Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1903)
- Date
- 1903-11-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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MM *.׳•*4c ׳״ No. 48. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 519. Völkerschaften sehen. Es wird dadurch das nationale Gefühl wieder erweckt, und werden die nationalen Güter erschlossen. Eine praktische Ausgestaltung als Schulwie als Volkssprache kann das Hebräische aber nur in Palästina erlangen. Es ist daher eine dringende Aufgabe, den hebräischen Sprechunterricht in Palästina zu fördern und ein hebräisches Seminar dasetbst ins Leben zu rufen. Die ebenso sachlichen wie geistreichen Ausführungen des Vortragenden fanden reichen Beifall. K. Unser Ereund Percy B. Baker in G1 a s g 0 w, 19 W c s t־ HowardStreet, richtet an die hervorragenden deutschen Zionisten das folgende Schreiben: Glasgow, November 1903. Werter Herr und zionistischer^ Bruder! Zu Agitationszwecken beabsichtigen wir eine Reihe von Lichtbildern herzustellen, welche die leitenden Männer und Frauen unserer Bewegung vorführen. Wir haben Abkommen mit einem erstklassigen Künstler getroffen, um Negative beliebiger Photographien oder Stiche herzustellen und bitten Sie ircundlichst, uns Ihre Photographie zusammen mit denen einiger anderer hervorragender Zionisten in ihrer Stadt oder ihrem Distrikt zu übersenden, wie auch irgend ein Gemälde, das in Beziehung zu unserer Bewegung stellt, dass Sic fiir interessant genug halten, um vervielfältigt zu werden. Sie werden ircundiichst gebeten. Ihren vollen Namen und Titel nebst voller Adresse und Beschäftigung aus die Rückseite eines jeden Bildes zu setzen, so dass wir imstande sein können, dasselbe Ihnen zuriiekzusenden. Wenn diese Reihe vollständig ist, so beabsichtigen wir sic zionistischen Gesellschaften gegen ein kleines Honorar fiir den Nationaliond zu fibersenden. Wir lioiicn, Ihren Bescheid in dieser Sache umgehend zu erhalten. Wir verbleiben mit Z׳'onsgrt;ss Ihre ergebenen Percy P. Baker, Dr. Charles D r c y i u s, Dr. U in a 11 s k y, Mitglieder des Agitationskomitces fiir England. r r* r r\. ויי 1 «יי/*יי rt * 4 4 * V־'' V > fc ׳V יי * l״*** •T *1ין,*י יי"* «י r% *"י** וי• f* ' ־׳m' * *l '% ״ - ■' kV,. ,*1 , * V. V* *•*,*» *W* Rundschau. Li■«# g,, j *J £#^י. W# W# Ci Ci Zj C Ci Ci Ci Cr Cii C, C* C4 *a g, )Mt C Ci Ci W Cl *J Ci C C# *» «i *♦J Die gesetzlichen Beschränkungen der russischen Juden werden immer noch durch neue vermehrt, und die alten beibehalten. Nach einer Meldung aus Helsingfors gestattet eine Vom russischen Kaiser bestätigte Verordnung vom 10. d. M. den russischen Untertanen, welche nicht-finnische Bürgcrrechtc gemessen, unbewegliches Eigentum jeder Art in Finnland zu erwerben und solches mit denselben Rechten zu besitzen, wie die finnischen Eingeborenen. Die früheren Einschränkungen behalten ihre Gültigkeit nur für Juden. Wie unfreundlich jetzt die Stimmung in offiziösen russischen Kreisen ist, zeigt auch folgende Meldung der russisehen Telegraphenagcntur: Wilna, 22. November. Ein heute veröffentlichter Tagesbefehl des Kommandanten der Truppen des Wilnaschen Militärbczirks teilt folgenden Vorfall mit: In der Stadt Orscha wurden am 19. d. M. 11 Arrestanten unter Bedeckung von sechs UntermiUtürs und einem Gefreiten aus dem Gefängnis abgcfertigt. Unterwegs wurde die Bedeckung von einer grossen Schar Juden umringt, welche die Arrestanten zu befreien versuchten und mit Knütteln und Steinen warfen. Die Menge mit den Gewehrkolben abwehrend. setzte das Kommando seinen Weg iort und erreichte' seinen Bestimmungsort. Der Tagesbefeh! lobt das Verhalten der Soldaten. Offenbar ist diese Darstellung des Vorganges tendenziös gefärbt. Man wird objektive Berichte ahwarteu müssen, um beurteilen zu können, um was es sich bei dem Krawall in Orscha eigentlich gehandelt hat. In