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Jüdische Rundschau · 1903-11-27 · Heft 48 (27.11.1903) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 48 (27.11.1903)
Date
1903-11-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 48. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 517. Berlin. Zu Künsten des Nationatfonds veran• statteten am 15. November in Dräsels Festsaien Fräulein A. und E. Bock und H. Le vy, Mitglieder des ״Bar Kochba“, eine Matinee. Dem in stattlicher Zahl erschienenen Publikum wurden Gc.saitgs-, Klavier- und Geigenvorträge sowie Deklamatihiicn geboten. Die Darbietungen, die durchweg vorzüglich waren, ernteten reichen Beifall. Zum Schluss sprach cand. med. Elias Auerbach in gefühlvoller und eindringlicher Rede, die zu eifriger Arbeit anspornte, über die Bedeutung des Nationatfonds. Das Publikum bestand zum grössten Teil aus Nichtziouistcn. Da der Erlös ein hübsches Sümmchen ergab, wird der Nationalfond den jungen Damen dankbar sein. Wir schlagen ihnen zur Nacheiferung 1*1 r andere vor. den Jüdischen Turnverein Bar Kochba ins Goldene Buch eintragen zu lassen. Königsberg I. Pr. In der Kunigsbcrger Zionistischen Vereiniguug sprach am Sonnabend, den 14. er. vor zahlreich erscliiencncn Mitgliedern und Gästen Herr cand. pliil. S i c w über ״Der Ghettodichter Zungwill“. Dem mit Beifall aut'geiiommenen Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an. Bei der Gelegenheit wurde eine Sammlung zu Gunsten des Natioualfond zur Ablösung einer Gratulationsücpesclie anläss* lieh der Vermählung von Israel Zangwill vorgeuommeu. Prenzlau. 1111 Prenzlauer Verein für jüdische Geschichte und Littcratur sprach am 18. d. M. Herr Dr. Klee über ״Die Bedeutung des VI. Ziomstenkongresses in Basel, für die Gesammtiudenheit. Den von den zahlreichen Anwesenden mit reichem Beifall belohnten Ausführungen schloss sich Herr Rabbiner Dr. Bühr mit einer warmen Anerkennung der ziouistisehen Leistungen an. Nachdem der vom Referent auf die in der recht lebhaften Diskussion laut gewordenen Bedenken ein* /.einer Redner geantwortet hatte, trugen sielt 30 Damen und Herren in die Liste der an dein Abend neu begründeten Ortsgruppe Prcnzlau ein. Sämtliche 30 .Mitglieder sind zugleich Abonnenten unser Rundschau. Der jungen Ortsgruppe e41׳ herzliches: ״Glück aui“. \V. U. Breslau. Die erste diesjährige־ öffentliche Versammlung, die die Breslauer Z i o n i s t i s c 11 c Vereinig 1! 11 g veranstaltete, hat zwar etwas länger aus sielt warten .lassen, als die der übrigen Ortsgruppen. Dafür seihen aber die Zuhörer der Versammlung reichlich entschädigt werden. Unser Gesinnungsgenosse Elias Auerbach aus Berlin, hatte sich bereit erklärt, am Dienstag dem 10. November in einer grosse־ ren Versammlung, die im Cafe Restaurant stattfand, über ״Jüdische Volkspolitik“ zu sprechen und bat sich dieser Aufgabe glänzend entledigt. In seinen 1 *estiindigen logisch aufgebauten Ausführungen verstand er cs zu erweisen, dass wir am Ahfang einer neuen Epoche der jüdischen Geschichte stellen. Bisher hatte unser Volk keine einheitliche Politik; die Lösung der Judenfrage. die nun einmal besteht, kann nicht durch Assimilation, Mischehe und Taufe, durch die verschiedensten Wohltätigkeitsbestrebungen, wodurch immer nur einem ganz winzigen Teil geholfen werden kann, hcrbeigefülirt werden. Jetzt aber haben wir eine jüdische Politik für das ganze Volk, und das ist der Zionismus. Pilielit eines jeden Juden wäre es, an diesem gemeinsamen Werke mhztsarbeiten. Was hat nun die jüdische Volkspolitik schon erreicht? Die Arbeit fürs Judentum hat einen Zug ins Grosse bekommen, hat ein festes Ziel und bietet Aussicht auf Erfolg. Vor allem haben wir erklärt, das wir ein Volk sind u n d e s b 1 c I b e tt wollen. Der einzige Vertreter des Judentums ׳ist heute der Zionismus. Beweis: Verhandlungen Dr.. HerzPs mit S. M. den Sultan. Verhandlungen wegen Arichi, wegen Ostafrika, HerzPs Reise zu Plchwc. All seine Verhandlungen hat HerzI nicht als einzelner, sondern als anerkannter Vertreter des ganzen jüdischen Volkes geführt. Die Mittel, die also bis jetzt augewendet wurden, um die Judeufragc zu lösen, waren alle tmzuüinglich, während die von uns ciitgcschlagcncn sicherlich die besten sind. Wir haben wieder eine Zukunft. Stürmischer lkifall lohnte den Redner. und es begann nun die Piskussion. Herr Zcplcr hielt die Bewegung für schädlich, ein jüdisches Gemeinwesen für rückschrittlich, das jüdische Volk wäre kein Ganzes, das jüdische Herz wäre wohl einheitlich, der jüdische Geist jedoch ganz, verschiedenartig, so dass die Elemente zusammen nicht auskonunen wiirden. Noch einige andere Einwendungen wurden laut. Befurchtungen. dass man nicht so viel Geld ztisammcnbringcn könne, wie eine solche Kolonisation benötige man möge sich lunnanitären Bestrebungen /uw enden, um aui diesem leichteren Wege, den Brüdern zu helfen. Allen gegnerischen Ausführungen erwiderten die Herren R.