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Jüdische Rundschau · 1903-12-04 · Heft 49 (4.12.1903) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 49 (4.12.1903)
Date
1903-12-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU. 49 .סא Seite 528 Sollte die Debatte auf einem Kongress dieselbe Ansicht als .die richtige zeitigen, so wären meines Erachtens folgende Beschlüsse zu fassen:; 1. Der Zionismus hat allen seinen Anhängern, die heute Irgend welchen Einfluss auf jüdische EinwandcrungSr oder Ansiedeluugsvereine, wie Esra, Jüdische Oricntkolonisations- Gesellschaft, Ica u. s. w. haben, denselben dahin auszutlbcn, dass die heutige Auswanderung möglichst nach Ostafrika geleitet werde. 2. Der Zionismus wird, in der richtigen Würdigung der für j das Judentum höchst wichtigen Errichtung eines Staates, dem j Unternehmen Hilfe zukommen lassen, soweit seine allgemeinen Interessen nicht darunter leiden. Für jetzt wäre* ein volles Eintreten in der Ostafrika-Ange* iegenheit ein sehr gewagter Schritt. Wir sehen es an den Separatioi'sbestrcbungen der unbedingten Anhänger Palästinas i im Gegensatz zu den Anhängern der ״Jasager.“! Einem Beschlüsse eines jetzt tagenden Kongresses wäre! als jeweilige Ergänzung noch folgendes auzuemptehlcn: Hie! schon an sich grossen Schwierigkeiten zur Verwirklichung der 1 zionistischen Ideen!missen das Eingehen, besonders aber dis , direkte in*J:e1!־andnd15ncn einer Ostafrikabesicdeiung vor. der Hand weisen: den Jüdischen BesieJdungsge>cl!scl.:«m־n sowie der heute nach dem Westen answanJcrr.dcii Jude!ihe!'t wird von den Vertretern des zionistischen, .indischen Volkes die L'ebcntahme des Ostafrikaprojektes ans Herz gelegt. Solange der Zionismus nicht alle Juden, eint, nicht alie J jüdischen Geldspenden erhält, wird er auch nicht allen Anforj derungen naclikommen wollen und können — bis dahin aber ist j ihm der Weg gezeichnet durch das Programm des I. Kongresses: Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in P a l ä s t i 1! a und nur da. J. S. Sale m. Der grosse Ifctjsncir.nte. Von Dr. J. J. R ü I f. (Fortsetzung.) Und zu welchem Zwecke dieses alles? Es lag in der Natur der Dinge, es lag in dem Entwickelungsgange des Menschengeschlechtes, dass seine Mission unter den Völkern, zu einer L c i d e 11 s tu i s s i o n werden musste. So ward er der Prügelknabe lenes Königskindes, Menschheit genannt, — so ward er der Siindeubock, der, um die Weltversöhnung zu erlangen, der Welt Sünden auf sich nehmen musste. Die bittere Arzciici, die peinvolle Kur der Weltgenesting hat er Übernehmen müssen, und in seinen Wunden fand die Menschheit ihre Heilung. So war’s bestimmt im ewigen Ratschlüsse Gottes, damit das Anliegen Gottes durch ihn seine Erfüllung finde. .(והב- י׳ בידו יצלה) Das ist nun einmal nicht anders. Gibt’s in der Welt Roheit und Barbarei, so muss sich dieses auch äussern; gibt’s Unrechttuende, so gibt’s auch Unrec'lidcidendc. Wenn ich mich vor die Wahl gestellt sähe, zu welcher Klasse ich gehören wolle — auf der einen Seite die Unreciittueiideii mit dem unbeschrankten Anrecht auf alle Güter und Genüsse des Lebens; auf der arideren Seite die Unrcchtlcidcndcn, die verkürzt, verfolgt, vielleicht gar gemordet und ihrer Rechte und Ansprüche beraubt -- ich würde antworten: ״Behaltet nur eure Güter und Genüsse -- ich bleibe bei den Unrcclitleideiiden, denn die sind nicht nur die besseren, sondern vielleicht auch