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Jüdische Rundschau · 1903-11-20 · Heft 47 (20.11.1903) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 47 (20.11.1903)
Date
1903-11-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 47. jüdische Rundschau. Seite 505. lästige Judcneinwauderutig aus dem Osten zu verhindern; in Frankreich, dein Laude der humanitären Gesinnungen, hat der Dreyfus-Skandal einen wilden Judenhass entfacht; und wie behandelt man Uiis 41» unserem eigenen Vatcrlandc, in Deutschfand? Man lehrt'es ab, mit uns gesellschaftlich zu verkehren, und das hundert Jahre, nach dein in Berliner jüdischen Salons die Spitzen der Gesellschaft verkehrt hatten. Man beschimpft uns in Zeitungen, in öffentlichen Versammlungen, ab und zu auch auf den Strassen und Verkehrswegen in der gemeinsten Weise, man schliesst uns aus Vereinen und Verbindungen aus, man sperrt uns den Zugang zu den StaatsSnitcm, und man verweigert uns die Ehren der militärischen Laufbahn. Ja, cs ist dahin gekommen, dass öffentliche Bestrebungen, seien sic pol!־ tischcr oder anderer Natur, allein dadurch kompromittiert werden können, dass Juden an ihnen mitarbeiten. Aber mit all diesem ist das Wesen unserer Lage noch nicht liinlängüch gekennzeichnet. Dass man unsere Mitarbeit an öffentlichen Bestrebungen nicht gern sieht, mag manchen Ehrgeizigen unter uns kranken, aber wir können uns von den öffentlichen Angelegenheiten zuritckzichcu, dass mau uns gescllsehattlich missachtet, ist für ein feines Empfinden bitt.r, alicr wir sind glücklicherweise in der Lage, uns aut uns selbst beschränken zu können. Dass 111:1:1 uns :•!•er 1 ei der Besetzung der Staatsämter übergeht, darin liegt eine grosse Gefahr, die deutlicher zu erkennen ist. wem! bedenkt, dass es Kreits grosse industrielie und komnierzi: Me L'11terue!mm,;.;e11 gibt, du grundsätzlich keine Juden als Mitarbeiter aui'ncinr-en. Eine Betrachtung unseres wirtschaftlichen Lebens zeigt, dass allmählich immer mehr wirtschaftliche Bvtnefe, sowie sie einen genügend grossen Umfang erreicht haben, aus privaten in öffentliche Verwaltung über gellen, («der. wenn sie im Privitha- ^sitz verbleibe!!, doch einen öffentlichen Charakter annchincti. Die ganze Zukunft der wirtschaftbc'iuu Entwickelung liegt nid! dieser Richtung hin. Wie nun, wenn die Juden immer mehr von diesen Berufen abgeschlossen und ihnen gerade die höheren Laufbahnen versperrt werden? Dadurch sind wir in der Grundlage• unseres Lebens, in unserer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Wir müssen furchten, wie einst im Mittelalter, zu wirtschaftlichen Zwischenexistenzen degradiert zu werden, und das wäre unser sozialer und moralischer Untergang. Es ist das eine Gefahr, die vielleicht in der Gegenwart noch nicht ihre volle Schwere entfaltet, die wir aber langsam heramtahen sehen. Doch ich will mich nicht länger in uufruciubareu Klagen ergehen. Sie waren notwendig. Hin den Emst unserer Lage zu zeigen und erkennen zu lassen, dass wir von seiten der europäischen Völker nichts zu hoffet» haben. In Ländern, wo wir sehr gering an Zahl sind, wird man uns vielleicht stillschweigend dulden, wo wir aber durch unsere Menge auffallen, wird man uns energisch bekämpfen. Kein kulturelles Fortschritt wird die Völker davon abhaltcn, im Gegenteil, mit wachsender Kultur hebt sich das freiheitliche und damit natiouale Empfinden eines Volkes, und gerade das erst entstehende, noch schwache nationale Empfinden, wie es zur Zeit in Deutschland verbandet» ist, verträgt noch weniger als das befestigte eine iremJrassigc Beeinflussung, wie sie von den Juden ausgeht. -- Unter dem Druck der geschilderten Verhältnisse nun hat sich, besonders in dem letzten Jahrzehnt, von einigen westliehen׳ luden ausgehend, eine