Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1903)
- Date
- 1903-11-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 47.־־ JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 503. gestatten, von dem Ucbcrschuss auch etwas den östliehen Juden abzugeben, ״welche nicht einmal mit uns essen wollen‘‘. Einen Augenblick! Warum gerade die ״östlichen“ Juden? Wenn der Umstand, dass sic sich weigern, mit uns zu essen, das Trennende ist, so muss doch Herr Dr. Meyer — oder wenn es aui ihn nicht zutrifit, jedenfalls jeder nicht religiös lebende deutsche Jude auch den deutschen Juden sich fremd fühlen, die nicht an seinem Tisch essen wollen. Er wird also auch diese von seiner Mildtätigkeit ausschliessen! — Bei dem nächsten Kischiuew aber wird Herr Oskar Lehmann nicht mehr vereinzelt stehen, wenn er nur für die Opfer, welche seiner religiösen Richtung angeboren, sammelt. Ich hoffe, weder Herr Lehmann, noch Herr Dr. Meyer werden cs mir verübeln, wenn ich in ihnen ver־ wandte Seelen entdecke. Das Ostafrikanische Projekt des VI. Kongresses. IV. Id No. •Hi der f,\Y 11 *.׳" nimmt in einem Leitartikel ״Weg lind Ziel" der jetzige CheireJaktcur Dr. Sicgnitind W e r 11 e r das Wort zur Gstafrikafrage. Einige seinen Standpunkt bc* zeichnende Stellen sollen hier wieder gegeben werden: ״Die Diskussion über die Frage, ob das Angebot der englischen Regierung an/.tincbmcn sei, setzte alsbald nach dem Kongresse in den zionistischen Vereinigungen und i:1 der zionistischen Presse mit aller Lebhaftigkeit ein. Und bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, von welchem hohen sittliehen Ernst, von welcher innigen Begeisterung für das Wahl unseres Volkes fast überall diese Beratungen getragen waren. Fürwahr, gerade bei dieser Gelegenheit hat es sich wieder auf das Glänzendste gezeigt, welche Fülle von ernstem Wollen und hingebungsvoller Volkslicbe in der zionistischen Organisation vorhanden ist. Natürlich hat cs, wie es in erregter Zeit nicht anders zu erwarten war, auch au einigen Verstössen nicht gefehlt. So lange es sich um sehr vereinzelte Fülle solcher Leute handelte, die sich von jeder Verantwortlichkeit frei glaubten, war gegen solche Entgleisungen nicht viel zu sagen. Das konnte und musste ignoriert werden, Anders aber ist es, wrem1 man nunmehr versucht, in unsere Organisation mit Bewusstsein einen | Keil zu treiben. Das ist ein Vorgehen, dem von allem Anfang j an entschieden entgegengetreten werden muss. Ich rede Wer | nicht von den Versuchen Aussenstehender, denen die Gelegen- י heit günstig scheint, sich als Palästinafreunde echtester Couleur aufzuspielcn. Das sind Mätzchen, die sich immer eingestellt haben, wenn diese Leute Unfrieden witterten. Kein Wunder, i dass sie auch letzt, wo die Ostafrika-Kontroverse die Gemfiter erregte, die Gelegenheit wahrnehmen wollen, um ein paar ■Gimpel auf ihren recht dicken Leim zu locken. Es hat uns auch weder gewundert noch sehr erschüttert, dass sich zur j* Rettung der angeblich aufgegebenen Palästiiiaarbcit Leute dei verschiedensten Richtungen zusanunengetan haben und das•. | man an die N'ctigrfindting von Palästinavereincn geht. Dieses an sich sehr erfreuliche Bestreben wird hoffentlich trotz de»־ Diskreditierung durch seine jetzigen Initiatoren für diese Arbeit wieder einige