Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1903)
- Date
- 1903-11-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 46. Seite 494. JÜDISCHE RUNDSCHAU. 1 I Vorbehalten bleiben. Es gibt aber Momente, in denen das lustige Spiel zum Vorspann des ernsten Gedankens wird. Von unserem nationalen und politischen Standpunkt aus frage ich deshalb: wie würde Mommscn sich zu ihm gestellt haben? — Er war Nationalist,׳ nicht im Sinne eines ängstlichen Scheu- '׳’klappennationalisanus, sondern Nationalist zum Zwecke eines vernünftigen!Oosmopolitismus. Diese beiden Momente, gepaart mit einem unvergleichlich fein gestimmten Edelsinn, schufen seine bekannte Stellung zur .fudenfrage. Um sic richtig zu charakterisieren, muss ich das eben ausgesprochene Wort w'idcrrufeu: er ging nämlich an sic heran, nicht als au eine Judcufrage, sondern vom Standpunkte des Deutschen als an eine Deutschenfragc. Nur unter diesem Gesichtswinkel ist seine Stellungnahme zu verstehen. Die innere Berechtigung dieses Standpunktes liegt aut der Hand. Um zu der Frage zurückzukehren: was hätte er al>er gesagt der Erscheinung gegenüber, dass die Judcufrage aus dem Schatten der Synagoge hcraustrat und auf Grund eines durch die Grcnzptähle nicht getrennten Solidaritätsgefühls im Lichte einer nationalen Politik als Judcufrage ihre Lösung heischt? Er konnte die Grundlagen, aus denen unser Denken erwuchs, nicht aus sich hcratislmlen, sondern musste mit denjenigen rechnen, welche sich ihm vom jüdischen Lager her bitten. Darum war trotz des gleichen Inhalts mit dem alles besagen* den Unterschied, dass er auch die Assimilation mit allen ihren Konsequenzen, bis zur Taufe, vertrat, wenn er auch letztere für das Deutschtum nicht zur Bedingung machte ■ seine Autwort eine andere als die. welche moderne Assimilationsignoranz auf Grund von der Vorsehung diktierter und von ihren! Blick erschauter Gesetze auf Gassen und Märkten in widerlichem Bettel anpreist. Denn auch er kannte kein audcies Gesetz als dasjenige, welches aus der Persönlichkeit fliesst und als Offen־ barung der Zeit in den Besten um seinen Ausdruck ringt. - - - Es ziemt, vorwärts zu blicken. Am Wegrand liegt ein frisches Grab, vor dem tönt ein gar wundersames Singen durch die ewige Zeit. Im starken Ausschreiten neige ich mein Ohr, und zu mir dringt das Siegerwort, dass neues Wollen neues Werden schafft. Columbanus. ff Aus der Bewegung. Distriktsbureau Mannheim. Durch den Tod des Gesinnungsgeiiossen Sigmund S e e l i g in Mainz hat unser Distrikt einen schmerzlichen Verlust erlitten. Der Verstorbene hat in Mainz und Rhoiuhesseu eine rege Tätigkeit im Dienste unserer Sache entfaltet. Auf dem letzten Kongresse war der liebenswürdiger, lebensfrohe Gesinnungsgenosse ein gew issenliaftcr eifriger Delegierter, der auch unsere deutschen Landsmanuschaftssitztingen regelmässig besucht hat. Unser Distniktsbiireau weiht dem früh verschiedenen, vortrefflichen Freunde eine ehrendes Gedenken. Die Akademische Untergruppe der Berliner Zianistischen Vereinigung halt am Montag, dem 16. Nov., abends pimkt 9 Uhr in Cassels Notel, Bnrgstr. 16. eine Oencral-Versam mlii ng ab. Diese Gruppe ist mit grossen Hoffnungen gegründet worden: sie haben sich jedoch int Sommer-Semester mir 7.1t einem sehr geringen Teil verwirklicht. Es lag das vor allem an einer viel zu geringen und zn wenig energischen Beteiligung, sowie an der schlechten Organisation des Palästinakursus. Um diesen Missständen mit Rat und Tat abhelfen zu können und der darniederliegenden Gruppe wieder frische Kräfte zu verleihen, werden alle zio- 111 s t i s c!1 c 11 Akademiker dringend um i 11 r E r s c 11 c i 11 e!1 e r s u c 111. J. A.: F. J a cobsoh 11, N. 24, Linienstr. 114. Berlin. Montag, den 16. d. M., findet im oberen Saal des Dräser.schen Etablissements, Nette Friedrich- Strasse, eine Versammlung der Mitglieder der Berliner Zionistischen Vereinigung statt. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Ernst Tuch über: ״Der Zionismus und seine Stellung zu der Frage: Ist es ratsam, einen Teil der jüdischen Bevölkerung auch in den jetzigen Wohnländern zum Ackerbau iiberzuführe״?