dem Kfclilnewer Prozess begann am 20. d. M. das Zeugenverhör. Vor der Beeidigung verlangte der Antisemit Schmakow, die Juden sollten den Eid in der Synagoge bei schwarzen Kerzen u!1d im Gebetmantel ablegen. sonst sei ihnen nicht zu trauen. Der Antrag wurde jedoch abgelehm; der Staatsanwalt erklärte, seit Einführung der neuen Prozessordmmg in Russland hätten sich die Juden ebenso in! Eide bewährt wie andere russische Untertanen. Als erster Zeuge wurde der Bürgermeister Schmidt von Kischinew verhört, der aussagte, er habe beobachtet, dass die Polizei sich weigerte, während der Ausschreitungen zu intervenieren, auch die Oiiiziere der in den Strassen postierten Truppen antworteten auf die dringenden Bitten, doch cinzuschreiten, es sei keine Ordre ausgegeben worden. Die Frage, ob die Juden bewaffnet waren, verneinte er entschieden und sagte, sie seien so eingeschüchtert gewesen, dass sic wie Schatten herumschlicheu. Er versicherte auch, dass bis vor fünf Jahren Juden und Christen in Bessarabicn im besten Einvernehmen gelebt hätten, dass aber ausser der Verhetzung auch d;e Regierungsmassregeln gegen die Juden die Verachtung gegen diese grossgezogen habe. I I I ein Schutzmann, der den Juden riet, sich versteckt zu halten. Am folgenden Tag brach das Elend los. Maier flüchtete mit seiner Tochter und rettete steh in eine Seifensiederei, dann aber kamen die Rumänen und begannen zu ..schlagen“. Als Maier ן dann im Kraitkeuhause erwachte, fragte er zuerst nach seiner j Tochter: ״Ita. wo bist du?“ ״Hier bin ich,“ antwortete diese,! an sein Bett gelehnt. Der Kranke riet* abermals: ״Ita, wo bist du?“ Sic neigte sich zu ihm und wiederholte, sie sei an seiner Seite. Maier fuchtelte mit den Armen in der Luft und klagte, dass er das Mädchen jiiciit sehe. Er konnte sie aber nicht I sehen, weil jener Nachbarsknabc ihm, wahrscheinlich der : Symmetrie halber, sein einziges Auge mit einem Gewicht ausj geschlagen hatte. VI. Wie es scheint, begann die Tragödie im Hause Nr. 13 genau so wie die eben geschilderte in der Nähe des Sclilachtho/es. Dort und da ein Schutzmann, der ״warnt“, der aber zu weiterem Einschreiten keine Befehle hat. Dort und da schlossen sich die christlichen Bewohner des Viertels den heraustürmenden Zerstörern unter den Augen der Behörde an. Um elf Uhr vormittags erschien die Menge, begleitet von zwei Militär- Patrouillen, denen bedauerlicherweise auch kein Befehl erteilt! worden war. Der Haufe bestand aus etwa 50 bis 60 Personen I und mau erzählt, dass sie zuerst in die Schnapsschänke stürmteil. ״Gib dreissig Rubel“, sagten sie zum Wirt, ״sonst schlagen wir dich tot!" Er gab die dreissig Rubel und blieb verschont. Dann begann die Menge ihr Zerstörungswerk. Links vom Haustor, an der Hofecke, wo noch die vortrocknete Blutlache zu sehen ist, befanden sich einige kleine Hölzverschlüge. ln dem einen versteckte sich der Glaser Grünspuss mit Erau und Kindern, ferner Ita Paskar mit zwei Kindem und schliesslich ein vierzehnjähriges Dienstmädchen. Von innen war der Verschlag nicht zu sperren. Im Hause befanden sieb nur acht Männer. Der Schutzmann Nr. 148. der keinen Befehl erhalten hatte, sass ruhig auf dem Trottoirpfosteu und die zwei Militärpatrouillen hielten sich beschaulich abseits. Das Zerstörungswerk begann mit brutaler, immer wachsender Wut. Fenster klirrten, Blätter aus zerrissenen Büchern flogen umher, ein Gestöber von Bettfederu bedeckte die Bäume wie Schnee. Inmitten dieser Wahnsimishüllc, dieses wüsten Geschreis, Gelächters und Wehklagens erwachte nun der Blutdurst. Sic hatten es zu weit getrieben, um noch Menschen zu bleiben. Jetzt stürzten sic sieh zuerst aui Jen Holzvcrschlag, in dem der Glaser Griinspuss war. Sein guter Bekamiter. ein rumänischer Nachbar, rannte ihm sofort da* Messer durch den Hals. Der Unglückliche versuchte zu entkommen, וי“יי*מו יו־׳י??י־-ד^ ‘״■‘‘*ז* ■wt.־•