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Jüdische Rundschau · 1903-11-20 · Heft 47 (20.11.1903) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 47 (20.11.1903)
Date
1903-11-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 004. JJ^DI_SCHf# RUNDSCHAU. No, 47. das Ergebnis der Expedition ausfallcn wird ־— wir werden alles äufwenäen müssen, um unsere Organisation intakt zu c rh ä I te n. — --- Es licisst wirklich recht wenig Logik hei uns voraussetzen, wenn man unsere Organisation untergräbt, unsere Leitung in den Staub zieht und uns dabei fortwährend versichert, dass cs nur zum Besten der Sache geschehe. Qcradczu komisch aber äst cs und traurig zugleich, wenn mau unter dem Vorgeben, eine Hurrahstimmung zu bekämpfen, mit Bedacht ijaran geht, alle massgebenden Faktoren unserer Bewegung der Autorität zu entkleiden, deren sie zu einer glücklichen Vollführung unseres Planes bedürfen. Es mag sein, dass das alles zum Besten einer Sache geschieht. Zum Besten der z i o 11 i - s t i s c h e n sicher nicht. Und deshalb, wenn schon aus keinen anderen Gründen, deren es Ja noch einige gibt, wie ich meine, ist jeder Versuch, unsere Leitung herabzusetzen und unsere Organisation zu spalten, ein Attentat auf unsere Bewegung und nach meiner Überzeugung auch ein Attentat auf das Wohl ungezählter Menschen, denen diese Bewegung Rettung und eine gesicherte Existenz. Freiheit und Kultur zu bringen berufen ist.“ Hede Lei der Semesterfeier des Vereins Jüdischer Studenten in Charlottenburg. Von cand. ing. Majerczi'<. Sehr geehrte Herren Gäste, liebe Bundcsbriidcr! Her V c r e i n Jüdischer St u d e 111 e n z u C h a r- 1 o 11 e 11 b 11 r g •ist ein Glied des IJ. J. C., des Bundes Jüdischer Korporationen, der die Vereine Jüdischer Studenten zu Berlin. Breslau, München. Charlottenhurg und Strassburg umfasst. Der B. J. C. soll, wie cs in dem Tcndenzparagrapbcn seines Kartell- Statuts aiisgedrückt ist: ein Sammelpunkt aller Jüdischen Studeinen sein, die sich bewusst als Jude!! fühlen und an der Ent- Wickelung lebendigen Judentums Anteil nehmen wollen. Gestatten Sic mir nun. Ihnen in Kürze anzudeuten, welchen Bc- Strebungen der ׳B. J. C. dienen will und \vclche Verhältnisse* zu diesen Bestrebungen Anlass gegeben haben. Wenn wir die heutige Lage der Juden in West-Europa vergleichen mit der Lage der dritten und vierten Generation, die vor uns lebte, so müssen wir zunächst feststellcn. dass das, was Jene Geschlechter vornehmlich angestrebt hatten, ihre rechtliche Gleichstellung mit den übrigen Staatsamgeliörigen verwirklicht ist: in allen zivilisierten Staaten sind die rechtlichen Unterschiede zwischen den Juden um! den ן übrigen Bürgern beseitigt. Aber die Hoiftumgcn, die sicli an die Erreichung dieses Zieles knüpften, dass der G I c i c h b ercchtigung auch die tatsächliche Gleichstellung folgen würde, haben sich nicht erfüllt. Die Juden glaubten, { wenn die höchste Gewalt, der Staat, sic als V o 11111 e n s c h c 11 I betrachtete, würde die Nation nicht zögern, ihnen diejenige! gesellschaftliche Achtung cntgcgcnzubringen. die sic : wirtschaftlichen und geistigen Stellung nach beanspruchen j durften. Dieser Glaube erwies sich als ein Irrtum. Die F.reig- 1 nisse der beiden letzten Jahrzehnte haben cs wieder einmal ■ bis zur Greifbarkeit deutlich erwiesen, was das jüdische Volk , seit so vielen Jahrhunderten so oftmals hat erfahren müssen. ■ dass niemals, so lange die Juden in grösserer Anzahl unter frem* . den Völkern leben, sie von diesen als