Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1903)
- Date
- 1903-11-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 518. M.!*% ־ י■•.״ .דד־־י ׳־זי־ JÜDISCHE RUNDSCHAU. No iS. ■ ’ in zusammenhängender Darstellung mit dem Wesen des Zionismus bekannt gemacht wurden. Herr Dr. Sa n dl e r-Breslau setzte der gut besuchten Versammlung In Istflndiger Rede die Ursachen und Bestrebungen der zionistischen Bewegung aus-! einander und ergänzte seine Ausführungen in der darauf folgen- 1 den angeregten Diskussion, die noch 1צי St. dauert:. Wir haben j von der Gründung einer Ortsgruppe vorläufig abschcn müssen | und den zionistischen Mitgliedern den Anschluss an die Orts-! gruppe GI c 1 w i t z empfohlen. _ j ־ » Hamburg. Nachdem die hiesige Ortsgruppe für dieses | Jahr die Abhaltung einer Makkabäerfeier in Aussicht genorn-; men hatte, wurde ein Festkomitee, bestehend aus den Damen I der Propagandakommission niedergesetzt. Dasselbe leitete die j Vorarbeiten und verspricht der Abend wirklich ein sehr ge- : luugcuer zu werden. Auf den ernsten Teil wird ein Ball folgen, j Die Feier findet am Sonntag, den 20. Dezember abends 8 ein-! halb Uhr in den Sälen des Konventgartens statt, der Eintritts- I preis beträgt z.wci Mark. Der Absatz der Karten ist ein guter, j Hinein mehriach g'eüusscrten Wunsche entsprechend findet י an jedem Sonnabend abend ein gemütliches Zusammensein der 1 Ortsgruppenmitglieuer statt. An diesen Abenden wird zwang- ן los, ohne parlamentarische Ordnung, über Parteiirage:» ge-; sprechen; das Bild, das die Anwesenden bieten, ist ein sehr! bewegtes, hier plaudert eine Gruppe von Ostafrika. dort wer*; den allgemeine organisatorische Fragen besprochen, da rede! man über die Agitation, dort ruft jemand!׳ach ״Vertiefung״ und in all dem Chaos unsere Damen mit Eifer für die Volkssachc werbend und agitierend. Die Zusammenkünfte linden statt im ״Grindcler Gesellschaftsbaus". Wilhelm Dräliter. (irindelallec 36. Nichtmitglieder können ciitgeiührt werden; ein Mitglied der Propaganda-Komission ist stets anwesend. Es ist angeregt worden, besondere Dumetiabende ein/.urichten, bei denen sieb au ein von einer Dante zu haltendes Referat eine Diskussion anschliessen soll, die den Damen Gelegenhcit giebt. sich mit den Parteisachen vertraut zu machen und sich auszusprechen über innere Fragen. Am Mittwoch beginnt der hebräische Sprachkursus, den Herr M a r g u I i e s leiten wird. Wir beglückwünschen uns zu diesem Lehrer. Die Anmeldungen sind zahlreich, lieber die Gcschichtskursc ist noch nichts definitiv beschlossen. Das Propagandakomitee hat die Begründung einer Ortsgruppenbibliothek beschlossen und Erl. Marta Ha er. Hamburg. Wexstr. 35. mit den Vorarbeiten betraut. Geil. Zuwendungen sind an die Adresse dieser Dame zu richten, di: zu allen Auskünften gern bereit ist M- B. J, Essen. Zum 18. Oktober hatte Rabbiner Dr. Samuel- Essen im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur zu Essen einen Vortrag über die zionistische Bewegung a.tgekündigt. Nach seinen früheres! Vorträgen in Essen, Duisburg etc. konnte man armehmen, dass es kein Propagandavortrag für den Zionismus werden würde. In der Tat versuchte Dr. Samuel, den Zionismus, der iu Essen noch gar nicht lebt, zu begraben, indem er endgültig feststellte, dass kein Jude, der wahrhaft am Deutschtum hängt und an ein: Mission des Judentums glaubt. Zionist sein kann. Ausserdem natürlich ist der Zionismus in praktischer Hinsicht eine Utopie und auch eine gewisse Gefahr für Judentum und JudenhciL Immerhin ist anzuerkemten. dass u. s. '.v. Aber siche da, der Zionismus war auch auf diesem jungfraulichen Boden lebendig, da einige Zionisten anwesend waren. Zwar wurden sic recht unfreundlich empfangen und sofort i:1 der Redezeit beschränkt, aber sic kamen doch zu Wort. Herr Ing. Kaufmann und Dr. W. Friedemann traten warm für unsere Sache ein. Besonders eingehend konnte unser (ig. Elias Auerbach, der an diesem Abend in Essen weilte, auf Wunsch der Versammlung dem Vortragenden entgegentreten. Er w׳ics, zuerst unter starkem Widerspruch, daun unter wachsendem Beifall, die Phrasen von dem deutschen Nationalismus und der modernen Mission zurück und betonte die absolute Notwendigkeit des Zionismus für die geistige und physische Befreiung der Juden aller Länder. Da der Referent auf das Schlusswort verzichtete, endete der Abend mit einer für den Zionismus sehr günstigen Stimmung. Di: Erage des Zionismus ist auch für Essen auf die Tagesordnung gesetzt, und Herrn יז- Samuel ging es wie Bileam, der kam. um zu fluchen und wider Willen segnete. Wir müssen mit unserer Arbei» auf uem vorbereiteten Boden sofort cinsetzen. c a. Duisburg. Am 19. v. Mts. sprach in der hiesige!! Ortsgruppe Dr. B o d e 11 h e i m e r aus Köln iib»*r die diplomatische Tätigkeit des Aktionskomitees lind das Ostafrikaprojekt auf dem VI. Kongress. Die Versammlung war von etwa 20» Personen besucht, die die interessanten Ausführungen d*-s Redners beifällig aufiiahmen. Eine Diskussion wurde!echt belieb׳. (Verspätet. Red.) .München. Dienstag, den 7. fand he» uns eine Schekely.ahierversatnnlimg statt, in ucr unser!'