Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1903)
- Date
- 1903-11-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2651273-2651289-2651335--00838-2657651- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 502. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 47. dene Zufluchtsstätte; sie stören niemanden, verlangen | von Niemandem etwas, als dass man sie ruhig zu ihrem | alten (Jotte beten lasse, — und nun will man sie selbst dahin verfolgen.-* Herr Pobedonosccw hat Schule gemacht!! Ucbcr die Verschiedenheit der Riten soll hier nicht gehandelt werden, — nur darauf sei hingewiesen, dass die willkürliche, Hannover Gottlob fremde Reformsucht in vielen Städten Deutschlands Gotteshäuser mit nicht im geringsten verwandtem Gottesdienst geschaffen hat. — Haben auch diese Gemeinden nichts Gemeinsames? Die Verschiedenheit der Riten wäre nicht so I trennend, — es gähnt ein viel weiterer Abgrund als! zwischen den Griechisch- und den Römisch-Katholischen : zwischen dem M c n s c 11 c n t u m des Herrn Dr. Meyer und dem in den Lehren des Judentums vertretenen. - Ich weiss nicht, ob Herr Dr. Meyer gar nichts Gemeinsames fühlt, wenn er dem russischen Juden gegenübersteht. -- Ich weiss und bekenne es gern, dass ich im Stiibel der armen russischen Juden in Hannover manchen guten Freund gefunden habe und dass dort mein Herz bei weitem öfter sympathische Regungen verspürt hat als in mancher gebildeten Gesellschaft jüdischer oder auch unjüdischer Westeuropäer. Herr Dr. Meyer geht nicht soweit, jeden zu verurteilen, der für die Kischinewer Opfer den Beutel auftut, — wennschon nach seiner Auffassung die armenischen Greuel tausendfach schlimmer sind. — Kr bemerkt aber ganz richtig, dass alle diese kleinlichen Hilfsaktionen nutzlos sind und auf die Dauer nur dein Eisenbahniiskus Gewinn bringen. Als ob Herr Dr. Meyer zionistische Versammlungen besuchte!! Pas ist cs ja. was wir predigen! — Und deshalb schlagen wir ein besseres Mittel vor. Also jetzt wird Herr Dr. Meyer unseren Vorschlag diskutieren!? Kr denkt nicht daran; er resigniert! Da es doch nichts hilft, was wir bislang getan, stecken wir die Sache auf! Mögen die russischen Juden untergeben, wenn sie sich nicht selbst helfen können. Wir wollen nur dafür sorgen, dass wir unbelastigt von den Flüchtlingen aus dem Osten bleiben und unseren grossen Aufgaben leben. Und welches sind diese Aufgaben? ״— dafür Sorge zu tragen, dass die besseren Familien, welche Bildung und Besitz repräsentieren, beim Judentum bleiben.“ Und wie diese Aufgabe lösen? Darüber schweigt sich der Herr Verfasser aus! — Er stellt nun fest, dass die Söhne jener Familien zum Taufbecken schreiten. Er behauptet, dass der östliche Nachwuchs minderwertig sei und dass die fortwährende Einwanderung die natürliche Entwickelung hintanhaltc. - Es scheint, dass die Zunahme der Taufen in deutschen Familien auf die Zunahme der Einwanderung aus dem Osten zurückgeführt werden soll. Diese Logik ist unergründlich!! Nach langen vergeblichen Bemühungen glaube ich endlich dazu gelangt zu sein, den Kern des Mc>fer'schc11 Gedankenganges gefunden zu haben. Möglich, dass ich ן mich irre, — auch möglich, dass ich einem imerrclch- [ baren, gar nicht vorhandenen Ideal nacligcstrcbt habe.; Meiner Auffassung nach sagte Herr Dr. Meyer:! Das deutsche Judentum assimiliert sich