Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1903)
- Date
- 1903-11-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 47, JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 507. Galling«(!. Am Sonntag, 25. ükt. konstituierte sich hier eine Zion. Ortsgruppe mit etwa 50 Mitgliedern. In den Vorstand wurden ,gewühlt: Direktor Rossmann als Präsident, Jos. Neuburger als Kassier, Kassier Otttnhcime r als .Schriftführer und Rechtsanwalt Bloch, Konstanz, a'.s Beirat. Herr Rechtsanwalt Bloch referierte in zweistündiger Rede über den 6. Zionistcn-Kongrcss in Basel, seine subjektive»! Eindrücke und Gefühle geschickt mit den objektiven Tatsachen verbindend. Reicher Beifall dankte ihm. Die Versammlung war mit Herrn Bloch der einmütigen Ansicht, dass der Kongress gut daran tat, die Offerte der Englischen Regierung wegen Ostafrika formell anzunchmen und eine Konimission zur Bereisung des Gebietes zu wählen bzw. seine Zustimmung zur Entsendung einer Kommission gab. Der Bericht der Kommission mag gut oder schlecht ausfallcn, der Zionismus hat aber gezeigt, dass er gesonnen ist, praktische Arbeit zu leisten und besser sei immerhin ein Nachtasyl, mit Weglassung des sclikchteil Beigeschmacks, als gar kein Asyl und Ostafrika schliessc Palästina nicht aus. Im übrigen herrscht hier für unsere edle Sache günstige Stimmung, so dass zu helfen ist, dass wir hier eine bedeutende Zahl Ortsgruppenmitglieder bald aufzuweisen haben. Glück auf! Montag, 16. November, konstituierte veh für dies Semester die Akademische Gruppe der Berlim.r Zionistischen Vereinigung. Man beschloss wiederum, sowohl eine Palastinagruppe wie j eine Schul- und Diskii.ssionsvauppe und 1 i;; Agitaik.nskoinitcc j einzurichten. Zum Vorsitzenden der Pa’.ustmagruppe wurde der in langjähriger praktischer Arbeit in den jüdischen Kolonien | Palästinas erprobte Agronom Dr. S. Soskin, zum Leiter der l Schulgruppe Dr. Max Jtnigman:! gew;!!dt. Alle vier Wochen soll auch ein Vortrag in der Gesatmauppe stattfinden. Es wurde gestattet, dass einzelne Mitglieder nur der Gesamtgruppe angchörter!; doch wurde der Wunsch laut, dass von j diesem Recht nur möglichst wenig Gebrauch gemacht werden j sollte. Als vierteljährlicher Beitrag v. i.rde, wie für die M׳tglicder der Hauptgruppe. 2 Mark Lstg*.:.'.c;/,t, wofür auch die 1 ..Jüdische Rundschau“ geliefert werden sc-!!. Man hofft, dass : die Beteiligung eine bedeutend zahlreichere werden wird, als j sic in der begründenden Sitzung zutage trat. Anmeldungen von Studenten sowohl wie von älteren Akademikern sind an den j neugewählten Vorsitzenden der akademisch-zionistischen j Gruppe. Dr. Richard Locwc. Wilmersdorf. Bruchsalstr. 13. Ins! spätestens Montag, den 22. Novern!* :r 71! richten. Es Ist darin . auch anzugeben, welcher Spezlalgruppc jeder einzelne beiziij treten wünscht. ־; Stettin. Unser freund, Dr. Lewy in Neusfettb, hat in seiner 1 Gemeinde einen jüdischen Litteraturvcrcin begründet, mit ob- : ligatorischer Schckclzalilung.. Der Veiein. in welchem demnächst Dr. Josef-Stolj» über ״Zionismus" sprechen wird, zählt , bereits -15 Mitglieder. — — 1 In der Pommcraoialoge in Sfargardt I. Pomm. wurde ein Vortragsabend über ״Zionismus lind Judentag“ abgchalten. über das Ergebnis ist Ihr Korrespondent leider nicht in der Lage Näheres zu berichten. Jedenfalls regt es sich In Pommern. Leipzig. Die hiesige Zionistische Vereinigung veranstaltete am 18. vor. Mts. eine Versammlung, die sehr zahlreich besucht war. Herr Rechtsanwalt Heine, Dessau, ein Nichtjude, der dem Zionismus sympathisch gegenübersteht und der längere Zeit in Reichsdiensten in Ostafrika tätig* war. unterzog sielt in liebenswürdigster Weise der Miilie, uns einen Vortrag über O s t a f r i k a zu halten. Er schilderte Land und Leute, die besonderen klimatischen Verhältnisse und Beschaffenheit jener Gegend imd verhehlte aber auch nicht die verschiedenen Gcfahren, die da harren. Trotzdem glaubt er aimehtnen zu diirfen, dass der den Juden angebotene Landstrich sehr günstig und für Europäer doch geeignet sei. Es sprach hierauf unser verehrter Delegierte 