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Jüdische Rundschau · 1903-11-27 · Heft 48 (27.11.1903) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 48 (27.11.1903)
Date
1903-11-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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44. ■<|ן,- "־*יייוייי״י .מדזו^דד Seite 516. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 48. TSC-OC Aus der Bewegung. 3C,..... . ■ <3g Mitteilung des Aktionskomitees. Das grosse Aktionskomitee• hat einstimmig beschlossen, den Zionisten, welche Aktionäre der Jüdischen Kolonial-Bank sind, zu empfehlen, die Dividende, welche diese Bank auszuzahlen beschlossen hat, dem Aktionskomitee zu dem Zwecke zur Verfügung zu stellen, um die Kosten der El-Arisch-Expedition, sowie etwaiger weiterer Expeditionen nach Palästina, dann die Kosten der Palästinakommission zu decken. D r. H e r z I, D r. K a h n, Leon Zoltkoff. De Haas, Dr. Bodenheim er, Q. Belkowsky, I. Bernstein- K 0 h a n, E. W. Tschlenow, J. L. Cf 01 dt h e r g, S. I. Rabbino witz, VV1. Tcmkin, M. S c h e i!1 k i n , Dr. Klee, Dr H. Bruck, Dr. H. Jacobsohn, Dr. I. Sapir, I. Jasinowski, Dr. Farbstein, Dr. Moses. Die Vereine werden ersucht, die Kupons im Sinne dieser Beschlüsse bei ihren Vereinsmitgliedern einzuheben und dem Aktionskomitee in Wien abzuliefern. Dienstag, den 1. Dezember, hält die Berliner Zionistische Vereinigung in Heinrichs Fcstsälcn SW., Blücher s t rasse 61, abends '9«ל Uhr ihre vierte Distrikts-Versammlung ab, in der Herr Dr. Goldberg über ״Das Programm des Zionismus“ sprechen wird. Jedermann, Herren und Damen, herzlieh wii 1 kommen. Freie Aussprache. Unsere Mitglieder erhalten keine besondere Einladungen. Zur Deckung der Unkosten werden 10 Pf. Entree erhoben. Berlin. Die Jüdischnationale F rauen v ereinigung läd zu der am Montag, dem 30. November 1903, abends 9 Uhr, in Dräsel’s Festsälen, Neue Friedrichstr. 35, stattfindenden Versammlung ein. Tagesordnung: 1. Vortrag des cand. jur. Josef Falkenberg: Die Juden als Politiker. 2 Diskussion. Gäste herzlich willkommen. Berlin. Der Arbeitsplan der ״Jüdisch-nationalen Frauen- Vereinigung“ für den kommenden Winter ist folgender: Es werden regelmässig alle 1*1 Tage bis 3 Wochen Vorträge gehalten. Der nächste Vortrag findet am Montag, den 16. November statt. Herr Dr. Julius Katz wird einen Vortrag halten über das Thema ״Hygienische Betrachtungen über das Ostafrika-ProJekt“. 1 Weitere Vorträge haben bis fetzt die Herren Dr. Max Eschelbacher, Elias Auerbach, Egon Rosenberg, Dr. Emil Cohn, cand. jur. Falkcnbcrg, Dr. Max Oppenheimer, Dr. Julius Moses, Dr. Heinrich Loewc, Dr. med. Th. Zlocisti und Frl. Channah Sachs zugesagt. Die Geschichts- und hebräischen Kurse beginnen Mitte November. Die Leitung des letzteren hat der hebräische Sprachverein ״Saia Berum“ übernommen. Der Unterricht ist in beiden Fächern unentgeltlich und auch Nichtmitglieder dürfen daran teil nehmen. Hingegen werden zu den Diskussionsabcuden, welche unter Leitung der Vorsitzenden der Vereinigung. Frau Lina Wagucr-Tauber. stehen, und bereits mit gutem Erfolge begonnen haben, nur Mitglieder, und zwar in beschränkter Anzahl, höchstens 20 Damen zugelasscn. Diese Diskussionsabende sind nicht nur eine Rcdncrinncnschule, sondern sollen auch dazu beitragen, die Golusfehlcr, Disziplinlosigkeit und Unpünktlichkeit zu bcseitigen. Berlin. Am Mittwoch, dem 2. Dezember abends 8,צ׳ Uhr, findet der erste hebräische Unterricht in der ״J ii d i s c 11 - nationalen F r a 11 c n v c r e i u i g 1! n p“ statt. Herr Lehrer Dr. Renz er.־ Am Donnerstag, den! 3. Dezember abends S'i Uhr, erster 0 c s c h i c h t s u n t e r - rieht. Herr Lehrer I^abb. Emil Levy. Der Unterricht, der in den Räumen des Vereins Montefiore, Dirksenstr. •16 Hof I stattfindet, ist auch für Nichtmitglieder, Herren und Damen, unentgeltlich. Berlin. 1:1 einer von Mitgliedern und Gäste!! sehr stark besuchten internen Versammlung der ״Berliner Zionistischen Vereinigung" sprach am 16. d. M. Dr. h rnst 1 11c 11 über das Thema: ״Der Zionismus und seine Stellung zu der nage: Ist es ratsam, einen Teil der jüdischen Bevölkerung auch m den jetziger: Wolr.iläitdcrn zu Landwirtschaft überzutiihren .