber war die Os:Afrika-Angelegenheit für diese Delegierten vom rein jüdischen Standpunkte aus. Wie mancher Zionist in Vereinen ist, die unser!! IJccn nicht voll tmd ganz, oft sogar recht wenig entspricht, wie sich heute schon eine recht stattliche Zahl unserer Gesinnungsgenossen an der Arbeit der Kolonisatior.sgesellschaften beteiligt, so wäre cs wohl auch keinem der zionistischen Delegierten verwehrt gewesen, Ihre aktive Beteiligung irgend einem dritten Vereine gegenüber zur Besiedelung von Ostafrika zu versprechen. Jetzt soll aber der Zionismus zu dieser Angelegenheit Stellung nehmen. Nachdem für den Zionismus das A und O seines Programms Palästina ist und sein soll, kann das Eintreten des Zionismus, d. 11. der Vereinigung aller jener Juden, die in Palästina die Erfüllung ihrer Wünsche sehen wollen, im grossen und ganzen für Ostafrika nicht in Betracht ko in men. Anderseits kommt allerdings noch ein anderer Punkt zur Erwägung: Der Zionismus wünscht als die Vertreterin des grössten Teiles der Judenschaft auch auf alle gegenwärtigen Fragen und Geschehnisse den Wünschen seiner Anhänger entsprechend zu wirken. Wenn nun die verschiedciitiicheu Gesichtspunkte einer Würdigung unterzogen werden, so kann man leicht zu dem Resultate kommen, dass die heutigen Ausvvaoderer am besten nach Ostafrika geleitet werden. gross war natürlich die Freude des Jünglings über das Gelingen dieses Planes, aber'auch hier traten ihm Hindernisse entgegen. Er verstand die russische Sprache nicht und alle Zöglinge der Malerschule machlen sich deshalb über ihn lustig. Im Laufe der Zeit aber i e'!ernte er auch gründlich diese Sprache, und die Lehrer I der Malerschttlc prophezeiten ihm, dass er ein hedcu- I tettder Maler werden würde. j Im Alter von einundzwanzig Jahren ging er nach Petersburg. Pa bestand er seine Prüfung glänzend und wurde in die Malerakademie aufgenemmen. Dann begann die bedeutendste Pe'icde seiner Tätigkeit und j literarischen Arbeit. In Petersburg schrieb er die meisten seiner Dichtungen. Erinnern wir uns seines i (jedichtes .״) ׳סובו הLaubhüttenfest“), welches ich J liier in der Uebersetzung von Dr. Rosenthal wieder-! geben mochte: j ״Des Hüttenfestes erste Nacht '! Weckt mir im Herzen heiligen Klang.! Die Liebe zu den Menschen wacht , In dieser Stadt voll Gottesdrang. i Vereint nach nächtlichem Gebet, Besuchen wir das Fcstgezelt. Ein frischer Nachtwind uns umweht Und hauchet Segen durch die Welt. O Mond! Es blickt so mild dein Strahl; Da wird es ntir im Herzen Licht; Die Vorzeit stellt mit einem Mal Vor ntir als göttliches Gesicht. Weit dehnt sich ödes Wüstenland, Unzählige Hütten standen da. Der Mond auch dort die Wege fand. Wo er die Stämme Jakobs sah. Zu Zions Gipfeln er mich trägt. Zum Erntefest wir wandern hin; Durch Salems Strassen sich bewegt Das Volk, -- zum Tempel steht sein Sinn. Nach Spanien führt mich schnell der Geist, Das Zedcrntal in Heimlichkeit Bedrückte Glaubensbrüder weist; Auch dorten .man die Hütte weiht. Da plötzlich weicht der Traum der Nacht — מ* tr*־. mg m

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