Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1903)
- Date
- 1903-11-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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.מ7*9ייי -*•- י-זיייממז.׳,׳—־ '•״f ■t־;*«iAs «f •«&*,. Seite 496.’ JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 46. zu werden, wo sie ihre Dienstzeit absolvieren müssen. Das : wird angeblich deshalb den Juden gegenüber praktiziert, um i ihnen die Möglichkeit zu nehmen, sich dem Militärdienste zu ] entziehen. Der ״Wilenskii Wiestnik“ bemerkt dazu wörtlich: 1 ״Wenn der Jude sich der Militärdienstpflicht entziehen wollte,! so wäre er Überhaupt zur Stellung nicht erschienen. Wenn j er aber erscheint, warum ihn als Sträfling behandeln? Es ' wäre Zeit, aus Humanitätsrücksichten die schweren Massnahmen den Juden gegenüber aufzuheben/‘ Wir müssen leider konstatieren, dass auch in dieser Beziehung den Juden gegen*! über die Humänitätsrücksichten von Hornel und Kischinew J gelten.! 1 Keine Ruhe linden die Juden in Polen und Russland. Nach ‘ einer Nachricht des Dzjctmik Posnanski fand in Warschau bei ) der Rekruteuaushebung auf dem Rathausc am Sonnabend ein blutiger Zusammenstoss zwischen etwa 500 Juden und dir ' Gendarmerie statt. Auf beiden Seiten wurden gegen 4f* ver* , wundet, mehrere tödlich, zahlreiche Verhaltungen wurden vorgenommen. Die Cholera in Palästina, die im vorigen Jahre so grosse 1 Opfer gefordert hat, ist vor kurzem in Bethlehem wieder zum Ausbruch gekommen, und hat dort etwa 10 Todesfälle im Gefolge gehabt. Die Seuche ist bis jetzt aui diesen ihren ' Herd beschränkt. Doch liegt eine grosse Gefahr darin, dass er mir eine Stunde weit von der Hauptstadt nnd ihrer Armut entfernt ist. Der lllifsverdn der deutschen Juden iiat beschlossen, au die Lämelschulc in Jerusalem ein Lehrerseminar anzuschliessen. Der zu gründe liegende Gedanke, dass die jüdischen Lehrer für den Orient seihst und womöglich in Jaffa oder Jerusalem ihre Bildung erhalten sollen, ist eine alte Forderung, die wir seit vielen Jahren leider vergeblich an die Alliance!sradlitc Universelle richteten. Es wird darauf ankommen, inwieweit und wie der Hilfsverein auch eine geeignete Durchführung auf den geeigneten Entschluss folgen lassen wird.!'■"% t&3s$2*sx^vvssktasa11<tta3a»ms$, lrv| ־׳־/ Sprechsad. Wi Für die Mittdlnrgen an dieser Stelle Obsn'mmt die Redak* | 1 t!on des Blattes nur die pressgesetziiehe Verantwortlichst. h ~^L Noch in den jüngsten Kundgebungen der Jüdischen Orient* Koionisationsgcsellschaft wurde Dr. Franz Oppenheimer als Vor- ' sitzender des Aufsichtsrates bezeichnet, obwohl er bereits H! Tage vor dem Kongress dieses Amt nicdergelegt hat, und noch immer hören wir, nach allem was vorgegangen ist. die Be* j hauptung, dass in der Begründung der J. Ö.-K.-G. ..Oppen-! heimer-Ideen" zum Ausdruck gekommen sind. Demgegenüber | ist es unabweisbare Notwendigkeit, endlich einmal öffentlich; den richtigen Tatbestand fcstzustcllcn. ן Die J. O.-K.-G. beruht auf einem Plan, den Herr Trietsch seit mehreren Jahren entworfen hat und den er bis vor kurze j Zeit als ״Kalifornisches System״ bezeichnete. Erst als die J. O.-K.-G. ,.gemanaget" werden sollte, und man den Namen Franz Oppenheimer als Aushängeschild notig brauchte, wurde der Plan in aller Eile mit einem bodenrefomtcrischen Anstrich versehen, der gewiss niemanden weniger als Franz Oppmheinter getäuscht hat. Oppenheimer ist vielmehr nur als Oenosse mit einein Höchstrisiko von 200 Mark beigetreten, weil er grundsätzlich Bestrebungen unterstützt, die dahin zielen, Juden zur Landwirtschaft zu führen. Weiter wollte er sich mit dem Plane aber durchaus nicht identifizieren, und deshalb erklärte er Herrn Trietsch von vornherein, dass er die Stellung als Mitglied des Aufsichtsrates nur provisorisch solange übernehmen werde, bis eine andere geeignete Persönlichkeit gef u nden sei. Wie wenig Herrn Trietsdis volkswirtschaftliche Ansichten in Wirklichkeit mit ״OpDenheinierschen Ideen“ zu tun haben., wird auch der Unkundige leicht aus der Rede erscln.11 welche er in der Diskussion über Oppenheimers Kongressreferat gehalten hat. Es sei mir gestattet, zur Kennzeichnung auf eine alt״ Anekdote zurückzugreifen: Im SturmiaHre 18J8 gähritc cii auch au den Stamm tischen einer kleineren deutschen Residenz- Stadt. Man wollte nicht zurfickstehen und ebenfalls seine Repub|ik haben. Da trat in einer, die Revolution repräsentiere:!