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Jüdische Rundschau · 1903-11-20 · Heft 47 (20.11.1903) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 47 (20.11.1903)
Date
1903-11-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 47. JÜDISCHE RUNpSCHAU slcllunsr aiisvcrkmifl, cs ist deshalb ratsam, die vorbestellten Hilleü» rechtzeitig י abznholcn, da diese mir bis «8 Uhr :m» der ,Abendkasse reserviert bleiben können.‘*; Nun, dieses Lob ist *ranz natürlich. Jeder lobt natürlich die, die ihm am meisten Vorschub leisten und seine Bestrebungen am besten fördern. Der Prozess siegen des Blutbades ln Kischinew wird am 19. d. M. beginnen und einen geradezu riesenhaften Umfang annehmen. Nachdem vier Richter die Untersuchungen geführt und das notwendige Material zusammengetragen hatten, wurden 100 Personen des Mordes, 250 Personen der Teilnahme an den Krawallen angeklagt. Mehr als 2000 Zeugen sind zum Teil bereits verhört, zum Teil für die Verhandlung geladen. Bei den Unruhen sind seinerzeit 38 Juden und 2 Russen getötet, •133 Juden und 67 christliche Bürger, sowie 6S Polizeibeamte, darunter zwei Offiziere, verwundet worden; schwerverletzt wurden 8 Personen durch Schüsse und 5 durch Begiesscu mit Blausäure. In der Stadt Kischinew haben die Tumultuanten 1350 Häuser heschädigt oder gänzlich zerstört. Unter der Spitzmarke ״Journalist und Staatsmann“ 5*111 eiht man der ״frankfurter Zeitung“ aus Petersburg: in diesen Tagen weilte einer der Eigentümer des , Daily Telegraph“, Herr Wolf, in St. Petersbiug. Wie erzählt wird, war der H.uiptzweck seiner Reise nach Russland der Wunsch, sich mit uer Lage der russischen Juden und mit der Stimmung der russischen Regierung gegen ihre jüdischen Untertanen bekauntztinuchen. Am 25. Oktober wurde Herr Wolf von dem Minister des Innern, Herrn v. Plehwe, empfangen und er hatte mit ihm eine längere Unterredung. Wie zu erwarten war, bemühte sich der rt!sss:el1e Minister, den englischen Journalisten zu überzeugen, dass die Beziehungen der russischen Regierung zu den Juden die allcrlmmansten seien und er wies besonders darauf bin, dass er persönlich keinerlei feindliche Gefühle gegen seine Mitbürger־ jüdischen Glaubens hege; im Gegenteil strebe er danach, ihre Lage zu erleichtern, zu welchem Zwecke in dem ihm unterstellte;: Ministerium entsprechende Projekte bereits ausgearlituct wurden. Auf die Entgegnung Herrn Wolfs, dass die grosse Masse der jüdischen Bevölkerung sich in einer traurigen Lage und in vollständiger Rcchtiosiegkcit befinde, antwortete Herr v. Plehwe, dass die Rcchtsbescliränkuugen durch die Notwendigkeit hervorgerufeu würden, und dass für die Juden der beste Ausweg•- die Auswaiuie- Hs ist ein Berliner Range, der Schlemiel. der seit kurzem seine Schellenkappe in das Kampfgetöse der jüdischen Aleimmgeu liiiicinklingen lässt. Hs ist ihm nichts heilig, nicht einmal der Misraehi und wir haben Angst, dass er sich sogar am Mainzer Israelit vergreifen könnte. Man kann sich also denken, wie übel wir gewöhnlichen armen Sünder erst hergenommen werden. Dem Schienüei bleibt nichts verborgen, denn überall sind seine Spcz/alkorrespoiiJenten, sogar in Ostafrika. Ncu-Nculand nennt es der ehrsame Mbwapna, Jumbo. Häuptling a. D. von Uganda und Misrachist mit Haut und Haaren, auch denen au den Schläfen, wie wir aus seinem wohlgelungenen Porträt sehen, womit er seinen gewissenhatten Bericht über die soeben stattgehmdene erste jüdische Hin- Wanderung in seine Heimat schmückt. Hr schreibt sogar schon im Jargon — man beachte die kulturelle Wirksamkeit der Misraehi! - wenn auch nicht jüdisch-deutsch, so doch englischdeutsch. Wir wollen einige von den hochinteressanten Tat- Sachen seines Berichtes wiedergeben: ״Well nach kurzer Zeit ist gekommen die erste jüdische Karawane mit lauter Misraehi. Mau siebt gleich, cs sind alles gute Leute, die cs meinen ehrlich. Und fromm sind sie. o. noch mehr fromme wie die Puritaiis, und sie brauchen nur zu erheben ein Geschrei, so bekommt der Himmel ein grosses Loch, und sie können sprechen direkt mit Gott. Man sagt, dass ieder Misraehi ist ein Heiliger und sö gottesfürchterlich. dass der Kugel Michael und der Kugel Gabriel dagegen sind Sozialdemokraten. Aber cs hat gewesen hei der Gesellschaft ein!Mann, der Doktor Christian Schmu! aus Deutschland, ein celebratcd Reform-Rabbi. Auf der ganzen Seereise er hat sich gehalten versteckt in einem cabin auf dem Schiit und ist er*t lierausgckrochen, als die Karawane den Dampfer verbess und hereinzog