*elegierter. Herr Dr. Kahn, über den Kongress rcieriertc. Dis Huiptintcresse konzentrierte sich natürlich auf das Ostafrikaprojekt. zumal Dr. Kann gegen dasselbe gestimmt hatte. Der Beifall, der seinen eindrucksvollen Worten folgte, zeigte, dass die Mehrheit der Versammlung sein Verhalten billigte und lobte. Nach langer Diskussion, die durchweg auf einem sehr holten Niveau stand und in der besonders der Herren Dr. Halpero. Dr. Wolf kehl und Mayer in schönen und inhaltsreichen Austiihrungen gegen das Projekt und besondeis die Art seiner Inszenierung aufs lebhafteste protestierten, wurde eine von Herrn Mayer eingebrachtc Resolution mit den Stimmen aller Anw esc.!den gegen 8 angenommen. Ihr Wortlaut w ar folge־!׳ der; Die Versammlung von Seliekelzalilen! i׳! München erklärt Heb nach Entgegennahme des Kongressreferats von Pr. Kahn, mitt aller Entschiedenheit gegen jede Erw ägung des Ostairikaprnjckts, dass nach ihrer Meinung den Grundideen des Zionismus widerspricht, sie spricht den Brüdern, die aui uem Kone ress dagegen stimmten, ihre wärmste Sympathie und Dankbarkeit aus. Freiburg I. B., IS. Nov. 1910. In sehr gut besuchter Ver- Sammlung unserer Ortsgruppe sprach Herr L. J a ii e über N »- tionale Erziehung und eine hebräische Schul״ iu Palastim". Die nationale Erziehung, die Schaltung nationalspruchiger Schulen ist das beste Mittel zur Renaicansc eines Volkes, wie wir an dem Beispiel anderer um ihre Existenz kämpfender IV. ״Hier!nordete man Gri'mspuss...“ vernahm ich in meiner Nfihe eine sonderbare, dumpfe Stimme. Es war ein Mädchen von zehn bis zwölf Jahren. Nach dem Ausdruck ihrer Augen hätte man sic für eine alte Frau halten können. Das Kind hatte alles mitangesehen, was unlängst geschehen war. ״Er... dort... lief..sprach sie schwer atmend mit einer Stimme, als ob man sic würgte, und zeigte nach der vertrockneten Blutlache. ״Wer denn; der Glaser?" fragte mein Begleiter. ״Ja... ah... der Glaser. Er lief... dort fiel er eb:n, dort, und sic begannen ihn 7.u morden." Mich befiel ein Zittern und wir gingen von der Blutlache fort. Das Haus Nr. 13 bestand aus sieben Wohnungen. Acht Familien wohnten darin, zusammen •15 Personen. Das waren: ein Kommis mit Frau und vier Kindern, er verdiente monatlich •18 Rubel; Nissenson, ein Buchhalter, der 25 bis 3t) Rubel verdiente; Gosscha Paskar war Kommis mit 35 Rubel Gehalt, er hatte eine Frau und zwei Kinder; Itzig Gerwitz, ein Krankenpfleger, Gosscha Turkenitsch, ein Tischler, Basja Baraliasch, ein Fleischer; daun noch der hausierende Glaser Griiuspuss u. a. Man sieht, welch reiche Leute im Hause Nr. 13 wohnten. Ain 19. April, am ersten christlichen Ostertag, hegann die Zer- Störung. Es hicss, der Gouverneur schreite nicht ein. weil er einen ..Befehl" erwarte. Auch im Hause Nr. 13 wartete mau in dieser Nacht, dass der Befehl elntretfen möge. V. An! nächsten Morgen erschien der Schutzmann Nr. HS. Besorgt um das Schicksal der Juden, riet er ihnen mit lauter Stimme sich in den Wohnungen zu verstecken und die Strasse nicht zu betreten. Die Juden befolgten den Rat. Bald herrschte in der Asiatischen Gasse Totenstille. Dieses Bild geschlossener Fensterläden, leer gewordener Strassen und passiver Erwartung ist ein erschütterndes Merkmal für die Vororte Kischinews am zweiten Schreckeitstage. Ich sprach einen Juden, der in einer anderen Vorstadt gemartert wurde. Dies ist ein gewisser Maier Selmamt-Weissmann. Vor dem Gemetzel war er einäugig und während des Tumults fiel cs einem Mitmenschen ein, ihn auch des anderen Auges zu berauben. Maier erklärte, er wisse nicht genau, wer das gewesen sei, aber ein Knabe aus der Nachbarschaft habe sich gerühmt, dieses Resultat durch ein eisernes, an einer Schnur befestigtes Gewicht erzielt zu haben. Maler wohnte in der Nähe des Schlachthnfcs, im Vororte Maliala. Gleich den Bewohnern des Hauses Nr. 13 hatten auch hier die Juden während der Nacht das Eintreffen des bewussten Befehls erhofft und auch hier erschien am nächsten Morgen