Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1903)
- Date
- 1903-11-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2651289-2651334--00826-2657638- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 46. JÜDISCHE RUNDSCHAU.____~ Seite 495. dam! gegen das iiocl! vielfach bestehende Missverständnis, dass der Zionismus die Auswanderung aller Juden nach Palästina anstrehc und führte aus. dass dies keineswegs der Pall sei, dass man aber von jedem verlangen müsse, mit allen Kräften dafür einzutreten, unseren heimatlosen Brüdern zu einer gesicherten Heimstätte zu verhelfen. Au den fesselnden Vortrag, der ersichtlich aut das Auditorium einen tiefen Hindruck machte, schloss sich eine lebhafte Debatte, in der zunächst Herr Rabbiner Dr. Vogclstein dis Wort nahm. Fr machte geltend, dass der Zionismus von der Religion, die doch das einigende Baud im Judentum bilden müsse, ganz abschc. dass diese gewissertnassen Privatsache bleibe und wandte sielt gegen das Basler Programm, dessen Endziel. die Schaffung einer öffcntiieli-rechtlich gesicherten Heimstätte für das Jüdische Volk in Palästina, er als uuerreichbar bcxcichncte. Wenn daher der Zionismus auch manches (inte geschaffen habe, so müsse er doch als eine Utopie bekämpft werden, dagegen seien die bisherige anmähligc K־״ Ionisation Palästinas und die für ihre Förderung tätigen fiese!!־ sch iften zu unterstützen. In einen unangenehm empfundenen •5׳igensntz zu dem würdevollen und vornehmen Auftreten des Herrn Dr. Vng.Jstein, dessen Rede au manchen Stehen auch von zionistischer Seite Dekali gespendet werden konnte, setzte sich der nächste Rainer. Herr I>r. Lundsberg. Er glaubte sich mit einem persöuhclieii Angriffe auf Herrn Dr. Klee entführen zu müssen den er freilich ztirückztmclmteu genötigt war. Was die Sachbellen Hinwäiuie des Herrn Dr. l.andsberg betrifft, so trat ein Gegensatz zu dem Vorredner atich darin hervor, dass er Palästinn als ein durchaus iiniruchtnares Land bezeicimete. dis zur Kolonisation völlig ungeeignet sei. Ein indisches Volk gäbe es nicht, die Juden 11 ׳tten vielmehr sei! der Vernichtung des jtiJisehen Staatsmanns als Volk zu cxistiercu aufgehört. In seiner Gegen!ede w ies IV. Klee darauf hin. dass der Zionismus, wenn er auch de.! religiösen Standpunkt des!;mzcineü unberührt lasse, doch keineswegs der Religion feindlich gegeimbcrstehc. vielmehr ma׳.״hen. der dem Judentum• völlig fremd gewotdei! und zum Abfall geneigt gewesen sei. der Indischen Religion wieder zugeführt hale. Der Zionismus wende sielt an das ge• samte jüdische Volk und schlfesse niemanden aus. der siel! an seiner Arbeit beteilige.׳» wolle. Der Redner bekämpfte sodann vkii hiitwaud, dass d e Bestrebungen dts Zionismus utopistische seien, legte deren Ausführbarkeit dar und führte als Beweis für die Existenz eines iüJischeu Volkes die gemeinsame AI»־ stammung und Oieschic!'.'.c au. . Der nächste Redner. Herr Dr. Ehrenberg. betonte im wesentlichen, dass er sich als religiöser Jude, im übrigen aber lediglich als deutscher Staatsbürger fühle und ein indisches \ olkstun! nicht anerkenne. Sehr peinlich berührte ח ich allen Seiten die Form, in welcher der folgende Redner Herr Dr. Postier, als ehemaliger Gesinnungsgenosse von Breslau her bekannt, sich mit den frülu!ren Freunde׳.» und Mitkämpfern auscinatidersetzen zu müssen glaubte, während der sachliche Inhalt seiner Rede wenig bemerkenswertes bot. Ihm erwidertv Referendar Cohn in kurzen Worten, während Dr. Klee ■eine Erwiderung nicht Mir nötig hielt. Nach einer kurzen Schlussrede des Dr. Klee wurde aus der Versammlung heraus bemerkt. dass Herr Pr. Vogelstjin sich'noch zum Worte gemeldet habe, dieses aber unbeuelnet geblieben sei. Fs wurde daher mit Rücksicht auf seine Person um! Steilung, entgegen dem allgemein gütigen Brauche, n ich dem Schlussworte des Referenten Herrn Dr. Vogelstein noch־ ntals das Wort erteilt. Fr wandte sich mit grossem Fiter gege»׳ das von Dr. Klee angewandte Z*tat: .Das Judentum wird zionistisch sein, oder es wird nicht sein“ und schloss mit dem Ausrufe: Das Judentum hat allen Stürmen der Jahrtausende widerstanden, es wird ew igen Bestand haben, nucli ohne den Zionismus. Da es bei der in der Versammlung herrschenden Erregung nicht möglicli war, •noch einmal zum Worte zu gelingen, so dürfte es gestattet sein. Herrn Dr. Vogclstein an dieser Stelle zu erwidern, dass gerade wir Zionisten seine Ueberz.cugu'tg von der U11 Vergänglichkeit des Judentums begeistert vertrete». Bei aller Ehrerbietung Herrn Dr. Vogclstein gegenüber müssen wir jedoch hinziifügen, dass das Judentum, welches Verfolguimcn ohne Gleichen durch Jahrtausende widerstünden I1.1t. stets zionistisch gewesen ist und d:e Hoiiimng auf die dereinstig.