in das Land. Und dass man ihn nicht soll erkennen. Seite 509. ru 11 g sc 1. Herr Wolf zweifelte an der Wirksamkeit, dieser Massrcgcl und bemerkte, dass Russland, wenn es die Juden I zur Auswanderung in andere Länder zwinge, sich eine Menge . Heinde im Auslände schaffe. Davon habe Russland sich un- I langst überzeugen körnen, als das Blutbad von Kischinew eins I starke Hrregttng der öffentlichen Meinung in den Vereinigten Staaten .hervorrief, die bis dahin stets im freundschaftlichsten Verhältnis zu Russland gestanden hätten. Indessen, so fügte Herr Wolf hinzu, Hesse sich doch in Russland genügen J Raum für alle russischen Untertanen finden, z. B~sei es nicht zu verstehen, warum die Regierung den Juden die Einwanderung in die Mandschurei verbiete.. Augenscheinlich sei es notwendig, in diesem Gebiete eine russische Industrie, zu schaffen, es in ökonomischer Beziehung zu beleben, und zu diesem Zwecke würden die Juden ein sehr brauchbares Element abgeben. •־ Herr v. Plehwe zeigte sich sehr erfreut über diesen Gedanken. ״Das ist eine gute Idee,“ soll er bemerkt haben, ,das muss besprochen werden, wenn Generaladjutant Alexejew. hierherkommt.“ Diese letzte Bemerkung ist dazu bestimmt, den Anschein zu erwecken, als wolle man den Juden auch einmal günstig gegenübersteilen. Wie es damit wirklich ist, möge man aus der Tatsache scliliessen, dass von Plehwe ein Balte ist. Ein Balte - das besagt alles! Eine massenhafte Auswanderung der russischen Juden aus Kischinew nach Amerika findet in der letzten Zeit, laut Nachrichten des Odcssaer Tagblattes ,.Odesski Usmk“ statt. Die meisten Auswanderer sind Kieinkrämer, Handwerker, Arbeiter, die während der Ausschreitungen materiell zugrunde gerichtet wurden. Zu den Schulbestrel.-mgcn der Aliiance Israclhe l'i iverseile wird uns von der Zentralstelle in Paris gesckrVbcn: ״Die Schule von Tanger nimmt unter den von der Allianz gegnindetcu Unterrichtsaustalten die zweite Stelle ein, da ihr Bestehen auf das Jahr JS6-J zurückzuführen ist. Seitdem hat die Allianz dieser Stiftung jährlich beträchtliche Opfer bewilligt, denen sie aber nun mit grosser Zufriedenheit entgegensehen darf. In der Schule wurden nämlich Zögling.* ausgebcd:t, die jetzt zu tüchtigen und gelehrten Männern und Frauen herangew achsen sind; sie stehen an der Spitze der jüdischen Gemeinde und halten es 1'fir eine Pflicht, die Kosten der jetzigen Schule auf sich zu nehmen. Daher werden heutzutage die Spesen, abgesehen vom Gehalt der Direktoren, sämtlich von der Gesondern ihn halten soll iiir einen Misraehi, hat er sich verstellt und immer gegeben --־ wie sagt mau - einen Knaitsch mit den! f inger, wenn er hat geredet. So haben die Misraehi geglaubt, dass er auch ist ein Orthodoxer. Und am Plattfuss des Keniaberges haben sie Malt gemacht, wo alle nigger waren versa?!!- nielt in festliehcrKleidung, da hat derDoktor betreten ein Podium und gegeben einen sermon, zu bekehren das Volk zu der jewish rcligion. Hr hat gesagt sehr schön von der jüdischen Mission, die in dem schmalen Zeitraum von 2000 Jahren hat erreicht so viel. Während' vor 400 Jahren man hat Juden geschlachtet noch beinahe jeden Tag, tut man es jetzt nur alle vier Wochen. Das muss man danken der jüdischen Mission, die die Völker hat moralised und aufgeklärt. Meine Landsleute haben hekommen sehr begeistert über diese Sache und sind iibergetreten zum jüdischen Glauben und sie haben versprochen, nicht mehr zu essen Schweinefleisch und Mcnsclienfleisch, sondern nur Loksclicnkuggel und Gänselcbcr und Schalem. Das hätte gewesen ein grosser success für den Doktor, dass er hätte können sein zufrieden. Aber da hat er verlangt, dass in jeder Woche ein holiday soll w’erden gefeiert am Sonntag. ״Warum Sonntag?“ fragte die Misraehi. ״Meinetwegen Montag,“ sagte der Doktor. .,Warum!Montag?“ haben die Misraehi gcschrien. ״Meinetwegen Dienstag.“ wieder der Doktor hat geantwortet. Und so weiter bis Freitag. Jetzt ist geworden ein grosser Lärm! and die Orthodoxen haben gerufen: ״Scltabbes, Schabbes!” 1 Und sie haben mit den Hausten zerschlagen die Luft und getobt und gerast, dass mau musste taub werden von Spektakel. Um sich zu verschaffen etwas Ruhe, hat der Doktor wie in heiliger Andacht seine Augen verdreht und das hat er gemacht so geschickt, als hätte er es geübt schon viele Jahre. Indeed es ist geworden ziemlich still und Herr Christian Schmul hat ן gesprochen zu dem Volke: ״Brüder, ich bitte cuch: seid nicht

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