׳־" I!1 sehr interessanter und sachlicher Weise legte der \ ortr.igende dar, dass von zionistischen Gesichtspunkten aus keinerlei Bedenken gegen diese Arbeit Vorlagen, dass im Gegenteil grade der Zionismus für eine Vorbereitung des jüdischen Menscheumaterials auf die Landwirtschaft tätig sein müsse, Ferne! dränge im Osten die Not, im W csten die wachsende Konzentration der Juden auf wenige Berufe immer mehr nach einer Ableitung auf diese Art der Tätigkeit, hndlieh sei es 1i!r uen jüdischen Volksorganismus von ausserordentlicher Beoentung. hier neue Kraft und Gesundung zu finden. — Dem vorzüglichen Referate folgte eine recht lebhafte und sehr interessante Dehatte. Von zionistischer Seite wurde die Frage, ob ue Leh.riührung ratsam sei. rückhaltlos bejaht. Dagegen lünrten he* sonders die Herren Dr. Citron und EJ i a s A u e r h .t c 11 eingehend aus, dass diese Ucbcriiilmnig faktisch unmoglieh sei, da in den östlichen!.ändern die gegebene!! Verhaltnisse sic verhinderten, in den westlichen grade das Fehlen ucr bitteren Not ihre praktischen Vorteile gegenüber dem jetzigen Zustand für grössere Mengen der jüdischen Bevölkerung reciit problematisch erscheinen l'csse. Mehrere Redner ’jm noch in Einzclpunkten für und wider. Mit einem clilussv < rt des Referenten, der sich bemühte, die erhobene;: nmwandc zu widerlegen, schloss nach Mitternacht die Versammlung, ein wohlgclungeiicr Versuch, nicht rein zionistische F raven vor ■önnicfkrhpm Forum zu behandeln. ש A Kischinew, Haus Nr. 13. Von Wladimir Korolenk0.•) I. Zwei Monate nach dem Massakrc traf ich in Kischinew**) ein. Der Nachklang dieser blutigen Ereignisse war noch frisch und tönte schrill durch ganz Russland. In Kischinew selbst •) Unter dem frischen Eindruck der Nachrichten über die blutigen Ereignisse, begab sich der bekannte russische Roman- und Novellendichter Wladimir Korolenko nach Kischinew. Die obige Skizze ist ein Ergebnis seiner Studien, die er an Ort und Stelle gemacht hat. Da die Arbeit bei den derinaligcn Zensur- Verhältnissen in Russland nicht veröffentlicht werden konnte, wurde sie in der geheimen Druckerei der russisch-revolutiohären Arbeiterorganisation ״Bunt“ (Revolution) gedruckt. Die uns zur ,Verfügung gestellten Aushängebogen setzen uns in die Lage, unsere Leser mit der erschütternden Skizze bekannt zu machen. Die Red. •*) Wir entnehmen der Wiener ״Zeit“ diese Schilderung durch einen Nichtiuden. Korolenko ist ja bekannt genug, um noch etwas bemerken zu müssen. Aber ein Wort an den Judenmissionar Herrn Pastor Biet Ing. Er hält Jedes Jahr einen christlichen Bekennungsgottesdienst für Juden als ״J 0111 - Klp p u r-F ele r“ ab. Wir raten ihm, diesen kleinen Aus- .Schnitt in sein Ritual mit aufzunehmen. Als Predigttext empfehlen wir etwas aus dem 13. Kapitel des ersten Korintherbriefes. batte die Polizei alle Hände voll zu tun. Dennoch war cs nicht leicht, die Spuren Jenes schrecklichen Tumults zu verwischen; sic waren überall noch sichtbar. Der Jude Daschcwski hatte ln Petersburg den Herausgeber der Zeitung ״Bessarabetz" mit einem Messer verwundet, und merkwürdigerweise war cs ein anderer Jude, ein Arzt, der dem Verletzten sofort die erste Hilfe leisten wollte. Mit Schrecken lehnte Kruschewan diesen Beistand ab und schrieb bald darauf: ״Daschewskis Seele gehört mir.“ Er forderte die Todesstrafe für Daschcwski, weil er, Kruschewan, kein gewöhnlicher Sterblieber, sondern der ״Vertreter einer Staatsidcc“ sei. Wenige Tage später — ich war damals schon in Kischinew — fielen drei unbekannte junge Leute über einen iüdischeu Voiksschüler her. Der Ein״ von ihnen batte besser gezielt als Daschewski und dem Knaben den Dolch in die Brust gestossen. Nur ein Buch, das der Knabe unter seinem Rock trug, rettete ihn vor dem Tode. Das Judenkind, das ahnungslos aus seiner Schule ging, konnte selbstverständlich nicht als ״Vertreter einer Staatsidee“ gelten; deshalb wurde auch von dem Vorfall nicht weiter gesprochen. Man erzählte nur, das sei die Antwort auf Daschewskis Attentat . . . In dieser Luft des Schreckens, der unversöhnlichen Feind- Schaft und des wilden Hasses ist alles glaubhaft geworden.

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