־ Wiedergeburt des jüdischen Volkes niemals aufgeeeb m bat. Das Judentum des vorigen Jahrhunderts, dem diese Huf!- nung abhanden gekommen war. hat solche Widerst »ndsfähig־ hat nicht gezeigt cs hat unter einer unendlich leichteren Belastungsprobe überall Sprünge und Risse aufgewiesen. u׳eil man ihm s#eine stärkste Stütze entzogen hatte. Dass der Zionismus dem ehrwürdigen Bau des Judentums seine alte sichere Grundlage wiedergeben werde» dass es ihm gelingen werde, לחזק את בדל! הבית davon sind wir im tiefsten Herzen überzeugt und dazu hoffen wir zu unscrni bescheidenen Teile beizntragen. Die Zionistische• Ortsgruppe in Fllehne veranstaltete am 8. November er. einen Vortragsabend, der sehr gut besucht war. Herr cand. med. Elias Auerbach-Berlin erstattete in Iftigtrer Rede, ein erschöpfendes Reierat über ״Die Rückkehr der Juden aus den; II. und III. Exil“, und erntete der Vor־ tragende für seine gediegenen Ausführungen reichen Beifall. Ferner wurde auf Antrag des Vorsitzenden der Ortsgruppe beschlossen. Professor Dr. I.azarus — ein Filehncr Khid — in das Goldene Buch eintragen zu lassen. Die Ortsgruppe Gross-Sfrehlitz veranstaltete am 2. Oktober 1:11 iwhc:׳cw3ldschcu Hotelsaal einen gutbesuchten Vortrags•;!bend. Herr Rechtsanwalt Wunderlich. Oppeln, der nun־ r.iehrige Vorsitzende des Oberscliles. Zionistischen Verbandes, schilderte in seiner Rede Zwecke und Ziele sowie das Wesen des Zionismus: daran anschliessend, referierte Rechts-;nwalt Wunderlich auch über Zürn und Ostafrika. Wegen vorgerückter Abfahrtszeit schloss die Versammlung ohne Diskussion. doch traten einige neue!Mitglieder. Herren und Damen d>׳r hiesigen Ortsgruppe bei. *•t1|lllVF>Vl* *' ■% i t i mv.tail IjsVil . . - die erste dievahrige Versammlung der hiesigen Zionistische:! Ortsgruppe juitt. Zum Diskussioasabcn J hielt Inspektor Meyer das em’citende Referat über das Ost-Afrikiprojeöt. 11! der Diskussion wurden gcgncrisehc״\seits die bekannten Emwände gemacht, diese landen aber hinrc.cnr so dass zuletzt die folgende Resolution einstimmig angeimmm .׳» wurde: ..Die l'.cut.׳ is! der ..Börse1• versammelten Xü׳::i>ic1 Hannovers sprechen nach angehender Diskussion des Or *• atrika betreffenden Kottgressbeschlusses. den Delegierten» die für diesen gestimmt, ihren Dunk aus und drücken den bewahrten Führern aufs neue ihr wärmstes Vertrauen und die Versleherumg unwandelbarer Treue aus." •nde WuJericgu! |י%יו^««י ייי^ %~P *-• ׳ v •י *% ■י* *'* ■ו►*%>* %*0 «י״* י jr «׳״־• S** %>׳« *־*# I״" ״ *£ ‘ # ־*j ן fr ן fH “״י* ■*jr Rundschau. * , י ״ - 1ין|. * % f *״W* #״ ■*״.V *,׳»*«#*•"»«* .*« w C, mjt »■* *•»» W «י «■«יי »יי»*# ’>** m. r J •U ~~2 H״!־ נ*•-: נ! ■,TVYYT.VXT^A J **i'Zi Unberwachung von Auswanderern. Das sächsische Miuisterimi! des Innern ordnet neuerdings gegenüber den von Oesterreich her die . sachsbehe Grenze übcrschreitenden 1 r e in d I ä n d i s c h c n Auswanderern eine schürierc U e 1» e r w a c h u 11 g an. Fs soll in Zukunft der Eintritt nach Sachsen nur unter folgenden Voraussetzungen gestattet werden: Die Auswanderer müssen entweder Schill־ iah! .׳skartui des Norddeutschen Lloyd oder der Mainburjg- Amerika-Linie zur Ucbcriahrt und Fisetibahnkartcn bis zum Fiuschiuuugslutfeii nachweisen können. Ferner müssen dergleichen Auswanderer eine Gewährleistung des ״Deutschen Zentral-Kotnitees für die russischen luden dafür beibringen, dass sie kostenfrei ohne Aufenthalt in Deutschland nach Amerika tmd, falls sie dort zuriiekgewiesen werden sollten, in ihre Heimat zurückgeschafft werden. In Ermangelung de! vorstehend auigefüiirten Nachweise kam! der Ucbcrtritt über die sächsische Grenze nur dann noch zugclasscn werden, wenn die Uebertretenden den Besitz ausreichender Barmittel aufzuweisen vermögen. Als solclte sind anzusehen bei gc* sundett und nicht gebrechlichen Personen, wenn sie mehr als 10 Jahre alt sind, die Summe von 400־ Mk. pro Person, bei jüngeren die Summe von 100 Mk. für den Kopf. Jüdischer Soldat in Russland zu sein ist etwa dasselbe wie die Verurteilung zum Baguostrüfliug. Zur Illustration dieses den Tatsachen entnommenen Satzes diene folgender Bericht des national-riissischeu Blattes ״Wilenskij Wjestnik“ ül»er folgende Praxis der Atishebungskommissiou jn! Nordw Ostgebiete den jüdischen Stellungspfliehtigen gegenüber: Direkt von der Aushchuugskommission aus werden die ausgeltobenen Juden als Häftlinge nach dein Gefängnisse überführt. um nach Ablauf einer gewissen Zeit per Schub in die Garnisonen geschickt