Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1903)
- Date
- 1903-11-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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* *m ו.ג.. ד- No• _!__;_JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seile 497. Golusblüten. Die״Voss|sche Zeitung“ vr>m 8. November 19! •3 enthält folgendes bezeichnende Inserat* Stolllugerlst. Km junger Mann (Christ), welcher in der Manufakturwaren-Branche gelernt, bei bebescheidenen Ansprüchen fiir mein Stoh'lagcr per bald verlangt. Schriftliche Meldungen mit Angabe bisheriger Tätigkeit persönlich , abzugebep Jl—l, 5—7. Arthur Samulon, Neu« Friedrichstr. 79 a. Nach Ausweis der gedruckten Liste der Jüdischen Gemeinde ist Herr Arthur Samulon, Neue Friedriehstrassc 79 a, wahlberechtigtes Mitglied der Berliner Jüdischen Gemeinde. Wir geben hiermit seine Adresse der ״Toleranz" an, damit sie ihn zu ihrem deutschnationalen Judentum freundlichst einladen möge. Den Mann sollen sie sich Ja nicht entgehen lassen. ־־־־־־——- Kleine Chronik. ^rllL In Cassel sprach am Sonnabend, dem 31. Oktober. Herr Assessor Pr. Friedctnann aus Wiesbaden über das Thema: ״Der Zionismus und Ostafrika". Da man dem Zionisnms vielfach wegen seiner nationaljiidischcn Bestrebungen noch misstrauisch gegenübersteht, so legte der Redner gerade hierauf den Schwerpunkt seines Vortrags. Mit hinrcissuider Beredsamkeit zeigte er, wie schmachvolle Assimüruionssucht unsere heutige Zurücksetzung zur Folge hatte, und wie wir nur dann auf eine Besserung unserer Lage rechnen können, wenn wir uns aut uns selbst besinnest und wieder .luden wer* den. Was der glänzendsten Schilderung eines jüdischen Zukunftssiaaus nicht gelungen wäre, brachte der feurige Appell au das jüdische Nationalgeiiihl zu Wege: in manchem Zuhörer wurde das längst erloschene Interesse ihr das Judentum wieder wach, und wenn auch nicht alle Zionisten wurden, der Kindruck jener Rede wird unvergesslich bleiben. Von den anwesenden Damen und Herren meldeten sich sofort 30 als Zionisten, denen weitere folgten, sodass die Gruppe jetzt etwa 70 Mitglieder zählt. Juden brauchen nicht gesund zu werden. Wfie der ״Krymskij kurijer״ meldet, wird mit dem 1. Januar 190*1 samtliehen Juden, auch kranken Juden, welche von den Aerzten ־nach den! Stiduter der Krim geschickt worden, der Aufenthalt in Yalta und seinem Bezirk bedingungslos verboten werden. (״Welf). ״Die Liebe Ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht und treibt keinen Mutwillen." Diese Liebe soll die Grund- ״ läge der modernen Krankenpflege sein. Die ״Bakinskija Iswestija" publiziert nun einen Krlass. welchen der Gouverneur von Baku an sämtliche Polizeichefs des Gouvernements gerichtet hat mit der Aufforderung, den Inhalt des Krlasses an alle in] Gouvernement Baku wohnenden Juden bekannt zu geben. Dieser Krlass hat folgenden Wortlaut: ״Im Jahre 1S91 wurde den jüdischen Handwerkern, und 1892 den alten, ausgedienten jüdischen Soldaten und ihren Familien der Aufenthalt in Moskau verboten. Gegenwärtig hat Seine kaiserliche Hoheit der Generalgouveritcur von Moskau, das Ministerium des In-, her» aufgefordert, Massnahmen zu ergreifen, um die Z u r e ise von kranken Juden zu verhindern, welche in Moskau . eintreffen, um ein dortiges Spital oder eine dortige Klinik ohne vorherige Krlaubnis der Moskauer Behörden auizusuchen. Infolge dessen hat nunmehr der Minister des Innern beschlossen, zum Zwecke der Verhinderung des Aufenthaltes kranker Juden in Moskau die Gouverneure aufzutordern, den in ihren Gottvernements lebenden Juden bekanntzugebcii, dass künftighin der Aufenthalt kranker Juden in Moskau nur mit vorheriger Krlaubnis des Moskauer Oberpolizeimeisters zugelassen werden wird." Diese. Krlaubnis aber wird nur ganz besonders reichen Juden zu teil. Denn der reiche Jude und der getaufte Jude sind ja doch die ,besseren Juden". (״Welf). *lieber die Juden In Homcl lügen die pflichtvergessenen Behörden allerlei zusammen. Die Pariser ״Petite Republique" des 5. November bringt folgende Mitteilung ihres russischen Korrespondenten, die den besten Beweis dafür gibt, dass die gegen die Juden von Hornel erhobenen Beschuldigungen rein erlogen sind. In seiner Nummer vom 5. September erzählte zum Beispiel der Prawitelstnij Wjestiwk von einem Sergeanten der 6. Kompanie des Infanterie-Regiments Abasia der, ‘im Augen• blick, wo er einen Juden habe packen wollen, von Ihm einen Messerstich erhalten habe. Nun wurde aber fcstgcstellt. dass der genannte Unteroffizier gerade an diesem Tage den Wachtdienst in de!