-A. Schwarz, Glück. Kahn aus Frankfurt a. M.. Dr. Goüuski. Dr. l.ittmann, Frau liamke und Dr. Sandler. In seinen! Schlusswort wandte sich alsdann der Redner gegen alle Ein würfe, besonders seitens des Herrn Zepler lind auch der Herrn Steinert. Silber und Dr. Neustadt. IS ist e n ts c lii c ck n sympathisch a u c 11 z u ver \v e r i e!1. wenn man der Idee liervorzutretcn. oder gegemiber.Nteht. es jedoch nicht wagt, mit ihr Jcr wenn man zu ihr gar keine Stellung nimmt. Mit einem warmen Appell au die Anwesenden, die in späte Nachtstunde Organisation beizt!־ erzeuge־;! Jen, geistvollen atirlich nach diesen nicht spanncrid.Ntcr Aufmerksamkeit bis in den Ausführungen gelauscht hatten, treten, schloss Auerbach seine ul Ausführiingen. Der Erfolg konnte die der m״r z: tritt .mg ergab o:n sehr ausbleiK־!!. Es meldeten sielt 16 neue M: in die Vereinigung. Die N'ati<-;1alfo;:dsamn befriedigendes Resultat, und vor alietn i-t jeder der Zuhörer, cs waren deren wohl 3׳X\ mit dein Bewustsein weggegangen, einen glär/enden Vortrag gehört zu haben, wie er ihm in Breslau in jüdischen Kreisen so schnell nicht geboten wird; der moralische Erfolg war also ebenfalls ein grosser. So kommt cs, dass schm! alle gespannt dem grossen Agitation s- Vo r t r a g e entgegensehen, den die Ortsgruppe Breslau am 5. D e z e tu b e r im grossen Sa a 1 e der neuen Börse veranstalten wird, an welchen Herr Dr. Klee wird über die ...Bedeutung d e s s e c h s t e n Z i o n i s t e n k 11 ״ g r e s s c s zu Basel für die (1 es a m t j u d e n s c h a f t sprechen. Der Erfolg wird, das!._?! ... * a•? 1. 1.!... .,;.*Kt nucKt» Pless (Oberschlesiea). Am Mittwoch, dem IS. d. M. fand in hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Littcratur eine Versammlung statt, in der unsere Mitglieder zum ersten Mal II. Zu solch einer Zeit kam ich in Kischinew au, durchwaudertc Strassen und Plätze und bemühte mich, dieses rätselhaite Drama mir selbst, zu erklären. Allerdings erhebe ich keinen Anspruch darauf, in dieser Skizze den blitzschnellen Zusammenbruch aller Kultur und das gewaltige Aufwachen tierischer Instinkte zu enträtseln. Es gibt jedoch kein Geheimnis, das nicht mit der Zeit bekannt würde. Sehr möglich also, dass auch alle Triebfedern der Greueltat von Kischinew eines Tages ans Licht kommen und dass dann alles verständlich wird, wie das Werk einer zerleg* ten Uhr. Mau sollte glauben, die bevorstehende Gerichtsverhandlung würde diese Aufgabe lösen. Aber es ist Grund vorbanden, zu befürchten, dass auch das Gericht dies nicht tun dürfte... Immerhin will ich wenigstens das Entsetzen zu heschreiben versuchen, das sich meiner, zwei Monate nach der Katastrophe, in Kischinew bemächtigt hat, und zu diesem Zweck will ich möglichst genau und ruhig eine Episode scliildern, das ist die Geschichte des Hauses Nr. 13. III. Das Haus Nr. 13 beiindet sich im 4. Bezirk der Stadt Kischinew in einem unauffindbaren Seitengässchcn. Mein Reisebegleiter, der seit drei Wochen mit der Stadt vertraut geworden war, erklärte dem Kutscher: ״Haus Nr. 13... dort, wo mau mordete.“ ״Jetzt weiss ich’s,“ sagte der Kutscher, und ich vernahm, dass er die Worte murmelte: ״Nissenson, Glaser." Nissensou und Glaser waren noch vor kurzem am Leben, jetzt sind sic nichts als eine Bezeichnung für vergangenes Entsetzen. Das Haus Nr. 13 ist ein Haus wie viele. Armselige andere Häuschen sicht man ringsum. Diese aber machen den Eindruck unbewohnter Stätten und atmen Leben, das Haus Nr. 13 gleicht einem Leichnam: leere Fcnsterhölileii, mit Brettern verschlagene Türen. , Alles was recht ist; die Polizei in Kischinew hat?.war nichts getan, tim das Gemetzel zu verhindern, aber jetzt ergreift sie energisch Massregvln, um die Juden zur raschen Wiederherstellung ihrer zerstörten Gebäude zu zwingen. Nur über den Besitzer des Hauses Nr. 13 erstreckt sich ihre Macht jetzt nicht mehr. An einer Ecke des Hofes, beim Eingang in eine Wohnung, sicht man noch einen grossen, dunkelbraunen Fleck, den man sofort als geronnenes Blut erkennt. Blutspuren bedecken auch die Olassplittcr, Ziegel. Kalkstückc, die ßettfedern und die Möbelstücke, die umherliegen. יך׳׳ייי*“*-*־^ »*■»«׳ *

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