bisher Indifferente gewinnen, die allmählich schon seihst den richtigen Weg finden werden. Viel schärfer aber müssen wir die Anrempchnigcn beurteilen, die von erregten Gesinnungsgenossen selbst ausgel.en. Ich persönlich darf diese Vcrstössc umso eher tadeln, w e i 1 i c ii a u s m einen Bedenken gegen das Osta f r i k a p r o j c k t nie ein Hehl g e macht habe, wenn ich auch aus den oben angeführten Gründen auf dem Kongresse unter den sogenannten ״Jasagern“ war. Meine Bedenken sind seit dem Kongresse nicht kleiner geworden u 1! d i c 11 habe alle A n - s t r c n g u n g e n freudig b e g r ü s s t, die die abs 01u t e Intaktheit unseres Baseler Pr o g r a mnies sichcrgestelit!1 a b eji. Das hat aber weder mich | noch meine engetcn Gesinnungsgenossen jemals zu dem Glauben verleitet, wir dürften die Grosse unserer Organisa- 1 tiou irgendwie antasten. ן Unsere Gegner jubelten 1 ach dem Kongresse, dass es nun- | men־׳ zu einer Spaltung in Zionismus komme» müsse, ihre | Schuld ist cs nicht, wenn die Gegensätze zwischen Afrikafreiin־ | den und Afrikagegnern — man hat das in Palästina- 1 freunde und P a 1 ä s t i n a gf c g n e r u nt gelogen — nicht viel schärfere sind als bisher. Wir haben wahrhaftig keine Ursache, ihnen irgendwelche Handlangerdienste zu leisten. Unser Ziel aber war immer klar und wird!icüeutllch immer י klar bleiben: Die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gcsichcrj ten Heimstätte in Palästina. Dieses Ziel werden wir nur mit! Hilfe einer grossen, kräftigen, angesehenen Organisation erreichen. Wie immer sich die Ostafrikasache daher auch gestaiten möge — cs ist ja überhaupt noch gar nicht sicher, wie Sich. Wohin ich schau: es geilt zu Ende, Juda. Und icli bin alt und miid! Lasst mich die Bibel nehmen Und in die Ruhmestage mich versetzen. Das gegcnwärt’ge Leid dabei vergessen, In alten Zeiten lesen, leben, träumen. (Er schläft langsam ein.) (Musik setzt langsam ein und geht allmählich in die Melodie des jüdischen Freiheitsliedes über.) Die Freiheit: .fährt sich die Chanukahzeit, Ziehts mich hin zum Judenleid; Doch, wo man mich glühend heiss Einst geliebt, als höchsten Preis Mich erstrebt, um mich gelitten, Mich in heissem Kampf erstritten, Kennt man mich nicht. Jagt, 0 Schmach, Heut’ doch’ nicht ״Phantomen“ nach! Aengstlich schont man seine Kräfte, Seine schwachen Lebenssäfte, Ob's auch Knechtesieben wäre. Heut’ gibts Höheres noch als Ehre! Sie, die sonst mir angehangen, Die um mich stets jauchzend rangen, Jugend, die mir stets ein Hort, Seil’ in Juda ich voll Bangen Nach in i r tragen kein Verlangen, Opfert andern Göttern dort. Jüd’sche Jugend, zum Erbarmen, Will an Freiheit nicht erwärmen, Wciss heut nichts von freiem Fühlen, Strebt nach andern Lebenszielen. — Und die Alten? Wohl nicht säumen, ‘ Sic von Freiheit leis zu träumen, Bis sie — gleich liier diesem Braven —- So die Zeit zur Tat — verschlafen! Sie, die Freiheit kühn umwarben: ־־ Juda’s Heldensöhne starben. (Zum Schlafenden gewendet): Wach auf, du Schläfer, wenn die Freiheit winket. Du kennst mich nicht? Ich glaub’s: ein langes Ghetto Hat euch den Blick getrübt, mich zu erfassen. Jude: Wer bist du, sprich, 0 hehre Lichtgestalt? Freiheit: Die Freiheit bin ich! Sie, die euch entschwunden, Die ihr bis heute nicht zurückgefunden.!■iHiupmr