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Jüdische Rundschau · 1903-11-20 · Heft 47 (20.11.1903) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 47 (20.11.1903)
Date
1903-11-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nadidcm Herr Dr. Meyer die sehr vernünftigen Be- Strebungen zur Hebung des Handwerks unter den Juden du reis seine unglückliche Befürwortung uaeli Kräften gcschädigt hat. geht er zu seinem eigentlichen Thema über. Kr will beweisen, dass wir deutsche Juden weder in religiöser, noch in nationaler Gemeinschaft mit den Juden des Ostens stellen und will dem Zionismus einen tot- Helfen Stoss versetzen. — Kr exemplifiziert dabei genau auf hannoversche Verliältnisse, und vielleicht ist es auch in erster Linie auf die überaus schnell und kräftig aufgeblähte hannoversche zionistische Vereinigung gemünzt. Gewisse Anzeichen lassen nämlich darauf sehliesscn, dass man dort glaubt, dass gerade der gegenwärtige Moment besonders geeignet sei, um noch einmal einen Verzweiflungskampf gegen die Bewegung zu führen. Man rechnet darauf, dass zur Zeit die dortige Gruppe einige führende Persönlichkeiten entbehren muss. Mau dürfte sich verrechnet haben; cs gibt ein Wiedersehen!! — Zunächst ist Herrn Dr. Meyer zuzuerkeimen, dass er konsequenter ist, als die meisten unserer Gegner. Wenigstens bemäntelt er seine Anschauung nicht mit wohlfeilen Wohliätigkcitsphrasen. Er ist radikal und protestiert gegen jede wohltätige Aktion zugunsten luditdeutscher Juden ebenso w׳e gegen eine nationale Zusammenarbeit. ״Das Deutschtum ringt in den Ostmarken einen verzweifelten Kampf mit den Polen. Die deutschen Juden setzen ihre besten Kräfte ein, bringen Opfer an Zeit, Geld und Mühe, um die soziale und wirtschaftliche Lage der polnischen Glaubensgenossen zu lieben und ihnen eine Lebeuiöglichkeit zu verschaffen, die in geordneten Staaten jeder Bürger unter normalen Verhältnissen bei bcscheidenen Ansprüchen sieh selbst ohne fremde Hilfe verschaffen kann.“ Dieser Ausspruch des Herrn Dr. Meyer enthält eine, — wie wir in anbctracht der Ursprünglichkeit vieler Stellen des Aufsatzes aunclimen wollen, — unbeabsichtigte Demmciation: Diejenigen Juden, welche ihren polnischen Glaubensgenossen helfen, sind eigentlich Verräter aut ,Deutschtum.— und ferner die absurde Behauptung, dass die polnischen Juden in der Lage wären, sich in ihrer Heimat ohne fremde Hilfe eine Lebemöglichkeit zu •verschaffen, — mit anderen W orten, dass alle Klagen über den Notstand der Juden des Ostens pure Fabel seien oder dass doch nur die Juden selbst dort ihre Notlage verschuldeten. Das genügt!! .Herr Dr. Meyer hat einmal in Norderney am Jahrzeittage kein Minjan zusammenhringen können. Einige russische Juden antworteten ihm: Wir essen nicht mit Asciikencs! -־ Das müssen merkwürdige Flegel;.,-wesen sein, die sich weigerten, diese ״Mizwah" 7t! er'.״ ■ Ich kann Herrn Dr. Meyer nur versiehe;.;, dass er bei einer Reise durch russisch-jüdische Gemeinden überan auf das Liebenswürdigste aufgenommen werden wird - freilich jetzt -- nach Erscheinen seines Aufsatzes •־■ rate ich ihm, inkognito zu fahren! •— und s •gar am Sabbat allenthalben durch die ihm als Gast /,!!gewiesene Ehre des Mabirsagens in Verlegenheit gebracht werden wird. — In Hannover verfährt mau nicht so; es ist dem ortsfremden polnischen Juden. — der nicht besondere Protektion geiiiesst, -- nicht möglich, auch nur einmal im Jahr, zur Jahrzeit etw a, zur Thora auigerufen zu werden. Es ist ihm, auch w enn er zu Wohlstand gelangt, nicht möglich, seinen Kindern gegen Zahlung von Steuern und Schulgeld Aufnahme in die Religionsschule zu erlangen oder gar Mitglied der Gemeinde zu werden. — Ich kann den Namen eines hocliaelitbaren russischen Juden nennen, der seit langen Jahren in Hannover ansässig war, es zu Wohlhabenheit gebracht hatte, dessen Kinder höhere Schulen besuchten und dessen sehnlichster Wunsch war. Mitglied der Gemeinde zu werden und seine Kinder in die hannoversche Religionsschule zu schicken. — Angesehene hannoversche Juden traten für ihn ein, — darunter der sei. Isak Hirsch! Umsonst! Immer wieder erfolgte die Ablehnung des Gesuches, und am Ende zog es der Herr vor, Hannover zu verlassen und in einer anderen Stadt Deutschlands sein Heil zu versudicn. Mag sein, dass irgend welche Gründe die Gemeinde- Vertretung zu solcher Handlungsweise zwangen. Aber wie soll man das begreifen, wenn jetzt Herr Dr. Meyer dem Vorstand vorwirft, allzu duldsam gegen die fremden Juden zu sein und ihn amfordert, mit Feuer und Schwert auch die Zufluchtsstätten auszurotreii, welche diese Leute aus eigenen Mitteln sich errichtet haben?! — In die ״deutsche“ Gemeinschaft werden die Leute nicht aufgenommen. — dort, wo man sic nicht Jiinnustreiben kann, werden sic mit dem Widerwillen ,ä la Meyer geduldet; sie ziehen sich nach vergeblichen Annäherungen scheu zurück, errichten sich in aller Stille ihre bcschei- %

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