8c. Ehrwiirden Herr’ Rabl׳. Dr. Nobel, Leipzig, über den Verlauf des Kongresses und in lebhaften färben schilderte er die Begebenheiten und die wichtigen fragen. d:c ihn jetzt bewegten. Er entwarf verschiedene Kongrcsshilder. lohte den edlen aufopfernden Idealismus der Neinsager und die Uchcrzcngungstreiic einer jeden Richtung. Er verbreitete sich über die allgemeine Lage des jüdischen Volkes und schloss mit der dringenden Aufforderung, dein Zionismus als der einzigen zielbewussten indischen Bewegung beizuu'efem Last not least erstattete Herr Rechtsanwalt Dr. Ascher, Dessau, unser Mitdelegierter beim K״ngress, Berieht iirer Dr. Er. Oppenheimers Siedelnngsprojekt. In klaren Ausführungen vermittelte er den Zuhörern der! k'»>!o״isa:innsplan des geschätzt*.»» Sozialpoktikers und mit grossem Interesse folgte mau trotz des Vtelgeimtencn den schönen Worten des Redners. Reicher Beifall lohnte die Herren Referenten für ihre Ausführungen. Die Diskussion dauerte bis 1 Uhr. M.׳i!u׳c Herren traten der Vereinigung als Mitglieder hei. Es wurde beschlossen, Dr. Nobel ins Goldene Buch eim/uiragen. Ostrowo. Am Dienstag sprach im Verein für jud. Gesch u. Lftteratur Herr Dr. Albert Goldberg - Neuenahr über ..Wesen und Bedeutung des Zionismus". l:n Anschluss an Je!. :sere!!»ist Be* tiven \ ort. e.;ung I •- die Jude;! hv$f>n Jvrs er״; Westeuropas Lei ׳ci erkannte d;'usserorü; denn;:’!׳ u fand eine lebl.aite Diskussion statt. D: .. .v ״v. ...... bincr Dr. freund in wärmsten Worten den belebe׳*den und erhebenden Einfluss des Zionismus auf die jüdische Jugend an. die er selbst zu beobachten Gelegenheit haue. Er hob liervur. dass jeder religiöse Jude das Ziomddeal ].oJ-iiaUen müsse und an der Erhaltung der Juden als Nation arbeiten .müsse; wen», er um! andere traditionelle Rabbiner siel! bislang der zior.ist־׳ sehen Organisation nicht «;»geschlossen hatten, so liege das an der mangelnden Forderung der rein religiöser. Interessen. Bei Erfolg des Abends war die Begründung einer zionistische;! Ortsgruppe, der sofort 18 Mitglieder beitraten. Es wäre sehr wichtig, dass die Organisationen in den Mituisiüdten, in denen ein wirklich reges Interesse h'ir den Zionismus einmal wachgerufen ist, auch die gehörige Unterstützung von seiten de; Von Judenfaulheit, Judentücke, hier. ן Wenn also sich dein Volk aufs neu gefunden, j Und du im Iiebgeword’nen Land willst bleiben,! So bleib. •Sei überall die Zierde deines Volkes. j Doch sag, ist’s heut Verdienst schon, wenn du bleibst? 1 Du senkst dein Haupt. Heil dir, dass du noch fühlst! Die Schmach. Wo willst du hin? Wo immer In jedem Land du nur geduldet weilest, Trotz der verbrieften Rechte nur geduldet. j Bist überall zu Gast, daheim docli nirgends.! Freiheit (beiseite): j Wie ich den liebe, der so unentwegt. j Die Wahrheit schaut, und also stolz erträgt.! Zionismus (zum Juden): Du sagst, du liebst dein zweites Vaterland. Was aber sagst du, wenn so ein Patron Dir sagt, du liebst es, weil du musst — j Doch wenn einst Zion blüht, d i e Heimat winket, j Und du, die alte prüfend überblickend, I Dann rufst: ich bleib. Auch hier noch bin ich Jude, j Gehör’ zu jenen, deren Ahnen einst; Der Welt die Lehren gaben, die noch herrschen, j Und rufst: Ich bleib. Hier wurzle ich zu fest j Mit tausend Banden, Pflnn bleib ruhig hier, 1 Du hast aus eigener, freier Wahl gewählt, Du bleibst als freier! F reiheit: O, süsse Laute hör’ ich, stolz und kühn! Jude: Mit aller Macht ziehst du mich zu dir hin, Die alten, morschen Knochen neu belebt. Sie fühlen mit, was du so stolz erstrebt. O, dass dies doch gelänge! Wollt sichs fügen, Dass du gehört in Juda, und wirst siegen. Freiheit: Nicht zweifle, Alter; glaub’ aij ihn in Treue. Wenn solches Denken sich euch zeigt aufs neue. Und wenn in Juda Männer sicli gefunden Für diese Sache, muss es noch gesunden, Dann kann’s nicht fallen, kann nicht uniergeh’n Wird sich ermannen und auf's neu ersteh’n. Jude: O, dass ich diesen Tag dürft’ schauen, Da sich der Morgen rötet nach der Nacht, Dass ich mit dir darf an der Zukunft bauen, £)arf hoffen, dass ein Juda doch erwacht, . Das ist.