“ Diskussion, (}äste herzlich willkommen. Besondere Einladungen werden nicht versandt. Das Distriktsbureau Mannheim ersucht die Ortsgruppen und Vertrauensmänner wiederholt um schiennige Aufgabe ihres Bedarfs au Sammelbüchsen f ii r den N a t i 0 n ä 11 o n d , da nur bei gleichzeitiger Bestellung von mindestens 100 Stück der von der Fabrik gewährte Vorzugspreis in Betracht kommt. Gedenket des Scheites־-. 'et Berlin. 'די«%*.— «■ זיי׳״ז־מי^י«•»!**?*•»!fjrfjQ Dienstag. den IO. d. M.. fand in Feuersteins. Fe־.*'״ saal. Alte .lac׳>!\sir. 75. eine Pistriktsvcrsammhmg Mau. in der Herr IV. Theodor Zloeisti über das Thema ..Was w ill der Zionismus?” teierkrie. Der RcJiui setzte in einer schönen Dursuümig die Prinzipien des ZinmsmtiN ■־<use!:׳:oul.r und versfm. merksamkcl: 4*. uiti ► «• v 1 ויין 1 » י ׳־, t י vt » ei 1 ».eine• י\« י *«»* Resultat dieses Abends war sehr erfreulich. Es sind der Herl, zionist. Vereinigung 10 neue Mitglieder beige!reten, ausserdem wurde wie immer für den National:•■;;,! gesammelt, und auch nach Share-Club-Markeii v.ar ziemlich grosse Nachtrage. 1 die Hörer bis zum Schluss!1! gespannter Autzu erhalten. An den Vortrag schloss sich eine Diskussion..die um ,vU l'hr ihr Ende erreichte; Das äussere . Berlin. Am Donnerstag, den! 5. November, fand in Haberechts Festsäk•::. Grosse Frankfurterstr. «?•׳. eine Distrikts- Versammlung statt, in der Dr. .Max Jung m a!! n iiher das Thema ..\V c s e n u 1׳ d B e dcut t! 1! g der z i o a i s t i - scheu Bewegung" referierte. Die Diskussion gestaltete sich recht lehbcft. Es träte!, an diesem. Abetui!7 neue M*tglieder der Vereinigung bei. ausserdem wurde eine erhebliche Summe tiir den National«•-nd gesammelt und einige Aktien der jüdischen Kolonialbatik verkauft. il. Berlin. Die Freie Verbindung ״H;1 s 11! o 11 a c a“ Kgaun am 7. Vf. das IV. Semester ihres Bestehens mit einem überaus glänzenJ verlaufenen Antrittskommcrs. Die Tendenzrede hielt stud. med. Unna: es sprachen ausserdem die Vertreter der ..Vereine Jüdischer Studenten“ zu Berlin und Charlottenbiirg. Herr stud. nieJ. dent. Scltereschewsky vom ״Verein Herzl“ zu Kön:gsberg. der A.-H. Herr Dr. K 1 e e, Herr Dr. Ludwig Liicwc im Namen der Gäste und Herr Ephraim Cohn aus Jerusalem, Direktor des zu gründenden Lehrerseminars in Jemsalcm. Eine lustige Eidulität hielt die Anwesenden bis spät '11 die Nacht hinein beisammen. --- Zu Chargierten für das Wintersemester 19*•3/04 wurden gewählt: stud. ehern. Oscar Treidel*, stud. med W. 111111 a* *. caud. chein. E. Edelstein XXX. J. Stettin. Atu 26. Oktober eröffnete vlie Stettiner Zionistische Vereinigung das Wintersemester nrl einem Vortrage des Dr. K lee-Berlin, der vor einer aus allen Kreisen der hiesigen Gemeinde stark besuchten Versammlung über das Thema ״Der Zionismus und seine Gegner“ sprach. Dr. Klee setzte in 11׳vstiindiger. oft von stürmischem Beifall uiiterbroehctier Rede, die Ziele des Zionismus auseinander, indem er *betonte, dass die von den Zionisten vertretene Ide: einer Wiedervereinigung des indischen Volkes auf seinem alten Boden keineswegs etwas ganz, neues sei. sondern von jeher dem Gedankeumhalte des Judentums au׳־el1ört habe. Der Redner erörterte dum! die trostlose Lage der überwiegenden Mehrheit unserer Staittmesgei'ossen und die auf Beseitigung der Judemiot gerichteten Bestrebungen, um sieh darauf dev Widerlegung der von den Gegnern des Zionismus erhobenen Angriffe zuzuw enden. Den Vorwurf der Zionismus widerspreche der Religion, der mehr und mehr verstumme, berührte der Redner nur nebenher mit wenigen Worten. Um so eingehender legt : er Verwahrung dagegen ein, dass die zionistischen Bestrebuugeit mit dem Patriotismus unvereinbar seien. In eindringlicher Rede widerlegte der Vortragende diesen Vorwurf, indem er in überzeugender Weise naehwies. dass die staatsbürgerlichen Rechte und Püichten durch den Zionismus nicht berührt, geschweige denn in Frage gestellt würden. Er wandte sich als- \