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Jüdische Rundschau · 1903-11-20 · Heft 47 (20.11.1903) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 47 (20.11.1903)
Date
1903-11-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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No. 47 SeiteJ510^ __._.__; _ JÜDISCHE RUNDSCHAU. mclnde entrichtet. Ferner Hess diese Gemeinde auf ihre eigenen Kosten ein prachtvolles und geräumiges Schulgebäude errichten, dessen Einweihung vorige Woche mit grosser Feierlichkcit. Im Beisein aller Lokalbehördeu stattfand. Eine solche Stiftung ist der beste Beweis dafür, dass dieser marokkanischen Gemeinde eine neue Ära bevorsteht, und dass sic sich hinsicht־ lieh der Kultur allmählich da! Gemeinden des Westens gleichstellen wird; auch wird dies einen segensreichen Einfluss auf die übrigen Gemeinden Marokkos ausüben. Der Allianz. schwebt in dieser Richtung als einziges Ziel vor, die Gemeinden in die Bahn des Unterrichtes, als des höchsten Lebensidcals, zu lenken. Hat sie diesen ihren Zweck erreicht und sind einmal die Gemeinden, wie cs in Tanger der Fall ist. sozusagen mündig geworden und fällig ein eigenes Leben zu führen, so überlasst ihnen die Allianz die Verwaltung ihrer Uutcrrichtsanstaltcn, um ihr Kulturwcrk anderswo in weniger begünstigten und geistig zurückstehcnden Gemeinden fortzusetzen. Lustige Ecke. Kleine Chronik. l Wahres Gescluehtclun. Am Hoftiicater zu X. gastiert ITüuIeiu 1*. auf Engagement. Nach der Vorstellung wird sie aui den kommenden Vormittag ins Bureau zum Herrn Intendanten bestellt. Her empfangt sie fmldvollst, spricht mit ihr über das Wetter, erkundigt sich mich ihren FatuiUeuvcrliälinisscii, nach gemeinsamen Bekannten etc. etc. ctc. Plötzlich und unvermittelt säuselt der Herr Intuidmi in cs־mo!f: ..Sagen Sie. mein liebes Fräulein. Sie — eh - Sie sehen etwas eh -- orientalisch.aus?!״ Und jn tiefster Hochachtung und Ergebenheit kommt es zurück: ..Sie auch. Herr Intendant - Sie auch!“ Jugend I90.L Nr. •16. Berlin. Unser Gesinnungsgenosse Rahb. Dr. Ziegler-Karlsbad halt im Januar in Berlin 2 Vorträge, darunter einen im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur. auf die wir unsere Freunde heute schon hinweisen wollen. f. Ein Gesetzentwurf über jüdische Relfglonsgemelttden ist dem Sücbsiehen Landtage zugegangen, wodurch das bisher hestehende Gesetz über die Religionsübmig der Juden vom Jahre IM7 aufgehoben werden soll. Nach dem Gesetze haben d e israelitischen Religionsgemciuden die Aufgabe, die zur [,liege des israelitischen Kultus erforderlichen Anstalten und Einricli* hingen zu treffen lind zu unterhalten. 711 dcseiu Zwecke haben sie u.;1. das Recht, unter staatlicher Aufsicht Betluiuser und Begräl :lisplätzc einzurichten, Rabbiner und sonstige Rcligionsdiencr anzunclime!!. gottesdienstliche Zusammenkünfte in den dazu bestimmten Räumlichkeiten zu veranstalten usw. Das Jen christlichen Konfessionen nach dem ff 56 der Verbissungsurkunde /!!stehende Recht 6 i f e n 11 i c h e r R e i i g i o 11 s - ii hiing steht den jüdischen Rcligionsgemeitidcn nicht zu; die ■Ausübung ihres Kultus soll nur als private zugelassen werden. Sämtliche jüdischen Glaube!!sge:״׳sseu des Landes sind zu Reliv'innsremeiinkn zu vereinigen, deren Abgrenzung durch V.-rtKgtiiig des Kultusministeriums erfolgt. Die ,Mitglieder der (icmeiiiden haben zu deren Lasten durch Zahlung von Gebühren und Anlagen! angemessen beizulrageii. Pie Rcligionsgeme'udcn sind juristische Fers neu des oticntiiclieii Rechts. Hir Jede ist ein Statut zu errichten. Das Nähere hie näher wird vom Kultusministerium bestimmt, das Statut tuul jede Abänderimg bedarf et er ministeriellen Genehmigung, die* widerruflich ist. Das IVtier schon bestellen Je Verbot der Privat* syuagogeu wird aufrecht erhalten, doch bleibt das Kultusministcrium ermächtigt, Ausnahmen zu gestatten. Der König >011 Hälfe!! empfing kürzlich den I ioreiiimer Obcrrahbincr und bekannien \‘o־k;"tmpfcr de: ^zionistischen Bewegung in Italien. Dr. .M a r g u! i e s. Der König, st;.׳:;;;;:^ zu. als Dr. Margulies ausiührte. gegenüber de:t unsägliche':! Lei Jeu Löwen, Elefanten, Affen! j ..Sol! man aller darum, um die verhungerten Brüder zu er- lösen, diese nach Afrika schicken, wo sie mit dem feuchten. . dunstigen Boden, mit Löwen, Elefanten. Affen und giftigen Reptilien zu kämpfen haben und zu Grunde gehen?