gleichberechtigt ange- , sehen, geschweige denn in ihrem Streben gewürdigt und in ihren Leistungen anerkannt werden. Was die Juden West- : Europas iiir die Kultur und den Fortschritt der V״l*a••, imte: t'enc:1 sie leben, geleistet haben, übertrifft um **in Vieb'1;:1e׳». was sie ihrer Zahl nach hatten, zu leisten brauchen, um als 1 gleichberechtigt angesehen zu werden. Jahrzehntelang haben j sie ihre besten Kräfte, ihre genialsten Männer eingesetzt für j das Wohl des Landes in dein sic wohnen. Das Wort Gabriel? Riesscrs: wenn man ihm auf der einen Seite die Einhe:t; Deutschlands, aut der anderen die Emanzipation der Juden böte, er würde die Einheit Deutschlands wählen, ist typisch für die Denkweise, die die meisten westlichen Juden beseelte und ■ noch beseelt. Was hat nicht unser Dichter H e i 11 r i c h Heilte für die deutsche Litterauir getan, indem er die deutsche Sprache tonenwickelte, und dazu beitrug, dass der Rubin der deutschen Dichtkunst über die ganze Erdkugel sich verbreitete? Was verdankt nicht England seinem Staatsmaime D israeli? Was bedeuten nicht für Frankreich Männer wc G a!11 h e i t a.') C r e ni i e u x und S ו m יו ״. d:c Fh! d.s Landes retteten in einem Augenblicke, als es fast zu Baden geschlagen war? Und n!t diese Namen Lesse sich noch eine lange Reihe nicht minder heriihmter anschliesscn. Mussten nicht die europäischen Völker Achtung empfinden vor einem Volke, das nach Jahrhundertelanger Schmach binnen wenigen Jahrzehnten *11 so tüchtiger Weise an den Kulturwerken mitarbeitete? Und wie stellen sich die europäischen Volker! ••:!!׳ in Wirklichkeit zu den Juden Englands, das gepriesene Land der Freiheit, erwägt ein Fremdcncmwandcrungsgesetz, um die *) üamhcttu war kein Uide und ntieli nicht jüdischer Abktmit. (Red.) Jude: O tausend Dank, dass du mir noch erschienen, Und heut* erschienen an der Freiheit Fest. Mein ganzes Leben war nach dir ein Sehnen, Nun bist du nah, so nah. Mit meinen alten, Mit meinen zitternd alten Händen kann ich noch Dich greifen, fassen, und wohl fest auch halten. Freiheit: Mit niehten, Alter, so ist's nicht gemeint. Durch leeres Jammern, und sich — selbst - beklagen | Erringt man nicht dies köstlich hohe Gut. In tatenlosem Seltnen hat man mich Zum bleiben nie zu zwingen je vermocht. Ich will errungen sein, und nicht ersehn t. Rafft euch doch auf. Rafft eure Jugend auf, 'Denn die verfault! J u d e (vernichtet): Es war ein kurzer Trautu, Der mich gefangen nahm, als .ich dich sah. Er ist vorbei, da du die Jugend rufst: Auf sic häb* längst Ich schon verlernt zu schauen Ich kann auf uns’rc Jugend nicht mehr bauen. Freiheit: O, dass ich redete mit tausend Zunge n, . Aut dass ihr brennend fühltet eure Schmach Und euch errafftet. Noch ist nichts verloren. Jedoch, ihr zögert lange, Juden, lang. Gebt acht, ihr Juden, dass nicht ־allzulange Ihr zögert. Und darum hört es wohl: Mit kläglichem Ersehnen ist es nicht, Ist nichts getan. Hier gilt es mehr. Durch edle Tat nur werde iclt gelöst. Nur, wer in edlem Streben mich bezwungen, Nur der hat fest und dauernd mich errungen. (Freiheit will gelten. Zionismus, der rasch eilige treten und die letzten Worte noch gehört hat): Halt ein! •Freiheit: Wen suchst du, Fremdling, sage? Zionismus: Dich! Dich, die ich glühend liebe, suche ich. O, lass aii deinem Anblick mich heut* weiden. Lass mich an_ dir berauschen, Kräfte schöpfen. Denn Kräfte braucht es für das hohe Ziel. Freiheit: Wer bist du denn? I I 1 *

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