Gcistcsrichtuug entwickelt, die in immer weitere Kreise der Judenheit dringt, und die geeignet ist, das ganze Volk mit einem neuen, einheitlichen Streben zu erfüllen. Diese Richtung, die moderne n a t i o* n a! j ü J i s c 11 e Bewegung, bricht energisch mit jener Autf;׳sst1!’g, dass cs!;ochste Aufgabe der Jude;» sei. sich vollkommen den Völkern anzupassen, unter denen sie leben, sie betrachtet es im (׳egenteil als ihre höchste Aufgabe, die E i 11• I! c i t der j ii J i s e h e 11 (ics a m t h e i t zu wahren, und dumit stellt sie sich au: eine historische, natürliche und gesunde Grundlage; denn zu allen Zeiten hat da* j ii d i s c!1 e Volk nach Einsicht gestrebt, nach geistiger wie t c r r it o r i a I e r Ei 1111 c נ t. ' Wenn wir mm die Verhältnisse unserer Zeit aufmerksam betrachten, s׳< linden wir, dass sic, wie schon seit langen Jahrhunderten nicht, günstig liegen »iir die Verwirklichung dk-cc* Strehens. Ein grosser Bruchteil der JmLnheii, eben die westeuropäischen Juden, haben •genügend politische B׳.*wcgv.!rgsft׳ciheit, um jüdische Angelegenheiten ungehindert verfolgen zt; keimen, und sie sind in einer wirtschaftlich günstigen Lage, s* dass sie genügend Männer haben könnten, die mit Einsicht und Hingabe ihrem Volke dienen. Zu dieser günstigen Situation kommt noch die grosse technische Vervollkommnung der Ktiltur hinzu, die cs ermöglicht, Unternehmungen, an die frühere Geschlechter nicht einmal denken kernten, zu einem glücklicher. Ende zu führen. Die räumliche Trennung der Massen ist mein mehr wie irr!her ein unüberwindliches Hindernis iiir ihr einmutiges Zusammenwirken, die zivilisierte Gesetzgebung tnoderner Staaten und die reiche Entwickelung des Geldwesens gestatten cs heute, grosse finanzielle Mittel sicher auf einen Punkt für die Zwecke des jüdischen Volks zu vereinigen, die Z i ס n i s n» 11 s: Der Juden Zukunft bin ich, Und Zirmismus hat man mich genannt. Das, was sie trennet, scheidet, will ich binden; Das, was ihr edler Teil ersehnt, will ich erfüllen; Vernehmlich will ich rufen; Seid euch treu! Soll so der Juden Schicksal enden, wie es drohet, So schmachvoll, kraftlos, ohne Gegenwehre? Erwachet, streitet, denn es gilt die Ehre! Jude: O sprich, wie willst du dies Ziel erreichen? Zionismus: Zur längst verlornen Würde will ich wieder Der ganzen Judeusehar verliehen. Ja. zur Würde — Es soll das Auge wieder heller strahlen. Wenn sie bekennen stolz; Ich bin ein Jude! Und alle will ich lösen: West und Ost. Die dort •m Osten schmachten und versiegen, Die kann doch nicht W o 1111 ä t i g k e i t erretten. Und wenn man’s noch so opferwillig meint. Es schmachtet doch ein Volk. Ein ganzes Volk, Dem alles man genommen, alles, alles, Die Menschenrechte, Kraft und Satt und alles. / ן Jude:; So bessert sich, durch unsere Liebeswerke, Nicht mählich dennoch dieser Armen Los?; ׳ ' . : ן ' Zionismus: Was niitzt’s der Zeder, die in» Süden blühte. Und die man in den Nord grausam verpflanzt. . In dürres Erdreich, statt des fernen fetten, | Was niitzt's der Zeder, wenn man wirklich sie; Von Zeit zu Zeit mit etwas Wasser tränket? j Muss sie in einem Erdreich nicht verkümmern; Das tausend giit'gc Quellen rings tnnspülen, i Es untergrabe״, und die letzte Kraft! Aus dem schon halbverdorrteit Baume ziehen?; Da hilft nur eines noch: hinaus, hinaus!; Lasst sie in neue, bess’re Erde pflanzen, i In eine Erde, die ihr lieben lerntet, j Den artneu, ach so sehr gequälten Baum.! ן Und solchem Baume gleicht das arme Juda, ' 1 Das dort im rauhen, rohen Ost verschmachtet. I Wo cs in Freiheit herrlich blühen könnte, :! Mitscliatien an der Menschheit hohen Gütern, j Für die sie einst, in grauer Vorzeit schon, 1 Ihr Blut vergossen vor der ganzen Welt. ׳c

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