die glücklichcrcn. Rohheit und Barbarei müssen austoben, bis sie endlieh zu Verminit und Gesittung gelangen. East will es uns erscheinen, als ob der Jude unter die wildesten und unbändigsteu Völkerschaften verpflanzt worden wäre, um als die Zielscheibe ihrer Gewalttaten, die Völker vor Selbsivornichtimg zu sehiitzen. ln dem ewigen Kriege aller gegen alle härten sie sich aufgerieben, va•:׳:! der Jude nicht dazwischen getreten wäre und den Todesstreich auf gelangen hätte. Zu iedu Zeit und an jedem Orte, wann und wo die wilden bestialischen Triebe der Menschen, wieder einmal zum Ausbruch kamen, war stets der Jude das erste und nächste Ziel ihrer Wmangriffc: so seit den ältesten Zeiten, so bis zu dieser Stunde. Hatte dann der tierische und uiigebandigte Trieb wieder eimti.tl sein Miitdien gekühlt, so war damit eine neue und!:öftere St׳:fc der Gesittung angebahnt. Per Jude musste leiden, damit die Welt gesunde; das ist wenigstens die Auflassung des Propheten. Mit dieser Schilderung des Schmerzensmannes endet der erste Teil des prophetischen Buches, und beginnt der zweite Teil, weil um diesen Mittelpunkt das ganze Werk stell dreht. Der Prophet will sein tiefeatw iirdigtes Volk erheben und trösten. Die Zeit des Trostes ist gekommen. Nachdem Cyrus Israels Rache an dem wildgehassten Babylon, das über das Volk so viel Unheil gebracht hatte, volliührt, und damit der Gottgesalbte, der Erretter und Befreier Israels geworden ist: kann mmtneltr Israel seine Mission als ״Ewed Adonai*־, als Diener Gottes, antreten. Des Gottesdieners Erdetiwalien, das ist Gegenstand des ersten Teiles Kap. •10— 5 k Es i$t eine hohe und heilige Sendung, die dem Gottesdiener zugeteiit ist: er soll die wahre Gotteserkenntnis und damit Hei! tmd Frieden allen Völkern der Erde überbringen und vermitteln. Als dieser Diener Gottes Ist Israel unüberwindlich und unbesiegbar. Alle Leiden In meiner Heimat find’ ich mich. j Des Reiches Hirne mich bewacht. i Der Strahl der Liebe nie erblich.“1) Da sehen wir nun, wie im Innern des Dichters die Vergangenheit seines Volkes auftauchf. Manne war überhaupt ein eifriger Nationaljude: die Schmerzen sei- 1 nes Volkes waren auch seine Schmerzen und Judas Hoffnungen waren auch seine Hoffnungen, die er sehr oft in seinen Dichtungen besungen hat. Eine von diesen Dichtungen, in denen er die Schmerzen seines Volkes und Israels Stolz besingt, ist auch dieser) ״Oil höTcn wir sage» In unseren Tagen, Dass wir Juden für ewig verschwunden. Doch ihr Lästerer sehet,! Ihr Feinde verstehet, ־ Dass Juden noch immer vorhanden. *) ״Ost und West“. II. Jahr ang. Leider sind diese Über- 1 Setzungen i!1 der form so ungeschickt, wie möglich, wahrend ן Manne sich durch eine ebenso leichtflüssige Form w ie klassische Sprache atiszeiclmct. j *’) ibid. in der Übersetzung von Dr. Rosenthal. Der Mord kamt wohl lichten, Nicht uns spurlos vernichten, Die wir Männer des Geistes geboren; Propheten und Dichter, Die wie ewige Lichter Aufstiegen aus himmlischen Toren. Kriegshelden, gleich Lcueti, Die Gefahren nicht scheuen — Sie haben uns nimmer gefehlet, Von David, dem Helden, Wir wissen zu meiden, Der die Saiten der Harfe beseelet. Makkabäer erbittert. Die Wolken erschüttert, Die Erde sie Hessen erdröhnen, Gleich felsigen Mauern, Wir werden auch dauern, Nicht erstirbt der Mut ihren Söhnen. Ist Babel verschwunden Und nicht mehr gefunden,

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