׳ Kaserne verrichtete und also nicht atisgchcn konnte. Die Militärbehörden habet! überhaupt gegenüber d:n unwahren Angaben der Zollbehörden wahrheitsgemäss konstatiert, dass kein Soldat verwundet sei. Paris, In seiner letzten Sitzung beschloss das Zentralkomltep der Alllance Israölite Universelle ein Bureau in B e rlin zu gründen. Ferner wurde ein Ausschuss gewählt, der sich mit der Frage der Einführung der Handarbeit in den Schulen der Allianz befassen wird. Der jetzige Zeitpunkt ist für die Behandlung dieser Frage deshalb l>esonders geeignet, weil die jetzt aus der Keole Normale in Autcuil hervorgehenden Lehrer fähig sind dic*sen Unterricht zu erteilen. Dank der Initiative des Konsul Simon, der fiir das Lehrerseminar das erforderliche Handwerkszeug gestiftet hatte, ist seit zwei Jahren Tischlerarbeit dort fiir alle Zöglinge obligatorisch. Bei Herstellung der grossen Bibliothek, welche die Allianz soeben auf dem Grundstück der Keole normale orientale erbaut hat. sind alle Tischlerarbeiten von den zukünftigen Lehrern selbst ausgeriihrt. Im Wcissen Hcyjs In Washington, wie die **Columbia" schreibt, wird jetzt eine Flagge der Zionisten aufbewahrt. Der Baltimore!" Zkmisten-Vereia Fzras Chovcdi hat eine Zionistenflagge den! ,Präsidenten Roosevelt als Geschenk übersandt und darauf durch Herrn Leb, dessen Privarsekretär, ein Schreib *! erhalten, in welchen! mitgeteilt wird, dass Herr Roosevelt die Flagge im Namen der Bundesregierung uauken i an nehme und iiir ihre Aufbewahrung an geeignetem Platze sorgen werde. An die Zionistische Vereinigung in Budapest richtet Dr. A. Nossig einen in der ״Ungarischen Wochenschrift“ abgedruckten Brief, Dieser schiltsst mit den Worten: ״tmset Programm darf nicht mehr ״Kampf gegen die zlonistisehen Führer", sondern muss ״positive Arbei: fr» r Palästina lauten. --•** Also was bisher das Programm der Herren Nossig und Comp. war. wissen w ir mm aus kompetenter Quelle. Der Verein zur Förderung de? Gurtenbryiur:d H?.r,׳]fertigkcitsutttCrrieht in den jüdischen Volksschulen hielt i:1 Hannover seine Generalversammlung ab, aus de! sich ein Bild von der Tätigkeit des Vereins entnehmen Hess. Der Verein bestellt seit 1885 und ist bestrebt, die Liebe zum Handwerk und zum Gartenbau unter der jüdischen Bevölkerung zu vermehren. Zu diesen! Zwecke hat er hier eine Lildun..?ar;stait errichtet, in der von Fachleuten Unterricht in Pa Schnitzetc. Arbeiten erteilt wird. Mit der Gartenpflege ist auch Bienenzucht verbunden. An dem Unterricht beteiligen siel! sowohl die Scminaristen wie die Volksschi'ler, erstere deshalb, um in ihrer späteren Lehrtätigkeit die erworbenen praktischen Kenn misse überallhin in jüdischen Volksschulen zu verbreiten. Eine sehr interessante Statistik über die Beschäftigung der jüdischen Bevölkerung im Wes!gebiet veröffentlicht der halb* amtliche ..War«chaw$ki Dnewnik“. Es erweist sieb, dass die Zahl der jüdischen Arbeiter auf den Fabriken in! Ansicdclungsrayon des Nordwestgebiets 22 279, des Siidwcstgebiets 95% und in SiiJrussiand 2058 Mann beträgt. Was das Handwerk betrifft, das die Juden der genannten Gebiete betreiben, so entfällt der stärkste Prozentsatz mit 38.71 Prozent aut die Schneider, alsdann folgen Schttsier mit 17.!)*! Prozent und d|- verse Gewerke mit 11,57 Prozent. Der Prozentsatz der jüdP scheu Fabriken w ird im Nordwcstgebiet auf 51, im Südwestgebiet auf 33,9 imd in Sitdrusslaiid apt 23.9 Prozent veraijschlagt. Ueber die Verbreitung des Ackerbaues unter den Juden werden folgende Angaben gemacht: Die Zahl der landwirtschaftlichen Kolonien beträgt 301 mit einem Landbesitz von 10U 107 Dessjatin Land und 68 959 Seelen. Das Wachstum der jüdischen Bevölkerung finden wir durch folgende Zahlen ausgedrückt: in der Periode von 1850—IS60 wuchs die jüdische!Bevölkerung um II Prozent, 1870 um 13,4 und 1897 um KOI Prozent, ln den 11*1 Städten des Wechselgebiets'hebet sich die jüdische Bevölkerung in 66 Städten aiif‘50 Prozent und in Warschau ag! eia Drittel der Bevölkerung. Die Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg hielt ihre diesjährige Generalversammlung unter dem Vorsitz des Predigers Dr. Rieger ab. Der Vorsitzende begriisstc die Anwesenden und teilte mit, dass die Gesellschaft immer mehr an Mitgliederzahl zunehme. Einen fast unersetzlichen Verlust habe die Gesellschaft dadurch erlitten, dass der Begründer und langjährige Vorsitzende derselben, Rabbiner Dr. Grünw*ald, seinen Wohnsitz nach Wien verlegt habe, doch werde * Dr. Gruuwald nach wie vor seine Kräfte der Gesellschaft widmen und hoffentlich auch die Redaktion der Mitteilungen der Gesellschaft behalten. In anbetracht der grossen Verdienste,