־ den Volksversammlung ein anderer auf, welcher zunächst sehr eindringlich die Republik als die des Staates allein würdig: Verfassung forderte, dann aber fort fuhr: Der beste Rcmibiikancr im Lande ist ja unser guter und gnädiger Grossherzog, und den wollen wir nicht entbehren! Für unsere Verhältnisse passt am besten die Republik mit dem Grossherzog an der Spitze. Er fand stürmischen Beifall, und durch die Gassen hallte der revolutionäre Ruf: ״Wir wollen die Republik mit dein Gjosshcrzog an der Spitze!" Ganz so macht cs Herr Trietsch. Oppenheimer hat in seinem Referat als den Kern seiner Anschauungen die Über- Zeugung entwickelt, dass die grosse Aufgabe mir gelingen könne, wenn mau damit beginnen werde das Volk durch Ackerbau fest mit dem Boden zu verwurzeln. Da kommt Herr Trietsch und erklärt: Ich bin mit dem Gesagten voll und ganz einverstanden, bloss für unseren Fall nässt es nicht ganz. Nicht Bauern brauchen wir zum Anhang, sondern Cigarettenarbeiter. Aber sonst bin ich ganz Opnenhiimerisch. So sahen die ..()noenheimersehen Ideen“ in Trictschsclier Beleuchtung aus. Wie jener berühmte ungarische Baron dun man in einer soirit’stischcu Sitzung die Projektion einer x-hclicbigcii Photographie als den Geist seines verstorbenen Vaters vorfiihrte. erschüttert ausrief: ..Armer Vater, wie ln«t du dich verändert." so wird mein Freund Orme.ilmimer beim Anblick seiner Geisteskinder in der Beleuchtung des Herrn Trietsch wohl wehmütig ausgerin'en haben: Anne Kinder, wie habt ihr euch verändert! Zum Schluss noch eme Bemerkung: Das KLiei.n (Innenhemiers ist keineswegs in aller Eile bestellt worden, um Herr; Trietsch - ..d־v Wasser abzt;grab«־n“ wäre für hl-Arisch deDKziert. also‘ sagen wir: den Wind aus den Segeln zu ׳ rchmen. Oppenheimers allmähliche '״pähertmg an de:׳ Z!׳׳~ : nisnuts hat sich nicht durch Herrn Trietsch. sondern durch : zwenälirigen rceen Gedankenaustausch mit Dr. Her/.l vollzogen, den als Bo-!etirtforr:;er aacel ahnt zu haben, ich als mein 1 bescheidenes Verdienst in Anspruch nehme. S c h c n e b c r g. Dr. E. S i m o n s o n. Von Dr. Sandler-Breslau erhielten wir folgende Er- Klärung: Ich habe in einer Sitzung der deutsch*־!! Landsmannschaft während der Kongresstage erklärt, dass mir vor! dem Antrag der' Breslauer Ortsgruppe, den Herr Trietsch auf dem Delcgiertentage vorgelegt und verte'digt hat, bis dahin nichts bekannt geworden sei. Ich habe nachträglich erfahren, dass der Vorsitzende der Breslauer Ortsgruppe den erwähnten Antrag wenige Tage vor Beginn des Delegicrtentagcs. nachdem ich bereits ahgerest war und ohne dass ich davon Kenntnis erhalten hatte, Herrn Trietsch übergeben hat. Breslau. Oktober 03. * Dr. Sandler. Lustige Ecke. Ä’Ie Jud״n, die in der Politik die Sozialdemokratie als das schlimmste Uebel betrachten, die den Radikalismus der Juden fiir verderblich und für die eigentliche Ursache des geselisehaitlicheii wie Rassen-Antisemitismus halten, werden aufgefordert, sich der neu gebildeten Vereinigung deutscluationaler Juden anzuschlicsscn. Anmeldungen sind zu richten an die Geschäftsstelle der ..Toleranz", jüdische Wochenschrift iiiil deutsclmatioiialc Politik. Berlin NO., Grosse Frankfurter- Strasse 8-1. sowie an die Unterzeichneten Max Jonas, Rechtsanwalt und Notar, Oranienburg. Dr. S. Jaffa. Kammcrgcrichts-Refercndar, Charlottenburg. Herderstr. 7. Th. Wolff Redakteur, Friedrich-Karl- Strasse 33. H. Nehemlas, Schriftsteller, S., Alexandriuenstrasse 66. H. Fuchs, Redakteur, \V.. Potsdamer- Strasse 84. Wir begreifen es ohne weiteres, dass ein Jude um so mehr zum deutschen Nationalismus neigt, je kürzer die Zeit ist, seit der er durch Naturalisation Preusse geworden ist.