langsam.! aber sicher. Ohne schweren Kampf, ohne Eclat, in allmählicher Entwickelung schreiten wir zum letzten Akt, zur Taufe. In einigen Generationen gibt cs keine ge- I bildeten Deutschen jüdischer Religion. -■ Nur die vom : Osten einwandernden Juden stören uns. Darum die Tore zu! ״- Lasst uns unseren Weg geben! — Damit aber das Judentum erhalten bleibe, halten wir Euch in Eurem Ghetto zurück, - wo Ihr vor unseren schädlichen Einflüssen, vor der Assimilation sicher seid! — Dem 1 Volke der russischen Juden soll die Religion erhalten bleiben! Der deutschen Juden Zukunft liegt auf dem Wasser!! Herr Dr. Meyer steht dem Versuche, die polnischen Juden heran/.״.bilden, grundsätzlich ablehnend gegenüber. Ganz konsequent!! Auch die russische und die ruinünische Regierung weiss, dass sie die Juden nicht schlimmer treffen kann, als indem sic ihnen die Möglichkeit, etw ns zu lernen, a!).schneidet. Ahlem brauche ich nicht in Schutz zu nehmen. — Der Wert dieser, nicht parteizionistischeu Anstalt ist allscitig so allgemein anerkannt, dass heute keine sachliche Gegnerschaft mehr existiert. Schliesslich kommt dann Herr Dr. Meyer darauf hinaus, dass die Konkurcnz der ,,internationalen Anstaken das deutsche Geld verschlinge, dass iiir die deutsch-jüdischen Zwecke nichts mehr zu haben sei, sondem die Taschen durch die Sammlungen für die russischen und rumänischen Juden erschöpft seien. Sollte der Abwehrverein wieder Geld nötig haben? Erst wenn sämtliche deutschen Juden standesgenuiss versorgt sein werden, — erst dann wird Herr Dr. Meyer Festspiel von Julius Simon-Mannheim. (Ausgeführt anlässlich der Makkabäerfeier der Zionistischen Ortsgruppe Mannheim 1901.) P e r s o’n e n: Ein alter Jude, Die Freiheit, Der Zionismus (in blauer Toga und weissem Unterkleid auf der Brust). Szene: Ein einfaches Zimmer. Abendstimmung. Vorne ein Tisch mit Lehnstuhl. In Hintergrund brennen die Chanukahlichter. Der alte Jude*. Nun leuchten wieder mir in diesem Jahre Der Hoffnung Flammenkerzen. Leuchten, strahlen. — Doch, ach, wie immer mehr die gier’ge Flamme Das Wachs verzehret, bis das Licht erlöschet, Wird mir die Hoffnung stets geringer, schwächer, Bis sie .erstirbt, erlischt — gleich dieser Kerze. Und Chanukah ist heut! Heut sollen alle Sich an der-Hasmonäer Tat entflammen, Die alte Kraft, der alte Stolz sollt’ wieder Wie einstmals mächtig uns’re Adern schwellen. Wir sollten uns, wie einst die Ahnen lehrten, Auch heute wieder auf uns selbst besinnen: Doch, schau auf uns’re Jugend ich voll 1!offen. Kehrt leer mein Blick zurück, umsonst entsendet. Und ich bin alt. Bald senkt man mich ins Grab. Die cig’nen Söhne, die als Vaters Erbe. Des Vaters trutzen Stolz auf sein Geschlecht, Auf seine Almen, auf sein Blut bewahren Und pflegen sollten, sind verständnislos. Sie schielen ja nach fremden Götzen neidisch, Sie buhlen schamlos ja um fremde Gunst. Sie, die auf ihre eigene Geschichte Mit stolzem Finger weisen dürften, suchen Sich dort zu mischen, enge anzuschmiegen, Und sorgen, dass einst nicht das schärfste Auge An ihnen was entdeckt, das sie erinnert An ihre Schmach von einst: ein Jude sein! Und ich bin alt und müd! Im Osten schmachten Die Brüder schmachvoll, unter Frolmenlasten, Und gch’n so langsam, bald entnervt zu Grunde; Und hier im Westen flicht man wie die Pest Den eignen Ruhm, schmückt mit erborgtem Flitter