“! ״Ungarische Wochenschrift“ Jg. IX. No. 46. vom 1.1. N'ov. 190A in einem Artikel gegen Dr.! Lippe. - Hu. hu! I vieler Juden!nasse es gera. als Pfbcla der Stammesnossen betrachtet werden, an deren Erlösung niit/.uarneiteii. und erkundigte sie!! nach den \ erha;:d!u;.ger. des Basler Kongresses, uanteiitiich cingthenJ . .wlt den Briiiscii-Osia.nku hetreffenden Beschlüssen. Fr fragte weiter, nach .der Zeit der Rückkehr und der Zusammensetzung, der Expedition und ׳״ihm mit besonderer Befriedigung die ,Mitteilung auf. dass auch ein italienischer Delegierter, Dr. Dessau-Bologna. Mitglied der vom Kongress gewählten Ostafrikakommission sei. Die UnterliaUung wendete sich dann den Unterhandlungen mit der fanatisch! Glaubt ihr. dass dem lieben Gott daran gelegen ist. welchen Tag in der Woche wir fe:ern? Warum wollt ihr denn so hartnäckig atu Somiahend festhallen? Das ist ein Tag. den freilich unsere Glaubensgenossen im grauen Altertum dem Herrn geweiht haben: aber bedenkt doch, dass wir moderne Menschen sind, die gewisse Ktilturpfüchteu erfüllen müssen. Wie wollen wir das tun, wenn wir seihst in kleinlichen Dingen noch atu Althergebrachten hängen? Soll denn in unserem neuen Staate wirklich wieder die intolerante Orthodoxie herrschen?‘‘ Und da haben die strenggläubigen Misrachi gerufen: ..Nieder mit ihm! — Afrika für die Schwarzen! Afrika für die Schwarzen!“ Und sic haben den Doktor gepackt an seinem Bart und ihn geschleppt au den Victoria N'vanza und hineingeworfen in den See. Dort hätte er können oben schwimmen wegen seines Fettes, aber ist doch untergegangeu. weil er 113t getragen in seiner Brust ein Herz von Stein. Jetzt ist er tot und niemand weint um ihn.“ Wir müssen an dieser Stelle dem Schlemiel einen ernsten Verweis für eine politische Uuklughcit erteilen. Dem! später einmal werden die ostafrikanischen Antisemiten, die es doch sicher geben wird, den Zionisten mit Recht den Vorwurf machen, den Victoria Nyanza dadurch vergütet zu haben, dass sie einen Berliner Reformprediger liineiugeworfen. Solche Tat- Sachen verschweigt man lieber oder man druckt sic in die Mitteilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, damit sie nicht in die Öffentlichkeit gelangen. Etwas mehr Diskretion hätten wir auch hohn nächsten Bilde gewünscht, auf dem verschiedene Heimlichkeiten schonungslos aufgedeckt werden, indem sich darauf ein sehr, sehr bekannter Herr, — es tut uns herzlich leid, seinen Namen nicht neunen! zu können —- als strenger Schulmeister produziert, wobei er I zwei Bambusse benützt, einen tätigen und eine:: leidenden u..d wobei verschiedene aus letzter Zeit bekannte Leute Vorkommen, die augenscheinlich ein brennen,!es Gefühl dabei empfinden, nicht am richtigen Orte sitzen zu können. Und da gerade von Berlin die Rede ist. wo die strammen Soldaten, die strammen Antisemiten und die strammen Dochdeutschen zu Hause sind, wird uns der Werdegang dieser letzteren Deutschen in drei Stadien der Entwicklung vor Augen geführt: , Zuerst passieren Chaskel und Fabiseh den Schlossplatz. ״Was meinste. Chaskel, wenn dir wollte gehören das Schloss?" - - ״Gott soll hüten; ich hält nicht gehallt das Geld, for was zu kaufen die Mesuses.” Im /.weiten Witz befinden sich Chaskel und sein Freund wahrscheinlich schon unter dem Publikum, vor dem ein Berfincr Prediger am Jomkippur folgendes betet: ״Und so danken wir dir, o Herr, dass du nur die Juden in Kischiuew und Honicl hast liiuschlachten lassen, uns aber yiiädig verschont hast. So hast du wiederum die Wahrheit des herrlichen Sprichwortes erwiesen, das da lautet: Gott verlässt die Preusseu nicht. Willst du aber, allmächtiger Vater, noch einmal deinen Zorn über die Juden ergiessen. o so verschone stets die prcussisclieu. und wem! auch unter diesen sieh Sünder befinden, dann halte wenigstens das Verderben ab von der heiligen Gemeinde Berlin. Amen." Als Drittes produziert sich das Judentum mit den überwumlenen und gewundenen Standpunkten (Tiergarten Berlin) mit folgender Bemerkung über den Juden, den die Unkenntnis des Vaterunsers in Schlochau das Leben kostete: ״Da bin ich besser dran,“ dachte ein Schüler des Herrn Rathenau: ..unscreiiicm kann so was nicht passierm" Schliesslich kommt der geistige Na'm vaier des Berliner Judentums zu Worte, der schneidige Vorkämpfer der pevise: ,.■►.ד..*

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